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Colonia Dignidad – Was ist das überhaupt?

Wenige haben heutzutage von ihr gehört: der Colonia Dignidad.
Fragt man Menschen der heutigen Generation, so zucken die meisten gelangweilt mit den Schultern, haben noch nichts davon gehört, wollen es auch eigentlich gar nicht wissen.

Dabei ist die Colonia Dignidad ein weiterer und auch wichtiger Teil der dunklen Geschichte Deutschlands, denn wieder einmal unterdrückte ein Mann Menschen, die sich nicht wehren konnten, Minderheiten, die sich resigniert unterordnen mussten… auch wenn sich das Ganze nicht in Deutschland selbst abspielte.

Was ist die Colonia Dignidad überhaupt?

Die Colonia Dignidad ( zu deutsch: Kolonie der Würde) wurde von einem deutsch evangelischen Jugendpfleger namens Paul Schäfer im Jahre 1961 in Chile gegründet und von einer Sekte bewohnt.
Diese Sekte baute in Chile, abgeschottet von der Außenwelt, eine Kolonie auf, in der Folter und Missbrauch, vor allem von minderjährigen Jungen, auf der Tagesordnung stand.
Entführungen von Kindern waren nicht selten. So sind einige Berichte von Eltern bekannt, die ihre Kinder zur als Chorfreizeit getarnten Sekte nach Chile schickten und diese danach nie mehr wieder sahen.
Während der Militärdiktatur in Chile diente die Colonia dem Regime aber auch als geheime Außenstelle.
Nach dem Putsch des chilenischen Militärs am 11.09.1973 wurde die Colonia als Basis des Pinochet- Geheimdienstes verwendet, der durch den Putsch die Macht in Chile übernommen hatte und mehrere Jahre lang als Präsident agierte, obwohl er niemals demokratisch gewählt worden war.

„ […] [ Paul Schäfer] konnte über fast 40 Jahre hinweg vollkommen ungestraft und ungezügelt allen Regungen nachgehen. Ich glaube auch, dass Machtausübung für ihn ein ganz entscheidender Faktor war und er hat diese Leute ja vollkommen hörig gemacht und nach seinem Geschmack ein fantastisches Leben da geführt […]“ ( Florian Gallenberger, Regisseur des gleichnamigen Films, im Interview mit Bayern 2, 10.03.2015)

Erst nachdem ein Mitbegründer der Sekte 1984 aus der Colonia flüchtete, geriet Paul Schäfer in das Visier der Justiz.
Doch bis zum 10.03.2005 konnte Paul Schäfer nicht gefasst werden. Gründe dafür gibt es viele. Nachvollziehbar sind sie jedoch nicht.
Paul Schäfer wurde in 25 Fällen des Missbrauchs für schuldig befunden und bekam eine Haftstrafe von 20 Jahren, von denen er nur 5 absitzen konnte. Er verstarb am 24.04.2010 im Alter von 88 Jahren im Gefängnishospital an einem Herzleiden.

Lange wurde über die Grausamkeiten, die Paul Schäfer an seinen Mitmenschen begangen hat, nicht geredet, doch im Jahre 2014 entscheidet sich ein deutscher Regisseur das Schweigen zu brechen.

Der Oscar- prämierte Regisseur Florian Gallenberger sagt über seinen Entschluss, die Geschichte auf Leinwand zu bringen: „ […] Es ist auch an der Zeit endlich über dieses Kapitel jüngerer deutscher Geschichte mal was zu machen und da etwas Licht ins Dunkel zu bringen. […]“ ( im Interview mit Bayern 2, 10.03.2015)

Sein Thriller „ Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“ vereint Fakten und Fiktion miteinander, indem eine fiktive Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der realen Colonia Dignidad erzählt wird.

Dazu holte er sich internationale und hochkarätige Schauspieler ins Boot: Schauspieler wie Emma Watson ( Harry Potter, Bling Ring, …), Michael Nyqvist ( Der Chinese, Atemlos – Gefährliche Wahrheit, …) und Daniel Brühl ( Good Bye, Lenin!, A Most Wanted Man) kommen in Luxemburg zusammen, um die ersten Szenen abzudrehen. Danach geht es weiter nach Berlin, München und Argentinien.

Und worum genau geht es in dem Film?

„Chile, 11. September 1973. Hunderttausende protestieren auf den Straßen Santiagos gegen General Pinochet, der sich gegen den Präsidenten Salvador Allende an die Macht putscht. Unter den Demonstranten sind auch Lena (Emma Watson), die als Stewardess am Tag zuvor in Chile gelandet ist, und ihr Freund Daniel (Daniel Brühl), der als Fotograf in Santiago lebt. Unzählige werden in den Wirren des Aufruhrs vom Geheimdienst verhaftet, so auch Daniel und Lena. Daniel wird noch in der Nacht an einen unbekannten Ort verschleppt.

Nach dem ersten Schock versucht Lena herauszufinden, was mit Daniel passiert ist. Doch die Mitstreiter seiner Studentengruppe tauchen unter und auch die Deutsche Botschaft verweigert ihr jede Hilfe. Bei Amnesty International hört sie das erste Mal von der berüchtigten Colonia Dignidad, einer abgeschotteten deutschen Sekte im Süden Chiles, die enge Verbindungen zum Geheimdienst unterhält: es geht das Gerücht um, dass auf dem Gelände der Colonia Gefangene gefoltert werden – und Daniel vermutlich dort gefangen gehalten wird.

Völlig auf sich allein gestellt, entschließt sich Lena, der mysteriösen Sekte beizutreten und so Daniel wiederzufinden. Doch schon bald erkennt sie, in welch aussichtslose Situation sie geraten ist, denn noch nie ist jemandem die Flucht aus der Colonia gelungen…“ ( Kurzinhalt aus dem Presseheft des Majestic Filmverleih)

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Michael Nyqvist ( als Paul Schäfer) und Emma Watson ( als Lena) Quelle: Majestic Filmverleih

Der Film kommt am 18.02.2016 in die deutschen Kinos, auch wenn „das, was in der Colonia wirklich passiert ist […] man natürlich so 1:1 auch in einem Film nicht zeigen [kann] und das ist glaube ich auch nicht notwendig. Ich denke schon, dass in dem Film, den wir machen, rauskommen wird was für eine Art von Ort das war, auch ohne dass man jetzt explizit die Gräultaten ins Bild setzt.“ ( Florian Gallenberger, Regisseur des gleichnamigen Films, im Interview mit Bayern 2, 10.03.2015)

Für all diejenigen, die jetzt neugierig geworden sind und mehr über die Colonia erfahren wollen, seien es Berichte von Zeitzeugen( wie zum Beispiel das Buch von Ulla Fröhling:“ Unser geraubtes Leben. Die wahre Geschichte von Liebe und Hoffnung in einer grausamen Sekte oder Reportagen über die Colonia Dignidad ( zum Beispiel:  Colonia Dignidad: Ein Reporter auf den Spuren eines deutschen Skandals von Gero Gemballa) für die gibt es jede Menge Literatur, die es sich lohnt zu erkunden und zu lesen.

Was ist aus der Colonia Dignidad geworden?

Die Colonia gibt es heute immer noch, jedoch unter einem anderen Namen und mit neuen Zielen. Die „ Villa Baveria“ will unter der Leitung von Michael Müller die rund 115 Mitglieder für die Außenwelt öffnen, weswegen Journalisten die Kolonie besuchen können, ein Hotel für Besucher zur Verfügung steht und in einem deutschen Restaurant in der Nähe Bilder von Polizeimaßnahmen gegen die Sekte dargestellt werden. Die neuen Errungenschaften sollen dazu beitragen, den schlechten Ruf der Kolonie aufzubessern.

Wenn es nicht mehr genügt milliardenschwerer Facebookgründer zu sein

Neues Jahr, neue Vorsätze. Das denkt sich so mancher. Was letztendlich aus diesen Vorsätzen wird bleibt einem selbst überlassen.

Das hat sich auch Facebook founder Mark Zuckerberg gedacht als er der Facebook-Community seine Jahresvorsätze mitteilte. Nach Vorsätzen wie mehr zu lesen kommt nun ein Vorsatz der erst einmal ungewöhnlich klingt:

Zuckerbergpost 1 möchte einen Roboter erschaffen der ihm im Haushalt hilft. Man könnt meinen, dass der Mann der vermeintlich alles hat, jetzt über das Ziel hinausgeschossen sei. Kann man diesen Post denn ernst nehmen? Wie ein Scherz klingt er nicht. Der Plan von diesem Roboter, den man sich übrigens wie „Jarvis“ aus „Iron-Man“ vorstellen kann, hat bereits Form angenommen.

 

 

 

Dass Zuckerberg auch wirklich an seinen Vorsätzen festhält hat er bewiesen indem er seinen Vorsatz, aus dem Jahre 2010, Mandarin zu lernen an der chinesischen Universität Tsinghua, Peking, in einer zwanzig-minütigen Rede unter Beweis gestellt hat, so berichtet auch „The Guardian“ . Also womit werden wir zu rechnen haben? Dass wir Facebook Technologie auch irgendwann in unseren Häusern haben können? So weit entfernt ist das smarte wohnen nämlich gar nicht mehr. Samsung legt bereits mit der Gerätereihe „smart home“ vor in Sachen zukunftsorientiertem Wohnen. Das Smartphone mit allen kompatiblen Geräten verbinden und dann auf alles zugreifen können ist schon Realität, da spielt es keine Rolle mehr ob man zu Hause ist oder nicht. Das einzige was man braucht ist einen Internetzugang, um alle Geräte steuern zu können.

Nicht nur das Wohnen ist betroffen vom technischen Fortschritt, im letzten Jahr kam auch immer wieder das Wort Industrie 4.0 zum Vorschein. Was kann man sich darunter bloß vorstellen? Alles kommuniziert miteinander, alles ist vernetzt. Das scheint so der Kern der Industrierevolution zu sein. Diesen Fortschritt will auch die Universität Stuttgart nutzen und zeigen wie es ablaufen kann. Auf deren Website kann man sich individuell Joghurt zusammenstellen. Der Clou an der Sache ist, dass Maschinen mit programmierten Chips die Bestellung aufnehmen und weiterverarbeiten können. Die Roboter kommunizieren miteinander und produzieren die individuellen Joghurts. Die Technologie schreitet voran doch was heißt das konkret für den „Otto – Normalverbraucher“? Roboter in der Industrie erreichen nicht die breiten Massen doch das smarte Wohnen könnte von hoher Bedeutung für den einzelnen in der Zukunft sein.

Inwiefern wirkt sich diese technologische Entwicklung auf die Mediennutzung aus?

Dem Menschen wird so einiges erleichtert, jedoch gewinnen Smartphone und Co. an Bedeutung im Alltag. Alles wird digitalisiert, ein neues Zeitalter von Fortschritt bricht an. Doch bedeutet dies, dass Printmedien auf dem absteigenden Ast stehen? Dass die Auflagen der Zeitungen von Jahr zu Jahr sinken ist kein Geheimnis mehr, doch die Umgestaltung des Heimes könnte möglicherweise massiv dazu beitragen, dass sich der Umgang mit Medien radikal verändert. Die Sonntagszeitung wird nicht mehr beim Bäcker um die Ecke gekauft, sondern wird digitalisiert an die Wand projiziert oder erstrahlt möglicherweise als Hologramm. Jedoch wird eines feststehen, Medien egal in welcher Form werden bestehen bleiben, denn sie haben einen sehr wichtigen Platz in unserem Leben eingenommen. Was wären Politiker ohne legendäre Fernseh-Interviews oder Promis ohne Boulevardpresse. Um es nach Luhmann zu sagen, die Teilsysteme sind aufeinander angewiesen. Die Politik braucht die Medien und die Medien die Politik. Diese wechselseitige Abhängigkeit kann nicht verhindert werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Fortschritt unaufhaltsam ist, jedoch bestimmte Systeme wie die Medien bestehen bleiben. Auch wenn äußerliche Veränderungen vorgenommen werden, die nicht unbedingt kontraproduktiv sein müssen, bleibt der Kern der Kommunikation, Unterhaltung etc. in den Medien bestehen.

Polen verabschiedet umstrittenes Mediengesetz

Ein Kampf um die Meinungsvielfalt in den öffentlich-rechtlichen Medien und die Zukunft der kommerziellen Medien

Seit der Parlamentswahl im Oktober 2015 verfügt die  nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (“PiS”) über die absolute Mehrheit im Warschauer Parlament und verabschiedet seitdem im Eiltempo eine Reihe umstrittener Gesetze, die den polnischen Staat reformieren sollen.

Die neue nationalkonservative Regierung Polens: Ministerpräsidentin Beata Szydlo,  PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski und sein Vize Ryszard Terlecki    © dpa

Mitte Dezember wurde zunächst das alte Verfassungsgericht als Hüterin der Demokratie entmachtet. Die Arbeit der Verfassungshüter wird damit neu geregelt und erheblich erschwert. Die Regierung bestimmte bereits fünf neue Verfassungsrichter und löste damit eine Welle der Kritik von Opposition,  Medien und ausländischen Politikern aus.

Zum Jahreswechsel wurde im Eilverfahren ein neues Mediengesetz verabschiedet, dass die Säuberung der öffentlich-rechtlichen Medien und des Beamtenapparats erleichtern soll. So wird es der rechtskonservativen Regierung nun möglich sein, Direktoren der öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Radiosender zu berufen, die Zahl der Kontrollratsmitglieder der Stationen zu begrenzen und die Mandate der derzeitigen Amtsträger zu beenden.

Außenminister Waszczykowski: „Wir wollen lediglich unseren Staat von einigen Krankheiten heilen, damit er wieder genesen kann.” © REUTERS

„Wir wollen lediglich unseren Staat von einigen Krankheiten heilen, damit er wieder genesen kann“,  sagte Polens Außenminister Witold Waszczykowski der “Bild“-Zeitung. Bei den Medien sei unter der Vorgänger-Regierung ein bestimmtes linkes Politik-Konzept verfolgt worden. „Als müsse sich die Welt nach marxistischem Vorbild automatisch in nur eine Richtung bewegen – zu einem neuen Mix von Kulturen und Rassen, eine Welt aus Radfahrern und Vegetariern, die nur noch auf erneuerbare Energie setzen und gegen jede Form der Religion kämpfen.” Das habe mit traditionellen polnischen Werten nichts zu tun, so Waszcykowski.

Kurz nach Verabschiedung des Gesetzes folgte eine Rücktrittswelle im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Direktoren von vier Programmen des öffentlich-rechtlichen Fernsehsender TVP reichten ihren Rücktritt ein. Damit wollten sie offenbar ihrer Entlassung zuvorkommen, die sie durch das neue Mediengesetz befürchteten.

Nicht nur internationale Journalisten- und Medienorganisationen hatten das Gesetz scharf kritisiert. Auch EU-Kommissar Günther Oettinger sieht in Polens neuem Mediengesetz Gefahren für die Pressefreiheit.

Günther Oettinger: „Ein Intendant darf nicht ohne Angabe von Gründen entlassen werden. Das wäre Willkür.“ © dpa

Eine EU-Kommission beschäftigt sich am 13.Januar bei ihrer 1. Sitzung im neuen Jahr über die Lage in Polen. Sie sieht durch die Eingriffsmöglichkeiten der Regierung die Unabhängigkeit der Medien bedroht. Die geplante Beratung ist die Vorstufe zu einem  Prüfverfahren, das die Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit durch die Mitgliedstaaten überwachen soll.

„Es spricht viel dafür, dass wir jetzt den Rechtsstaatsmechanismus aktivieren und Warschau unter Aufsicht stellen“, sagte der für Medienpolitik zuständige EU-Kommissar Günther Oettinger der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Der Rechtsstaatsmechanismus der EU wurde 2014 eingeführt und sieht einen verstärkten Dialog mit einem Mitgliedsland vor, wenn die EU-Kommission Verletzungen der Rechtsstaatlichkeit befürchtet. Wenn das Mitglied nicht auf Änderungswünsche der Kommission reagiert, droht ein Verfahren wegen des Verstoßes gegen europäische Grundwerte. Bei „schwerwiegender und anhaltender Verletzung“ der im EU-Vertrag verankerten Werte kann in letzter Konsequenz das Stimmrecht des Landes bei Ministerräten und EU-Gipfeln entzogen werden. Weil diese Sanktion so hart ist, kam sie bislang nicht zum Einsatz. Diplomaten sprechen von einer „Atombombe“.

Tagesschau vom 03.01.2016 20:15 Uhr: EU Kommission droht Polen wegen Mediengesetz mit Aufsicht

 

Quellen:

http://www.tagesschau.de/thema/mediengesetz/

http://www.welt.de/politik/article150505395/Parlament-verabschiedet-umstrittenes-Mediengesetz.html

http://www.tagesspiegel.de/politik/polen-das-mediengesetz-und-die-eu-polens-aussenminister-gegen-welt-aus-radfahrern-und-vegetariern/12784944.html

http://www.tagesspiegel.de/politik/protest-gegen-mediengesetz-ruecktrittswelle-im-polnischen-rundfunk/12783122.html

http://www.welt.de/politik/ausland/article150570603/Ist-Polen-fuer-euch-nur-Lieferant-billiger-Arbeiter.html

„Niemand verschließt den Polen den Mund“ – Wie die polnischen Medien gegen das neue Mediengesetz protestieren

Seit Ende Oktober bildet die konservative Partei PiS die Regierung in Polen. Nun wurde am 31.12.2015 ein neues Mediengesetz verabschiedet, nach dem sie Posten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk besetzen darf. Die polnische Medienwelt protestiert.

„In den letzten Wochen verhalten sich die Medien, als ob sie dem polnischen Staat den Krieg erklärt hätten“, sagt Prof. Andrzej Zybertowicz, Berater des polnischen Präsidenten, in der Talkshow „Puenta“. Damit reagiert er darauf, dass der Radiosender PR1 zum Protest gegen das neue Mediengesetz seit Beginn des neuen Jahres regelmäßig die polnische und die europäische Hymne sendet.

Proteste in Radio und Fernsehen

Außerdem sind vier bedeutende Figuren des polnischen Fernsehens zurückgetreten.
Eine von ihnen ist Katarzyna Janowska, die den öffentlich-rechtlichen Fernsehsender „TVP Kultura“ leitete. Sie verabschiedete sich auf Facebook von katarzynajanowskafbihren Zuschauern und postete dazu ein Bild, auf dem zu lesen ist: „Nie lekajcie sie!“, zu Deutsch: „Habt keine Angst!“.

Tomasz Lis, ein polnischer Journalist, der eine bedeutende Talkshow leitete, trat ebenfalls zurück. Er verabschiedete sich mit einem offenen Brief auf der Internetseite naTemat.pl vom öffentlich-rechtlichen Fernsehsender „TVP“ und wendete sich an den künftigen Senderchef, Europaabgeordneten Jacek Kurski, und bat ihn, die Mitarbeit am neuen Staatsfernsehen zu überdenken. Der Brief endet mit den Worten: „Niemand verschließt den Polen den Mund. Niemand verschließt mir den Mund. Auf Wiedersehen.“

Oettinger will Aufsicht für Warschau

Günther Oettinger, der für Medienpolitik zuständige EU-Kommissar, sprach sich dafür aus, den Rechtsstaatsmechanismus zu aktivieren und Warschau zu beaufsichtigen. In Deutschland ist die Verstaatlichung des Rundfunks mit dem 1. Rundfunkurteil von 1961 verboten worden. Viele polnische Bürger sehen die junge Demokratie in ihrem Land durch die Entscheidungen der neuen Regierung bedroht und demonstrieren. Mit der Verstaatlichung der Medien stehen die Werte der EU und damit Grundpfeiler der Demokratie auf dem Spiel, die es zu schützen gilt.

Verlängerter Ausnahmezustand in Frankreich – das Volk zwischen Sicherheit und Kontrolle

Nach den terroristischen Attacken in Paris, die von der Terror-Miliz Islamischer Staat verübt wurden, in der Nacht des 14.11.2015, rief der französische Präsident Hollande unmittelbar nach diesem Massaker den Ausnahmezustand für Frankreich aus und mobilisierte alle französischen Streitkräfte. Hätte jemand gedacht, dieser Zustand hält nur wenige Tage oder Wochen an, so irrt er sich. Hollande gab bekannt, dass Frankreich bis zum 26. Februar 2016 in dieser „speziellen“ Situation beharren wird.

Was genau passiert während diesem Ausnahmezustand nach Gesetz Nummer 55-385?

Dieser Ausnahmezustand bewirkt, dass dem Staat- genauer gesagt den Präfekten der Departements, dem Innenminister, der Justizministerin, de Verteidigungsminister und  den ausführenden Behörden zusätzliche Rechte und Handlungsfreiheiten ermöglicht werden und schränkt dabei in diesem Zusammenhang die Grundgerechte ein. Zusätzliche Rechte sind die Verhängung von Ausgangssperren, Schließung von so mancher Geschäfte und Locations, Hausdurchsuchungen zu jeder Tages- und Nachtzeit, die nun ohne richterlichen Beschluss ausgeführt werden dürfen, Demonstrations- und Versammlungsverbote und die Kontrolle und Bewachung der Presse und anderen Veröffentlichungsorgane.

Eher umstritten ist die Tatsache, dass Personen, bei denen ein Verdacht zu terroristischen Beziehungen besteht, abgeschoben werden dürfen, obwohl dies nicht gesetzlich fixiert ist.

Das erste Mal wurde dieser Ausnahmezustand während dem Algerien-Krieg vor 50 Jahren verhängt und seitdem schließlich nur zweimal: 1985 während Unruhen auf der zu Frankreich gehörenden Inselgruppe Neukaledonien und 2005 bei ausgearteten Demonstrationen in französischen Vorstädten.

Aktuelle staatliche Handlungen unter diesem Ausnahmezustand

Seit den terroristischen Anschlägen der IS in Paris wurden mehr als 150 Durchsuchungen (Zahl steigt an) in verdächtigen Bezirken durchgeführt, unter anderem in Lyon, Toulouse und Grenoble. Es gab darüber hinaus mehrere Verhaftungen und es kam zur Schließung mehrerer Moscheen und Vereinen, „die die Werte der Republik angreifen“.

Man einigte sich bei der national verhängten Ausgangssperre auf 12 Stunden, die ab 20:00 Uhr beginnen soll. Zwar ist die französische Regierung momentan dazu in der Lage die Presse- und Meinungsfreiheit einzuschränken, doch Frankreich hält sich von einer derartigen Maßnahme fern.

„Französisches Guantánamo“?

Guantánamo ist eines der berühmt berüchtigsten Gefängnislagern Amerikas und dessen Errichtung wurde nach dem Terrorakt am 11.09.2001 vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush angeordnet. Den Gefangenen dort, denen terroristische Handlungen angehängt werden, entzog man die Rechte, die nach den Bestimmungen der Genfer Konvention von 1949 beschlossen wurden. Diese Rechte gelten für (Kriegs-)Gefangene, George W. Bush allerdings stufte die Guantánamo- Häftlinge als „illegale Kämpfer“ ein. Auch entzog man ihnen das Verfassungsrecht zum Schutz vor staatlicher Willkür („habeas corpus“), welches besagt, dass niemand ohne richterlichen Befehl verhaftet und länger als zwei Tage verhört werden darf. Schon ewig diskutiert man über dieses Häftlingslager und die Menschen unwürdigen Behandlungen, die dort stattfinden und die Häftlinge auch nach einer (selten vorkommenden) Entlassung schwer schädigen. Auch der Oberste Gerichtshof der USA befasste sich schon einige Male mit der Rechtslage Guantánamos und Obama hat seit Beginn seiner Amtszeit für ihre Schließung plädiert, doch Veränderungen gibt es auch nach all diesen Jahren nicht.

Nun befürchten viele ein „französisches Guantánamo“, was darauf zurückzuführen ist, dass das französische Justizministerium islamistische Terroristen in Sonderhaftanstalten unterbringen will. Die Angst, Islamisten würden in gewöhnlichen Gefängnissen nach neuem Nachwuchs suchen, die schließlich an deren Seite kämpfen könnten, ist groß. Bestes Beispiel dafür sind Chérif Kouchi und Amedy Coulibaly, die in den Terrorakten auf „Charlie Hebdo“ im Januar verwickelt waren. Um also den Einflussbereichen dieser Islamisten zu schwächen, will man sie nicht in die Nähe wütender und leicht beeindruckender Kleinkrimineller lassen. In Paris, wo gegenwärtig 152 als gewalttätig eingestufte Fanatiker inhaftiert sind, sollen vier isolierte Trakte/ Gefängnisse errichtet werden.

Als eine Art Probe existiert seit Oktober des vergangenen Jahres schon eine derartige Einrichtung für Islamisten, in der sich zurzeit 23 Inhaftierte befinden. Die Meinungen über die Errichtung einer Sonderanstalt gehen auseinander. So hat Frankreichs liberale Justizministerin Christiane Taubira Bedenken und Mitglieder des Ministeriums reden abfällig über ein mögliches „französisches Guantánamo“.

 

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Häftlinge blicken durch die Gitter des Marseiller Gefängnisses Les Baumettes.  Foto: REUTERS

Gestreut – Gelesen – Geglaubt

Vor Allem in den letzten Wochen stolpert man immer häufiger über den Vorwurf, die hiesigen Flüchtlinge stünden in engem Kontakt zu kriminellen Taten, wie Diebstahl, Vandalismus, sexuellen Übergriffen und Gewalttaten. Kunden klagen über Lebensmittelknappheit in den Supermärkten, Sozial- und Frauenverbände melden vermehrte sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen, und Passanten berichten über Angriffe auf offener Straße.
Klar ist auf jeden Fall: Die Gerüchteküche brodelt. Was allerdings weniger klar ist, ist, was von den Berichten tatsächlich der Wahrheit entspricht.

 

Bei Prüfung eben jener Gerüchte wird schnell klar, dass die meisten keinerlei Bezug zur Realität haben und nur zu einem Bestimmten Zweck verbreitet werden. Wie dieser Zweck genau aussieht lässt sich mit Sicherheit zwar nicht sagen, doch gibt es einige schlüssige Theorien, wie beispielsweise die des Kommunikationswissenschaftlers Matthias Kohring:

            „Gerüchte tauchen dann auf, wenn die Menschen Situationen besonders bedrohlich
empfinden, das heißt Situationen, in denen sie nach Orientierung verlangen“

Demnach wären die Gerüchtestreuer bloß unsicher und verängstigt, angesichts der gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen und suchten dabei letztendlich nach Solidarität und Unterstützung aus den eigenen Reihen. Besonders großes Angstpotential gehe laut Kohring von Vergewaltigungsgerüchten aus:

            „Sie haben etwas mit der Integrität der Familie zu tun, mit dem letzten Zufluchtsort
der Menschen. Sie haben aber auch etwas damit zu tun, dass eine Kultur bedroht ist
und deswegen sind das die Gerüchte, die Ängste auslösen können.

 

Demnach müsste man den Gerüchtestreuern letztendlich die Angst vor den Auswirkungen des Flüchtlingsstroms nehmen, was durch zahlreiche Gegendarstellungen und Statistiken – welche belegen, dass Flüchtlinge keine erhöhte Kriminalitätsrate verursachen – bereits versucht wird. Die Medien stoßen an diesem Punkt allerdings an ihre Grenzen, denn während sich durch vermeintlich glaubhafte Zeugenaussagen Ängste in der Gesellschaft ausbreiten, kann den Medien schnell unterstellt werden, mit Gegendarstellungen nur eine aufkommende Hysterie ausbremsen zu wollen. Dadurch und besonders unter den Vorwürfen einer „Lügenpresse“ leidet die Glaubwürdigkeit der Medien massiv. Und dies vielleicht mit ernsten Folgen für die deutsche Gesellschaft.

 

Quellen:

Medien: Machtlos gegen Flüchtlingsgerüchte? in:
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Medien-Machtlos-gegen-Fluechtlingsgeruechte,geruechte108.html  (Stand 25.11.2015)

Wut statt Vertrauen

Deutsche Medien sehen sich immer mehr der Kritik ausgesetzt, dass sie nicht unabhängig und unglaubwürdig seien. Diese Begebenheit scheint keine kurzfristig Verdrossenheit von Einzelnen darzustellen, sondern macht einen großen Teil der Bevölkerung aus.

Der Begriff der ,,Lügenpresse“, welcher in der deutschen Geschichte des öfteren aufgetreten ist und wohl am stärksten bei Joseph Goebbels Nazi-Propaganda zum Vorschein trat, begibt sich wieder in den Sprachgebrauch vieler. Diesbezüglich ist zu erwähnen, dass der Begriff nicht nur auf Pegida-Demonstrationen skandiert wird, sondern ein Fünftel der wahlberechtigten Bevölkerung in Deutschland ihn verwenden würde, wenn es um deutsche Medien geht.  Somit ist das Unwort des Jahres 2014, welches sonst vermehrt in rechten Kreisen verwendet wurde, wieder im Munde eines nicht zu vernachlässigenden Teils der Deutschen.

Das Vertrauen gegenüber den Medien ist in weiten Teilen der Bevölkerung tief erschüttert. Nur etwa die Hälfte der Bürger hält die deutschen Medien für glaubwürdig. Dies resultierte gerade aus Ereignissen, bei denen die Berichterstattung selbst starker Kritik ausgesetzt wurde. Im Falle des Ukraine-Konfliktes wurde die Glaubwürdigkeit und damit auch das Vertrauen in die Medien nachhaltig geschädigtFür 37% der Deutschen ist das Vertrauen in die Medien in den letzten Jahren gesunken.

Für ein konkretes, wenn auch extremes, Beispiel für Misstrauen sorgt der Bericht des ZDF morgenmagazins, welcher den Kontakt der Teilnehmer, der mittwöchlichen AfD-Kundgebung in Erfurt, mit der Moderatorin Dunja Hayali zeigt. Der gekürzte Bericht wurde aufgrund zahlreicher Zensur- und Manipulations-Vorwürfe nochmals in voller Länge auf Facebook und in der ZDF-Mediathek hochgeladen.

Sicherlich wird bei einer solchen Kundgebung kein objektiver Schnitt durch die deutsche Gesellschaft gezogen, jedoch ist bedenklich, dass Teile des Publikums einen verzweifelten Eindruck machen. Sie fühlen sich nicht verstanden und betonen, nicht etwa Nazis oder AfD-Anhänger zu sein, sondern dass ihnen ein Medium fehlt, das ihre Gedanken und Ängste vertritt.

Höchstwahrscheinlich ist das Gros der Teilnehmer einer solchen Veranstaltung nicht mehr belehrbar, jedoch sollte jeder aufschrecken, wenn das voranschreitende Misstrauen in Medien zum präferieren extremer Ansichten führt.

 

 

Attentate – Gerüchte, voreilige Schlüsse und ihr Einfluss auf die Menschen

Seit geraumer Zeit, insbesondere seit den rezenten Ereignissen in Paris, sind wir beinahe täglich mit neuen Berichten von Attentaten, Verdächtigen, verstärkten Sicherheitsmaßnahmen und, sieht man sich auf sozialen Netzwerken um, einer scheinbar wachsenden Angst konfrontiert.

Durch die eigentliche Wahrheitspflicht der Medien werden diese Meldungen von der Bevölkerung oft nicht hinterfragt – doch inwiefern kann man sich auf die Richtigkeit jener Meldungen verlassen? Wie oft handelt es sich um tatächliche Fakten und wann fangen Gerüchte und voreilige Schlüsse an in den Vordergrund zu treten?

Der folgende Artikel listet einige Beispiele auf, die die Wichtigkeit seriöser Recherche verdeutlichen.

Attentate – Gerüchte, voreilige Schlüsse und ihr Einfluss auf die Menschen weiterlesen

Lady Liberty und Hitlergruß: Ist Deutschland bereit für eine solche Werbung?

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Die Freiheitsstatue, das Symbol für die traditionellen Werte der USA, wie Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung, mit Nazi-Schärpe und den Hitlergruß ausführend.
Solche Plakate zeigt Amazon zur Zeit in den den Straßen New Yorks und bewirbt damit die neue, für den eigenen Streamingdienst „Prime“ produzierte Serie „ The man in the high castle“.

Jene Serie, basierend auf dem im Original gleichnamigem Roman (im deutschen: „Das Orakel vom Berge“) von Philip K. Dick aus dem Jahre 1962, spielt in einer fiktiven Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, welchen Nazi-Deutschland und die Achsenmächte gewonnen haben und im Folgenden die USA unter sich aufgeteilt haben.

Auch hierzulande bietet Amazon die Serie als Stream an. Beworben wird sie hier jedoch nicht mit oben genanntem Plakat. Die deutsche Version zeigt schlicht das mit Kugeln beschossene Konterfei George Washingtons, dem ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Aber warum? Warum wurde das deutsche Plakat zensiert? Sind wir Deutsche denn 70 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges immer noch so ängstlich gegenüber der Darstellung von Nazi Symbolen?

Zuerst muss gesagt werden, dass das Verwenden von verfassungsfeindlichen Symbolen, zu denen auch das Hakenkreuz, sowie die Hakenkreuzfahne zählen, in §86a des Strafgesetzbuches, verboten ist.

Jedoch ist es in allen Lebensbereichen omnipräsent. Seien es Abbildungen in Schul- oder Geschichtsbüchern, Filme welche sich um Nazis oder den zweiten Weltkrieg drehen usw.
Zu solchen Zwecken ist seine Darstellung auch erlaubt.

Warum aber diese Angst vor dem Hakenkreuz?

Zum einen ist da die moralische und historische Verantwortlichkeit der Deutschen gegenüber den Opfern der Nationalsozialisten. Eine Verwendung deren Symbole zu rein unterhaltenden oder provokativen Zwecken vermittelt eine gewisse Gleichgültigkeit den Opfern gegenüber.
Zudem fühlen sich viele Deutsche durch die Darstellung eines Hakenkreuzes angegriffen. Sie befürchten, dass der Eindruck entstünde, wir Deutschen würden uns noch immer mit seiner Symbolik identifizieren und somit an den Rest der Welt vermitteln, immer noch Nazis zu sein.

Nüchtern betrachtet ist das Hakenkreuz jedoch nichts weiter als ein Symbol. Seine eigentliche Bedeutung erhält es erst durch den Kontext, in welchem es verwendet wird: So gilt es beispielsweiße in östlichen Religionen, wie etwa dem Buddhismus oder Hinduismus, als Glückssymbol.
Und selbst wenn es im Bezug zum Dritten Reich steht und in der heutigen Bundesrepublik auf einem Werbeplakat zu sehen ist, lässt sich dadurch noch nicht verallgemeinernd ableiten, dass die Deutschen immer noch nationalsozialistisches Gedankengut gutheißen und fördern.

Deshalb wird es 70 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges in einem Deutschland, das sich zu Demokratie und Menschenrechte bekennt, im europäischen Einigungsprozess eine aktive Rolle innehatte und den Frieden in der Welt fördert, Zeit, die Angst vor den Zeichen der Vergangenheit abzulegen.

 

Abschließen und entgegen aller Kontroversen, dieses sensible Thema hervorbringt, sollte jedoch die Absicht dieser Werbeplakate seitens Amazons hervorgehoben werden: Provokation!

Denn durch sie wird eine Diskussion über die moralische Verwerflichkeit einer solchen Werbeaktion in der Öffentlichkeit erregt, welche vor allem eines bewirkt: Aufmerksamkeit für Amazons neue Serie!

Bildquelle: dpa

 

Die Glaubwürdigkeit deutscher Medien

Anschläge in Paris, Anschläge in Mali.

Diese schrecklichen Gräueltaten in kürzester Zeit werfen Fragen auf. Die Menschen dürsten nach Informationen doch ist es überhaupt möglich an objektive Informationen zu gelangen?

Man steht ständig unter dem Einfluss der medialen Umwelt (Nachrichtensendungen, Facebook und Co.), kann man sich da noch eine eigene Meinung bilden oder bleibt einem nichts anderes übrig als eine weit verbreitete Meinung einfach nur anzunehmen?

Gerade die Berichterstattung in der Politik ist diesen Zweifeln ausgesetzt, doch sind diese überhaupt begründet?

Im vergangenen Juni wurde in der ZEIT ein Artikel veröffentlicht, der sich mit einer Umfrage von infratetst dimap auseinandergesetzt hat. Der Artikel trägt den Titel „Deutsche haben wenig Vertrauen in die Medien“. Darin wird erläutert, dass immer mehr Menschen das Gefühl haben manipuliert oder nicht ausreichend informiert zu werden. Trotzdem beziehen die meisten Menschen ihr Wissen über Politik aus Nachrichtensendungen, dabei werden die ARD und das ZDF bevorzugt (Vgl. o.g. Artikel aus der ZEIT). Dass ARD und ZDF was Seriosität angeht hoch im Kurs stehen, belegt auch der ARD Trend, der sich zusätzlich mit der Glaubwürdigkeit der einzelnen Sender beschäftigt hat.

Doch können Journalisten überhaupt objektiv berichten?

„Objektivität ist die Wahnvorstellung, Beobachtungen könnten ohne Beobachter gemacht werden.“, schrieb Heinz von Foerster im Jahre 1998.

Jeder Journalist hat einen bestimmten Wertekatalog und diesen völlig außer Acht zu lassen ist nur schwer machbar. So hat eine Studie des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes (DFJV), im Jahre 2010, durch eine Befragung von Politikjournalisten gezeigt, dass die Mehrheit angegeben hat keine Partei zu bevorzugen doch darauf dicht gefolgt Bündnis 90/ Die Grünen viel Zuspruch erhalten.

So kann es doch sein, dass sich diese Politikjournalisten eher Themen widmen, die nach ihrem Ermessen von hoher Bedeutung sind z.B. Umweltschutz, Verbraucherschutz oder soziale Gerechtigkeit. Umweltskandale werden künstlich aufgeputscht, um eine große Reichweite in der Gesellschaft zu erlangen. So etwas könnten böse Zungen behaupten, doch steckt dahinter nicht einfach nur die Sorge sich auf die Informationen anderer verlassen zu müssen? Sich ein eigenes Bild von einer Situation machen zu können, ist kaum möglich. Dies wäre mit zu viel Aufwand verbunden, da ist es doch bequemer die Journalisten ihre Arbeit machen zu lassen und diese dann später zu hinterfragen.

Das einzige was man effektiv machen könnte, wäre es sich die Informationen über bestimmte Themen aus vielen verschiedenen Quellen zu ziehen und dann zu entscheiden, welcher Version man denn Glauben schenken möchte oder ob es nicht ein Mix aus allem ist.

Der Trick dabei ist es, möglicherweise nicht nur inländische Quellen zu berücksichtigen. Einfach über den Tellerrand hinaus blicken und schauen, wie andere Länder über diese bestimmten Themen berichten, denn in dem Fernsehrat von zum Beispiel ZDF sitzen viele verschiedene Vertreter der BRD, doch Vertreter anderer Länder sucht man vergebens. Die Interessen des eigenen Landes stehen im Vordergrund und können somit den Blick auf bestimmte politische Situationen oder Ereignisse verschleiern.

So kamen auch Zweifel bezüglich der Berichterstattung über die Krim-Krise auf. Die westlichen Medien würden zu pro westlich argumentieren, meinen Experten und auch Journalisten. Da lohnt es sich doch auch die Berichterstattung der betroffenen Länder anzuschauen.

Also kann man sagen, dass es durchaus möglich ist sich eine eigene Meinung bilden zu können. Gerade im Zeitalter des Internets, wo so ziemlich alles frei zugänglich ist, ist es einfacher an Informationen zu gelangen. Wenn es um Politik geht, sollte man am besten selbst ein wenig recherchieren und sich nicht ausschließlich auf journalistische Artikel verlassen.

Dokumentation „The Thread“ – Eine Online-Community auf der Jagd nach den Attentätern des Boston Marathon

Als am 15. April 2013 auf der Zielgeraden des Boston-Marathons zwei Sprengsätze explodierten, kamen dabei drei Menschen ums Leben und 264 weitere wurden verletzt.

Is this the Boston Bomber?Die Dokumentation von Greg Barker („Manhunt“) rekonstruiert die Suche nach den Attentätern des Boston Marathon innerhalb der Online-Plattform „Reddit“ und thematisiert dabei auch den Konflikt zwischen traditionellen und neuen Medien. Stellt „Crowdsourcing“ eine Gefahr für den investigativen Journalismus dar?

Das Interesse an diesem Event war groß. Neben zahlreichen Reportern, die live berichteten, fotografierten und filmten vor allem tausende Zuschauer und Teilnehmer mit ihren Smartphones das Geschehen rund um den Boston Marathon. Damit gehört das Attentat zu den, am besten dokumentierten Terroranschlägen unserer Zeit.

Die Suche nach den Bombenlegern hielt die gesamten USA in Atem und entfachte natürlich einen erbitterten Kampf der Medien um die Nachrichtenhoheit. Ob Kabelsender, Online-Dienste oder Networks- alle versuchten sich als beste Informationsquelle zu profilieren. Überraschenderweise sorgte vor allem die Social-News-Plattform „Reddit“ für Furore. Deren Community teilte direkt nach dem Attentat zahlreiche Bild-und Videoaufnahmen miteinander und kommunizierte in unzähligen „Subreddits“ (Unterforen) über das Ereignis.

Reddit AnalyseIm Thread „FindBostonBombers“ kam es in den darauffolgenden Tagen zu einer perfiden Suche nach den möglichen Attentätern. Bild- und Videomaterial wurde gesichtet, analysiert und diskutiert. Wilde Spekulationen und Anschuldigungen führten schlussendlich dazu, dass mehrere Unschuldige in den Fokus der Medien und der Polizei gerieten.

Am 19. April 2013 schaffte es die Polizei schlussendlich die offiziellen Täter Tamerlan und Dschochar Zarnajew zu stellen. Im heftigen Schusswechsel wurde  Tamerlan Z. dabei tödlich verwundet. Sein Bruder Dschochar Z. konnte flüchten, wurde aber noch am selben Tag von einem Sondereinsatzkommando festgenommen. Die Amateuraufnahmen seiner spektakulären Verhaftung, die mitten in der Gemeinde Watertown, vor den Augen zahlreicher Anwohner stattfand, verbreiteten sich ebenfalls rasant in den sozialen Medien. –>DRAMATIC VIDEO: Intense Gunfight Between Police and Bombing Suspect

„The Thread“ zeigt, wie sich die Medienlandschaft durch Fortschritte in der Technologie und der weit verbreiteten Nutzung von Social Media verwandelt hat. Berichte aus erster Hand und Nachrichten mit einer beispiellosen Geschwindigkeit zu sammeln und zu publizieren ist schon lange nicht mehr, ein Privileg das nur professionellen Journalisten zuteilwird. Die klassischen Rollen des Produzenten und des Konsumenten verschwimmen immer mehr. Wie der Fall „Reddit“ und sein „FindBostonBombers“-Thread zeigt, ist die Eigendynamik solcher Dialoge im Web 2.0 kaum zu steuern. Durch die schneeballartige Verbreitung in Communities und dem Verlinken in Foren oder Blogs wird die Verbreitung von Gerüchten im Netz erleichtert. Weblogs dienen dem Meinungsaustausch und verhelfen durch die Anonymität des Internets zu einer neuen Qualität des Gerüchtestreuens. Aufgrund der Tatsache, dass jeder User zugleich Rezipient und Autor sein kann und Aussagen sowohl wahr als auch falsch sein können, kann der Inhalt ungeprüft auf Relevanz und Wahrhaftigkeit im Netz veröffentlicht werden.

Die 60-minütige Dokumentation glänzt besonders durch die zahlreichen Interviews mit Journalisten und Bossen der globalen Mediengiganten, wie auch den Social Media-Nutzern, die sich auf die Jagd nach den Boston-Marathon-Bombern gemacht haben.

Die Dokumentation ist u.A. auf Netflix & iTunes verfügbar.


Quellen:

„The Thread“, Courtesy of Greg Barker and Content Television

http://insider.foxnews.com/2013/04/20/dramatic-video-neighbor-captures-intense-police-gunfight-bombing-suspect-dzhokhar

http://www.dailymail.co.uk/news/article-3035378/It-beast-Moderator-Reddit-s-Boston-Bombers-thread-tells-millions-users-descended-subreddit-days-attack-identified-wrong-suspect.html

Flüchtlinge funken frei dank Freifunk

Flüchtlingsunterkünfte werden von Freiwilligen mit freiem Internet ausgestattet

Wo befinden sich derzeit meine Verwandten? Haben Sie den Bombenangriff überlebt? Wo wurden sie in Deutschland untergebracht?

Das Smartphone mit dem dazugehörigen Internetzugang bietet dank Facebook, Skype und WhatsApp den Asylsuchenden oftmals die einzige Möglichkeit Kontakt mit Familienangehörigen zu halten. Doch selbst die mittlerweile geringen Kosten für Datenpakete sind vielmals eine große Hürde. Deshalb haben ehrenamtliche HelferInnen der privaten Initiative „Freifunk e.V.“  damit angefangen Flüchtlingsunterkünfte mit freiem WLAN auszustatten.

Unter anderem durch eine großzügige Spende der Firma TP-Link, welche Router herstellt, konnten bis zum 04. November in mehr als hundert Unterkünften deutschlandweit so freie WLAN-Netze installiert werden; Tendenz steigend.

Doch der Zugang zum Internet dient den Flüchtlingen nicht nur als Kommunikationsweg für Verwandte und Bekannte, viel mehr nimmt es Hürden.

Dank zahlreicher moderner Apps können kinderleicht Fremdwörter übersetzt werden, Verbindungen für öffentliche Verkehrsmittel rausgesucht werden und bürokratische Fragen gegoogelt werden. Bei der stetigen Anzahl von Asylsuchenden sind auch die Freifunker weiterhin auf Unterstützung angewiesen. Selbst wenn die Unterkunft keinen eigenen Internetzugang hat, kann durch die sogenannten Mesh-Netze auch über mehrere hundert Meter eine funktionierende Verbindung hergestellt werden.

Die Anbieter von solchen freien Netzen haben im übrigen keine rechtlichen Haftungen zu befürchten. Mittlerweile ist „Freifunk e.V.“ als Provider in Deutschland eingetragen, womit das Problem der Störerhaltung entfällt.

Raus aus den Zwängen

Der Bundestag beschließt diese Woche das Gesetz gegen den Routerzwang

Irgendwo in der Wohnung blinkt es immer, meistens grün im Arbeitszimmer oder im Keller. Unser Zugang zum Internet ist derzeit durch einen vom Anbieter vorgeschriebenen Router gesichert.

Wenn es nach dem Willen der Bundesregierung geht, soll sich dies nun am heutigen Tage ändern. Die schwarz-rot geführte Koalition setzt hiermit eine weitere Vereinbarung aus ihrem Koalitionsvertrag um: „Nutzerinnen und Nutzern müssen die freie Auswahl an Routern behalten. Daher lehnen wir den Routenzwang ab“.

Gesetz zur Auswahl und zum Anschluss von Telekommunikationsendgeräten“ , so lautet der sperrige Name des Gesetzes, welches den Internetnutzern in Zukunft mehr Freiheit bieten soll. Besonders Verbraucherschützer erhoffen sich hierdurch einen größeren Wettbewerb, wovon die Nutzer profitieren sollen. Sie werfen den Internetanbieter ebenfalls vor, dass die Provider oftmals billige und unsichere Geräte liefern. Ebenfalls könnte auf „freien“ Routern Software installiert werden, wie zum Beispiel um „Freifunk“   anzubieten.

Doch wieso ist das bisher nicht der Fall?

Nach jetziger Rechtssprechung ist der Netzabschlusspunkt als Endgerät definiert. Das bedeutet, dass der Anbieter auch für den Router zuständig ist und Teil seines Netzes darstellt.

Mit der Änderung des Gesetztes wird die Anschlussdose in der Wand als neuer Netzabschlusspunkt definiert. Der Router gehört dann nicht mehr dazu.

Federführend für dieses Gesetz war das Bundeswirtschaftsministerium. Bereits Februar 2015 arbeitete dieses einen entsprechenden Entwurf aus. In der heutigen zweiten und dritten Lesung im Bundestag werden keine Änderungsanträge erwartet. Somit kann das Gesetz spätestens Ende Februar 2016 in Kraft treten. (Quelle: http://www.heise.de/netze/meldung/Routerzwang-So-geht-es-weiter-mit-dem-Gesetz-zur-freien-Routerwahl-2834230.html)

Die Guten, die Bösen und die Dummen – Wie deutsche Medien plötzlich die Nazis in der Ukraine entdeckt haben

Eine sehr schockierende Entdeckung kursiert in diversen deutschen Medien seit einer Woche – organisierte paramilitärische Formierungen von schwerbewaffneten Faschisten und Neonazis kämpfen in der Ukraine, aber nicht im Osten sondern im Westen. Die andere große Überraschung – die Kämpfe sind nicht gegen die so genannten Separatisten sondern gegen die Regierungstruppen. Die Gewalteskalation im Westen der Ukraine soll unterschiedliche Gründe haben – Zigarettenschmuggel, korrupte Politiker und Behörden oder einfache neue Machtverteilung an der Grenze von der EU. Die Kämpfe sind aber im eigenen Lager – von den von Europa und USA unterstützten pro-westlichen Mächten. Diese Gruppen, die der pro-russische Ex-Staatsoberhaupt Janukovich gestürzt haben.

Irgendwie ist die ganze Situation ziemlich verwirrend geworden und nicht nur für den einfachen Beobachter aber auch für die Medien in Deutschland. Die damals furchtlose und brave Freiheitskämpfer gegen der Diktatur und unterstützt vom ganzen Westen, befinden sich in der gleichen Situation wie vor einem Jahr, nur jetzt sind sie ein Teil von der legitimen pro-westlichen Regierung – die gleiche gegen sie auch gleichzeitig kämpfen. Aber die Situation wird noch verwirrender – vor einem Jahr war in den deutschen Medien die Rede von nationalistische Gruppierungen, die um Freiheit und westlichen Werten gekämpft haben, jetzt von rechtsextreme Paramilitäre die gegen die legitime pro-westliche Regierung kämpfen. Wie genau haben sich Teil von der pro-westliche Oposition in bösen Faschisten umgewandelt? Es kann nicht sein, dass diese Leute plötzlich so bösartig geworden sind, denn vor einem Jahr die westlichen Maßmedien waren alle überzeugt – die pro-russische Regierung war der Teufel und alle andere die gegen die Regierung protestiert haben waren Helden. Faschisten und Nazis sollte nur ein Teil von den russischen Propaganda sein. Laut Claus Kleber von ZDF in der „Heute-Journal“ von 21.07.2014 sind keine Faschisten zu finden – „Wir und viele Medien sind Hinweisen nachgegangen, ob das stimmt, aber wir haben festgestellt, es gibt diese Faschisten nicht.“.

ein Jahr später aber die Faschisten in der Ukraine sind mehr als real, wieder eine Feststellung bei „Heute Journal“ vor wenigen Tagen.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2450834/ZDF-heute-Sendung-vom-18.-Juli-2015?setTime=467#/beitrag/video/2450834/ZDF-heute-Sendung-vom-18.-Juli-2015

Der Rechte Sektor (Pervii Sektor) war die Spitze des Schwertes von der pro-westlichen Opposition bei der Meidan letztes Jahr. Noch mehr – nach dem Putsch sind sie und Dmitri Jarosch als Anführer, Teil von den Regierenden in der Ukraine. Dennoch haben andere Medien versucht die unangenehme Situation noch zu retten und das was gerade geschieht klein zu spielen. In dem Onlineangebot von „Die Zeit“ am 12.07.2014 wurde der folgende Artikel veröffentlicht – „Drei Tote nach Schusswechsel in der Westukraine”.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-07/gefechte-westukraine-drei-tote

Wegen 4 Tote wurde teilweise eine ganze Stadt von ca..100.000 Einwohner evakuiert. Es ist auch keine Spur von der „Nationalgarde“, wovon das Rechte Sektor eigentlich ein Teil ist – es geht angeblich nur um eine paramilitärische Nationalorganisation. Zwar wurden Fakten erwähnt, wie Berichte von Amnesty International für begangene Kriegsverbrechen an der Ostfront aber es gebe keinerlei Verbindungen zwischen Pervii Sektor und die, nach der Maidan entstandene Regierung, in dem Artikel. Dennoch ist Pervii Sektor als Teil von der „Nationalgarde“ dem Innenministerium unterstellt.

Es ist äußerst störend wie manche Medien in Deutschland absichtlich die Realität verzerrt haben – schwerbewaffnete Faschisten und Rechtsradikale können und dürfen nicht die Guten spielen und schön gemalt werden, egal in welches Szenario und unter welche Konjunktur sie sich in einem bestimmten Moment befinden. War die Verleugnung deutscher Medien ein Teil von der Kriegspropaganda oder reine Dummheit und Naivität – beiden Optionen sind mehr als gefährlich.

Da wo #merkelstreichelt, ist man gern

Am 15. Juli 2015 fand der Bürgerdialog mit dem Kampagnentitel „Gut leben in Deutschland“ in Rostock statt. Zu Gast war eine Rostocker Schulklasse, die Merkel Fragen zur aktuellen Flüchtlingspolitik stellte. Dort kam es zu einem Zwischenfall als ein Mädchen namens Reem Sahwil, das mit ihrer Familie vor vier Jahren aus Palästina in den Libanon geflohen war und von da aus nach Deutschland, Frau Merkel ihre persönliche Geschichte erzählte. Dabei ging sie auf ihre Angst vor einer Abschiebung ein, da ihre Familie lediglich eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung bekommen hatte. Merkel zeigte Verständnis für die Situation des Mädchens, betonte aber auch dass Deutschland nicht alle Menschen aufnehmen könne. Als das Mädchen daraufhin zu weinen begann, streichelte Merkel es und versuchte es mit den Worten „Och, komm. Du hast das doch prima gemacht“ zu trösten. Diese Aussage und das Handeln der Kanzlerin sorgten unter dem Hashtag #merkelstreichelt online für einen Shitstorm im Internet, in dem vor allem auf Merkels herzloses Verhalten hingewiesen wurde. Zugleich wurde aber auch eine neue Flüchtlingsdebatte ausgelöst.

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Ist eine solche Reaktion gerechtfertigt?

Zunächst muss gesagt werden, dass das Video, das vom NDR ausgestrahlt wurde und auf YouTube zu sehen ist, eine Länge von 5:30 Minuten hatte. Es zeigte folglich nicht das ganze Gespräch, das bei dem Bürgerdialog stattfand, sondern nur einen Ausschnitt. Durch diese „Manipulation“ wirkte es so, als sei Merkel gefühlskalt und als wäre ihr das Schicksal des Mädchens gleichgültig. In dem langen Video dagegen (90 Minuten) ging es darüber hinaus darum, dass das Asylbewerberverfahren eine lange Zeit in Anspruch nimmt und Frau Merkel bemühte sich zu erklären, warum dies so sei und ging darauf ein, dass dieses Verfahren in Zukunft beschleunigt werden soll.

Durch die Kurzversion wurde im Vergleich zu der Langversion des Videos der Eindruck der Situation verschärft und zugespitzt. Es muss jedoch auch gesagt werden, dass die Formulierung Merkels als etwas ungünstig gewählt beurteilt werden kann. Merkel hat, wenn auch etwas ungeschickt, richtig gehandelt, indem sie dem Mädchen keine Versprechungen gemacht hat, die sie möglicherweise nicht einhalten kann. Hätte sie das getan, hätte sie sich über alle rechtstaatlichen Prinzipien hinweggesetzt, wozu sie überhaupt nicht in der Lage ist. Sie wählte deshalb einen Mittelweg und versuchte, die Problematik der Flüchtlingsdebatte so gut es geht zu erläutern.

Hierbei sind also vor allem diejenigen Medien zu kritisieren, die die Geschichte unnötig aufgebauscht haben und lediglich auf die Kurzversion des Videos verwiesen haben anstatt eine umfassende Recherche vorzunehmen.

Medien- Ablöse der Atombombe?

Die Mächtigen regieren die Welt. Macht basiert auf Fortschritt. Seit die Menschheit Kriege führt, werden diese meist durch den Faktor Geld entschieden und dadurch, welche Seite die fortschrittlichsten Waffen hat. Seit der Erfindung der Atombombe, durch deren Besitz man Einfluss üben kann, deren Verwendung aber aufgrund ihrer Zerstörungskraft in einem tatsächlichen Krieg unwahrscheinlich ist, sind die Machthaber der Welt auf der Suche nach einem neuen Mittel der politischen Lenkung der Welt und dass es gefunden wurde ist der Öffentlichkeit vor nicht allzu langer Zeit (hoffentlich) eingeleuchtet.

Der Flug MH17 ist abgestürzt. Eine Unaufhaltsame Flut an Medienberichten aller Art beginnt sich in diesem Moment über die Welt zu stürzen. Bald schon ist Allen klar, der Flug wurde abgeschossen… von den Russen? Oder, nein, den Pro-Russischen Separatisten? Waren es nicht doch die Ukrainer selbst? Oder deren Rebellen? Jeder Medienbericht behauptet etwas anderes, je nachdem in welchem Land sie erscheinen sind in den Schlagzeilen andere Schuldige, im Internet sind sogar manche der Ansicht, es wäre Alles ein Komplott der USA. Die Bösen sind überall, schlussendlich verbündet man sich gegen Russland, wegen der Sache mit der Krim- wurde die eigentlich Annektiert? Oder ist sie durch rechtmäßige Wahlen Russisch?

Die traurige Wahrheit: Alles, was seit dem (verwenden wir das neutrale, nichtssagenden Wort) Absturz der MH17 ereignet hat beruht auf dem Druck der die Medien auf die Politik ausüben. Medien konstruieren unsere Wirklichkeit, aber wer mag in einem Gewusel dieses Ausmaßes noch klar zu sehen? Niemand. Oder vielleicht doch?

Ein Brief des Vertreter Hollands beim Sicherheitsrat der UNO macht klar: bisher kann man bezüglich des Flugzeugabsturzes keine klaren Festlegungen treffen. Die Leichen konnten größtenteils geborgen werden, aber zuviel Flugzeugteile fehlen, als dass man auf einen eindeutigen Schuldigen schließen könnte. Ausserhalb der Medienrealität wies die Bürokratie also zumindest, dass sie nichts weiß.

Was das ganze mit Kriegsführung zu tun hat? Während die freien Medien Europäischen Bürgern ein konfuses Bild der Situation liefern, sind die Russischen Medien sich einig: Der Flugzeugabsturz ist ein Versuch der Ukraine, Russland schlecht dastehen zu lassen, um die Beziehungen von Russland zum Rest der Welt zu schwächen. Jeder Russe UND Alle Menschen ausserhalb Russlands, die ihre Informationen auf Russischen Nachrichten beziehen wissen dasselbe. Selbst Jahre nach dem Zusammenbruch der UdSSR sprechen viele Menschen in den ehemaligen Gebieten bevorzugt Russisch und durch den kontrollierten, stetigen Informationsfluss, den sie bekommen ist es auch möglich, dass die Krim an Russland annektiert wurde.

Mediale Kriegsführung gibt es schon lange (Propaganda ist uns Allen ein Begriff), doch die Russische Regierung hat sie neu erfunden, wie ein 25-Seitiger Bericht der NATO ausführlich darlegt. Niemand weiß warum das Flugzeug MH17 abgestürzt ist. Niemand wird es je wissen, ausser denen, die es waren. Pressefreiheit ist ein Privileg, dass nicht überall zu finden ist und genau das macht sie gefährlich. Kriege werden nicht mehr mit Waffen gewonnen. Sie werden mit Einfluss gewonnen. Was hat heutzutage noch mehr Einfluss als Medien?

 

Quellen:

NATO COE Report „Analysis Of Russia’s Information Campaign Agains Ukraine“

letter dated 16 Dezember 2014 from the Permanent Representative of the Netherlands to the United Nations addressed to the President of the Security Council.

Daily Review Of Ukrainian Media, Subject: Main headlines in Ukraine on 22 July 2015; Prepared by the Political and Trade and Economic Sections

European Union, Delegation to the Russian Federation; Daily Review Of Russian Press, Subject: Main headlines  in Russia on 22 July 2014

Night Will Fall- Gegen das Vergessen

Kürzlich strahlte die ARD zum siebzigsten Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz einen noch nie veröffentlichten Dokumentarfilm aus. Dieser trägt den Titel „Night Will Fall“ und ist ein Werk des Filmproduzenten André Singer.
Singers Film basiert auf dem 1945 produzierten „Tatsachenbericht über die deutschen Konzentrationslager“, einer Dokumentation des britischen Filmproduzenten Sidney Bernstein über die Befreiung der Lager Bergen-Belsen, Majdanek, Auschwitz, Buchenwald und Dachau, zu der später auch Alfred Hitchcock hinzustieß, da Bernstein Hilfe bei der Zusammenstellung des Materials brauchte. Zudem ist Hitchcock dafür bekannt, Filme so zu konzipieren, dass sie einem regelrecht unter die Haut gehen. Und genau das sollte mit der Dokumentation erreicht werden. Bernstein produzierte den Film, um allen beweisen zu können, dass die barbarischen Gräueltaten, die an den unvorstellbar vielen jüdischen Menschen verübt wurden, tatsächlich passiert sind. Das Material sollte den Deutschen gezeigt werden, da viele den Holocaust, obwohl doch nachweislich alle davon gehört hatten, verleugneten. Dennoch bekamen nur vergleichsweise wenig deutsche Bürger den Film zu Gesicht, da man zu Beginn des kalten Krieges die Deutschen nicht demütigen, sondern vielmehr als zukünftige Verbündete gegen die Sowjetunion gewinnen wollte.
In den Aufnahmen der sowjetischen, britischen und amerikanischen Armeen, und auch in denen von SS-Leuten, sind stapelweise (diese Beschreibung klingt roh, aber sie ist treffend) tote, vollkommen ausgezehrte Menschen, ohne ein einziges Gramm Fett am Körper zu sehen; tote Gesichter, mit eingefallenen Wangen, aufgerissenen Augen und Mündern; Gesichter, denen der halbe Kiefer fehlt oder die von Schusswaffen durchlöchert sind; Menschen, die Tote auf ihrem Rücken zu Massengräbern schleppen und hineinwerfen, so als ob die Toten Müll wären. Zwischen diesen schrecklichen Aufnahmen aus den Lagern blendet Singer immer wieder Interviews mit Zeitzeugen ein, sowohl britische, sowjetische und amerikanische Soldaten, die die KZ’s befreiten, als auch mit jüdischen Opfern, die dieses Grauen überlebten. Bernsteins Dokumentation gepaart mit den Erzählungen dieser Menschen macht es einem schwer, die Fassung zu wahren und macht es einem gleichzeitig leicht, wirklich zu verstehen, welches Verbrechen während des zweiten Weltkrieges an den Juden verübt wurde. Es ist wahrscheinlich, dass jeder Deutsche schon einmal eine Dokumentation über die unmenschlichen Morde an den Juden in den Konzentrationslagern gesehen hat, und auch dass das alles in der Schule thematisiert wird. Aber ich persönlich habe so furchtbare Bilder wie in „Night Will Fall“ noch nie zu Gesicht bekommen, vermutlich weil sie zu „brutal für den Alltag“ sind, doch sie zeigen genau, was die Soldaten der Befreiungsmächte damals vorfanden, als sie die Lager stürmten. Es zeigt, welche Verbrechen die Nationalsozialisten an der Menschheit verübten, wie entmenschlicht die jüdischen Gefangenen damals wurden.
Der KZ-Überlebende Max Mannheimer äußerte sich kürzlich in einem SPIEGEL-Interview im Zusammenhang mit dem Jubiläum der Befreiung der Menschen aus Auschwitz. Er ist der Auffassung, dass die Menschen nichts aus Auschwitz gelernt haben und sagt, mit Hinblick auf die PEGIDA-Bewegung, dass die Täter von einst auch brave Steuerzahler waren. Es ist schade, dass nicht jeder einzelne der deutschen Bevölkerung direkt nach dem Krieg dazu gezwungen wurde, Bernsteins „Tatsachenbericht über die deutschen Konzentrationslager“ zu sehen. Denn es stellt sich mir die Frage, ob es dann heutzutage weniger Neo-Nazis oder generell weniger Leute gäbe, die stumpf und taub gegen Ausländer und Asylanten wettern- ohne fundierte Gründe, einfach nur aus Hass und eingebildeter Angst- wenn schon ihre Eltern oder Großeltern direkt mit dem Grauen, dass sie nicht verhindern oder überhaupt erst wahrnehmen wollten, konfrontiert gewesen wären.
Die Bilder, die Bernstein zusammentrug und Singer jetzt in seine Dokumentation einbaute, sind das grausamste, was ich jemals gesehen habe, auch wenn mir klar war, was in den Konzentrationslagern geschehen ist, aber solche Bilder habe ich dennoch nie zu Gesicht bekommen. Niemand sollte die Unmenschlichkeit vergessen, die den Tod von 6 Millionen Juden bedeutete, auch wenn manche Stimmen auf einen „Schlussstrich“ plädieren. Aber den kann und darf es nie geben, denn auch wenn man anführen könnte, dass wir jungen Leute mittlerweile schon in der dritten Generation nach dem 2. Weltkrieg leben, so sind wir doch Deutsche und vor allem Menschen, und die Erinnerung an diese unbeschreiblichen Taten kann uns daran hindern, so etwas jemals wieder passieren zu lassen. Wenn wir es denn verstanden haben.

In der ARD-Mediathek ist „Night Will Fall“ täglich von 20-6 Uhr einsehbar.

 

Trailer zu „Night Will Fall“

„Night Will Fall“ in der ARD-Mediathek

SPIEGEL-Interview mit Max Mannheimer

 

 

„Ich habe mich geschämt“

Am Montagabend strahlte das Erste anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz drei Dokumentationen über  Diese und den Holocaust aus. Die Dokumentation „Night Will Fall“  zeigte tragische Aufnahmen, die alliierte Kamerateams 1945 in den befreiten KZs gedreht hatten.

Am darauffolgenden Abend äußerte sich die NDR-Moderatorin Anja Reschke während der ARD-„Tagesthemen“ zum Thema. Sie habe die genannte Dokumentation gesehen und habe sich „geschämt“ für das, was sie zu sehen bekam. Dafür, dass es zu ihrer Identität als Deutsche gehöre. Ob sie wolle oder nicht. Sie nennt Zahlen aus einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung, die aussagen, dass 58% der Deutschen einen Schlussstrich ziehen und die Geschichte des Holocausts „hinter sich lassen“wollen. Sie betont, dass die Männer, die dort waren und die Aufnahmen gemacht haben heute noch lebten und keiner von ihnen einen Schlussstrich ziehen könne. Wir stattdessen schmettern ihnen entgegen: „Es muss doch mal Schluss sein.“  „Ausgerechnet wir?“ fragt sie „Es gibt keinen Schlussstrich in der Geschichte“. Sie beendet ihren Kommentar mit einem Vergleich zu den Pegida Demonstrationen in Dresden: „Nach diesem Film konnte ich nicht schlafen, also habe ich umgeschaltet. Und was sehe ich? Pegida-Demonstranten in Dresden, die sich aufregen über die vielen Ausländer in Deutschland. Ganz ehrlich: Da ist mir dann wirklich schlecht geworden.“

Unbenannt

Im Internet wird seit der Ausstrahlung und Veröffentlichung des Videos heftig diskutiert. Auf Facebook besitzt das Video inzwischen fast 2,5 Millionen Aufrufe, wurde über 32.000 Mal geteilt und bekam über 54.000 „Likes“. Auf Twitter wurde das Video im Vergleich auch sehr viel öfter retweeted und favorisiert als andere Tweeds der ARD. Doch nicht alle können sich mit den von Frau Reschke getätigten Aussagen identifizieren. Änhänger der Pegida-Bewegung verurteilen sie  und reagieren mit: „Frau Reschke, Ihnen wird schlecht wenn Sie Menschen bei der Pegida sehen?! MIR wird schlecht wenn ich im TV solch dämliche Aussagen und Berichte wie Ihre sehe!!!“ Andere sind beeindruckt und unterstützen Sie: „Jeder, der hier schreibt, dass er es nicht mehr hören kann, hat es noch nicht so oft gehört, dass er es verstanden hat!“ oder „Sie spricht mir aus der Seele. Da wo wir Auschwitz vergessen, öffnen wir die Tür für neue KZ-Bauer…“

Selten gibt es Momente mit solch klaren Worten im deutschen Fernsehen. Es lässt sich auch darüber debattieren ob der Vergleich zu Pegida gerechtfertigt oder einfach überspitzt war. Eines steht jedoch fest. Frau Reschke hat mit ihrem Kommentar im Abendprogramm Mut bewiesen und eindrucksvoll veranschaulicht, warum der Holocaust immer ein Teil der Deutschen Geschichte ist und auch bleiben sollte. Alleine dafür gebührt ihr Respekt.

 

Der Link zum Video :

Kommentar von Anja Reschke zum Thema Auschwitz und Holocaust

 

 

Quellen:

“Kein Schlussstrich in der Geschichte”: eindrucksvoller “Tagesthemen”-Kommentar zum Thema Auschwitz

http://www.stern.de/politik/deutschland/auschwitz-kommentar-von-anja-reschke-loest-internet-debatte-aus-2169549.html

http://www.tagesspiegel.de/medien/gedenk-tv-und-wenig-publikum-wenig-zuschauerinteresse-an-auschwitz-gedenken-in-ard-und-zdf/11293598.html

http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-58033.html

"Dieser Teil unserer Geschichte ist in seiner Abartigkeit so einzigartig, dass er gar nicht vergessen werden kann." Ein Kommentar von Anja Reschke. #Auschwitz70

Gepostet von ARD am Dienstag, 27. Januar 2015

https://twitter.com/tagesthemen/media?lang=en

 

Wer dachte die Artikel einer Zeitung werden debattiert, hat die Werbung unterschätzt

Der Andrang an Meinungen um die Redaktionsleiterin von Christ & Welt Christiane Florin ist groß seit der ersten Ausgabe der Wochenzeitung in diesem Jahr. Doch seit der dritten ist er gewaltig.

Es ist nicht immer leicht als Journalist – und als einer, der über Glaubensfragen debattiert, schon gar nicht. Darüber können die Mitarbeiter der Zeit-Beilage wohl ein Lied singen.
Vor wenigen Wochen bekam die Redaktion eine Anzeigenbuchung von „Kirche in Not“, ein katholisches Hilfswerk, das international gegen die Verfolgung von Christen vorgeht. In ihrer ersten Ausgabe diesen Jahres thematisierte Frau Florin nun die Anzeigen der Zeitung und erklärte den Lesern, warum sie sich gegen das Abdrucken dieser einen entschieden hatten. Ausschlaggebend war insbesondere, dass die Organisation sich „[g]egen den Strom von Meinungsdiktatur und Political Correctness“ aussprach. Bei näherer Betrachtung des Kongressprogramms wurde offensichtlich: gemeint war nicht die Diktatur im herkömmlichen Sinne. Gegenstand des Aspektes sollte wahrhaftig die im Staat verankerte Demokratie sein, wie sie z.B. in der deutschen Verfassung steht, unter der du und ich leben.
Dass sich am rechten Rand der Kirche einiges tut, damit sind Christiane Florin und ihre Kollegen vertraut, sowie die Begabung einiger Gläubiger „Demokratien mit ihren Kompromissen und Mehrheitsentscheidungen mal eben zu einer „Diktatur des Relativismus“ umzudeuten“, nachvollziehen können und – vor allen Dingen – so eine Meinung zu publizieren und repräsentieren, müssen sie deswegen aber nicht.

Ich verwende an dieser Stelle bewusst den Ausdruck „repräsentieren“, da dies für viele Leser – oder sollte man lieber sagen Nicht-Leser? – nichts anderes darstellt. Man könnte meinen, dass eine Zeitung und ihr Team nicht verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen, die sie abdrucken, gemacht werden, da diese für sie bloße Finanzierungsmittel darstellen. Und doch treffen immer mehr Leserbriefe ein, die Bezug darauf nehmen und sich bei der Redaktion beschweren.
So gab es sogar zum Nicht-Veröffentlichen besagter Anzeige geradezu einen „Shitstorm“, der die völlig überrumpelte Frau Florin erreichte. Schuld waren verschiedene Homepages und Blogs, welche negativ über das Ablehnen berichteten und somit die eigenen Leser und eigentliche Nicht-Leser der Zeit auf die Redaktion und ganz im Besonderen auf die Redaktionsleiterin hetzten.
Die Folge war eine Flut aus persönlichen und unprofessionellen Beleidigungen.
Doch die Redaktion war der Meinung, dass „sich [auch] Journalisten nicht alles gefallen lassen müssen“ und beschloss kurzerhand die Zuschriften, die sie erhalten hatten, unzensiert und unter Angabe des Verfassers zu veröffentlichen. Da sie diese auf dem Weg der Leserbriefe erhalten hatten und mit einem Großteil der Urheber auch noch einmal Rücksprache hielten, welche zum Teil mehr als stolz darauf waren, wie sie ihre Einstellung kundgetan hatten, verletzten sie damit keine Persönlichkeitsrechte und das einzige Ergebnis lag in bereits erwähnter noch größerer Aufmerksamkeit.
Doch im Gegensatz zu den anfänglichen ausschließlich negativen Reaktionen, durfte Christiane Florin sich diesmal besonders über eine riesige Fülle an zustimmenden, mitfühlenden und Beifall-klatschenden Antworten erfreuen, diesmal von den Originallesern der Zeitung signiert.

Und wer zuvor noch an der verwerflichen Verwendung und Auslegung des Begriffs „Meinungsdiktatur“ zweifelte, soll sich einmal die Reaktionen der Fürsprecher durchlesen. Wie Christiane Florin ganz richtig feststellt: „Ein Wort, das solche Verteidiger hat, lehnen wir ab.“

 

 

 

 

Quellen

Christ & Welt – „Wir Meinungsdiktatoren“

Christ & Welt – „Wir Meinungsdiktatoren 2“

Christ & Welt – „Sie kotzen mich an“

Sueddeutsche.de

Aus der Mitte der Gesellschaft?

Seit dem 20. Oktober 2014 demonstrieren jeden Montag in Dresden Anhänger der sogenannten Pegida – Bewegung (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes). Die Demonstrationen begannen mit 350 Teilnehmern und wuchsen seitdem stetig, zuletzt mit bis zu 20.000 Demonstranten. Allein auf Grund ihrer Zahl und der Ausweitung auf andere Großstädte sind die Politiker sowie alle anderen Bürger Deutschlands gezwungen, sich mit diesem Thema zu befassen. Doch worum geht es eigentlich und wer macht da mit!? Medien, Experten und Politiker versuchen, diese Fragen zu beantworten und kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Panorama, das Fernsehmagazin, das vom Norddeutschen Rundfunk produziert und im „Ersten“ ausgestrahlt wird, führte am 15.Dezember 2014 Interviews mit einigen Demonstranten der Pegida, um deren Sicht der Dinge zu hören. Anhand einiger Zitate aus dem Blickwinkel der Mitte der Gesellschaft, wie sich die Anhänger selber nennen, soll nun die grundsätzliche Stimmung vermittelt werden. Auf die Frage „Was glauben sie denn zu bewirken, heute?“ antwortete ein älterer Herr: „Na, was will ich denn bewegen? Dass ich gegen die Ausländer bin, dass so viele hier reinkommen. Das ist mein Grund, warum ich hier bin und die kriegen einen Haufen Geld. Ich bin Rentner, ich krieg eine kleine Rente und geh noch arbeiten, dass ich einigermaßen gut über die Runden komm.“
Okay ein durchaus plausibler Grund, wer mag denn schon Ausländer, mittlerweile sind die doch überall, oder? Ein weiterer Pegida-Demonstrant behauptet „Sie sich doch einer die westlichen Großstädte an: 70 Prozent, kann man…, 80 Prozent kann man sagen, sind doch keine Deutschen mehr! Ist das normaler Trend?“  Es sprechen viele Fakten dagegen, ein Ausländeranteil von 80% in Deutschland ist bis heute aus der Luft gegriffen, die Zahl beläuft sich eher auf 10%. Nicht wirklich ein Geheimnis, doch wieso wissen das die Demonstranten nicht? Oder sind es doch, wie von vielen behauptet, Nazis, die sich für solche Fakten gar nicht interessieren? Die Moslems, um die es den Pegida – Anhängern geht, sind mit 0,2 % Anteil in einer Minderheit in Sachsen. Manche sehen hier jedoch schon die Gefahr, so ein weiterer Demonstrant: „Ach. Das ist mir egal, wie viele das sind, aber das sind schon 0,2 zu viel.“  Ob das nun rassistische Aussagen sind? Nur weil man sich negativ gegenüber einer Minderheit aufgrund ihrer Herkunft oder ihrem Glauben äußert? Da sollte sich wohl jeder selber ein Bild machen.
„Ja, wir sehen insgesamt, dass zu viele Ausländer hier nach Deutschland kommen, es ist bei Dresden jetzt nicht unbedingt so das Problem, hier in Dresden sind noch relativ wenig. Sie hören aber, ich komme aus Süddeutschland und bei uns sind die Städte voll, Stuttgart, wirklich ganze Viertel voll mit Ausländern, die zum Großteil auch keiner Arbeit nachgehen, die klauen, die einbrechen usw. …“
Ausländer sind also die Kriminellen in Deutschland, nicht außer Acht sollte man vielleicht lassen, dass viele Pegida- Anhänger, die sich ja so fürchten vor den bösen Ausländern, auch nicht alle ganz unschuldig sind. Bestes Beispiel dafür ist wohl der „Pegida-Wortführer Bachmann, er ist vorbestraft und saß laut eigener Aussage im Gefängnis. Zuvor hatte er sich ins Ausland abgesetzt, um der Haft zu entgehen.“ Ins Ausland also? Zum Glück denken nicht alle so wie er, sonst hätte es da sicherlich Probleme gegeben. Aktuell und im Zusammenhang mit Pegida hat die Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Volksverhetzung gegen Bachmann eingeleitet. Auf Grund dieses Verfahrens und einem Bild, das Bachmann mit „Hitler-Bärtchen“ zeigt, trat Lutz Bachmann heute als Pegida – Chef zurück.
Dies waren nur einige Aussagen verängstigter Pegida-Demonstranten, mit Sicherheit denken nicht alle so, doch ignorieren sollte man solche Gefühle und Meinungen dennoch nicht, dafür ist die Bewegung einfach zu groß. Eine gute Möglichkeit aber, sich gegen die Pegida zu stellen, sind die Gegendemonstrationen, die deutlich mehr Anhänger finden und soziale Netzwerke, die auf ihre Weise gegen solch eine Bewegung vorgehen.

 

Quellen:
-Pegida-Facebookseite:https://www.facebook.com/pages/PEGIDA/790669100971515
– Interview (Panorama): https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/panorama5360.pdf
-Artikel über Bachmann: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/pegida-die-thesen-im-faktencheck-a-1008098.html
-Ermittlungen gegen Bachmann: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-01/pegida-lutz-bachmann-foto-postings-ermittelungen-streit
– Nopegida auf Facebook: https://www.facebook.com/nopegida
– Rücktritt Bachmann: http://www.heute.de/pegida-chef-lutz-bachmann-tritt-nach-aufnahme-von-ermittlungen-zurueck-36831540.html