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WhatsApp Chatbot der Öffentlich-Rechtlichen – Die Zeitung der Generation Y?

Der Tag mit Novi

7:30 –  „Guten Morgen (Kaffee-Emoji)„, wünscht mir Novi und stellt mir Anschluss die 3 wichtigsten Themen des Tages vor. Novi ist der Whatsapp Chatbot der Tagesschau,entwickelt von ARD und NDR für das öffentlich-rechtliche Jugendangebot „funk„.

Morgens gegen 7:30 stellt er mir die 3 wichtigsten Themen des Tages vor. Eine Überschrift wie sie in der Zeitung stehen könnte, dann zwei bis drei Sätze die das Thema weiter erklären. Die obligatorischen Emojis, dann folgt der Link zum dem Artikel der Tagesschau, den auch die restlichen Nutzer des Tagesschau Internetangebots über App oder Website abrufen können.
Je nach Möglichkeit wird der Nachricht noch ein Bild, GIF oder ein kurzes Video beigefügt.

Abends gegen 18:30 kommt die nächste Nachricht von Novi – drei Themen im gewohnten Format (wie morgens). Die Besonderheit der Abend-Nachricht ist jedoch, dass ein weiteres Thema aufbereitet wird – „ausführlich“. Dazu wird die Thematik mithilfe von drei Fragestellungen abgearbeitet, man will den Millenial schließlich nicht überfordern. Vergleichsweise kurze Satzstrukturen, visuell unterstützt durch Emojis und der in Whatsapp möglichen Textformatierung.

Die dritte Nachricht die Novi mir schickt ist keine die planmäßig verschickt wird. Wie das Blitz-Emoji am Anfang der Nachricht bereits signalisiert, handelt es sich hierbei um eine Eilmeldung: „Das britische Unterhaus hat heute Abend den Brexit Deal mit der EU abgelehnt“ updatet Novi um 21 Uhr die um 18:30 vorausgegangene Nachricht.



Was genau ist ein Chatbot?

Chatbots sind Dialogsysteme, welche mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Kontakt mit realen Personen treten. Dies geschieht in der Regel über Online-Angebote wie Facebook, Telegram und Whatsapp. Sie erklären z.B. Produkte und Dienstleistungen ihrer Betreiber in dem sie auf einfache Fragestellungen antworten können.
Dieser Definition nach ist es fraglich ob „Novi“ in Whatsapp als Chatbot anzusehen ist. Novi ist es noch nicht möglich auf Rückfragen zu reagieren, zumindest in Whatsapp. Der Konkurrent „Telegram“ verfügt bereits über die Möglichkeit mit Novi zu interagieren. Dort kann man mit vorgefertigten Antworten mehr Infos über ein Thema abfragen oder zu einem anderem Thema wechseln. Bei der internen Konkurrenz, dem „Facebook-Messenger„, ist dies auch so.

Die Sprache

Sprachlich sind die Nachrichten von Novi überwiegend neutral, jedoch wird dies durch einzelne Formulierungen aus der Umgangs- oder Jugendsprache ergänzt. Zudem wird die Ernsthaftigkeit mancher Beiträge durch den übermäßigen Gebrauch von Emojis herabgesetzt.
Die Themen werden so ausgewählt, dass sie sich nicht täglich wiederholen. Es sei denn unerwartete Änderungen finden statt. Das sorgt dafür, dass ein großes Themenfeld abgedeckt wird, zwar in begrenztem Umfang, die Leser bleiben so auf dem aktuellen Stand und können bei Bedarf auf die Links der Tagesschau-Website zurückgreifen.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Chatbot Novi, trotz der jugendlichen Sprache, ein guter Vorstoß der Öffentlich-Rechtlichen ist, um die vermeintlich „unpolitische“ Generation zu erreichen. Es ist davon auszugehen, dass Chatbots erst im Kommen sind. Mit Intensivierung der KI-Forschung können immer mehr Funktionen erfüllt werden. Bereits jetzt verkaufen oder informieren Geschäfte mit Hilfe von Chatsbots (Bsp: ebay). Sogar die Politik interessiert sich für Chatbots oder macht Gebrauch von ihnen wie die Einführung eines Chatsbots der CSU, während des Wahlkampfes zeigt

Bloggingfieber erfasst Tagesschau

Die Internetpräsenz der Tagesschau will attraktiv sein und geht daher mit dem Trend, indem sie auf den Zug der Internetblogs aufgesprungen ist. Schons seit einiger Zeit können wir daher auf der Website einen Reiter mit der Aufschrift „Blog“ bewundern.

Wer die Tagesschau kennt, der wundert sich angesichts dessen vielleicht etwas. Bei dem Titel der Nachrichtensendung klingelt höchstens der allbekannte Eröffnungsjingle im Ohr, nicht aber die Assoziation mit Blogs.
Die Tagesschau ist die älteste Nachrichtensendung Deutschlands und wurde gestern von immerhin 3,55 Mio. Deutschen verfolgt. Sie gilt als seriös und wird im Vergleich zu den Nachrichten der Privatsender als etwas steif beschrieben.
Vielleicht ist es genau dieses etwas konservative Image, dem durch den Interblog entgegengewirkt werden soll. Aber genug der Spekulation über die Martketingstrategie der ARD.
Die Blogeinträge werden von den Auslandskorrespondenten der Tagesschau geschrieben. Es gibt auch eine Vlogversion, die im Vergleich zu vielen im Internet zur Verfügung stehenden Vlogs nicht nur eine Person vor krisseligem Hintergrund zeigt, sondern professionell gedreht und geschnitten ist. Man merkt also, dass das Projekt der Tagesschauredaktion durchaus wichtig ist und an finanziellen Mitteln nicht gespart wird.
Was die Themenauswahl angeht, so findet man diverse Bereiche wieder.
Hier einen Bericht über Deutsche Fahrzeuge in Afghanistan, dort über einen Gitarrenhersteller in Polen. Die Sprache der Korrespondenten passt sich sowohl in den Vlogs als auch in der schriftlichen Ausgabe dem jeweiligen Thema an.
Im Blog „Paris, c’est la vie“ beschreibt Michael Strempel klar und nüchtern die Wahl des französischen Präsidenten, während sein Kollege aus New Delhi seine Geschichte vom gebrochenen Arm locker zum Besten gibt:

„Am nächsten Tag ins Krankenhaus. Moderner als in Deutschland. Die Notaufnahme bestand aus vielen Betten, durch Vorhänge getrennt. Vielleicht fünf Ärtze bestaunten meine Hand, bis der Orthopäde kam. Ein Gips, dann nochmal röntgen. Den bereitstehenden Rollstuhl lehnte ich ab. Was niemand verstehen konnte.“

Deutlich wird an diesem Beispiel: so subjektiv geschrieben der Text auch ist, er schafft es die Distanz zwischen New Delhi und Trier kleiner wirken zu lassen.
Durch das lockere Geschreibsel des Korrespondenten über sein (nach Nachrichtenfaktoren als unbedeutend einzustufendes) persönliches Indienereignis erfährt man ein Stück vom Alltag des Landes, was zum besseren Kulturverständnis nie schaden kann.
Klar dabei sollte aber eben sein, dass ein Blog keine ausschließlich auf Information ausgerichtete Nachrichtensendung ist und daher die Perspektive des Autor beim oft lustigen Geplauder noch mehr zum Tragen kommt als bei der herkömmlichen Fernsehtagesschau.

Für mich sind die Korrespondentenblogs ein schönes, gut aufgemachtes Extra, das zwar etwas aus dem Rahmen der Internetpräsenz der Tagesschau fällt, aber nicht minder interessant ist.
Wer einmal hereinschauen will, der sollte also im Klaren sein, dass es sich speziell bei den Vlogs eher um Entertainment als Nachrichten handelt.

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Strempel, Michael: Wenn aus Merkozy Merkollande würde … (18.04.2012): http://www.tagesschau.de/videoblog/paris_cest_la_vie/videoblogparis168.html (abgerufen am 20.04.2012)

Halász, Gábor: Unfall, Gips und was ich über Indien lernte (11.01.2012): http://blog.tagesschau.de/author/halasz/ (abgerufen am 20.04.2012)

Quoten der ARD: http://www.daserste.de/programm/quoten.asp (abgerufen am 20.04.2012)

Versprecher bei der Tagesschau

Oh Mann, wie lustig. Wie tief hat denn der Kommentar-Sprecher der ARD ins Glas geguckt?

In der gestrigen Tagesschau war ein kurzer Bericht über den Karneval in Köln zu sehen. Dabei verhaspelte sich der Sprecher zunächst bei dem Wort ?traditionell? und dann fabulierte er sich ganz eigene Wörter im Bezug auf die Umzüge zusammen. Zu sehen in der ARD Mediathek ? Tagesschau 14.02.2010, 20:00 Uhr.

Herrlich, vor allen Dingen da es sich ja nicht um eine Live-Übertragung sondern um eine Aufzeichnung handelt, man hätte ja die Möglichkeit zur Korrektur gehabt.

Passt ja zum Karneval. Als dann, Helau!