Archiv der Kategorie: Internet

Das Phänomen Second Screen

Um informative Daten eines Fußballspiels abzurufen, um mit Freunden über sozialen Netzwerken Sendungen oder Schauspieler zu kommentieren, laufen Krimis oder Quiz-Shows im Fernsehen, haben Smartphone, Tablet und Notebook immer seltener Pause – der Grund: der Second Screen.

Was bedeutet eigentlich Second Screen?

Second Screen ist die parallele Nutzung vom TV-Gerät und einem anderen Endgerät, beispielsweise eines Smartphones oder Tablet. Dabei nimmt die Nutzung vom mobilen Endgerät Bezug auf den Inhalt des laufenden Fernsehprogrammes.  

Laut Ergebnissen der ARD/ZDF-Onlinestudie 2014 steigt die Nutzung des Second Screens. Mehr als jeder zweite deutsche Fernsehzuschauer ab 14 Jahren nutzte 2014 Second Screen.

Der Second Screen ist für viele Zuschauer nicht mehr wegzudenken. Das Fernsehen und die Produktion der Inhalte haben sich verändert. Viele Formate bieten nun Apps an die zum Second Screen genutzt werden können. Beispielsweise die Tatort-App, bei der jeder während Tatort läuft ein Teil des Ermittlerteams werden kann oder Informationen über die Schauspieler nachlesen kann. Ziel der App ist es, als erster den richtigen Täter zu vermuten.

Quelle: https://www.daserste.de/unterhaltung/krimi/tatort/tatort-app100.html

Nun stellt sich für mich die Frage, wie sich das Phänomen Second Screen auf die Gesellschaft auswirkt. Für mich zählt Second Screen zur Erweiterung des Unterhaltungsmediums. Meiner Meinung nach wird die Unterhaltung, sowie das Programm generell im Fernsehen immer stumpfer.  Dadurch verlieren viele den Bezug zur Realität. Das Kommentieren von Schauspielern oder Darsteller auf sozialen Netzwerken während einer Show wird als selbstverständlich gesehen. Dass dadurch schnell Onlinemobbing entstehen kann, ist glaube ich nicht vielen bewusst und konstruktive Kritik entwickelt sich zu Hass-Kommentaren. Manche Kommentare die man lesen kann sollten nicht von Kindern gelesen werden. Online mobben, das sogenannte Cyber-Mobbing, ist zu einem großen Thema geworden und kann durch das Second Screen und den damit verbundenen „Getratsche“ über sozialen Netzwerken verstärkt werden.

Jedoch bin ich auch der Meinung, dass der Second Screen auch positive Auswirkungen hat. Durch die ständige Vernetzung mit Freunden pflegt man die sozialen Kontakte. Man nimmt Aktiv an Sendungen teil, was auch viel Spaß machen kann.

Quellen: http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/files/2014/0708-2014_Busemann_Tippelt.pdf
https://www.usabilityblog.de/second-screen-studie-das-fernsehen-im-wandel/

Die gefährliche Selbstinszenierung in den sozialen Medien

Schon seit vielen Jahren wird Photoshop in der Mode- und Beautyindustrie heiß diskutiert und vor allem kritisiert. Heute ist der Traum von einer makellosen Haut oder einer dünnen Taille, durch kostenlose Apps wie Facetune oder Adobe Photoshop, nur noch wenige Klicks entfernt und für jeden zugänglich.

Welcher Social-Media-Nutzer hat sich nicht schon einmal eines Filters bedient, einen Pickel retuschiert oder seine Zähne heller geschummelt? Man müsste meinen ein kleiner Selbstbewusstseinsschub ist harmlos, aber welche Auswirkungen hat diese Inszenierung der Realität auf unsere Gesellschaft und vor allem auf Jugendliche?

Laut neuen Studienergebnissen der MaLisa Stiftung, die Ende Januar in Berlin präsentiert wurden, betrachten jugendliche Social-Media-Nutzer Influencer auf sozialen Medien als Vorbilder und ahmen deren Posen und Aussehen nach. Insbesondere Mädchen, die Influencern folgen, sollen ihre Bilder stärker bearbeiten als solche die keinen folgen.

Quelle: Maya Götz – Selbstinszenierung von Mädchen auf Instagram. München 2018

Aber was zählt als Schönheitsnorm? Wie müssen Bilder aus der Perspektive der Nutzer aussehen um als „gut genug zum Posten“ wahrgenommen zu werden?

Mit diesen Fragen befasste sich der renommierte britische Mode- und Porträtfotograf Rankin in seinem Projekt Selfie Harm. Er lichtete insgesamt 15 Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren ab. Die Teenager traten ungeschminkt und so natürlich wie möglich vor die Kamera um ein Porträt von sich schießen zu lassen. Das Bild wurde der jeweiligen Person zurückgegeben mit der Aufgabe es so zu bearbeiten, dass es auf ihren sozialen Kanälen gepostet werden könnte.


RANKIN PHOTOGRAPHY LTD

RANKIN PHOTOGRAPHY LTD

Die Mädchen sind teilweise nicht wiederzuerkennen. Nasen wurden kleiner, Lippen voller und das Makeup stärker gemacht.

Gegenüber „Business Insider“ sagte Rankin zwar, dass die Teenager eigentlich die natürlichen Bilder besser fanden, aber als es um die Nutzung sozialer Medien ging, alle trotzdem die Bearbeitungs-Apps nutzten.

„Es ist Zeit, dass wir die gefährlichen Auswirkungen, die soziale Netzwerke auf das Selbstbild von Menschen haben, anerkennen.“ – Rankin

Junge Mädchen empfinden ihr natürliches Aussehen also zunehmend als unzureichend. Wenn ihre Erscheinung nicht dem „Influencer-Standard“ entspricht wird mit genannten Apps nachgeholfen. So kommt es zu einer Verzerrung des Verständnisses von „natürlich“ und „real“. Außerdem wird durch diese Orientierung an der Norm die Selbstinszenierung immer gleichförmiger, wodurch die Vielfalt verloren geht.

Quellen:
https://www.glamour.de/beauty/wellness-gesundheit/selfie-harm-rankin
https://www.instagram.com/p/BtRMUjKF-e7/?utm_source=ig_share_sheet&igshid=5azwwyycahc6 https://malisastiftung.org/wp-content/uploads/Selbstinzenierung-in-den-neuen-Medien.pdf
https://www.thetimes.co.uk/article/4501d4f6-2718-11e9-8a1b-74db4c6005e7

Der Fall Kretzschmar –

Wenn der Punk zum Nazi gemacht wird

Stefan Kretzschmar, ein Profisportler, ein renommierter Handballer, der schon zu seiner aktiven Zeit immer wieder aneckte. Nun trifft auch den ehemaligen Punk die „Nazi-Keule“.

Kretzschmar im T-Online Interview.

In dem polarisierenden Interview thematisiert Kretzschmar die Probleme, die ein Sportler auf sich zieht, sollte er mit seinen Aussagen zu weit vom gesellschaftlichen Konsens abweichen.

„Sobald wir eine gesellschaftskritische Meinung äußern, haben wir von unserem Arbeitgeber mit Repressalien zu rechnen.“,

so die Aussage im Interview. Und mit diesen Worten hat er grundsätzlich recht, oder? Kein Werbepartner, kein Sponsor trägt einen Sportler, der sich öffentlich zum rechten oder linken Rand bekennt. Kein Club hält einen Spieler, der durch politische Äußerungen Negativ-Schlagzeilen macht. Und so schweigen die Athleten, oder passen sich der allgemeinen Stimmung an, um nicht ins Kreuzfeuer der Medien zu geraten und im Anschluss in den sozialen Netzwerken zerrissen zu werden. Bis hier hin schön und gut. Klingt verständlich oder? Aber an welchem Punkt nahm das Interview die Wendung in Richtung „Nazi“?

Das umstrittene Interview.

In dieser Angelegenheit gibt es zwei besondere Knackpunkte: Zunächst ein kleiner, man könnte es Fehler nennen, Kretzschmars. Um die „Mainstream-Meinung“ zu verdeutlichen nennt er die Beispiele „Wir sind bunt“ und „Refugees welcome“. Sie finden noch nichts Verwerfliches? Hier haben wir einen klassischen Fall von „Der Ton macht die Musik“. Eine kleine Unachtsamkeit Kretzschmars, ein etwas zu resignierter Blick, ein zu beiläufiger Tonfall und der Shitstorm ist nicht mehr weit. Doch um es perfekt zu machen, wird auf Twitter, Facebook und Co. im Laufe der Debatte der Kontext vernachlässigt. Und so regnet es die ersten „Nazi“-Kommentare. Der zweite Knackpunkt. Mit jedem weiteren Tweet, mit jedem neuen Kommentar gerät in Vergessenheit, dass es dem Profisportler doch eigentlich nur um den Profisport ging.

Stefan Kretzschmar in jungen Jahren.

Doch damit nicht genug. Die AfD Heidelberg verbreitete das Video und pflichtete Kretzschmar, dem die politische Ausrichtung der Partei wohl nicht fernen liegen könnte, bei. Aber auch hier sieht man es mit den Fakten und dem Kontext nicht so eng. Und wo die AfD postet ist der Gegenwind nicht weit. Und dieser Gegenwind macht auch vor einem Stefan Kretzschmar nicht halt. Die Kommentare überschlagen sich, es wird geteilt und retweetet. Aber was sagt der Auslöser selbst zu dieser aufgebauschten Debatte? In einem Interview mit der Süddeutschen vom 14.01. sagt er: „Das sagt das aus, was ich mit dem Interview gesagt habe.“ Dennoch sei er überrascht gewesen, von dem was daraus gemacht wurde. Ein größeres Problem sei jedoch die Instrumentalisierung für ihn gewesen:

„Dass ich allerdings politisch instrumentalisiert werde, von einer Richtung, der ich fremder und ferner nicht sein könnte, das ist natürlich tragisch und grotesk.“

Wir fassen also zusammen:

Ein Versuch auf mehr Mut zur Meinungsäußerung aufmerksam zu machen wird zum Spielball zwischen links und rechts, befeuert von den sozialen Medien. Dabei war das Anliegen Kretzschmars doch eigentlich sehr nobel oder nicht? Besonders Profisportler mit einer Vorbildfunktion für, vor allem, junge Menschen, sollten zu einem öffentlichen Diskurs beitragen. Doch es ist mit Sicherheit zu beachten, dass man auch als Topathlet an gewisse Regeln gebunden ist, sobald man einen Vertrag unterschrieben hat.  Kretzschmars Bedenken wurden wohl mehr als bestätigt, sowohl von links, als auch von rechts und es bleibt abzuwarten, ob diese Debatte über eines der grundlegendsten Dinge unserer Gesellschaft Früchte tragen wird, oder nur einer von vielen kurzweiligen Shitstorms bleibt.

Von hämischen Kommentaren und eingeworfenen Fensterscheiben – der Fall Drachenlord

Seit mehreren Jahren ist Rainer W. unter dem Alias „Drachenlord“ auf YouTube aktiv. Seine Videos befassen sich mit Metal-Musik, Videospielen und Filmen – begegnet wurde ihm mit Kritik, Hohn und Vandalismus.

Das offizielle Vorstellungs-Video des Drachenlords.

Angefangen hat er mit amateurhaften Tanzvideos und obskuren Schwertkampf-Choreographien. Aufgrund der unfreiwillig-komischen Natur seiner Videos und dem fragwürdigen Lebensstil des Drachenlords entwickelte sich mit der Zeit ein Personenkult, welcher sich auf seine Kosten amüsiert. Diese dem Drachenlord gegenüber negativ eingestellte Community bezeichnet das Geschehen um den YouTuber als Drachengame. Ziel ist es, zu trollen, also durch provokante Handlungen eine (negative) Reaktion seines Gegenübers zu erzwingen – teils mit extremen Mitteln.

Dies geschieht im Netz über Kommentare, Fotomontagen oder Videos, die den Drachenlord aufs Korn nehmen. Auf der einen Seite gibt es Inhalte, die das Thema niveauvoll behandeln und somit die teils absurden Aussagen und Entscheidungen von Rainer W. aufzeigen. Auf der anderen Seite gibt es z.B. hämische YouTube-Kommentare, die dazu aufrufen, den verstorbenen Vater des Drachenlords auszugraben.

Katalysator für die Ereignisse um den Drachenlord war ein Video, welches er 2014 hochgeladen hat. Als Reaktion darauf, dass seine Schwester anonym per Anruf bedroht wurde, forderte er die Täter zur persönlichen Konfrontation heraus. Dabei nannte er in Rage seine komplette Adresse – ein folgenschwerer Fehler.

Seitdem bekommt er täglich ungefragten Besuch. Auch von der Feuerwehr. Somit wurde er 2015 das erste deutsche Opfer von Swatting – einem bösartigen Scherz der ursprünglich aus den USA stammt, bei welchem durch falsche Notrufe für Polizeizugriffe bei Live-Streamern gesorgt wird.

Noch extremer sind die Vorfälle des letzten halben Jahres. So wurden Rainer W. mehrmals Fensterscheiben eingeschmissen – teils auch zu hören in seinen eigenen Videos.

Den Höhepunkt bildet aber das Schanzenfest, eine unangemeldete Demonstration die im August 2018 stattfand. Vorallem über YouTube mobilisierte sich die Community mit der Absicht, die Drachenschanze zu stürmen und dem Drachen das Fürchten zu lehren. Drachenschanze steht hier für das Haus des Drachenlords – in Anlehnung an die Wolfsschanze.
Da das lokale Landratsamt schon im Voraus die Veranstaltungsplanung bemerkte, wurde kurzerhand ein Versammlungsverbot ausgesprochen. Dazu sicherte die Polizei den Ortseingang Altschauerberg – dennoch fanden sich mehrere hunderte Personen in der Dorfgemeinde Emskirchen ein. So kam es zu einem kleinflächigen Waldbrand, mehreren Sachbeschädigungen und ungefähr 300 ausgesprochenen Platzverweisen.

Das Video eines Schanzenfest-Teilnehmers zeigt die Ausmaße des Treffens.

Nach all diesen Ereignissen fragt man sich: Wie soll das nur weitergehen? Sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen und eventuell sogar umzuziehen sind Maßnahmen die Rainer W. in Erwägung ziehen müsste, um der Situation zu entkommen. Stattdessen zieht er durch seine unreflektierten Aktionen weiterhin Aufmerksamkeit auf sich. So eröffnete er erst im Dezember 2018 einen Account auf einer Erotik-Website und lädt dort seitdem pornografische Inhalte von sich hoch – nach den Geschehnissen der letzten Jahre bestimmt nicht die beste Idee. Und solange er seinen Hassern weiter in die Karten spielt, wird es auch weiterhin zu unangemeldeten Demonstrationen und Besuchern vor seiner Haustür kommen.

Personalisierte Werbung auf Social Media – Spioniert Facebook uns aus?

Wer kennt es nicht: Man stöbert in Onlineshops, sieht ein schönes Paar Schuhe und plötzlich tauchen sie überall auf. Sei es Facebook, Instagram oder Twitter, personalisierte Werbung ist das A und O für jede Online Plattform. Doch wie weit dürfen die Anbieter gehen, um an Informationen für die zielgerichteten Anzeigen zu gelangen?


Datenschutz

Die EU unternimmt Schritte, um eben diese Frage zu regeln. So trat beispielsweise am 25. Mai 2018 die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft. Diese legt fest, dass personenbezogene Daten nur nach ausdrücklicher Zustimmung des Nutzers verarbeitet werden dürfen. Das macht es für Unternehmen wie Facebook schwieriger, an Daten für personalisierte Angebote zu gelangen. Trotz allem haben Nutzer sozialer Medien immernoch wenig Kontrolle darüber, was mit ihren Daten passiert. Bei den meisten Anbietern sind die Voreinstellungen oft nicht datenschutzfreundlich gestaltet. Verbraucherschützer kritisieren unter anderem die Apps Facebook und Instagram.


Aber wie genau funktioniert Personalisierung eigentlich?

Die wohl beliebteste Methode ist Programmatic Advertising. Hierbei werden freie Anzeigenplätze auf einer Website in Echtzeit versteigert, während diese Seite auf dem Gerät des Nutzers lädt. Informationen wie IP-Adresse, technische Details über das verwendete Gerät und persönliche Daten über den Nutzer werden innerhalb von Sekunden an hunderte von Werbefirmen gesendet. Viele Anbieter nutzen zusätzlich Cookies, die ihnen das Tracking ihrer Kunden durchs Internet ermöglichen. Tracking dient dazu, Interessenprofile eines Nutzers zu erstellen und ihm somit personalisierte Werbung anzeigen zu können. Durch das Abgleichen der Cookie-IDs, sind die Firmen in der Lage, Werbung nicht nur websiteübergreifend, sondern auch geräteübergreifend zu schalten. Als Nutzer ist man sich dessen in den meisten Fällen nicht bewusst und hat im Prinzip keine Kontrolle darüber, was mit den eigenen Daten passiert.


Facebook-Tracker in Android Apps

Facebook geht allerdings noch weiter um an Informationen über seine Nutzer zu gelangen. Forscher der University of Oxford haben herausgefunden, dass fast die Hälfte der Apps im Google Play Store einen Facebook-Tracker enthalten. Eine Großzahl davon sendet schon beim ersten Öffnen der App Informationen an Facebook, ohne dass der Nutzer die Möglichkeit hat, dem zuzustimmen oder es abzulehnen. Die wichtigste Information ist die Google-ID, durch die Verbindungen zwischen unterschiedlichen Apps hergestellt werden können, so auch mit der Facebook-App. Wenn sich der Nutzer auf dem verwendeten Gerät schon einmal beim sozialen Netzwerk angemeldet hat, können die Daten direkt mit dem Profil verknüpft werden. Allerdings muss nicht zwangsläufig ein Facebook-Konto vorliegen, damit die Daten an den Konzern gesendet werden. Das heißt, dass auch diejenigen, die kein Facebook nutzen, vor der Datenübertragung nicht sicher sind. All das ist für Nutzer meist nicht transparent, zumal viele der betroffenen Apps den Facebook-Tracker in ihrer Datenschutzerklärung nicht erwähnen. Laut Facebook selbst stehe es jedem Nutzer frei, sich für oder gegen personalisierte Werbung zu entscheiden. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass im Falle der Entscheidung dagegen die Datenübermittlung komplett eingestellt wird, sondern dass die Daten lediglich nicht zu Werbezwecken genutzt werden (Mobilsicher).


Hört Facebook uns ab?

Seit einiger Zeit ist außerdem ein neues Phänomen aufgetreten: Plötzlich erscheint Werbung für Produkte, über die man lediglich gesprochen, aber niemals online danach gesucht hat. Werden wir durch unsere Smartphones, Tablets und Laptops abgehört?

Tatsächlich hat Facebook, wie 2018 bekannt wurde, ein Patent beantragt, das es ermöglicht das Mikrofon seiner Nutzer einzuschalten und die Umgebung aufzunehmen. Es soll laut Facebook jedoch nicht verwendet werden, sondern nur dazu dienen, Konkurrenz-Unternehmen zuvor zu kommen. Aufgezeichnet werde nur dann, wenn eine Funktion verwendet wird, die den Zugriff auf das Mikrofon erfordert. Dazu zählen Anrufe oder Sprachnachrichten im Messenger oder Videos, die über die Facebook- oder Instagram-App aufgenommen werden. Angeblich werden diese Daten vertraulich behandelt. Dennoch sind viele Nutzer skeptisch. Nicht nur YouTuber haben versucht der Sache mit Selbstexperimenten auf den Grund zu gehen, auch Galileo hat Nachforschungen angestellt. Dabei hat sich herausgestellt, dass Werbeanzeigen zu Produkten, über die gesprochen wurde, oft nicht auf Facebook selbst, sondern beim Tochterdienst Instagram auftauchen. Es scheint an den Gerüchten, Facebook würde uns abhören, also doch etwas dran zu sein.


Werbung auf WhatsApp

Vor den Werbestrategien von Facebook scheint auch WhatsApp nicht mehr sicher zu sein. Als der Facebook Konzern den Messengerdienst 2015 aufkaufte, wurde einer fünfjährigen Frist zugestimmt, in der auf WhatsApp keine Werbung geschaltet werden durfte. Diese läuft im Februar diesen Jahres aus und Facebook hat bereits angekündigt, dass ein werbefreies WhatsApp, wie wir es kennen, bald nicht mehr geben wird. Wie die Umsetzung aussehen soll, ist allerdings noch nicht bekannt. Eine Möglichkeit wäre, die Anzeigen zwischen den Status-Stories zu platzieren, wie man es bereits von Instagram kennt. Es ist auch fraglich, wie die Personalisierung der Werbebeiträge funktioren soll, da die Nachrichten auf WhatsApp verschlüsselt sind. Facebook kann diese also nicht nach Stich- und Schlagwörtern durchsuchen. Es bleibt abzuwarten, wie personalisierte Werbung im beliebten Messengerdienst realisiert werden wird.


Quellen

Molly Burke – Wie eine blinde YouTuberin das Internet verändert

Auf den ersten Blick wirkt die 24-Jährige Molly Burke aus Los Angeles wie eine ganz normale YouTuberin, die ihren Alltag mit ihren Zuschauern teilt. Sie trinkt gerne Kaffee bei Starbucks, liebt Shoppen und färbt ihre Haare oft in knalligen Farben. Was man ihr erst anhand des Zitterns ihrer Augen oder ihrem Blindenhund namens Gallop anmerkt: Sie ist seit zehn Jahren blind ist.

Im Alter von 14 Jahren hat die, übrigens auch als Motivationssprecherin tätige, Molly ihre Sehkraft in Folge der Krankheit „Retinitis Pigmentosa“ verloren. Heute sieht sie nur noch Licht und Schatten. Ein Grund dafür, weswegen sie Glitzer liebt. Die Lichtreflexionen kann sie nämlich noch immer erkennen.


There is no medical model of disability, there is no hope of fitting in or belonging to a world that buys into or supports that framework. I am not broken. And I don’t need to be fixed. Society does.

Zitat aus der Rede von Molly Burke, hochgeladen am 14.11.17 auf YouTube

Molly Burke mit ihrem Blindenhund Gallop
(Bildquelle: Instagram)

In ihren Videos zeigt sie, wie die Medien stellenweise mit der Barrierefreiheit hinterher hinken oder an welchen Stellen schon einiges erreicht wurde. Zum Beispiel zeigt sie die VoiceOver Funktion ihres Smartphones und ihres Laptops, welche eine Sprachausgabe ermöglicht und alles auf dem Bildschirm laut ausspricht.

Andere Möglichkeiten, wie sie zum Beispiel Social Media nutzen kann, sind Fotobeschreibungen auf Instagram.

Dafür hat Instagram vor kurzem zwei neue Funktionen ins Leben gerufen, die sehbehinderten Menschen die Nutzung der App erleichtern soll. Zum einen gibt es einen automatischen Alternativtext, der mit einer Objekterkennungs-Technologie das Bild beschreibt, zum anderen kann jeder Nutzer selbst zur normalen Bildbeschreibung zusätzlich eine barrierefreie Bildbeschreibung einfügen.

Eine Studie, gefördert von den Medienanstalten und Aktion Mensch, hat sich mit genau diesen Zugangsproblemen, von denen Molly spricht, befasst. Hier wurden unter anderem Defizite wie fehlende Audiodeskriptionen im Fernsehen oder die nicht mögliche Nutzung von Zeitungen oder dem Internet genannt. Man merkt also, dass dieses Problem global ist und nicht nur in Mollys Heimat, den USA, zu einer Exklusion von Menschen mit Behinderung führt.

Kollaboration mit YouTuber Shane Dawson

In Kollaborationen mit anderen YouTubern, wie zum Beispiel Shane Dawson, versucht Burke der Welt zu zeigen, wie es ist, blind zu sein. Hierfür nutzt sie ihre Reichweite von 1,7 Millionen YouTube-Abonnenten. (Stand: 30.1.19) Unter anderem erklärt Molly auch, welche Klischees es gibt, welche Fragen man Sehbehinderten nicht stellen sollte oder wieso man Blindenhunde nicht streicheln darf, während sie arbeiten.

Im Video mit Shane Dawson erwähnt die gebürtige Kanadierin, dass sie Dawsons Buch nur deswegen kannte, weil er es als Hörbuch eingesprochen hatte und sie liebend gerne das zweite Buch hören würde, es aber leider zu ihrem großen Bedauern nicht vertont wurde. Dawson reagierte darauf emotional. Er war sich nicht bewusst, welchen Einfluss solch kleinen Gesten auf das Leben anderer haben können.

Gerade im Social Media Zeitalter, während des regelrechten Boom der Influencer-Branche, hat Molly Burke eine Nische gefunden, in der sie sowohl unterhaltende, als auch informierende Videos, Fotos oder Texte teilt. Sie selbst fungiert so als Sprachrohr für die Community der Sehbehinderten, die bis dato keine Plattform hatten, um sich zu repräsentieren. Damit öffnet sie auf der ganzen Welt Augen für Probleme, für die die Gesellschaft vorher blind war.

Sind wir süchtig nach Social Media?

Diese Frage ist durchaus berechtigt, denn rund 3 Billionen Menschen benutzen regelmäßig Social Media Angebote und die Auswahl ist groß, von Instagram, WhatsApp, Snapchat, Twitter bis hin zu Facebook ist für jeden etwas dabei. Doch was wenn das tägliche Abchecken der einzelnen Social Media Apps zur Sucht wird? Natürlich stellt sich auch die Frage ob es überhaupt so etwas wie eine „Social-Media-Sucht“ gibt.

#socialmediasick

Kennen Sie das wenn Sie mit Ihren Gedanken ständig bei Ihrem Smartphone sind? Man möchte immer auf dem neuesten Stand sein und wenn dann mal der Internet-Empfang nicht so mitspielt, wie man es gerne hätte, oder das Handy zu Hause vergessen wurde, zeigen sich typische Entzugserscheinungen: Traurigkeit, Unruhe und Gereiztheit. Eine Studie österreichischer Psychologen ergab, dass mehr als die Hälfte der daran teilnehmenden Probanden es nicht schaffte, eine sieben tägige Social-Media-Abstinenz durchzuhalten, ohne „rückfällig“ zu werden und „nur mal eben kurz“ ins Profil zu schauen.

Doch wie wird man eigentlich süchtig?

Eine allgemeine Antwort auf die Frage: Durch Übung und Wiederholung. Social Media ist bei uns fest in den Alltag integriert und hat eine bestimmte Wirkung auf uns. Obwohl es keine stoffgebundene Sucht ist, wie beispielsweise bei Alkohol oder Drogen, liegt die Ursache ebenso im Belohnungssystem. Hier wird direkt oder indirekt das Glückshormon Dopamin beeinflusst, welches dann als „Belohnung“ dient.

3 Indizien dass auch Sie süchtig sind:

  • Sie nehmen Ihr Smartphone mit ins Bett: Ihr erster und letzter Blick gehört dem Bildschirm
  • Sie leiden unter „Nomophobie“: Die Angst ihr Smartphone zu vergessen oder nicht dabei zu haben
  • Sie brauchen „Likes“ für ihr Ego: Sie sind schlecht gelaunt wenn Ihre Posts nicht genug positive Resonanz bekommen

„It takes discipline not to let social media steal your time.“

– Alexis Ohanian

Social Media hin oder her, letztendlich leben wir in einer realen Welt mit realen Personen. Es tut gut das Smartphone bei Seite zu legen und Zeit mit Familie, Freunden & Co. zu verbringen, denn das ist schließlich alles was zählt und das was uns wirklich im Leben weiterbringt.


„Petfluencer“ – Wenn Tiere zu Instagram-Stars werden

Ob Katze, Hund, oder Meerschweinchen – Heutzutage kann jedes Tier zum Social Media Star werden. Doch was macht die mürrische Katze Grumpy Cat, den Igel Mr. Pokee und Co. als Werbeträger so attraktiv und beliebt? Mit diesem Phänomen beschäftigt sich mein Beitrag.

„Petfluencer“ – Was ist das überhaupt?

Heute kann so gut wie jeder mit dem Begriff „Influencer“ etwas anfangen, den Menschen, die ihr Leben auf Social Media Plattformen wie Facebook, Instagram, Snapchat und YouTube mit der Öffentlichkeit teilen – und nicht selten eine Menge Geld damit verdienen, indem sie beispielsweise Kooperationen mit Unternehmen betreiben und für diese werben. 

Doch was haben auf einmal Tiere damit zu tun? Ganz einfach. Es ist bekannt, dass Tiere im Netz beliebt sind. Seien wir doch mal ehrlich – wer schaut sich nicht ab und zu zur Unterhaltung das ein oder andere lustige Katzen- oder Hundevideo an? 

Seit einigen Jahren sind die Vierbeiner immer mehr auf dem Vormarsch – und zwar mit ihren eigenen Accounts auf Plattformen wie Instagram! Ja, richtig gehört. Aus Pet (wie Haustier) und Influencer wurden die „Petfluencer“! Genau wie bei Bloggern werden täglich neue Inhalte veröffentlicht – im Falle von Instagram Bilder, auf denen die Vierbeiner besonders süß oder lustig aussehen.

Wie man also mit seinem Haustier erfolgreich wird und sogar Geld verdienen kann – dazu später mehr.

Warum ein Hund und ein Igel mehr Abonnenten haben als so mancher Promi

Die Tiere sind im Netz längst an der Macht und machen sogar den ganz Großen Konkurrenz. So hat beispielsweise der Hund Jiffpom mit seinen 8,9 Millionen Abonnenten auf Instagram einen deutlichen Vorsprung gegenüber Stars wie Heidi Klum oder sogar Kanzlerin Merkel, die mit gerade mal 788.000 wohl kaum dagegen ankommen wird. 

Aber längst sind nicht mehr nur Hunde und Katzen so beliebt im Netz, auch ein Waschbär namens Pumpkin und ein Igel, der den Namen Mr. Pokee trägt, haben es 2018 in die Top 5 der weltweit beliebtesten Petfluencer geschafft. Doch warum stoßen die Vierbeiner bei uns auf so großes Interesse? 

Geben wir es doch zu – meist folgt ein Bild des knuffigen Tiers auf das andere und groß unterscheiden tun sie sich nicht wirklich. Na gut, mal trägt das Tier ein zur Jahreszeit passendes Weihnachtsoutfit, mal ein lustiges Kostüm und sieht dabei selbstverständlich total knuffig aus. 

Zu dem Foto kommt dann noch die passende Bildunterschrift – etwas wie „Heute habe ich mit Frauchen einen schönen Spaziergang gemacht“ – und schon sagen alle „Ohhh“ und klicken auf „Gefällt mir“. Die Strategie scheint aufzugehen, da die meisten Menschen eben auf den „Knuddel-Faktor“ stehen. Ob der ganze Trubel auch dem Wohl des Tieres entspricht, darüber lässt sich natürlich diskutieren.

„Es ist die Sehnsucht der Menschen, in dem ganzen Wahnsinn, der uns täglich begegnet, auch mal etwas Niedliches, Unschuldiges, Lustiges zu sehen“

– Dörte Spengler-Ahrens

Tiere in der Werbung

Mit der allseits bekannten lila Milka-Kuh fanden die Tiere bereits im Jahre 1973 den Einzug in unsere Werbung. Seitdem findet man die Vierbeiner immer öfter als sogenannte „Testimonials“, also im Prinzip als bekannte Persönlichkeiten in den Medien, die zum Zweck der Werbung für ein Produkt auftreten.

Beispiele dafür sind bekannte Kampagnen von Unternehmen wie Bärenmarke sowie die Figur des Faultiers von Verivox, das uns für den Strom- und Gasvergleich anwerben soll. Auch ein Werbespot der Biermarke „Astra“ aus dem Jahre 2015, in dem Katzen, Hunde, Uhus und Schildkröten in einer Kneipe feiern uns sich das ein oder andere Bierchen genehmigen, passt hier gut ins Bild. 

Die mürrisch dreinschauende Katze Grumpy Cat ist ein weiteres Beispiel für den Erfolg der Vierbeiner. Sie vermarktet seit einiger Zeit die amerikanische Katzenfuttermarke „Friskies“ und soll damit angeblich rund 100 Millionen US-Dollar im Jahr verdienen – kaum zu glauben, oder?

„Gleich nach Babys und hübschen Frauen erzielen Hunde und Katzen in der Werbung die höchste Aufmerksamkeit und Sympathie beim Zuschauer“

– Dörte Spengler-Ahrens

Ein wichtiger Faktor, der zum Erfolg der Tiere als Werbeträger beiträgt, lässt sich wie folgt zusammenfassen: Verbraucher fühlen sich mittlerweile immer mehr von Influencern getäuscht. Einerseits wegen nicht gekennzeichneter Werbung, andererseits, weil viele diese Tätigkeit nicht als richtigen Beruf ansehen würden und sich lieber darüber aufregen oder lustig machen. Außerdem wird Influencern immer wieder vorgeworfen, nur auf Berühmtheit und Geld aus zu sein. 

Aber wer könnte einem süßen, unschuldigen Fellknäuel schon so etwas unterstellen? Dass natürlich ein Mensch hinter dem Profil steckt, scheint schnell vergessen zu sein, wenn man in die goldigen Knopfaugen geschaut hat. 

Warum sollte man diese Chance also nicht ausnutzen und sein Tier auch auf sozialen Netzwerken Werbung machen lassen – und damit sogar so viel Geld machen?

Wie auch ihr euer Tier berühmt machen könnt:

Seit 2013 gibt es das Portal Furcard.com, das sowohl der Organisation der Petfluencer dient, als auch ein Netzwerk zum Austausch darstellt. Zudem findet man dort ein Ranking der weltweit erfolgreichsten Vierbeiner, das nach Followerzahlen sortiert ist und neben Instagram auch andere Social Media Plattformen miteinbezieht. Auf dieser Seite findet man gleich zu Beginn ein Feld mit dem Titel „Add your Pet“. 

Der Prozess ist ganz einfach – jeder, der Lust hat, kann seinen pelzigen Freund dort anmelden. Laut Website durchläuft man nur schnell einen „Bist du ein Tier oder ein Mensch“ – Fragebogen und schon kann’s losgehen. 

Die Meinungen zu den Petfluencern gehen allerdings auseinander. Die meisten scheinen etwas an ihnen zu finden, sonst hätten sie wohl kaum so viel positive Resonanz, wie sich in den Abonnenten-Zahlen in Millionenhöhe erkennen lässt. Aber auch negative Reaktionen bleiben natürlich nicht aus. Diese werden von den begeisterten Herrchen und Frauchen allerdings mit Humor aufgefasst, wie dieses Beispiel zeigt:

Auch ein hässliches Tier kann Erfolg haben

Wenn gesagt wird, jedes Tier kann erfolgreich sein, dann ist das auch ganz genau so gemeint. Das beste Beispiel ist der Chihuahua-Dackel-Mischling Tuna (auf Instagram bekannt als „tunameltsmyheart“), 2018 auf Platz 2 im weltweiten Vergleich. 

Der Vierbeiner mit dem Überbiss ist wahrlich nicht gerade eine Schönheit, doch vielleicht ist es gerade diese Besonderheit, die ihn bei den Menschen so beliebt macht.

Fazit

Auch wenn die Petfluencer in Deutschland noch nicht denselben Beliebtheitsgrad erreicht haben, wie es beispielsweise in den USA der Fall ist, so sind sie trotzdem keineswegs zu unterschätzen. Der Hund „Zulathepom“ der deutschen YouTuberin Dagi Bee hat immerhin auch schon über eine Million Follower auf Instagram, Tendenz steigend. 

Wer jetzt also Lust bekommen hat, sein Tier auch berühmt zu machen, der kann sich gerne über Fur Card anmelden und ein Profil für seinen Liebling anlegen. Ob damit auch wirklich der ganz große Erfolg verbunden ist, ist natürlich eine andere Frage, aber eins ist sicher: der Spaß-Faktor ist in jedem Fall gegeben 😉

Quellen:

Fernbeziehung – Liebe dank Medien?

Durch die Globalisierung wird unsere Welt immer kleiner. Die digitale Vernetzung lässt Menschen auf der ganzen Welt kommunizieren. Da kommt es häufig vor, dass die Liebe übers Smartphone geht. Ist eine erfolgreiche Fernbeziehung, dank moderner Medien möglich?

Bereits 1999 schrieb der Spiegel: „Die Fernbeziehung gilt als Lebensform der Zukunft.“ Damals hatten bereits 13% aller Paare in Deutschland eine Fernbeziehung. Seitdem hat sich vieles medial verändert und erleichtert. Wo 1999 noch über hohe Telefonrechnungen geklagt wird, ist heute eher eine zu langsame Internetverbindung das größte mediale Problem. Vom Telefonieren bis hin zu Social Media Nachrichten wie „WhatsApp“, „Skype“ und Co ist die Kommunikation über Distanz kein Problem mehr. Auch organisatorische Dinge lassen sich digital regeln. So helfen beispielsweise Online-Kalender, wo jeder seine Termine eintragen und die des Partners einsehen kann. Aber auch virtuell lässt sich Zeit miteinander verbringen. Von Online-RPGs, „Brettspielen“ wie Monopoly – Online bis hin zu Netflix, wo die Pärchen denselben Film – an verschiedenen Orten – zusammen schauen können.

Eine Statistik vom Juli 2014.
https://www.farlove.de/fernbeziehung-statistik/

Trotz der vielen Möglichkeiten ist die Anzahl an Fernbeziehungen seit 1999 kaum gestiegen. 2016 führen „nur“ 13,6% der Paare eine Beziehung auf Distanz. Woran liegt das? Ist das viel erwähnte goldene Zeitalter für Fernbeziehungen doch noch nicht eingetroffen?

„Doch“ meint die Kommunikationsforscherin Natalie Bazarova von der Cornell Universität:

„Die kombinierte Wirkung von Distanz und multimedialem Zugang kann sogar vorteilhaft sein, denn so führt man tiefere und aussagekräftigere Gespräche als wenn man sich ständig im Alltag austauscht.“

https://www.wired.de/article/hat-die-technik-das-goldene-zeitalter-der-fernbeziehungen-eingelaeutet

Doch was fehlt, ist die körperliche Nähe. Sexten, eine Kombination aus Text und Sex, reicht vielen nicht aus. Eine Umarmung, einen Kuss und sexuelle Nähe lassen sich derzeit nicht über die Ferne vermitteln. Vielleicht fängt das goldene Zeitalter für Fernbeziehungen ja an, wenn dies möglich ist.

Literaturverzeichnis

Damokles´ Digitalisierung

Die Digitalisierung dürfte wohl jedem bekannt sein, umgibt sie uns doch beinahe 24 Stunden am Tag. Um sie vernünftig nutzbar zu machen, ist es wichtig, dass Chancen und Schattenseiten gleichsam beleuchtet werden. Ein grobkörniger Umriss ist im Folgenden zu lesen:


https://goo.gl/images/zMM2Bn

Um mit den Chancen zu beginnen, so besteht eine der größten in der Übertragung von Daten. Wir haben die „analoge Datenschranke“ zugunsten der Übermittlung binärer Zeichen überwunden. Die reine Sende-Empfangs-Qualität wird durch Störungsminderung gesteigert.
Nicht relevante Signale werden nicht kommuniziert, was zu einer Datenkompression führt. Kurz gesagt: Effizienz. (Wilke 2009)

https://goo.gl/images/bpQ4UF

Effizient kann da auch der Verbrauch von Energie ausfallen:
Car-Sharing reduziert die Emission von Treibhausgasen, Heizungen sind extern steuerbar, potentiell energieeffizienter, Filme können gestreamt werden und müssen nicht mit Verkehrsmitteln besorgt werden etc.

Auch für die Wirtschaft tun sich neue Möglichkeiten der Organisation auf, wie beispielsweise die digitale Vermarktung von Produkten. Die Industrie 4.0 lässt herzlich grüßen. Hierbei stößt man wiederum auf ethische Problematiken, im Verhältnis zwischen Mensch und Maschine, die an dieser Stelle den Rahmen vaporisieren würden.

Mit dem Fortschritt der Digitalisierung schreitet auch der Verbrauch von Ressourcen voran. Dass Signale überhaupt von Gerät zu Gerät übertragen werden können, ist durch eine beträchtliche Infrastruktur möglich, die wir in ihrem vollen Ausmaß nie zu Gesicht bekommen. Das fängt bei der Herstellung von Kabeln und Hardware an und hört noch lange nicht bei der Erzeugung von Strom auf.  Von Nachhaltigkeit kann also keine Rede sein.

Ein großer sozialer Aspekt der Digitalisierung spiegelt sich in der Öffentlichkeit wider. Die hat sich, im Zuge der Digitalisierung, einem erneuten strukturellen Wandel unterzogen.
Grundsätzlich ist Öffentlichkeit durchaus von Vorteil. Sie sorgt zum Beispiel für mehr Transparenz, Diskursivität und stärkt letzten Endes die Demokratie (Nürnbergk 2016).

Auch die Informationenbeschaffung ist auf den ersten Blick leichter geworden. Jedoch fehlt es zuhauf an Orientierung auf dem Ozean der Daten und Informationen.

Problematisch wird es dann, wenn fehlerbehaftete Informationen ungefiltert und ohne Zuordnung von Relevanz rezipiert werden und dann möglicherweise sogar an Dritte weitergegeben werden. Die einen mögen es Gerüchte nennen, die anderen Fake News, negativ behaftet ist es allemal.

Das liegt an der Gatekeeper-Funktion des Journalismus, die dieser nur noch bedingt verwirklichen kann.

https://goo.gl/images/dDXSt6

Die Digitalisierung bietet freilich das Potential für großen Fortschritt und Errungenschaften. Dennoch sollten wir sie nicht per se glorifizieren und uns, wie Damokles es getan haben soll, an die Schattenseiten diese Luxus erinnern. Am besten bevor uns das Unheil offensichtlich über den Köpfen hängt.

Sie merken: Die Digitalisierung ist eine höchst komplexe Angelegenheit, die in ihrem Effekt beinahe alle Facetten unserer Gesellschaft durchdringt. Die Einrichtung eines Digitalministeriums wäre das Mindeste. Das gibt es allerdings noch nicht. Wieso?

Adbusting – „Kunst“ mit Botschaft

Der bestens bekannte „Coca-Cola“ Schriftzug und der für die Marke berühmte Weihnachtsmann, der eine Coca-Cola Flasche in der Hand hält. Klar: Werbung von und für den Getränkeriesen.
Doch wer einen längeren Blick riskiert und den Spruch liest, wird feststellen: dieses Plakat kommt sicher nicht aus dem Hause des Getränkeherstellers.

„Für eine besinnliche Zeit: Sag‘ Nein zur AfD!“ -Wer oder was steckt aber hinter dieser klaren Positionierung?

Das Plakat, das Anfang Dezember auf dem Lützowplatz in Berlin stand und sich im Internet verbreitete ist ein Werk von sogenannten „Adbustern“.
Es soll also, wortwörtlich, Werbung „zerschlagen“ werden. Das Ziel ist es, durch Verfremdung von Werbung Aufmerksamkeit für bestimmte Botschaften zu erlangen. Auch wenn die Plakate meistens schnell entfernt werden – auf Social Media verbreiten sich die Bilder rasend schnell.

Auch der Leiter der Unternehmenskommunikation von Coca-Cola, Patrick Kammerer, spielt mit seinem Tweet den Adbustern in die Karten. Er stellt klar, dass es sich bei dem Plakat um einen Fake handelt und spricht sich im Namen von Coca-Cola gegen die AfD aus.

https://twitter.com/PatrickKammerer/status/1069545444253073410

Während in diesem Beispiel die Firma Coca-Cola dafür genutzt wurde, Aufmerksamkeit für eine politische Botschaft zu gewinnen, ist diese in der Vergangenheit selber Opfer von Adbusting-Aktionen geworden.

So zum Beispiel 2015, als der Getränkehersteller die neue Cola-Sorte „Coke-Life“ rausbrachte und damit warb, dass diese einen geringeren Zuckergehalt habe. Doch schnell wird klar: die Cola ist genau so ungesund wie die übliche. Daraufhin hat die Künstlertruppe „Dies Irae“ die Werbeplakate umgestaltet. Aus „Coca-Cola Life“ wird „Coca-Cola Lie“ und die Werbetricks des Herstellers werden auch aufgedeckt: Der Konsument wird eindeutig „gegreenwasht“, denn die Farbe soll suggerieren, dass das Getränk gesund ist.

https://www.facebook.com/nervtjeden/posts/432785186906626

Werbung begegnet uns in jedem Bereich des Alltags. Diese Omnipräsenz machen sich Adbuster zu Nutze. Meist kritisieren sie genau das: die Konsumgesellschaft. Sie wollen darauf aufmerksam machen, wie Werbung uns manipuliert und austrickst. Doch sie schaffen es auch, politische Botschaften zu verbreiten und nutzen die wohl konsumreichste Zeit des Jahres um Stimmung gegen die AfD zu machen.

Quellen:
https://taz.de/!5556472/ (23.12.18)
https://de.wikipedia.org/wiki/Adbusters (23.12.18)
https://www.stern.de/gesundheit/gruene-coca-cola–zu-viel-zucker–trotz-stevia-6188526.html (23.12.18)
https://www.stern.de/genuss/trinken/adbuster-von-dies-irae-gegen-gruene-cola-6414680.html (23.12.18)

Disneys neuer Streamingdienst als Konkurrent für Netflix & co.

Nachdem Marvel (Studios) nun die Kinos mit „The Avengers“ im Sturm erobert haben, übernahm die Tochtergesellschaft auch die heimischen Fernseher, Notebooks und Handys. Mit Serien wie „Marvel’s Daredevil“, „Iron Fist“ und „Luke Cage“ landete Marvel einen Serienhit nach dem anderen und eroberte die Netflix-Charts. Als die Gerüchteküche um eine heiß ersehnte Fortsetzung der dritten Staffel zu Daredevil nur so brodelte, mussten die Fans mit Entsetzen verkraften, dass dieser Wunsch doch nur ein solcher bleiben würde – Netflix verkündete eine Absetzung.

Doch wie kam es dazu? Für Netflix war diese Serie mehr als nur ein Erfolg, jedoch verkündete der Konzern mehrere Absetzungen, unter anderem „Iron Fist“ und „Luke Cage“ aus dem Hause Marvel Studios.

Marvel Studios ist eine Tochtergesellschaft des Unternehmens Marvel Entertainment und gehört somit zur Walt Disney Company. Das 1993 gegründete Studio produziert Filme und Serien basierend auf den Marvel Comics oder dem Marvel Cinematic Universe (kurz MCU). Grund für die Absetzung dieser Serie könnte also sein, dass die Walt Disney Company die Lizenzen der Serien für ihren eigenen Streamingdienst „Disney+“ nutzen möchte, welcher Ende 2019 in den USA an den Start gehen soll.

Disney geht mit Disney+ ins Rennen

Der neue Streamingdienst soll berühmte Produktionen aus Firmen wie Walt Disney Company, Pixar, Lucasfilm, 21st Century Fox und zu guter Letzt Marvel enthalten. Gerüchten zufolge sei das neue Projekt sogar günstiger als aktuelle Konkurrenten und enthalte exklusive Filme und Serien aus genannten Produktionshäusern wie zum Beispiel Star Wars, High School Musical und Monster-AG, welche teilweise noch auf Netflix zu finden sind (Toy Story, Star Wars und Star Wars – The Clone Wars, Die Monster Uni usw.). Natürlich dürfen Klassiker wie Schneewittchen und Bambi auch nicht fehlen.

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Disney%2B

Serienerfolge wie Die Simpsons und Family Guy, die aktuell noch von Netflix angeboten werden, können auch auf der neuen Plattform aus dem Hause Disney landen. Die Walt Disney Company plant, den für diese Serien zuständigen Konzern 21st Century Fox im Frühjahr 2019 mit 71 Milliarden US-Dollar zu übernehmen und stellt somit eine große Gefahr für den vorher erfolgreichsten Anbieter für Video-on-Demand dar.

Nachdem große Namen nun aus dem altbekannten Portfolio verschwinden und Netflix sich gegenüber neuen Konkurrenten wappnen muss, braucht der Anbieter Nachschub. Dieser soll in Form von Eigenproduktionen erfolgen. Nach Orange Is The New Black oder der erfolgreichsten Serie des Anbieters, Stranger Things, können wir nur auf weitere Ankündigungen neuer Serien warten, die der gewohnten Qualität dieser Produktionen gerecht werden.


Quellen:

www.gamestar.de/artikel/marvels-daredevil-nach-dem-serien-aus-marvel-hat-wohl-eigene-plaene-mit-dem-helden,3337963.html/

http://de.wikipedia.org/wiki/Marvel_Studios

de.wikipedia.org/wiki/The_Walt_Disney_Company

www.giga.de/webapps/netflix/specials/disney-plus-streaming-dienst-netflix/

www.heise.de/newsticker/meldung/Megauebernahme-von-21st-Century-Fox-Aktionaere-machen-Weg-fuer-Disney-frei-4122372

www.computerbild.de/artikel/avf-News-Video-Netflix-1000-Eigenproduktionen-Ende-2018-21695939

Nomophobie

Bist du auch betroffen?

Wer kennt es nicht… nur mal schnell die WhatsApp Nachrichten checken, die letzten zwei Fotos irgendwelcher aber vermeintlich doch sehr wichtigen Influencer auf Instagram liken, nebenher noch ein paar unnötige Snapchat-Bilder an Freunde verschicken, damit man die heißbegehrte Flamme nicht verliert und – ach ja – Facebook gibt es ja auch noch. Alles schön und gut, aber was passiert eigentlich, wenn man mal kein Smartphone zur Hand hat ?

Das Wort „Nomophobie“ wurde erstmals 2008 in England von der UK Post Office eingeführt und bedeutet soviel wie „Kein-Mobiltelefon-Angst“. Betroffene Personen dieser Krankheit haben angst- ähnliche Zustände vor dem Gefühl, für soziale und geschäftliche Kontakte nicht mehr erreichbar und somit von der Welt abgeschirmt zu sein.[1]Eine britische Studie aus dem Jahr 2008 hat gezeigt, dass zu dem Zeitpunkt etwa die Hälfte aller britischen Handynutzer von dieser Phobie betroffen waren. Im Lauf der Jahre stieg diese Prozentzahl bis 2012 sogar weiter auf 66% an.[2]
Des Weiteren, gaben zwei Drittel der Probanden zu, dass Sie direkt neben ihrem Mobiltelefon schlafen und das dieses auch in 50% der Fälle über Nacht nicht ausgeschaltet ist.[3]

Im Allgemeinen wird unser treuester Begleiter also am Tag rund 88 Mal angeschaltet, 35 davon um die Uhrzeit und mögliche Nachrichten zu checken sowie 53 Mal um sich die Zeit mit Apps oder im Internet selbst zu vertreiben.[4]Schlussfolgernd lässt sich laut einer Studie der DAK feststellen, dass 85% der 12-17-jährigen durchschnittlich 3 Stunden am Handy verbringen, wobei die sozialen Medien, wie WhatsApp, Instagram, Facebook oder Snapchat am häufigsten benutzt werden[5]. Erst in den nachfolgenden Generationen, lässt sich ein leichtes (25-34-jährige) bis stärkeres (Ü50) Absinken dieser Prozentzahl nachweisen.



Foto: imago/Westend61[6]

Na, fühlen Sie sich jetzt auch angesprochen? Macht es Sie nervös oder bekommen Sie ein mulmiges Gefühl, im schlimmsten Fall sogar Panik, wenn Ihr Handy nicht in der Nähe bzw. der Akku niedrig ist oder wenn Leute auf Ihre Nachricht nicht direkt antworten? Können Sie nicht schlafen, aus Angst etwas Wichtiges zu verpassen? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen und um eine mögliche Nomophobie festzustellen, hat Caglar Yildirim (Assistenzprofessor für Mensch-Computer Interaktion an der Staatlichen Universität von Iowa) einen standardisierten Test aus 20 Fragen entwickelt (https://www.news.iastate.edu/news/2015/08/26/nomophobia).Sollte sich nach dem Test herausstellen, dass Sie auch betroffen sind, gibt es mehrere Möglichkeiten diese Phobie in den Griff zu bekommen. Eine Option wäre zum Beispiel, sich festgelegte Handypausen zu setzten oder es im besten Fall, einfach direkt zu Hause zu lassen. Anderweitige Beschäftigungen, die nichts mit elektronischer Nutzung zu tun haben, können ebenso dabei helfen, dem Drang der Benutzung des Smartphones zu widerstehen. Bei schwerwiegenderen Fällen ist es aber jedoch empfehlenswert, einen Psychologen zu Rate und eine Therapie in Erwägung zu ziehen. Abschließend ein Zitat, dass den zuvor geschilderten Sachverhalt verdeutlicht.

„Früher war es Luxus, sich ein Handy zu leisten, um erreichbar zu sein. Heute ist es Luxus, es sich leisten zu können, nicht erreichbar zu sein.“

Author unbekannt[7] 

Quellen

[1] Christof Fröhlich, Titel:“Krankheit Nomophobie“, Wissen.de (aufgerufen am 14.12.18)https://www.wissen.de/krankheit-nomophobie/page/0/2?

[2] Titel:“ 66% of the population suffer from Nomophobia the fear of being without their phone“, SecurEnvoy, Erscheinungsdatum 16.02.12, (aufgerufen am 14.12.18)https://www.securenvoy.com/en-gb/blog/66-population-suffer-nomophobia-fear-being-without-their-phone

[3]Tim Elmore, Titel:“Nomophobia: A rising Trend in Students“, Psychology Today, Erscheinungsdatum 18.09.14, (aufgerufen am 14.12.18)https://www.psychologytoday.com/us/blog/artificial-maturity/201409/nomophobia-rising- trend-in-students

[4]Anna Fischhaber und Miriam Hauck, Titel: „Im Digitalen Dauerstress“, Süddeutsche Zeitung.de, Erscheinungsdatum 6.01.17, (aufgerufen 14.12.18)https://www.sueddeutsche.de/digital/immer-online-digitaler-dauerstress-1.3322626

[5]Dagnyy Lüdemann, Titel:“ Drei Stunden am Tag sind normal“, Zeit-Online.de, Erscheinungsdatum 1.03.18, (aufgerufen am 14.12.18)https://www.zeit.de/digital/internet/2018-03/social-media-dak-studie-instagram-whatsapp-sucht-jugendliche

[6]Bildquelle, Titel des Beitrags.“ Was tun, wenn mein Kind dauernd vorm Smartphone hängt“, Express.de, Erscheinungsdatum 20.09.16, (aufgerufen am 14.12.18)https://www.express.de/ratgeber/familie/handysucht-bei-teenies-was-tun–wenn-mein-kind-dauernd-vorm-smartphone-haengt—-24773456

[7] https://www.haefft.de/7-lustige-sprueche-ueber-handys.html

Youtube Rewind 2018 – Das Video mit 14 Mio. Dislikes

Seit 2010 veröffentlicht Youtube jährlich einen Jahresrückblick auf ihrem Videokanal Youtube Spotlight.

Celebrating the videos, people, music and moments that defined 2018

heißt es in der Videobeschreibung des Youtube Rewind 2018: Everyone Controls Rewind

Mit solch einer Resonanz hätte niemand gerechnet

Der diesjährige Jahresrückblick erschien am 6. Dezember 2018 und generierte innerhalb von 13 Tagen eine Rekordsumme von über 14 Millionen Daumen nach unten.

Bewertung am 29.12.2018

Von mehreren Medien kritisiert, wird das Youtube Rewind 2018: Everyone Controls Rewind  bereits am 13. Dezember 2018 zum meist gehassten Video auf der gesamten Plattform.

Wie kam solch eine Bewertung zustande?

Mit Ausnahme des Ausreißers vom Youtube Rewind 2011(moderiert von Rebecca Black), ist eine negative Entwicklung der Nutzerbewertung zu verzeichnen.

Nutzerbewertung der „Rewind“-Videos (Quelle: youtube.com)

Ein Grund für den Negativ-Trend ist die Veränderung des Konzeptes. Was mit einer Zusammenstellung aus den wichtigsten Videos des Jahres Begann, wurde 2012 in ein hochwertig produziertes Musikvideo umgewandelt, indem ausgewählte Content Creator eine Choreographie hinlegen konnten, was bisher gut bei den Zuschauern ankam.

Ausschnitt aus Youtube Rewind 2017

Jedoch änderte sich die Kernbotschaft bereits im Jahre 2017 mit der Einbindung einer emotionalen Ebene durch die Thematisierung von Katastrophen, menschlichen Elend und dem Zusammenhalt der Community auch in „harten Zeiten“. Elemente, welche für viele nicht unbedingt mit Youtube in Verbindung stehen sollten (siehe Kommentare).

„we control Rewind this year“

Dieses Jahr kam das Youtube Rewind nicht am beliebten Videospiel Fortnite vorbei. Anmoderiert von Will Smith beginnt die Rückblende im Battle-Royale Modus. Die Youtuber landen gemeinsam auf einer Insel und überlegen am Lagerfeuer das erste mal selber, was die relevantesten Youtube-Momente des Jahres waren. Themen wie: Fortnite, K-pop, Mukbang, In my feelings Challenge, Asmr und weiteres sind im Video vorzufinden.

Auch eher Youtube-ferne Themen wie: Flüchtlinge auf der Suche nach heimat, Feminismus, arbeitende Frauen, asiatische Repräsentation in der Unterhaltungs-branche so wie die „Kunst des Drag“ schafften es in den Jahresrückblick und sorgten auch dieses Jahr für enttäuschte Zuschauer, welche lieber was unpolitisches gesehen hätten (siehe Kommentare).

Ausschnitt aus: Youtube Rewind 2018

„Es war halt nicht das Rewind, was wir die letzten Jahre hatten“

Prof. Dr. Natascha Becker, Millenial und Spezialistin für Memeologie im GameStar-Interview

Nicht nur das Video an sich ist der Grund für das Dislike-Phänomen. Die Community scheint allgemein unzufrieden mit Youtube zu sein.

Kommentar unter dem Rewind 2018

Youtube’s Antwort auf die Dislike-Welle

Auf Twitter bedankt sich Youtube für das Engagieren der Community. Dazu will sich das Unternehmen bemühen, das nächste Jahr besser für jeden zu gestallten.

“Every year when we release our Rewind video, our number one goal is getting the community to engage with it,”

“This includes liking and disliking the video. With millions of comments, millions of likes and dislikes, and more than 100M views, we’re pleased with the results.”

Youtube Pressesprecher im Statement mit Metro.co.uk

Fazit

Es ist wohl fair zu sagen, dass das Youtube Rewind 2018 ein Reinfall war. Jedoch scheint es so als ob die Anforderungen der Community zu Youtube durchgedrungen sind und etwas unternommen wird.

Quellen

https://www.stern.de/neon/wilde-welt/gesellschaft/youtube-rewind–mit-13-millionen-dislikes-zum-meistgehassten-video-8496716.html

https://www.rtl.de/cms/youtube-rewind-2018-auf-dem-weg-zum-meistgehassten-video-weltweit-4265210.html

https://metro.co.uk/2018/12/12/youtube-insist-theyre-pleased-with-rewinds-results-despite-its-9-million-dislikes-8239481/

https://www.gamestar.de/videos/alle-hassen-youtube-rewind-2018-unsere-millennial-expertin-erklaert-den-downvote-sturm-video,98006.html

https://www.youtube.com/watch?v=YbJOTdZBX1g&t=322s

Weihnachten braucht nicht viel. Nur Liebe. -Und geschickte Werbung, die uns genau das vermittelt.

Warum der Penny- Weihnachtsspot so gut funktioniert

Die rührende Geschichte einer alleinerziehenden Mutter in der Vorweihnachtszeit. Verzweifelt versucht sie ihrem Sohn trotz finanziell eingeschränkter Mittel ein schönes Weihnachtsfest zu zaubern. Zunächst versagen ihre Anstrengungen an den Erwartungen des Jungen; er möchte Weihnachten nun mal in gleicher Weise verbringen wie seine Freunde: mit Schlittschuh fahren, Geschenken usw. Doch an Heiligabend verwandelt sie die Gartenhütte mithilfe von Kissen, Decken und Lampen in ein Antarktis Paradies und gewinnt durch diesen fantasievollen Einfall die Anerkennung des Kindes zurück. Dazu unterstreicht ein berührendes Akustik Cover von „your song“ die Story.

Klingt wie ein kitschiger Film? Weit gefehlt… Obwohl das Ganze ähnlichen Unterhaltungscharakter aufweist handelt es sich hier „nur“ um den diesjährigen weihnachtlichen TV Spot des Lebensmittelherstellers Penny. Das Thema: „Weihnachten braucht nicht viel. Nur Liebe.“.

Auf YouTube erreichte der Spot ganze 15 Millionen Klicks und ist damit die mit Abstand am häufigsten aufgerufene Weihnachtswerbung 2018. Nicht weniger berühmt ist sie natürlich auf Facebook. Hier wurde sie 67.000 mal geteilt. ,, Das Video ist wahre Kunst“ und ,, herzerwärmend“ sind beliebte Kommentare aus dem Netz. Doch warum zieht diese Werbung so gut?

Penny hat es geschafft uns eine Story zu präsentieren, die nicht nur in Erinnerung bleibt, sondern auch Emotionen des Mitgefühls und der Rührung weckt. Es geht hier eben weder um das werbende Unternehmen selbst, noch um das in Szene setzen von bestimmten Produkten, sondern schlichtweg um Aufmerksamkeit. Da passt es natürlich besonders gut, in einer emotional besetzten Zeit wie Weihnachten einen kitschig angehauchten, herzzerreißenden Clip über traurige Kinder und die Wichtigkeit des familiären Zusammenhaltes zu platzieren. Viele Menschen wünschen sich zur Weihnachtszeit eine Rückbesinnung auf die wirklich wichtigen Werte wie Harmonie und Heimat. Und wenn nicht werden diese Sehnsüchte spätestens beim Anschauen der Werbung geweckt. Damit fällt es dem Zuschauer leicht sich mit dem Gezeigten zu identifizieren. Und insbesondere die alleinerziehende Mutter und der Rentner mit kleinem Geldbeutel denkt sich : ,, Penny hat mich verstanden.“ .

Frohe Weihnachten Euch allen!

Medienkompetenz – Das Bilderbuch der Digitalisierung

Der Konsum von Bildinhalten, insbesondere der von Jugendlichen, steigt immer weiter an. Wie das mit dem Internet und der Digitalisierung zusammenhängt, das lesen Sie hier: 

Der Zugang zu Medien ist noch nie so einfach gewesen. Das ist der zunehmenden Digitalisierung zu verdanken. Hierbei gelangt der Konsument immer häufiger über das Internet zu Inhalten wie Videos, Bildern und Zeitungsartikeln.
Das Internet bietet einen enormen Pool an Informationen. Diese Informationen variieren stark und sind nicht immer nutzbringend. Falsch gestreute Informationen wie „Fake-News“ tendieren die Meinungsbildung zu verfärben. Es ist daher offenkundig ratsam, nicht allem zu trauen, was man im Netz vorfindet. Dazu zählen auch Bildinhalte. Selektives Vorgehen wäre da gefragt.

Um aber überhaupt selektieren zu können, wird ein Vorwissen benötigt, das mit höherem Alter wahrscheinlicher vorhanden ist. 
Unsere Jugend könnte sich dieses Vorwissen meist nur in der Schule und im Zuge der häuslichen Erziehung aneignen. Allerdings wird Medienkompetenz in Schulen weitestgehend nicht unterrichtet und Eltern halten eher an tradierten Medien fest. 
Die Jugend ist also gerade im Bezug auf die neuen Medien, wie etwa „Social-Media“, sich selbst überlassen.

Nun haben Jugendliche die Wahl, was sie rezipieren möchten. Spoiler:Tageszeitungen und andere längere Texte sind meistens nicht.

Bildquelle: https://goo.gl/images/3fhmn8

Laut der Jim-Studie schauen 65% der befragten Jugendlichen täglich Videos (3% mehr als im Vorjahr).
Allerdings lesen nur
19% auch täglich Bücher (2% weniger als im Vorjahr).
E-Books und Online-Zeitungen liegen prozentual sogar noch weiter darunter.

Medienkonsum, insbesondere der jugendliche, gleicht mit frappierender Ähnlichkeit dem Konsum von Bilderbüchern
Analogien finden sich in der Mehrung der Bild- gegenüber den Textinhalten und in der Ursache des Konsums.

Die ist darin begründet, dass wir Bilder tendenziell leichter und intensiver wahrnehmen als Texte. War es zu Beginn der Printmedien ein äußerst komplexes Unterfangen, Bilder in großer Zahl zur Verfügung zu stellen, so fällt der Arbeitsaufwand für derartiges heute bestenfalls marginal aus: Beinahe jede Privatperson in Deutschland kann als Video- Bild- und Textproduzent fungieren und vermag es prinzipiell die gesamte Bevölkerung zu erreichen, die Zugang zum Internet besitzt. Unzählige Meinungen und Informationen, ob valide oder nicht, sind abrufbar. 

https://goo.gl/images/5uNVWN

Und hier spielt die Selektion eine exorbitante Rolle: Woher wissen Kinder und Jugendliche welche gesellschaftliche Tragweite ihr Konsumverhalten in sich birgt? Zum drögen Lesen von bildenden Büchern wird man ja bereits in der Schule gezwungen, wieso sich also auch noch in der Freizeit den Kopf zermartern? – Dann konsumiert man doch lieber Themen, die im „wahren“ Leben wirklich interessant sind. Wie etwa das neuste YouTube-Video zu Beziehungsdramen. 

https://www.youtube.com/channel/UCK274iXLZhs8MFGLsncOyZQ
(Stand: 12. Dezember 2018)

Die Folgen sind genutzter Raum für Meinungsmache von unlauteren Personen und Krisen in Printmedien wie beispielsweise der Zeitungskrise.

Oft wird unsere ehemalige Kanzlerin Angela Merkel für die Aussage, dass das Internet für uns alle Neuland sei belächelt. Doch Fakt ist: Das ist es tatsächlich. Das Internet kann, in seiner gesellschaftlichen Tragweite, mit dem Buchdruck verglichen werden. Wir gehören zu den ersten Generationen, die seine Auswirkungen erleben. Der richtige Umgang damit möchte von uns allen weiter verbessert werden. 

Es ist daher schlussendlich essenziell, dass zukünftige Generationen im Umgang mit Medien geschult und sensibilisiert werden, um größere Zusammenhänge, in Wechselwirkung mit der Digitalisierung, erfassen zu können. Die Zeit ist reif, die Früchte zu ernten, welche die Menschheit gesät hat, anstelle sie unkontrolliert vegetieren zu lassen.

Künstliche Intelligenz im Journalismus – Risiken und Chancen

Künstliche Intelligenz, oder kurz: KI. Ein Begriff, den spontan vermutlich die wenigsten mit Journalismus in Verbindung bringen. Und doch nimmt diese technische Errungenschaft einen immer größeren Einfluss auf die sich digitalisierende Medienlandschaft. Eine Entwicklung, die auch in Deutschland bereits zu spüren ist.

Doch was genau meint „künstliche Intelligenz“ ?

Sie ist künstlich, da es sich um eine technische Nachbildung, genauer gesagt eine Software handelt. Intelligenz bezieht sich auf die Fähigkeit dieser Software, Datensätze in einer Lernphase zu analysieren und zu verarbeiten, um später auf deren Grundlage Aktionen durchzuführen. Diesen Prozess bezeichnet man als „maschinelles Lernen“.

Es klingt absurd, ja, fast unheimlich,dass eine Software – ganz gleich der Leistung eines Journalisten – in der Lage sein soll, Recherche zu betreiben und die erhobenen Daten publizistisch aufzubereiten, gleichzeitig die Relevanz von Themen für den öffentlichen Diskurs abzuwägen und damit die gesellschaftliche Debatte über besagte Themen zu prägen. Weiter kann Ich mir nicht vorstellen, wie solch eine Software ähnlich ihres menschlichen Kollegen in der Berichterstattung persönlichen Mustern und Vorlieben folgen wird. Denn die Entscheidungen der KI sind nicht an Wahrnehmung und Emotionen gebunden, sondern werden auf der Basis von Berechnungen gefällt.

Und doch bin ich im Laufe meiner Recherche auf Fälle gestoßen, in denen sich Unternehmen und Redaktionen bereits heute einer ähnlichen Technologie bedienen.

Eines sehr interessantes Beispiel liefert hier eine der beiden staatseigenen Nachrichtenagenturen der Volksrepublik China: Xinhua. Diese veröffentlichte Anfang November 2018 einen Beitrag, in dem ein bekannter Nachrichtensprecher des Senders zu sehen war. Doch statt dem Sprecher selbst, sprach ein Hologramm zu den Zuschauern. Dieses erklärte, es sei durch eine KI erzeugt, welche in der Lage ist, vorgegebenen Text wiederzugeben. Stimme und Aussehen sind Zhang Zhao nachempfunden, einem bekannten Gesicht des Senders für englischsprachige Nachrichten. Mimik, Gestik sowie das Sprechtempo eignete sich die Software aus einer riesigen Menge Videomaterial des Sprechers an. Nach Angaben des Senders soll die Technik zunächst auf der eigenen Internetseite und in sozialen Netzwerken eingesetzt werden.

Ausschnitt aus dem Video von News China TV

Ein weiteres Beispiel kommt aus Großbritannien. Hier entstand in Kooperation zwischen der Press Association (PA) und Urbs Media das Unternehmen RADAR AI . RADAR, was für Reporters and Data and Robots steht, ist ein automatisierter Nachrichtendienst, der Berichte mit Relevanz für Lokaljournalisten in unterschiedlichen Regionen bereitstellt. Und zwar in Zusammenarbeit zwischen Journalisten und KI. Dies passiert mithilfe der Natural Text Generation (NLG), hier der Produktion von Sprache in Textform durch KI. So möchte das Unternehmen eine vereinfachte Produktion der Inhalte für Lokalzeitungen ermöglichen. Das System ist mittlerweile ausgereift und über 1000 Redaktionen haben potenziell Zugriff auf den Service.

Doch wo befinden sich die Grenzen dieser Entwicklung?

Medienunternehmen überall auf der Welt arbeiten daran, Produktionsprozesse von Medienprodukten und ihre Unternehmensstrukturen im Allgemeinen mithilfe von Technik effizienter zu gestalten. Logischerweise, denn Medienprodukte sind fast immer duale Güter. Die Unternehmen konkurrieren nicht nur um publizistische Qualität, sondern vor allem um Absatz.

KI liegt im Trend. Und das nicht ohne Grund, denn in vielen Fällen bietet sie große Chancen für unsere Gemeinschaften. Den Einsatz solcher Technik im Journalismus kann Ich allerdings nur bedingt gutheißen. In Zeiten des Internets ist es ohnehin schwieriger geworden, die Authentizität von Quellen festzustellen. Eine Technik, die in der Lage ist selbständig Beiträge zu verfassen und zu verbreiten, könnte in den falschen Händen großen Schaden anrichten. Denken wir nur an die letzten US-Wahlen. Das genaue Ausmaß der Manipulation durch social bots und Hacker ist immer noch ungeklärt. Eine Weiterentwicklung solcher Programme könnte verheerende Folgen haben.

Um meinen Beitrag aber etwas optimistischer enden zu lassen möchte Ich ergänzen, dass Ich es als unwahrscheinlich erachte, dass eine solche Entwicklung in näherer Zukunft unkontrollierbar um sich greifen wird und unser Gesellschaftssystem destabilisieren könnte. Weiter bietet moderne Technik auch Vorteile. Zum Beispiel im Feld des Datenjournalismus, was man an Projekten wie den Panama Papers gut erkennen kann. Ebenfalls sehe Ich nicht, dass der Qualitätsjournalismus durch den aktuellen Einsatz von KI ernsthaft bedroht ist. Trotzdem müssen wir wachsam sein, denn Automatisierung macht auch vor dem Journalismus nicht halt. Kritischer, qualitativ hochwertiger Journalismus ist eine Grundvoraussetzung zur Selbstbeobachtung unserer Gesellschaft und damit zur Sicherung eines auf demokratischen Werten beruhenden öffentlichen Diskurses. Mir bleibt nichts weiter als abschließend an euch zu appellieren: bewahrt euch euer kritisches Denken und Freude am Diskurs – bezieht Position!

Quellen:

https://www.sueddeutsche.de/medien/ki-nachrichtensprecher-china-1.4205139(12.12.18)

https://www.youtube.com/watch?v=GAfiATTQufk(05.01.19)

http://radarai.com/about-us/(18.12.18)

https://www.pressassociation.com/2017/12/12/trial-automated-news-service-underway-radar-makes-first-editorial-hires/ (18.12.18)

https://www.pressassociation.com/2018/06/18/more-than-1000-uk-regional-news-titles-now-have-access-to-stories-jointly-written-by-journalists-and-ai-as-radar-launches-new-website/ (18.12.18)

Podcasts- Die Zukunft des Fernsehens

Mit dem Slogan „It’s Televison for your Ears“ wirbt der Podcast Tanis und zeigt, dass die Formate fiktionale Podcasts und Fernsehserien enger verwandt sind, als es zunächst erscheint. Fiktionale Podcasts erzählen eine Geschichte, die in jeder neuen Episode weitergeführt wird. Hören kann man über iTunes oder Podcast-Apps wie beispielsweise Stitcher. Anders als beim Radio-Hörspiel können Podcasts noch Jahre später nachgehört werden. Jeder Podcast, meist von Laien hergestellt, ist kostenlos und die Finanzierung erfolgt durch Werbe-Sponsoren und Spenden von Fans, organisiert durch Spendenwebsites wie Patreon und Kickstarter.

Ein kleiner Einblick in die Welt der fiktionalen Podcasts                          https://player.fm/en/featured/audio-theater

Daher erwägen viele amerikanische TV-Sender, fiktionale Podcasts für das Fernsehen zu adaptieren. Geschichten aus einem anderen Format zu übernehmen, hat sich für die Serienbranche bewährt. Bisher werden Bücher und Comics zu Serien adaptiert und erzielen hohe Einschaltquoten, beispielsweise Game of Thrones und The Walking Dead. Da zunehmend Adaptation und weniger „Original Content“ die Fernsehlandschaft der letzten Jahre prägte, kommt es zu einem Adaptations-Engpass, d.h. das, was adaptiert wird, ist doch immer wieder typähnlich. Auf der Suche nach dem gänzlich Neuen schauen sich Produzenten nach Alternativen um. Hier kommt der Podcast ins Spiel, dem konzeptionsmäßig keine Grenzen gesetzt sind.

Der Vorteil jeder Adaptation ist die Gewissheit des Built-in-Audience, da es Fans geben wird, die sie sich auf jeden Fall anschauen werden, also eine Risikoverminderung. So kann an Pilot-Episoden gespart werden, da Produzenten wissen, dass sich der Podcast bereits bewährt und beim Publikum ankommt.

Abzuwarten bleibt, wie erfolgreich die Umsetzung ins Fernsehen ist. Einige Podcasts wie Wolf 359 und Wooden Overcoats bieten Theaterabende an, in denen sie eine ausgewählte Folge vortragen. Dies erinnert aber noch eher an Live-Lesungen als an eine visuelle Adaptation. Der wohl meistgehörte Podcast Welcome to Night Vale ist als Radiosendung konzipiert und der Protagonist berichtet über die merkwürdige Stadt Night Vale, bleibt aber die gesamte Sendezeit in seiner Aufnahmekabine. Inwieweit diese erzählerischen Mittel beibehalten oder ganz gestrichen werden, stellt eine wichtige Entscheidung dar. Hinzu kommt, dass die meisten Sprecher keine Schauspieler sind, sodass ihre Rollen gecastet werden müssen, was allerdings das Built-in Audience als Rezipienten abschrecken kann, das eine emotionale Bindung zum bisherigen Sprecher hatte.

https://twitter.com/NightValeRadio    

Trotz der genannten Risiken könnten Fernsehadaptationen die Welt der Podcasts einem größeren Publikum zugänglich machen. Ein guter Trend, da Podcasts durch ihre Beschränkung auf „Nur-Audio“ gezwungen sind, kreativer zu sein, da Rezipienten mehr Fantasie einsetzen müssen, sich das Dargebotene vorzustellen. Zudem besteht eine höhere Partizipationsmöglichkeit, da viele Podcasts die Plattform Reddit nutzen, um Fan-Feedback einzuholen, umzusetzen, Fans als Sprecher einzubeziehen oder Plot-Ideen übernehmen. Neben ihrem kostenlosen Zugriff ist es also der „User-generated-Content“-Aspekt, der Podcasts das Potenzial gibt, ein disperses Publikum zu erreichen, und die Zukunft des Fernsehens nachhaltig zu verändern.

Quellen:

http://www.denofgeek.com/us/tv/podcasts/266240/8-podcasts-making-the-move-to-television

https://www.wired.com/story/podcasts-getting-tv-adaptations/

https://filmschoolrejects.com/on-the-emerging-trend-of-adapting-podcasts-into-tv-shows-and-movies-4c731b13aa38/

“Vor dem Netz sind alle gleich.” – Von wegen!

Eine kurze Abhandlung über den Verlust der Netzneutralität in den Vereinigten Staaten und was uns das alles überhaupt angeht 

 

„Tritt nicht auf mir herum“ *- Die LAN-Schlange versucht, sich gegen die bevorstehende Malträtierung zu wehren; leider vergeblich.

Vor nicht allzu langer Zeit wurden in den USA Anstrengungen unternommen, die Einführung der Netzneutralität rückgängig zu machen. Darüber zu entscheiden hatte die FCC (Federal Communications Commission). Am 14. Dezember letzten Jahres war es dann so weit: Mit einem 3/2-Verhältnis gewannen die Befürworter des Amendements das Votum und das neue Gesetz war verabschiedet.

Auch wenn das Stichwort Net Neutrality erst vor Kurzem im großen Stil Einzug in die journalistischen Medien gehalten hat – der Begriff an sich existiert schon bedeutend länger. Das erste Mal fiel er im Zusammenhang mit der Telefonie im Jahre 2002, mittlerweile wird darunter die Gleichbehandlung von im Internet verschickten Daten verstanden. Die Übertragungsrate darf weder zu Gunsten noch zu Ungunsten des Senders beziehungsweise des Empfängers und auch nicht aufgrund von Inhalt oder Erstellungsmethode gedrosselt oder erhöht werden.

Nur so kennen wir das Internet, genau so und nicht anders gestaltet sich unser Erleben des World Wide Webs seit – naja, seit jeher eben! Scheint ein fundamentales Prinzip zu sein, diese Netzneutralität. Warum also in Frage stellen?

So grundlegend es sich auch anhört, zementiert wurde dieses „Recht auf Gleichheit“ zum frühesten Zeitpunkt erst im Jahre 2012, und das nur in der Niederlande und in Slowenien. 2015 wurden dann sowohl vom Europäischen Parlament als auch von der amerikanischen Regierung diesbezüglich Verordnungen verabschiedet. Bis dato galt er als „Informationsdienst“, nun aber wird der Internetzugang als ein „Kommunikationsdienst“ angesehen. Das bedeutet, dass das Surfen im Web fortan ähnlich wie Wasser und Elektrizität zur Grundversorgung gehört.

Ajit Pai’s Ziel war es, der Net Neutrality ein Ende zu bereiten.            Sein Vorhaben ist geglückt.

Nun, dem von Trump handverlesenen Vorsitzenden der FCC Ajit Pai war diese Entscheidung offensichtlich ein Dorn im Auge. Er hat es sich seit dem Zeitpunkt seiner Ernennung zur Aufgabe gemacht, diesen Schritt rückgängig zu machen. Er behauptet, im Geiste des kompetitiven Marktes zu handeln und sieht die unter Obama vorgenommene Änderung als eine Lösung zu einem nicht dagewesenen Problem an.

Abertausende Nutzer haben vergeblich versucht, gegen den Plan des Politikers vorzugehen; die Angst vor den Konsequenzen ist groß: durch das Angebot von Paketangeboten seitens der ISPs (Internet Service Provider, hierzulande bspw. Vodafone, 1&1, etc.) fände eine Förderung des ohnehin schon bestehenden Monopolstatus‘ von Facebook, Netflix & Co. statt, nicht zahlungsfähige oder unliebsame Domainen könnten gedrosselt oder gar geblockt werden und Start-Up-Unternehmen werden noch mehr Steine in den Weg gelegt als sowieso schon überwunden werden müssen. Schon 6 Wochen später haben die Staaten New York und Montana sich entschlossen, aktiv gegen die Durchsetzung des Beschlusses vorzugehen.

Netzneutralität als ein Grundrecht, das verteidigt           werden möchte: Die Frustration der Menschen zeigt        sich in einer Vielzahl von Protesten.

Natürlich kommt bei der ganzen Debatte die Frage auf, was das alles für eine Bedeutung für die EU und Deutschland im Besonderen hat. Noch hat das Europäische Parlament keine Anstalten gemacht, sich die USA zum Vorbild zu nehmen. Es wird jedoch bemängelt, dass in der Verordnung von 2015 diverse Schlupflöcher offen gelassen wurden. Ein heiß umstrittener Fall des Zuwiderhandelns gegen die Datengleichheit ist die Implementierung von sogenannten Zero-Rating-Diensten. Das von der Telekom angebotene Tarifpaket StreamOn ist nur ein Beispiel dafür. StreamOn ermöglicht es, im mobilen Netz Streaming-Dienste von Partnerunternehmen zu nutzen, ohne das Datenvolumen zu belasten. Gegen das Angebot selbst wird nicht vorgegangen, jedoch wurde eine Änderung bezüglich des Surfens in der EU verordnet: bis jetzt funktioniert der Dienst nur im deutschen Netz – wenn sich das nicht ändert, droht der Telekom ein Zwangsgeld, so die Bundesnetzagentur.

Der Fakt, dass die USA sich trotz unzähliger Gegenstimmen für die Abschaffung der Net Neutrality entschieden hat, ist beängstigend. Deutschland setzt sich zwar offensichtlich bis zu einem gewissen Grad für den Erhalt der Netzneutralität  ein. Trotzdem gilt es aufzupassen, denn der Grat zwischen Privileg und Diskriminierung ist schmal.


* Die Illustration ist eine Reminiszenz an die Gadsden-Flagge. Früher ein Symbol für amerikanischen Patriotismus, so wird sie heute zunehmend von Anhängern des Libertarismus in den USA verwendet. Ein passendes Motiv zu den jüngsten Geschehnissen in Amerika.


 

Quellen

Artikel
  • https://en.wikipedia.org/wiki/Net_neutrality_in_the_European_Union
  • https://en.wikipedia.org/wiki/Net_neutrality_in_the_United_States
  • https://www.purevpn.com/blog/arguments-against-net-neutrality/
  • https://www.savetheinternet.com/net-neutrality-what-you-need-know-now
  • https://arstechnica.com/tech-policy/2018/01/net-neutrality-will-be-enforced-in-new-york-under-orders-from-governor/
  • http://www.zeit.de/digital/internet/2017-12/netzneutralitaet-streamon-bundesnetzagentur-verbraucher-interesse
Bilder
  • https://pbs.twimg.com/media/DPVOdwtX4AA2Ucl.jpg
  • https://static01.nyt.com/images/2017/11/21/business/21NETNEUTRALITY/21NETNEUTRALITY-superJumbo.jpg
  • http://forupon.com/wp-content/uploads/2017/12/018-nyc-net-neutrality-protest-verizon-hq-dec-7-2017.jpg

Sorgen Amazon und Co für das Aussterben des Einzelhandels?

Es gibt in unserer digitalisierten Welt heutzutage vermutlich nur noch wenige Menschen, die noch nie von Internetplattformen wie beispielsweise Amazon oder Ebay gehört haben. Immer mehr Einkäufe werden dort getätigt, immer weniger Einkäufe werden im Einzelhandel in Innenstädten verrichtet. Betroffen ist davon nahezu jede Branche: Bekleidung, Elektronik, Kosmetik, Medikamente und viele weitere. Die Möglichkeit, Lebensmittel im Internet zu erwerben wird bisher eher weniger genutzt, aber auch diese wird immer populärer und verbreitet sich. Aber warum?

Es ist nun mal einfach bequemer, von zu Hause aus Dinge im Internet zu bestellen. In Zeiten, in denen es das Internet noch nicht gab, hatte man keine andere Möglichkeit, als sich in oftmals überfüllte Städte zu begeben. Heute jedoch ist man nicht mehr daran gebunden, sondern kann auch auf das Internet zurückgreifen, was dementsprechend auch viele Menschen tun. Außerdem hat das Internet keine „Öffnungszeiten“, sodass bestellen jederzeit möglich ist und man sich nicht an Öffnungszeiten von lokal vorhandenen Geschäften halten muss. Die folgende Grafik zeigt weitere Gründe für Online-Handel, allerdings auch die Gründe, die für „Offline-Handel“ sprechen könnten.

Probleme bestehen auch darin, dass es dem Einzelhandel nicht mehr gelingt, sich vom Online-Markt abzuheben. Egal wie speziell oder ausgefallen die angebotene Ware ist, es wird auf jeden Fall möglich sein, die selben oder zumindest ähnliche Produkte zu einem günstigeren Preis im Internet zu finden. Ein weiteres Beispiel ist, dass viele Menschen vor Ort Schuhe anprobieren, um diese dann letztendlich doch nicht zu kaufen, weil man sie im Internet vermutlich günstiger kaufen kann. Bezüglich des Services kann gesagt werden, dass Schuhgeschäfte wie Sidestep oder Footlocker auf ein direktes Ansprechen des Kunde, sobald dieser den Laden betritt, setzen. Dies schreckt viele, die sich nur in Ruhe umsehen möchten, ab. An dieser Stelle wäre der Verbesserungsvorschlag, dass weniger manchmal mehr ist, meiner Meinung nach angebracht. Beratung auf Anfrage des Kunden reicht völlig aus, allerdings sollte dann ein guter Service geboten werden können, bei dem der Kunde merkt, dass der Verkäufer sich mit dem, was er verkaufen möchte auch auskennt. Neben dem Thema Service ist auch die leidige Parkplatzsuche ein Problem, an dem es zu arbeiten gilt.

Fazit

Prognosen von Experten besagen, dass in ungefähr 15 Jahren jedes zweite größere Unternehmen vom Markt verschwunden sein wird. Dies sollte jeden einzelnen von uns nachdenklich machen und zu Überlegungen darüber anregen, ob dies wirklich so geschehen soll oder ob man sich dazu entscheidet, den Einzelhandel doch etwas mehr zu unterstützen. Letztendlich bleibt aber wohl jedem selbst überlassen, wo er seine Einkäufe tätigt und uns bleibt nichts anderes übrig, als die in unseren Augen richtige Entscheidung zu treffen und abzuwarten, ob die Tendenz eher in Richtung Erhaltung des Einzelhandels oder in Richtung weiterer Vormarsch des Online-Handels geht. Abschließend kann gesagt werden, dass trotz allem wohl kein gutes Geschäft, welches auch weiterhin in einer Innenstadt weiter existieren möchte, an einer Online-Präsenz vorbeikommt. Diese sollte aber in gewissem Maße auch dafür sorgen, dass der stationäre Handel durch sie gestärkt wird und umgekehrt.

Textquellen:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/innenstaedte-der-einzelhandel-verschwindet-und-das-ist-gut-so-1.3045300

https://www.welt.de/wirtschaft/article161812481/Dem-deutschen-Einzelhandel-droht-ein-Massensterben.html

https://e-commerce-blog.de/einzelhandel-stirbt-ursachen-loesungen-stationaeren-handels/

https://blog.lombego.de/zukunft-im-handel-digital/

Bildquelle:

https://www.locafox.de/blog/wp-content/uploads/2015/07/GfK_eCommerce_rational-emotional.jpg