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„Smombie“ Jugendwort des Jahres oder kreative Neuerfindung zu Marketingzwecken?

„Smombie“ ist das neue Jugendwort des Jahres 2015. Es beschreibt jemanden, der von seiner Umwelt nichts mehr mitbekommt, weil er nur noch auf sein Smartphone starrt.

Doch wer von uns hat diesen Begriff schon jemals gehört? Ist dieses Kofferwort einfach nur eine Neuerfindung mit möglichst aktuellem Bezug oder wird es wirklich genutzt?

Nach der Bekanntgabe des Jugendwortes 2015 gab es viel Verwirrung und Unmut auf den sozialen Netzwerken. Der Youtuber Oguz Yilmaz (Teil der Gruppe YTitty) fragte auf Twitter seine über 200 Tausend Follower ob sie das Wort schon jemals benutzt hätten. Die Reaktionen sind eindeutig:

Mit über 4700 Votes (zur vermuten in der Zielgruppe) ist dies ein eindeutiges Zeichen das am tatsächlichem Gebrauch des Wortes zu zweifeln ist.

Auch die mediale Berichterstattung in Online-Artikeln und später Fernsehbeiträgen mit Strassenumfragen lässt andeuten dass vielen der Begriff fremd ist. Dies liegt jedoch nicht daran dass die Befragten zu alt sind sondern schlicht dass der Begriff unbekannt ist.

Nun stellt sich die Frage wer überhaupt hinter diesem Jugendwort steckt?

Der Langescheidt-Verlag sucht seit 2008 jährlich das „Jugendwort des Jahres“ in Zusammenarbeit mit Jugendzeitschriften (Bravo, Yair), Puls (dem Jugendsender des bayrischen Rundfunks), der Arche, taff und der Jugendpresse Deutschland.

Ihr offizielles Ziel ist es die Jugendsprache zu dokumentieren, jedoch wird dem kritischen Betrachter schnell klar, dass das ganze Teil einer Werbeaktion für das Langescheidt-Lexikon „100 Prozent Jugendsprache“ ist. Allein deswegen ist die Legitimität dieser Wahl schon sehr anzuzweifeln.

Wie kommen sie jedoch auf das Jugendwort?

Auf ihrer Website können Vorschläge eingereicht werden, die Top 30 landen in einer Online-Umfrage bei der jeder anonym abstimmen kann. Aus diesen 30 werden 10 ausgewählt, die einer 20-köpfigen Jury aus Sprachwissenschaftlern, Jugendlichen, Pädagogen und Medienvertretern vorgelegt werden.

Die wichtigen Kriterien für ihre Wahl des Gewinners sollen sein: sprachliche Kreativität, Originalität, Verbeitungsgrad sowie gesellschaftliche oder kulturelle Ereignisse, die die Sprache der Jugendlichen beeinflussen

Warum sind dann die Ergebnisse so realitätsfern? Wird hier ein zu hoher Anspruch and die Jugendsprache gestellt oder geht es eher um das kreativste Wort mit der höchsten kulturellen Relevanz? Auch ist anzuzweifeln ob der Langenscheidt Verlag mit dieser Aktion nicht einfach nur Inhalt für sein Lexikon sucht und gleich noch die entsprechende Werbung dafür bekommt.

Wolfgang Gaiser vom Deutschen Jugendinstitut sagt dazu: „Das hat wohl eher was mit Verlagsmarketing zu tun als mit Sozialforschung über das, was Jugendliche sprechen, über das, was Jugendliche denken. Mit solchen Spielereien Aufmerksamkeit für Verlagsprodukte zu erzielen und Leserschaften zu binden, ist ein geschickter Marketing-Gag. […] Wenn Spaßformulierungen herausgehoben werden, als ob sie das Sprach- und Denkniveau der Jugend heute wären, verzerrt dies das Bild über die Jugend von heute.“

Wie könnte man das ganze aber besser machen? Mein Vorschlag wäre die Jury wegzulassen und stattdessen den Fokus auf die eigentliche Zielgruppe zu legen und dementsprechend zu versuchen eine breite Masse über die Sozialen Medien dazu anzuregen abzustimmen und sich zu beteiligen. Nur so kann ein anmaßend repräsentatives Ergebnis erzeugt werden.