Schlagwort-Archive: Kinderoper

Oper nur was für Erwachsene?

Stille? Lautes Flüstern und Getuschel. Hier ein Kichern, dort ein Füße Trampeln. Wann geht es denn endlich los? Erwartungsvoll und gespannt blicken hunderte glänzende Kinderaugen auf die von Musikern besetzte Bühne der Kölner Philharmonie und spitzen ihre Ohren. Pssssst, ein Instrument erklingt. Helle Aufregung im Saal ? das Konzert beginnt. Laute, leise, helle, dunkle, pompöse und wohlklingende Streicher, Bläser und Tastenklänge erfüllen mit ihren Melodien den Raum ? Tiergeräusche und deren Stimmen imitierend. Manch junger Konzertbesucher verstummt, lauscht entzückt. Andere sind laut und kommentieren jedes Tier, jede neue Sequenz mit Freude. Horch, die Elefantendame kommt mit großen Schritten. Dumpf erschallt ein Kontrabass: Bam, bam, bam, bam ? dann eine Trompete. Der Schwan kommt etwas filigraner daher. Sanftere, hellere Töne des Violincellos schwingen durch den Saal. Bei geschlossenen Augen tanzen die einzelnen Tiere durch unsere Köpfe, sind ganz deutlich zu erkennen: Löwen, Zebras, Schildkröten, Elefant, Esel, Känguru und zum Schluss der stolze Schwan, bevor noch einmal alle Tiere gemeinsam ein Konzert veranstalten. Nach der Vorstellung dauert es eine kleine Weile bis sich Unruhe und Aufregung wieder unter die Zuschauerreihen mischen. Das war 1990. Damals verhalfen uns die Beschreibungen von Loriot zu Saint-Saens Karneval der Tiere zu noch schillernderen Bildern in unserer Vorstellung. Für viele Schützlinge, die den Weg gemeinsam mit ihren Eltern in die ausverkaufte Philharmonie gefunden hatten, war diese Darbietung ein Erlebnis, mal etwas ganz anderes. War klassische Musik doch sonst nur für die `Großen´.

Auch heute gibt es für junges Publikum musikalische Erlebnisse der anderen Art: Kinderopern. Vor etwas mehr als zehn Jahren wurde zum Beispiel die Kinderoper Köln für unsere jungen Mitbürger ins Leben gerufen und durch ihre größte Förderin, Elke Heidenreich, bekannt. Sie gilt als erste Oper, die sich speziell an Kinderohren richtete. Seit 1996 wurden mehr als 20 Stücke unter musikalischer Begleitung des Gürzenich-Orchesters aufgeführt, darunter Strawinskys Die Nachtigall oder Das Opernschiff von Marius Felix Lange. Der kleine Zeltbau mit 130 Sitzplätzen und die winzige Bühne mit 80 bis 100 Vorstellungen pro Spielzeit ist seither fester Bestandteil der Kölner Oper. Kinder sollen so mit qualitativ hochwertiger Musik spielerisch an Opern herangeführt werden und Interesse an dem facettenreichen Genre entwickeln. Das Konzept scheint zu gefallen: Fast jede Inszenierung ist laut Angaben der Veranstalter ausverkauft. Ist Oper also doch nicht nur für ältere Generationen?