Presserat möchte auch Onlinepublikationen kontrollieren

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Am 06. November gab der Deutsche Presserat bekannt, dass er sich künftig auch für „journalistisch-redaktionelle Onlineangebote von Presseverlagen“ zuständig fühle. Konkret bedeutet dies, dass sich nun auch die entsprechenden Anbieter dem Deutschen Presserat anschließen können, so sie denn dem Pressekodex zustimmen und „sich der Spruchpraxis des Presserats unterziehen“.

Welche Folgen hat diese – reichlich spät erfolgte Öffnung – nun in der Praxis?

Nun zum einen, ist es natürlich generell positiv, wenn sich auch Internetpublikationen zu journalistischen Grundsätzen bekennen und dies durch eine Mitgliedschaft im Presserat bekräftigen und auch die damit einhergehende Schaffung einer zentralen Instanz für Beschwerden ist zu begrüßen.
Allerdings sollte die Öffnung nicht überbewertet werden, denn der Presserat ist mehr oder weniger ein zahnloser Tiger – dies zeigt schon ein Blick auf die – euphemistisch „Sanktionsmöglichkeiten“ genannten – Maßnahmen die bei einem Verstoß gegen den Pressekodex ergriffen werden können. So kann es kaum verwundern, dass zum Beispiel bei der Zeitung mit den vier großen Buchstaben, die Rügen des Presserats mehr als Zierde, denn als Makel gelten. Man könnte sogar soweit gehen und sagen, dass in diesem Fall die Rügen quasi eine Art Qualitätssiegel sind – schließlich garantieren sie, dass der Leser hier bekommt was er erwartet.

Entsprechend ist nicht zu erwarten, dass es nun zur großen „Qualitätsoffensive“ bei deutschen Onlinepublikationen kommen wird, eher wird alles bleiben wie bisher. Grund hierfür ist auch die (zu) spät erfolgte Öffnung gegenüber dem Internet beim Presserat – immerhin brauchte man nur ein gutes Jahrzehnt um zu merken, dass es auch im Internet journalistisch-redaktionelle Angebote geben kann.

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