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Kampusch stellt sich den Medien

Das Entführungsopfer Natascha Kampusch tritt nun mit einer eigenen Talkschow an die Öffentlichkeit. Ihr erster Interviewpartner hieß Niki Lauda. Die Show ist so ausgelegt, dass die neugebackene Moderatorin Menschen mit schweren Schicksalsschlägen befragen will. Laut der Netzeitung wirkten die Fragen der 20-Jährigen teilweise schüchtern und auch naiv. Ihr Dialogpartner wechselte am Schluß die Rollen und wollte an ihren Erfahrungen teilhaben.

Kampuschs Medienberater Dusan Uzelac erklärt, dass die Show auf dem neuen Privatsender Plus 4 zunächst auf sechs Sendungen angelegt ist. Auch erhält die Moderatorin keine Gage. Sie sieht ihren neuen Job als Selbsttherapie. Freiwillig begibt sie sich wieder an die Öffentlichkeit, nachdem aufdringliche Journalisten kurz nach ihrer Befreiung ihre Privatssphäre ignoriert hatten. Ihre Rechte klagte sie jedoch notfalls ein, so gegenüber der „Times“, die Auszüge eines unautorisierten Buchs über sie veröffentlicht hatte. Auch die Verfilmung ihrer Geschichte durch den TV-Produzenten Nico Hofmann lehnte sie ab.

„Der Westen“ strebt Marktführung an

Das Onlineportal der WAZ-Mediengruppe „Der Westen“ nähert sich, nachdem nur ein halbes Jahr seit dem Start vergangen ist, allmählich der Marktspitze in Nordrhein-Westfalen. Der WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach zeigt sich optimistisch, dass das erfolgreiche Web-Portal bis zum Jahresende den regionalen Konkurrenten „rp-online.de“, das Online-Angebot der Rhein-Post, überholen wird. Noch liegt das Portal weit zurück. Laut IVW besuchten 4,7 Millionen Internetnutzer „rp-online.de“, wohingegen „Der Westen“ 3,2 Millionen Besucher verbuchen kann.
Für Mitte März ist eine Kooperation mit dem WDR und die Übernahme regionaler WDR-Beiträge geplant. Noch laufen die technischen Vorbereitungen.

„Der Westen“ greift auf die Arbeit der 800 Zeitungsredakteuren der fünf WAZ-Titel zurück. Die etwa 90 Redaktionen, die zuliefern, setzen nun auch verstärkt auf Sportberichte per Video. Die WAZ-Gruppe versucht mittels dem ausgeweiteten intermedialen Online-Angebot auch „zeitungsfern aufgewachsene Kunden“ zu erreichen. Kein neuer Trend, da die Auflagenzahl der Printmedien stetig abnimmt.

Netzeitung

Blogger kritisiert Mediensystem in Italien

Immer wieder fördert die Entwicklung der Blogs die Diskussion über die Vor- und Nachteile eines privatisierten Journalismus. Sollte jeder, auch ohne jegliche Vorkenntnisse, schreiben? Der Italiener Beppe Grillo schöpft die Möglichkeit mittels dem Web 2.0 seine Meinung zu veröffentlichen und Gleichgesinnte zu finden voll aus.
Laut der netzeitung kritisiert er in seinem Blog nicht nur das Parteien- und Mediensystem in Italien, sondern macht auf allerlei Probleme auch auf Europaebene aufmerksam. Sicherlich trägt auch ein gewisser Bekanntheitsgrad zu der Popularität seines Blogs bei, denn der 59-Jährige trat Anfang der 80er Jahre bei dem öffentlichen Sender Rai auf, bevor er durch seine allzu kritischen Äußerungen unbequem wurde. Verlinkungen mit Videos auf Youtube oder Montagen erweitern seine Aussagen und somit auch ihre Reichweite. Der Blog gehört zu den meistbesuchten der Welt. Beppe Grillo hat sich vielen Themen gewidmet, darunter auch die Unternehmen und Wirtschaftspolitik sowie der Bürokratiemaschinerie.

Am Mediensystem in Italien bemängelt er die Regelung des Berufsverbands für Jounalisten, die vorsieht, dass alle, die im Land tätig sein wollen, zuvor eine Prüfung ablegen. Ebenso setzt er sich gegen die öffentliche Finanzierung der Zeitungen ein, da er einen Einfluss der Parteien befürchtet. Ein weiterer Dorn im Auge ist ihm das Gasparri – Gesetz, das nach dem Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen Robert Menard eine Bedrohung für die Unabhängigkeit des öffentlichen Fernsehens und der Medienvielfalt darstellt.

Am Beispiel von Beppe Grillo sieht man gut wie mittels dem Blog eine Gegenöffentlichkeit geschaffen werden kann. Gegner könnten ihm zwar Populismus unterstellen, aber seine Themen und seine Alltagssprache scheinen die Menschen zu erreichen.

Blog von Beppe Grillo
Netzeitung

Bücher für die Ewigkeit

Der Zerfall gedruckter schriftstellerischer Erzeugniss aus den vergangenen Jahrzehnten ist nicht aufzuhalten. Doch viele berühmte Bibliotheken haben nun eine Möglichkeit entdeckt ihre kostbaren Bestände auch folgenden Generationen zu erhalten. Neben Großbritannien und den USA wollen auch Länder wie Norwegen, Finnland, Neuseeland und Singapur ihre nationalen Druckerzeugnisse elektronisch konservieren. Folglich beginnen sich Unternehmen für die Digitalisierung von Büchern, Zeitungen und so weiter zu spezialisieren.

Zu den führenden Firmen zählt das Softwareunternehmen Content Conversion Specialists (CCS) aus Hamburg. Es erhielt von der British Library, einer der größten Bibliotheken der Welt, den Auftrag ausgewählte Raritäten aus den Beständen zu digitalisieren. Innerhalb von zwei Jahren sollen hunderttausend Bücher – 25 Millionen Seiten – in einer Online-Bibliothek übertragen werden. Beim Einscannen muss die Qualität der Bücher erhalten bleiben. Auch erleichtern Sucheinrichtungen den Zugang. Microsoft beteiltigt an diesem Vorhaben, um sein Portal live.com aufzuwerten.

Durch die Digitalisierung alter Originale wird das gesammelte Wissen für jedermann zugänglich. Das Verfahren dient auch als eine Bestandaufnahme der Bibliotheken.

FAZ

Kino aktiv mitgestalten

Interaktivität gewinnt immer mehr an Bedeutung. Rezipienten sollen aktiv bei der Medienproduktion teilhaben. Nun setzt auch die Filmbranche auf erhöhte Partizipation seitens der Zuschauer. Zunehmend bleiben den Kinos die Besucher fern. Auf der Berlinale-Keynotes, eine Randveranstaltung der Berlinale, geht es um Zukunftperspektiven des Kinos. Einen kommenden Trend sieht man im kollaborativen Kino.

Im Zeitalter von Computer und Internet tritt das „Cinema 2.0“ immer stärker in der Vordergrund. So starteten Current TV, eSession oder Mongulus TV vergleichbare Versuche den Rezipient einzubinden. Nun soll auch beim Fim der Zuschauer ein Stimmrecht bezüglich des Endergebnisses erhalten. Die Innovation befindet sich bereits in der Testphase. Zu den Vorreitern zählt zum Beispiel der Film „The Tracey Fragments“ von Bruce McDonald. Auf der Website ist das komplette Filmmaterial vorzufinden, das der Nutzer nach dem Baukastenschema umgestalten kann. Auch Matt Hanson will die Zuschauer zu Mitproduzenten machen – allerdings nicht kostenlos. Beginnend vom Drehbuch können Interessierte ihre Vorschläge äußern zu dem Open-Source-Projekt „A Swarm of Angels“. Die letzendliche Entscheidungsgewalt obliegt jedoch Matt Hanson.

Ich stehe diesem Trend eher skeptisch gegenüber, denn die Rolle als passive Konsumenten werden viele nicht ablegen wollen. Wie bei Musikstücken oder Büchern ist der Wunsch in die Produktion eines Kinofilms einzugreifen eher gering.

Spiegel-Online

Der Konflikt zwischen Berücksichtigung religiöser Gefühle und freier Information ist auch bei Wikipedia angekommen. Die englische Ausgabe der Enzyklopädie berichtet detailliert über den Propheten Mohammed, auch mittels Illustrationen. Unter anderem stößt man auf zwei mittelalterliche Darstellungen des Gesichts des Religionsstifters.

Dies löste einen Streit in Wikipedia aus. Gläubige Muslime verlangen die Löschung der Bilder. Auch außerhalb hagelt es Beschwerden. So startete vor zwei Monaten ein britischer Muslim eine Online-Petition, um Unterschriften für die Umgestaltung des Artikels zu sammeln. Focus Online zufolge kamen etwa 90 000 Gläubige dem Aufruf nach.
Zur Zeit ist der Artikel gesperrt, so dass anonyme Autoren keine Änderungen vornehmen können. Die Betreiber von Wikipedia wollen sich dem Druck nicht beugen.

Auch die deutschsprachige Ausgabe der Enzyklopädie ist von einem ähnlichen Fall betroffen. Im Dezember vergangenen Jahres drohte die Links-Politikerin Katina Schubert mit einer Strafanzeige, da sie zu viele Symbole von Nazi-Organisationen finden konnte.

Das Online-Lexikon will eine Sammlung von Wissen präsentieren. Dieses sollte urteilsfrei dargestellt werden. Es ist schwer eine Grenze zu ziehen, wo freie Meinungsäußerung endet.

Focus