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Vom „Dörfle“ in die große Stadt – die unliebsamen Nachbarn

Tatort Berlin. Am 04.05.2013 ging ein zunächst nur regionaler, später dann ein immer größere Wellen schlagender, Aufschrei durch die Medien. Am Prenzlauer Berg, einem alternativ angehauchten Viertel der deutschen Hauptstadt, wurden Flugblätter verteilt und Parolen an Wände geschmiert, welche gegen die schwäbischen Nachbarn in Berlin hetzte.

Ca. 300.000 Schwaben leben in der Stadt und fühlen sich dort heimisch. Doch erregen sie bei manchen „Ur-Berlinern“ anscheinend Unbehagen, denn sie würden die Mietpreise in die Höhe treiben und die Atmosphäre mit ihrer Kleinbürgerlichkeit zerstören. „Verpiss dich, Schwabe!“, oder „Kauft nicht bei Schwab’n“. Diese Parolen zieren nun das Stadtbild und erinnern stark an bereits vergangene Zeiten, in denen der Holocaust mit ähnlichen Vorboten begann. Alle sind sich einig: Die Verfasser dieses Mottos gehen damit eindeutig zu weit und die Pietätlosigkeit findet ihren Höhepunkt darin, dass die Schmierereien unmittelbar neben einer jüdischen Synagoge angebracht worden sind. Doch trotz der harten Linie findet diese Auffassung teilweise auch bei Politikern, wie z.B. Wolfgang Thierse, zumindest in der Grundidee Zuspruch. Denn auch sie finden, dass sich das Flair des Viertels nachhaltig verändert hat.

Doch wie passt diese Engstirnigkeit zu dem sonst multikulturellen Berlin? Die Hauptstadt steht als Sinnbild für eine bunte Vielfalt der Kulturen, aber der eigene Landsmann muss draußen bleiben?

Das trifft bei den schwäbischen Mitbürgern nicht nur auf Unverständnis, sondern kratzt auch an ihrem Selbstbewusstsein. So viele Klischees werden über sie verbreitet und nur eine kleine Minderheit davon spricht positive Aspekte an. Man bezeichnet sie als „geizig und eigenbrötlerisch“ Doch um nicht aufzufallen, passt sich der Schwabe der Globalisierung an, denn es liegt nicht im Trend seine Wurzeln zu zeigen. Laut einer Studie des Instituts für Demoskopie Allenbach entpuppt sich der Dialekt der Altwürttemberger als äußerst unattraktiv im Ohr eines Nichtschwaben und zählt damit zu den Unbeliebtesten seiner Art. Deshalb zahlen die „Neu-Berliner“ z.B. viel Geld, um in Tagesseminaren das unverwechselbare Schwäbeln in den Griff zu bekommen. Die „einheimische“ Bevölkerung sollte sich also nicht nur für die Welt öffnen, sondern auch für ihre nächsten Nachbarn.

Quellen:

http://www.rbb-online.de/nachrichten/vermischtes/2013_05/Wowereit_verurteilt_Schmierereien_gegen_Schwaben.html   15.05.2013, 00:06Uhr

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/psychogramm-der-schwabe-ein-kosmopolitle-a-119955.html   15.05.2013, 00:06Uhr

http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=11386418/hkh6iz/index.html   15.05.2013, 00:06Uhr

Heike Kottmann, Hochdeutsch für Anfänger, S. 100-103, erschienen: NEON, München, Mai 2013

Alle nach Berlin?!

Der Trend hin zur Zentralisierung in Berlin macht auch vor den Medienhäusern nicht Halt. Nachdem schon die Redaktion der BILD-Zeitung Hamburg in Richtung Berlin verlassen hat, droht der Medienstadt Hamburg der nächste herbe Verlust: Die alteingesessene Deutsche Presse Agentur (dpa) schmiedet konkrete Pläne für einen baldigen Umzug in die Bundeshauptstadt.

Der Hintergrund: Seit die WAZ-Gruppe auf die Dienste der dpa verzichtet, ist die Agentur in finanzielle Schwierigkeiten geraten. In der derzeitigen Zeitungskrise denken einige große Medienhäuser über eine Reduzierung der bislang von ihnen abonnierten Agenturdienste nach. Die internationale AP und die vom französischen Staat massiv unterstützte AFP haben in diesem Preiskampf deutlich bessere Karten als die dpa, die den Ruf hat, trocken und bürokratisch zu schreiben und einen veralteten Nachrichtenstil zu pflegen.

Die dpa unterzog ihre Strukturen nun also der Untersuchung durch eine Unternehmensberatung, deren Fazit: Die Ausweg aus der finanziellen Schieflage ist ein Umzug nach Berlin. Als Argument wird angeführt, dass die Redaktion Politik Inland in Berlin sitzt und als am meisten veröffentlichende Redaktion das Herzstück der dpa darstellt. Dieses Herz soll in den dpa-Körper integriert werden und zwar in Form eines großräumigen News-Offices in Berlin. Die dpa-Bildredaktion so wie sämtliche in Hamburg sitzenden Redaktionen sollen also dorthin ziehen.

Über dieses Argument lässt sich natürlich trefflich streiten, vermuten die Hamburger Redakteure doch einen ganz anderen Hintergrund für den Umzug: Nicht alle Hamburger Redakteure sind so flexibel, dass sie einen Umzug nach Berlin realisieren können, vor allem die älteren Mitarbeiter, die familiär in Hamburg verwurzelt sind. Genau diese besitzen allerdings häufig gut bezahlte Festanstellungen und würden nach einem Umzug wohl entweder gar nicht oder durch billigere freie Mitarbeiter ersetzt werden. Der Umzug wird also von vielen als Entlassung auf Umwegen wahrgenommen und heftig kritisiert, im April gingen die Hamburger Redakteure sogar zum ersten Mal in der Geschichte der dpa auf die Straße und demonstrierten lautstark gegen den Umzug.
Die Diskussion dauert an, obwohl der Aufsichtsrat inzwischen schon grünes Licht für den Umzug gegeben hat.

Berlin als Zentrum des US-Amerikanischen Wahlkampfes

Da reibt man sich vor Verwunderung beinahe die Augen. Da schaltet man den Fernseher ein und sieht auf über 6 Sendern gleichzeitig eine Sondersendung. Dieses mal nicht aufgrund einer Naturkatastrophe sondern wegen des Besuches eines Präsidentschaftskandidaten. Barack Obama schafft mit seiner Rede unter der Siegessäule was zuletzt die Rückkehr der DFB-Nationalmannschaft nach der EM geschafft hat. Über 100.000 Zuhörer waren direkt vor Ort. Ein enormes Medienspektakel und die Erwartungen sind groß. Dabei ist die US-Wahl noch nicht entschieden. Doch dieser Besuch ist wohl einmalig und wird es wohl bleiben. Die Anzahl und die Aufmerksamkeit zeigen wie groß das Interesse der Deutschen am US-Wahlkampf ist und das Deutschland nicht bedeutungslos für die US-Amerikaner ist.