Bundeswehr Exclusive – eine raffinierte PR-Strategie

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Ende des letzten Jahres startete auf YouTube die bundeswehreigene Webserie „Die Rekruten“, welche vor allem Jugendliche dazu anwerben sollte, über eine Ausbildung bei dieser nachzudenken. Dieses Jahr geht die PR in die nächste Runde: Der Kanal „Bundeswehr Exclusive“ wird in der neuen Serie „Mali“ Soldaten in Westafrika direkt am Einsatzort zeigen.

Aber wie viel Nutzen hat das Projekt für die Bundeswehr überhaupt und wie sieht es mit einem realistischen Bild der Umstände in Mali aus?

 

 

 

 

 

 

 

Insgesamt lässt sich der Arbeitgeber Bundeswehr das Ganze 6,5 Millionen Euro kosten, wie Die Zeit berichtet.
Lohnenswert scheint diese kostspielige Angelegenheit allerdings zu sein, da im Vorjahr nach dem Erfolg von „die Rekruten“ die Anzahl der Bewerbungen tatsächlich um 21 Prozent gestiegen worden seien.
Der Versuch einer zweiten Anwerbung des Nachwuchses macht also ganz offensichtlich Sinn. Daneben geht es allerdings auch um eine Aufbesserung des allgemeinen Images der Bundeswehr.

Betrachtet man allerdings die Art des Filmens, welche nicht nur im Trailer einem Actionfilm mehr als nahekommt, gerät das Konzept doch etwas ins Schwanken. Zwar sind der eigene Soundtrack und die ästhetischen Eindrücke von Afrika gut und schön, Mali besitzt mit Sprengfallen und Kriminalität aber auch andere Seiten, welche die Serie zwar zeigt, aber mit „Camping in der Wüste“ und anderen netten Abenteuern für die Soldaten darstellt.

„Wir wollen die Scheu und die Bedenken vor Auslandseinsätzen abbauen, indem wir ein realistisches Bild von ihnen zeigen, auch den banalen, langweiligen Alltag im Camp“, erklärt Dirk Feldhaus, Pressesprecher der Arbeitgebermarke der Bundeswehr, laut der Welt.
An sich keine schlechte Strategie, doch wie realistisch oder eben gestellt die Szenen tatsächlich sind, lässt sich aus Zuschauersicht nun mal nicht sagen – was ein gefährlicher Punkt in Hinblick auf die Wahrnehmung der Serie sein kann.
Situationen können so dargestellt werden, wie sie dem Rezipienten präsentiert werden sollen, ohne dass dieser die Szenen groß infrage stellen kann, da er keinen Vergleich hat.

 

 

 

 

 

 

 

Vor Anlauf der Serie fielen die Kritiken jedoch nicht nur negativ aus. Teils wurde zwar vorher Genanntes bemängelt, aber auch erwähnt, dass eine Verzerrung der Situation nicht gegeben sei, da Tode und Gefahren in der Serie ebenfalls thematisiert werden sollen. Jetzt, da alle Folgen schon ausgestrahlt wurden, würden einige ihre Kritiken wohl aber sicher noch einmal überdenken.

Hier gehen die Meinungen also stark auseinander. Fest steht jedoch, dass es der Bundeswehr seit der Aussetzung der Wehrpflicht extrem an Soldaten mangelt. Ob diese Art der PR eine geeignete Lösung für dieses Problem ist oder nicht, ist allerdings eine Frage, die so leicht nicht zu beantworten ist.

 

Quellenangabe

„Bild Dir Deinen Militärnachwuchs – Kriegswerbung von Bundeswehr und Bild-Zeitung“. RT Deutsch, https://deutsch.rt.com/gesellschaft/59249-bild-dir-deinen-militarnachwuchs-millionen-bundeswehr-werbung-statt-journalismus/. Zugegriffen 1. Dezember 2017.

Bundeswehr. http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bundeswehr-nachfrage-fuer-freiwilligen-wehrdienst-bricht-ein/20630890.html. Zugegriffen 25. November 2017.

„Bundeswehr Exclusive“. YouTube, https://www.youtube.com/channel/UCZPAni75bkLnjGO8yhuJpdw. Zugegriffen 25. November 2017.

Havermann, Benjamin. „Bundeswehr-Serien: TV-Sender für ‚Die Rekruten‘ gesucht und neue Serie ‚Mali‘ | svz.de“. svz, https://www.svz.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/tv-sender-fuer-die-rekruten-gesucht-und-neue-serie-mali-id18358246.html. Zugegriffen 25. November 2017.

Klapsa, Kaja. „Nichts für Weicheier“. DIE WELT, 20. Oktober 2017. www.welt.de, https://www.welt.de/print/welt_kompakt/webwelt/article169829808/Nichts-fuer-Weicheier.html. Zugegriffen 25. November 2017.

„Nach ‚Rekruten‘ kommt ‚Mali‘“. FAZ.NET, 14. Oktober 2017. www.faz.net, http://www.faz.net/1.5246472. Zugegriffen 25. November 2017.

Stresing, Laura, und Matthias Gebauer. „Neue Bundeswehr-Serie ‚Mali‘: Mit Gefühlsdusel auf Rekrutensuche“. Spiegel Online, 17. Oktober 2017. Spiegel Online, http://www.spiegel.de/netzwelt/web/bundeswehr-youtube-serie-mali-mit-gefuehlsdusel-auf-rekrutensuche-a-1173293.html. Zugegriffen 25. November 2017.

Wiegold, Thomas. „‚Bundeswehr Exclusive‘: Werde Soldat, yo!“ Die Zeit, 25. Oktober 2017. Die Zeit, http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-10/bundeswehr-exclusive-mali-youtube-serie-die-rekruten. Zugegriffen 25. November 2017.

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Kampagne als Sprachrohr des Betriebes

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Am 12.01.2015 jährt sich die Kampagne der BVG ,,Weil wir dich lieben“, aber was ist aus ihr geworden?    Anfänglich startete sie direkt mit einer Großoffensive. In Berlin war der Slogan mit dem verbundenen Hashtag(#weilwirdichlieben) in der ganzen Stadt zu sehen.

Doch die offline-Variante machte nur einen kleineren Teil aus, das Augenmerk lag auf den eigens für die Kampagne angelegten Twitter-, Facebook-, Instagram- und Youtube-Kanal. Dort tobten die Nutzer sich auch direkt aus und das eher negativ. Doch ist davon auszugehen, dass diese negative Strömung erwartbar war und auch von den Verantwortlichen erwartete wurde. Die Kanäle wurden genutzt und es wurde mediales Aufsehen erreicht.

Durch die eher ironisch und humoristische Herangehensweise der Kampagne, konnte man den Nutzern, unter dem Deckmantel #weilwirdichlieben auch Paroli bieten. Dies gipfelte mit der Video-Antwort der BVG an seine kritische Community, welche tatsächlich Viral wurde und auch Anerkennung von    ,,Könnern“ bekam. Selbst die offensichtliche Spitze am Ende des Videos (2:07 min.), welche besagt ,,NUR WIR LIEBEN DICH SO WIE DU BIST.“, hat man sich erlaubt.

Trotz des starken Gegenwindes blieb die Kampagne bestehen und leitet Kritik kanalisiert an sich selbst, in einen Rahmen bei dem auch mal zurück gewitzelt werden kann, wobei der Inhalt konstruktiver Kommentare nicht verloren geht. Es ist Ruhe eingekehrt und die Akzeptanz schreitet scheinbar voran, jedenfalls bis zum nächsten großen Aufreger.

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O du seelige, kundenbringende Weihnachtszeit!

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Weihnachtszeit, Bescherungszeit! Der Monat Dezember bietet für Unternehmen aller Art den optimalen Einsatz eines beliebten PR-Instruments zum Thema Markenkommunkation: dem virtuellen Adventskalender.

Klassischer Beispiel Adventskalender. Hier von www.innenaussen.com

Ob Zeitschriften, Zeitungen oder Lebensmittelketten, sie alle bieten auf ihrer Webseite die Möglichkeit, ab dem 1. Dezember 24 Tage lang täglich einen attraktiven Preis abzustauben. Dabei handelt es sich oft um Produkte aus dem eigenen Sortiment, Reisen, oder auch Rabatt Aktionen. Der User muss lediglich, von Gewinnspiel zu Gewinnspiel variierend, entweder ein Memory Spiel über sich ergehen lassen, ein Rätsel lösen oder schlichtweg ein Formular ausfüllen, um an der Verlosung des Tagespreises teilzunehmen. Eigentlich eine tolle Sache für den Teilnehmer, aber umso toller für die Anbieter, denn der wahre Profiteur ist das jeweilige Unternehmen.

Einerseits können Konsumgüterhersteller wie z.B. die Kleidermarke Belmondo für ihre eigenen Produkte werben, indem sie Artikel aus dem eigenen Sortiment verlosen und somit potenzielle Neukunden anwerben. Durch die verpflichtende Dateneingabe der Teilnehmer werden so die Adresskarteien gefüllt, Kundenbindung erfolgt dann durch die (meist) optionale Newsletter Anmeldung. Abhängig von der Seriosität der Webseite, können diese nachfolgend mit nervigen Spam Mails oder lästigen Anrufen verbunden sein.
Andererseits können Zeitungen, Zeitschriften und Verlage wie z.B. ELLE, Vogue, Süddeutsche Zeitung etc. die Beziehung zu Lesern, sowie zu anderen werbetreibenden Unternehmen stärken bzw. neue Leser und Werbepartner gewinnen. Letzteres erfolgt beispielsweise durch die Verlosung der Produkte der Werbepartner, welches zudem eine weitere Finanzierungsmöglichkeit garantiert.
Zuletzt darf die erhöhte Aufmerksamkeit nicht vergessen werden, die insbesondere kleinere Unternehmen nutzen können, um sich neben der Konkurrenz einen Namen zu machen, denn prinzipiell gilt: je attraktiver die Preise, desto mehr Teilnehmer, die wiederholend mitmachen und sich auch nach der Weihnachtszeit eventuell an das Unternehmen erinnern.

Und was bekommt der Teilnehmer im Gegenzug? Natürlich den Tagesgewinn – mit einer Wahrscheinlichkeit von vermutlich unter 1%. Oftmals auch einen regelmäßigen Newsletter und einen volleren Spam Ordner.
Die Naivität der Nutzer, die bei virtuellen Adventskalendern mitspielen, wird clever von PR- und Marketing-Abteilungen ausgenutzt, doch der Trend entwickelt sich weiter: Unternehmen können nun auch auf ihrer Facebook Seite Adventskalender anbieten – meist bekommen sie dafür Zugriff auf das öffentliche Profil der User. Wer nun also tatsächlich von dem Weihnachtsspaß profitiert, ist klar. Zum Glück stößt das auf Ignoranz auf der Konsumentenseite.

Wer übrigens sein Glück bei solchen Online Adventskalendern versuchen will, kann sich einen von solchen gesammelten auf www.adventskalender-gewinnspiele.de aussuchen und eventuell das ein oder andere Weihnachtsgeschenk gewinnen. Viel Glück dabei!

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