Vormarsch der Satire

geschrieben von in Internet, Internet und Politik, Medien und Politik, Medienkritik1 Kommentar »

Die heute-show räumt ab – mit 19,4 % der Zuschauer liegt die Satire-Sendung an erster Stelle der Zuschauerquoten am 1. Dezember 2017 und das zum widerholten Mal.
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch im Netz: Auf Facebook hat Der Postillon, mit knapp 2,7 Millionen Abonnenten, eine breite Fangemeinde aufgebaut, die sich über ironische Beiträge jeglicher Art amüsieren. Dabei gilt zu meist – je bissiger, desto besser. Doch was macht das Appeal der satirischen „Nachrichten“ aus?

Satire im Netz – Der Postillon

In Aufmachung und Form erinnert Der Postillon stark an herkömmliche Online-Präsenzen von Zeitungen wie Spiegel-Online oder Die Zeit Online. Der Leser kann zwischen verschiedenen Kategorien, unter anderem Politik, Sport oder Wirtschaft, wählen und diese gezielt lesen. Egal, ob fußballerische Pleite des BVBs, Glyphosat oder die Sondierungsgespräche im Bundestag – aktuelle Fragen überwiegen in der Themenauswahl der humoristischen Zeitschrift. Auch der Aufbau der Artikel ähnelt anderen Zeitschriften, wodurch es in der Vergangenheit bereits zu einigen Verwirrungen kam. So übernahm der Mitteldeutsche Rundfunk 2016 eine Scherzmeldung über eine angebliche Rechtschreibreform, bezüglich einer Zusammenführung der Worte „seid“ und „seit“ zu „seidt“, ohne dieses vorher zu überprüfen. Dies geschah vermutlich, da die Website des Postillons zunächst durchaus seriös wirkt, und erst bei genauerer Betrachtung der Inhalte deren eigentlichen Charakter offenbart wird.

Das Appeal der heute-Show

Angelehnt an die Formate heute und heute-journal, bietet die heute-show vornehmlich ein an Politiksatire orientiertes Programm. Die satirische Comedy-Sendung, bietet einen wöchentlichen Rückblick auf aktuelle Ereignisse. Groko, GRÜNE und FDP, Glyphosat, aber auch die geplante Bürgerversicherung der SPD werden aufgegriffen und satirisch und komödiantisch untermalt. Dabei wird nicht an gephotoshoppten Bildern, teilweise peinlich überspitzen Videosequenzen, ironischen Interviews und Mitschnitten von Parteitagen gespart. Ausschnitte aus Interviews werden so zugeschnitten, dass ein besonders peinliches Bild auf die jeweils bedachten Politiker gerichtet wird.
Das es so zu verfälschten Darstellungen kommt, dient nur der Unterhaltung des Publikums. Je stärker Politiker oder umstrittene Entscheidungen karikiert werden, desto besser. Wenn dann noch ein paar Fakten hinzugefügt werden, ist der Mix perfekt.

Was darf Satire? – Alles!?

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten, daher bleibt es jedem selbst überlassen, ob er Satire als richtig empfindet oder nicht. Fakt ist, die Beliebtheit satirischer Beiträge steigt. Um diese zu verstehen und nicht in Gefahr einer Fehlinterpretation zu laufen, müssen sich Rezipienten ausreichend über gesellschaftliche Ereignisse informieren. Doch auch seitens der Satireformate liegt eine gewisse Verantwortung, nämlich die Nachrichten nicht bis ins Unkenntliche zu verfälschen oder Personen zu schädigen. Auch wenn Satire gerade von Bissigkeit und schwarzem Humor lebt, sollte sie dennoch nicht ohne Reflexion möglicher Konsequenzen handeln.

 

https://www.zdf.de/comedy/heute-show/heute-show-vom-1-dezember-2017-100.html

„heute-show“ siegt bei Jung und Alt, Sat.1 versagt mit „Superpets“, RTL II punktet mit „Olympus Has fallen“

http://https://www.zdf.de/nachrichten/heute-sendungen

www.quotenmeter.de/n/97422/die-heute-show-wird-immer-noch-erfolgreicher

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/mdr-faellt-auf-postillon-rein-aus-seid-und-seit-wird-seidt-a-1105926.html

https://www.zdf.de/comedy/heute-show

http://www.der-postillon.com/

http://www.deutschlandfunk.de/skandal-um-heute-show-satire-als-chance-fuer-politik.862.de.html?dram:article_id=301198

Was darf Satire?

http://www.zeit.de/index

http://www.spiegel.de/

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RTL ausgebremst: Formel 1 im Quotentief

geschrieben von in FernsehenKommentare deaktiviert für RTL ausgebremst: Formel 1 im Quotentief

Während Lewis Hamilton am Sonntagabend bis tief in die Nacht seinen Titel feierte, war man im RTL-Lager wahrscheinlich ebenso schlaflos, wie der neu gekürte Formel 1-Weltmeister. Jedoch nicht aufgrund der Tatsache, dass Hamilton den Saisonendspurt für sich entschied, sondern weil man feststellen musste, dass es für den Free-TV-Sender die quotenmäßig schlechteste Saison seit 20 Jahren war.

Im Vergleich zum Vorjahr fiel das Zuschauerinteresse um fast eine Million Zuschauer pro Rennen. Somit verzeichnete RTL zum ersten Mal seit 1994 wieder einen Zuschauerdurchschnitt, der unter der 5-Millionen-Grenze lag. „Natürlich beschäftigt uns der rückläufige Zuschauertrend“, sagte RTL-Sportchef Manfred Loppe: „Trotz des großartigen Rennsports hat sich die Faszination in diesem Jahr ganz offensichtlich nicht so sehr für die breite Masse erschlossen. Auch das kaum nachvollziehbare Regelwerk und die mitunter unglückliche und kontraproduktive Außendarstellung der Königsklasse haben sicherlich den einen oder anderen Fan verärgert.“

Wenn man sich auf die Spurensuche nach den Gründen für die rückläufigen Quoten begibt, stößt man schnell auf die von Loppe angesprochenen Konfliktpunkte. Das zu dieser Saison neu eingeführte Regelwerk wurde schon im Vorfeld, vor allem von den Fans selbst, scharf kritisiert. Der Red-Bull-Chef und Besitzer von zwei Formel-1-Teams, Dietrich Mateschitz, nannte es „ein Reglement, das vorne und hinten nicht stimmt.“ Des Weiteren monierte er, dass man die Formel 1 „nicht niederreglementieren“ dürfe. Trotz der vielen warnenden Worte war man beim Dachverband FIA uneinsichtig und legte den Konstrukteuren schließlich zur neuen Saison das umstrittene Regelwerk zugrunde. Wenn man sich die sporadische Begleitung der Rennwochenenden auf Facebook und Twitter ansieht wird klar, was Loppe mit einer „kontraproduktiven Außendarstellung“ meint. Mit dem Verzicht auf die sozialen Netzwerke verschwendet man eine wichtige Ressource, mit der man sich selbst ganz leicht ins Rampenlicht stellen und auch Sympathiepunkte bei der jüngeren Generation sammeln könnte.

Die Leitragenden bei RTL geben sich nach dieser Katastrophensaison nun kämpferisch und wollen sich „die nötige Zeit nehmen, die Entwicklung sehr genau zu hinterfragen und konsequent die notwendigen Schlüsse für die Übertragungen im kommenden Jahr“ zu ziehen. Die Formel 1 bleibt in Loppes Augen „eine Premiummarke im deutschen Fernsehen“. Diese Aussagen sind vor dem Hintergrund, dass RTL auch für die nächste Saison die TV-Rechte innehat, allerdings wenig verwunderlich.

 

 

Quellen:

 

http://www.motorsport-total.com/f1/news/2014/11/formel-1-weiter-ruecklaeufige-tv-quoten-14112416.html

http://www.t-online.de/sport/formel-1/id_67734954/formel-1-hat-mit-ruecklaeufigen-tv-quoten-zu-kaempfen.html

http://www.formel1.de/news/business/2014-05-24/pirelli-ueber-sinkende-einschaltquoten-besorgt

http://www.nwzonline.de/motorsport/formel-1-lockt-weniger-fans-an_a_20,0,1420201733.html

http://www.news-item.de/sport/formel-1-rtl-sichert-sich-formel-1-ubertragungsrechte-fur-weitere-vier-jahre/

http://www.welt.de/sport/formel1/article120282966/Die-Formel-1-steht-vor-ihrer-groessten-Revolution.html

http://www.focus.de/sport/formel1/formel-1-formel-1-weiter-ruecklaeufige-tv-quoten_id_4297753.html

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Wetten, dass es peinlich wird?

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen1 Kommentar »

Gerard Butler versucht sich daran, Walnüsse mit seinem Hinterteil zu knacken,  um sich dann kurze Zeit später Eiswürfel in die Hose zu kippen und dabei in gebrochenem Deutsch den Erlkönig zu rezitieren. Tom Hanks trägt Plüsch-Katzenohren während Markus Lanz sich sackhüpfend durch den Raum bewegt. Nein, hierbei handelt es sich nicht um Szenarien aus einem Parallel-Universum, diese Dinge sind wirklich passiert. Nicht hinter verschlossenen Türen, nicht unter Einfluss von Rauschmitteln, sondern im deutschen Fernsehen. Genauer gesagt bei „Wetten, dass ..?“. Ehemals Aushängeschild des Öffentlich-Rechtlichen und Brücke zu den Stars im fernen Hollywood, ist der einstige  Quoten-Garant am Samstagabend heute nur noch ein zum Fremdschämen peinlicher Schatten seiner selbst. Das Gute daran? Bald ist es geschafft.

Am 13. Dezember wird der Show-Dino in der Nürnberger Messehalle zu Grabe getragen. „Vorerst“, schiebt der eine oder andere nach. Man kann ja nie wissen. Dass es sich dabei eher um das Abschalten lebenserhaltender Maßnahmen handelt als um das Einschläfern eines quietschfidelen Hundes, belegen die Quoten. Zwar waren diese schon vor dem Amtsantritt von Universal-Sündenbock Markus Lanz rückläufig, doch seit seiner Premierensendung (13,59 Mio. Zuschauer) sind die Zahlen schneller gefallen als der brasilianische Stürmer Fred beim Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft. Trauriger Tiefpunkt die diesjährige Oktoberausgabe, die gerade mal 5,48 Mio. Menschen zum Einschalten bewog.  Vielleicht auch gut so, wenn man sich die Sendung noch mal in Erinnerung ruft. Die Gäste? Unter anderem Horst Eckel, Benedikt Höwedes – Fußball geht ja bekanntlich immer – sowie Bryan Adams, Lenny Kravitz, Megan Fox und ihr nicht ganz so bekannter Begleiter Will Arnett. Letztere waren da, um für ihren Film „Teenage Mutant Ninja Turtles“ die Werbetrommel zu rühren. Hätte man sie im Vorhinein informiert, dass sowas im deutschen Fernsehen mitunter 40 Minuten dauern kann, sie wären der „Wetten, dass ..?“-Couch vermutlich fern geblieben.

Seine Erfahrungen mit der deutschen TV-Industrie trat der kanadische Schauspieler Will Arnett dann auch gleich im amerikanischen Fernsehen breit. Ganze fünf Minuten dauern seine Ausführungen zu „Wetten, dass ..?“ bei der Late Night Show „Jimmy Kimmel Live!“. Was „Wetten, dass ..?“ denn ins Englische übersetzt heißen würde, wollte der Talkmaster mit dem deutschen Namen in Erfahrung bringen. „I think it means something like ‚What the f*ck is happening?'“ – großes Gelächter. Nun zählt Will Arnett nicht gerade zum Großwild der amerikanischen Filmbranche, von daher wäre es zu verschmerzen, wenn diese Reaktion ein Einzelfall unter internationalen Gästen auf der fahrbahren Bühne des ZDF gewesen wäre. Das Gegenteil ist der Fall. Mit Tom Hanks, Halle Berry, Denzel Washington, James Blunt und Robbie Williams (die Liste ließe sich fortführen) haben sich schon weitaus klangvollere Namen der Musik- und Filmindustrie klagend über ihren Besuch bei Dauerlächler Markus Lanz geäußert. Muss man diese Prominenten für ihr Schicksal bemitleiden? Nein, gewiss nicht. Es ist davon auszugehen, dass sie auf einen Stundenlohn gekommen sind, der sich sehen lassen kann. Nichtsdestotrotz kann und sollte man aus diesen Erfahrungen seine Lehren ziehen.

Internationale Stars funktionieren im Konzept „Wetten, dass ..?“ nicht. Gäste, die von jenseits des großen Teiches kommen, haben ein gänzlich anderes Verständnis von Auftritten bei TV-Shows als es unsereins gewohnt ist: Hinsetzen. Film, wahlweise auch CD promoten. Anekdote erzählen. Nett auf Wiedersehen sagen. So stellt sich der gemeine Promi sein Late Night-Intermezzo vor. Wenn er dann genötigt wird, fremden Menschen bei mitunter befremdlichen Wetten zuzusehen, kommt dann eben schonmal so etwas dabei heraus, das nach Kritik klingen könnte. Ein weiteres Grundproblem ist die sprachliche Barriere. Wenn die Übersetzung nicht streikt, dann fällt sie dem Gast ins Wort und sorgt für das, was man aus dem Straßenverkehr als „Stop-and-go“ kennt. Unterm Strich stehen dann viel und nichts sagende Antworten wie: „Oh ja, es hat sehr viel Spaß gemacht diesen Film zu drehen.“ Eine Lösung hätte sein können, auf große Namen von weither zu verzichten, was jedoch angesichts der bereits lauen Einschaltquoten ein nicht zu unterschätzendes Risiko bedeutet hätte. Die Alternative wäre gewesen, die Leute einfach englisch sprechen zu lassen. Doch hier tut sich ein weiteres Problem auf. Auch, wenn „Wetten, dass ..?“ mit Gästen wie zuletzt „One Direction“ versucht hat, eine jüngere Zielgruppe anzusprechen, ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Sendung bei ihren Quoten in großen Teilen auf ein Publikum angewiesen ist, das sich aus älteren Zuschauern zusammensetzt. Genau diese sind es jedoch, die das Fehlen einer deutschen Übersetzung abgeschreckt hätte.

Wie die hier aufgeführte Problematik verdeutlicht, haben viele nur schwer greifbare Variablen zum Scheitern der Show beigetragen. Den Moderator – sicherlich nicht frei von Schuld – zum Alleinverantwortlichen zu erklären, wäre zu leicht. Unterm Strich steht ein Kultformat des deutschen Fernsehens, dem verwehrt wurde, in Würde zu gehen. „Wetten, dass ..?“ war krampfhaft darauf bedacht jeden anzusprechen und hat somit letztlich niemanden mehr angesprochen.

 

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