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ESC – Dieser Weg war kein leichter

Es steht fest: NDR hat die Teilnahme von Xavier Naidoo am ESC 2016 in Stockholm zurückgezogen.

Am Samstag, dem 21. November hat der Norddeutsche Rundfunk (NDR) bekannt gegeben, dass aufgrund der überraschenden Kritik an Xavier Naidoo, dieser am Eurovision Song Contest, kurz ESC 2016 nicht antreten wird.

Doch warum? Fühlte sich der NDR unter Druck gesetzt aufgrund der ansteigenden Kritik?

Der Eurovision Song Contest ist ein jährlicher, internationaler Musikwettbewerb, der 2016 nun zum 61. Mal veranstaltet wird. Ein bis sechs Songwriter und Musiker aus höchstens 46 Ländern, die Mitglied der Europäischen Rundfunkunion (EBU) sind, treten jährlich für ihr Land an. Anders als in den letzten Jahren ist für kommendes Jahr bisher kein „Unser Song für…“ als nationaler Vorentscheid geplant, bei dem der Sänger bzw. Musiker entschieden wird. Stattdessen hat der NDR den Vorschlag, Xavier Naidoo antreten zu lassen, eingereicht und es war geplant, im Februar kommenden Jahres durch die Show „Unser Song für Xavier“ als Zuschauer zu entscheiden, mit welchem Song Xavier Naidoo am ESC für Deutschland antreten wird.

Spätestens seit letztem Jahr mit dem Auftritt des österreichischen Sängers und Travestiekünstlers Conchita Wurst und dessen Sieg kann man klar sagen, dass der ESC für Toleranz und Menschenwürde steht. Die Botschaft von Conchita Wurst ist klar: Toleranz, Akzeptanz, Vielfalt.

Nun hieß es bis vorgestern, dass Xavier Naidoo antreten wird.

Vor einigen Monaten kam Thomas Schreiber, der ARD-Unterhaltungskoordinator auf Xavier Naidoo zu und bat ihn, im kommenden Jahr beim ESC in Stockholm für Deutschland anzutreten. Naidoo empfand es als eine reizvolle Herausforderung, war jedoch skeptisch, ob er der richtige sei und entschied sich letztendlich dafür, teilzunehmen.

In einem Interview der ARD erläutert Xavier Naidoo, er sei die beste Besetzung für Deutschland, da durch ihn die Weltoffenheit Deutschland sehr gut repräsentiert wird. Nicht nur, da er als erster dunkelhäutiger Mensch Deutschland vertritt. Es sei ein wunderschönes Zeichen, nicht nur für ihn, sondern für alle Deutschen mit Migrationshintergrund, so Naidoo. Bei der Frage, wofür Naidoo stände, wenn er für Deutschland antritt, war seine Antwort das weltoffene Deutschland, das demokratisch sowie freiheitlebend ist und bezeichnet die „bunte Republik“ als sein Zuhause.

Seine Botschaft: Liebe, Freiheit, Toleranz

Doch seine Botschaft kommt nicht beim Publikum an. Es hagelt Kritik von allen Seiten. Doch was ist dran an den Vorwürfen?

Xavier Naidoo wird als rassistischer, homophober Rechtspopulist dargestellt. Die Kritik kommt von allen Seiten, sei es Facebook, Twitter oder gar die Presse. So schreibt die Süddeutsche einen klaren abwertenden Artikel über Naidoo bezüglich des ESC, bei dem von Objektivität nicht die Rede sein kann. Auch die Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Eva Högl betont:

„Seine homophoben Äußerungen und seine Nähe zu den Reichsbürgern finde ich abstoßend. […] Hätte man die deutsche Bevölkerung gefragt, wäre die Entscheidung wohl nicht auf ihn gefallen.“

Auch in Twitter nehmen die Menschen kein Blatt vor den Mund.

Quelle: https://twitter.com/niggi
Quelle: https://twitter.com/niggi
Quelle: https://twitter.com/zwiesinn
Quelle: https://twitter.com/zwiesinn

Es dauerte nur zwei Tage und der NDR zog seine Nominierung zurück. Auf die Frage, wie es zu der Entscheidung kam, die Nominierung zurück zu ziehen, antwortet Schreiber laut dem Gespräch mit N-Joy:

„Wir wussten, dass Xavier Naidoo polarisiert. Wir sind aber überrascht worden von der Heftigkeit der Reaktionen und möchten ihn jetzt einerseits zum Schutz von Xavier Naidoo, anderseits zum Schutz des Eurovision Song Contest aus der Schusslinie ziehen. Die Diskussionen, die es jetzt hier in Deutschland gegeben hat, die teilweise schon ins Ausland übergeschwappt sind, die hätten im nächsten halben Jahr nicht aufgehört, die wären weitergegangen, und das hätte alles andere überlagert und überlastet. Deswegen haben wir an dieser Stelle gesagt, dass wir die Nominierung von Xavier Naidoo zurückziehen.“

Dabei betont Schreiber jedoch, dass er der festen Überzeugung ist, Naidoo sei weder ein Rassist noch homophob, gibt aber keine eindeutige Antwort auf die Frage, ob der Druck von außen zu groß war.

Auch Xavier Naidoo reagiert öffentlich. So postete er vor zwei Tagen bei Facebook:

Quelle: https://www.facebook.com/XavierNaidoo/?ref=ts&fref=ts
Quelle: https://www.facebook.com/XavierNaidoo/?ref=ts&fref=ts

 

Viele Musiker und Freunde stellen sich öffentlich hinter Xavier Naidoo, so zum Beispiel Michael Mittermeier, Chima, oder Marek Lieberberg, welcher bei Facebook schrieb:

„Ich bin zutiefst erschüttert über die unglaubliche Hetze, die widerliche Heuchelei und den blinden Hass, für die es keinerlei Berechtigung gibt! Als Mensch und deutscher Jude, der den Vorzug hatte, mehr als 20 Jahre in seiner Nähe zu sein, habe ich noch nie das Gefühl gehabt, dass auch nur der Hauch eines antisemitischen, rassistischen, xenophobischen oder nationalistischen Sentiments existiert.“
Die Musikindustrie und die überwältigende Mehrzahl der Künstler stehe zu Xavier Naidoo und daran werde die giftige Propaganda einzelner gehässiger Agitatoren nichts ändern.
Marek Lieberberg

Naidoo selbst weist die Vorwürfe ebenfalls zurück.

In dem Interview der ARD meinte Naidoo zu der Frage, wieso er auf die sogenannten Reichsbürger zugegangen ist, die Deutschland als Staat ablehnen, dass er selbst Deutschland als Staat nicht ablehnt, aber den Austausch mit allen Menschen als wichtig empfindet und betont, dass er nicht die Meinung mit ihnen teile.

Nun stellt sich die Frage, wer im kommenden Jahr für Deutschland am ESC antreten wird.

Die Bochumer Punkband „Die Kassierer“ beschloss, per Fax dem NDR ihr Interesse, Deutschland zu vertreten, mitzuteilen und nach den Bewerbungsbedingungen zu bitten. Sogar eine Online-Petition wurde gestartet zur Unterstützung der Kassierer und hat mittlerweile mehr als 31.000 Unterschriften.

Es wird nicht lange dauern und das Chaos um den ESC wird weiter gehen.