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Heise, Bild und die Japanophilen

Wie genau war das heute im Seminar zur Medienkritik? Die journalistische Sorgfaltspflicht besteht damals wie heute? Zwar wurde in der kurzen Zwischendiskussion in Frage gestellt, dass gewisse Medienformate sich nicht unbedingt an alle Grundsätze halten ? die Nachrichtenagentur Heise zählte für mich persönlich aber eher nicht dazu.

Trotzdem liefert mir Heise.de mit folgender Meldung heute direkt eine Steilvorlage.

Nun wird Ottonormal-blogger erstmal nichts Ungewöhnliches auffallen. Verfolgt er aber den Link zu der erwähnten Seite Jugendszenen.com, wird er vergeblich eine Szene namens ‚Visual Kei‘ suchen. Wie also ist der Verfasser dieser Meldung bloß auf den Begriff gekommen? Hat er sich einfach blind auf die Worte des Herrn Tepe verlassen, ohne einmal selbst die Seite zu besuchen?

Klar ist: gemeint ist die Cosplay-Szene. Die Mitglieder dieser Szene stellen fiktive Figuren aus Manga? und Anime dar, und das für gewöhnlich nur während einem Szenetreffen ? aber nicht im Alltag.

Visual Kei dagegen entlehnt sein Auftreten der japanischen Musik-Szene. Die Mitglieder tragen auch gerne im Alltag ihren Visual-Stil. Sind aber wiederum nicht zu verwechseln mit Gothic Lolitas oder Punks. Genaueres über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der einzelnen Gruppen lässt sich im Bericht über die Cosplay-Szene erfahren (Unterpunkt ?Relations?).

Man möge mir die Nörgelei an kleinen Details in einem einzelnem Artikel aus dem Netz verzeihen. Aber es sind genau solche Fahrlässigkeiten in der Berichterstattung, die immer wieder ein falsches Bild von der Anime- und Mangaszene zeichnen.

Genau gesehen bewegt sich Heise mit dieser Meldung ziemlich auf Bildniveau. Sowohl Print-Ausgabe als auch Online-Variante stellten kürzlich „neu entstandene“ Typen von Jugendlichen vor, darunter den ?Animexxler?.

Nun bin ich zwar ebenfalls auf dem Portal Animexx.de unterwegs. Dies bedeutet aber nicht, dass ich (und sehr viele andere Animexxler, wie ein Großteil interner Forenkommentare zeigte) – Visual Kei höre und schon gar kein Tokio Hotel. Genauso wenig möchte ich, mit dem Hobby Cosplay, als ‚?Visu? bezeichnet werden.

Bei Bild.de wundert mich die undifferenzierte Betrachtungsweise der heutigen Jugend nicht. Von heise.de dagegen hätte ich etwas mehr Sorgfalt erwartet. Obwohl, was heißt erwartet? Die wenigsten Nachrichtenformate bekleckerten sich bisher mit Ruhm, wenn sie über Subkulturen wie die Anime- und Mangaszene berichteten.

Edit: Mittlerweile hat der Bericht von Heise weitere Verbreitung gefunden. Diesmal sogar mit Fotos von „typischen Visus“. Sprich: Eigentlich Cosplayern.

Quellen:

http://www.heise.de/newsticker/meldung/99182

http://www.bild.t-online.de/BTO/news/2007/11/01/deutschland-jugend/mode-neu,geo=2826948.html

http://www.jugendszenen.com/

http://www.derwesten.de/nachrichten/kultur/szene/2007/11/18/news-5360820/detail.html