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EIT bereit

Am 15. September 2008 ist es soweit – der Verwaltungsrat des neu gegründeten „Europäischen Innovations- und Technologieinstituts“ (kurz: EIT) trifft sich erstmals am Standort Budapest/Ungarn.
Das Institut nach dem Vorbild des „Massachussetts Institute of Technology“ (MIT) will die EIT als neues Flaggenschiff der wissenschaftlichen Recherche in Europa sich etablieren.
Ziel sind „Innovationen in Bereichen von zentralem wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Interesse herbeiführen und fördern“, dazu zählen Klima, Energie, IT.
In den nächsten fünf Jahren wird die EIT von der EU mit rund 308 Millionen Euro subventioniert.
Deutschland wird im 18-köpfigen EIT-Verwaltungsrat durch Wolfgang Herrmann, Präsident der TU München, und Peter Tropschuh, Leiter der AutoUni des Volkswagen-Konzerns, repräsentiert.

Quellen:

Heise Online

60 Jahre Stern

Die von Henri Nannen gegründete Zeitschrift „stern“ wird 60 – am 01. August 1948 erschien die erste, 16 Seiten umfassende Ausgabe, mit einer jungen Hildegard Knef auf dem Cover.

Seitdem ist viel passiert: Henri Nannen ist tot, Gruner+Jahr kümmert sich um den Vertrieb und sie erscheint in Deutschland wöchentlich donnerstags. Neben „Spiegel“ ist „stern“ wohl das bekannteste Wochenmagazin Deutschlands.

Die „taz“ schrieb über den runden Geburtstag:“Nicht schlecht, nur schlecht gemacht“. Der taz-Artikel ist ziemlich einseitig geschrieben, aber nebenbei zeichnet er ein sehr genaues Bild all der Skandale und Berichte in all den Jahren „stern“ – inklusive Hitler-Tagebücher. Ich jedenfalls hab mich echt amüsiert über den Artikel – und auch von mir: Alles Gute im digitalen Zeitalter…

Weitere Quelle:

wikipedia.de

McCain glänzt als Musikpirat

John McCain sorgt für einen Eklat, auch wenn der Eklat wohl für keinen Sturm der Entrüstung sorgen wird – es ist eher ein lustiges Missgeschick, dass seinen Wahlkampfhelfern unterlief:

McCain, der bekanntlich nicht gereade zufrieden ist mit der medialen Aufmerksamkeit, die sein demokratischer Gegner Barack Obama zur Zeit genießt, wollte per Youtube die Vorliebe der US-amerikanischen Reporter für Obama parodieren und karikieren, doch letztendlich ging das ganze Vorhaben in die Hose, da das im Video benutzte Stück vom Urheber nicht lizensiert wurde und somit illegal verbreitet und vervielfältigt wurde. Die Warner Music Group, die die Lizenz für das im Video benutzte Stück „Can’t Take My Eyes Off You“ von Frankie Valli besitzt, sorgte für eine Unterlassung des Streamens des Videos in Verbindung mit diesem Stück. Weitere Schritte sind wohl nicht zu befürchten, da die Republikaner doch ein mächtiger Gegner in jenem Falle wären. Es ist trotzdem eine lustige Vorstellung, dass der womöglich nächste Präsident der USA ein Musikpirat ist.

Das Video kann auf Youtube immer noch angesehen werden, nun mit einer Saxophonbegleitung unbekannter Herkunft.

Dark Knight stürzt den Paten – Ledger sei Dank

Es ist schon ein Phänomen: ein gut aussehender, Oscar-nominierter, (halbwegs) erfolgreicher Schauspieler stirbt an einer Tabletten-Überdosis, und wird prompt zur Kultfigur erklärt – James Dean 2.0 sozusagen. Es ist mir schon bewusst, dass James Dean das Opfer eines Autounfalls wurde, aber die Art und Weise, wie die Menschen mit dem Tod und dem Werk Heath Ledgers umgehen, weist schon gewisse Parallelen auf, die ich hier nicht weiter ausführen will.

Aber phänomenal ist es allemal, vor allem, wenn man bedenkt, dass das letzte posthume Werk Heath Ledgers „The Dark Knight“ (als Erzfeind „Joker“ im neuen Batman-Film) nicht nur Kassenrekorde in den USA bricht, sondern auch von Kritikern gefeiert wird, als gelte es, ein jahrelang verkanntes Genie zu spätem Ruhm zu verhelfen. Und nun das: „Dark Knight“ erobert die Spitze der User-bestimmten „Imdb“-Liste der 250 besten Filme aller Zeiten [Stand: 31.07.08]. Über 170 Tausend Benutzer verhalfen dem Film (und letztendlich Heath Ledger) zu einem Rating-Durchschnitt von 9.2 von 10. Damit stößt er den Film „Der Pate“ vom Thron, der jahrelang an der Spitze residierte. Diese Platzierung ist insofern interessant, weil sie nicht von EINEM Kritiker bestimmt wurde, sondern von Filmfans. In den Top Ten lungern aus diesem Grunde auch eher Kultfilme wie z.B. „The Shawshank Redemption“ (deutscher Titel: Die Verurteilten), der in seinem Erscheinungsjahr ein finanzielles Desaster war, aber über Jahre hinweg ein Kultgemeinde um sich scharrte, oder auch Sergio Leones Italo-Western „Il Buono, Il Brutto, Il Cattivo“ (deutscher Titel: Zwei glorreiche Halunken).

Ich will nicht an der Qualität des Filmes zweifeln, vielleicht verdient er diesen ersten Platz, aber die Aufmerksamkeit stammt definitiv vom Tode Ledgers. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis es die ersten T-Shirts mit dem Leger-Konterfei auf dem US-Markt geben wird. Ob diese Ledger-Mania auch auf den EU-markt schwappen wird – mal sehen. Geplanter Filmstart des „Dark Knight“ in Deutschland ist der 21. August 2008.

„Mein Kampf“ für alle

Wie die Süddeutsche gestern berichtete, plant das Münchner Institut für Zeitgeschichte (kurz: IfZ), Hitlers „Mein Kampf“ kommentierte, historisch-kritische Ausgabe des Pampleths auf den Markt zu bringen. Das Anliegen ist vor allem bald sehr von Bedeutung, weil im Jahre 2015, also 70 Jahre nach Hitlers Ableben, auch das Urheberrecht, das in den Händen der bayerischen Staatsregierung liegt, erlischt. Um einen Missbrauch seitens der Neonazis vorzubeugen, plant die IfZ, ihre Edition noch vor dem Stichtag 2015 zu veröffentlichen, doch gibt es hier weiterhin das Problem seitens des Auswärtigen Amtes sowie der bayerischen Regierung, die einen vorzeitigen Druck aufgrund des Respekts vor der jüdischen Gemeinde sowie den Opfern des Holocausts ausschließt.

Ich finde das Anliegen der IfZ sehr gut, vor allem, wenn man bedenkt, dass ab 2015 jeder das Buch drucken darf: die Gefahr des Missbrauchs ist somit klar vorhanden. Natürlich kriegt man weiterhin „Mein Kampf“ auf dem Schwarzmarkt oder im Ausland, auch das Internet bietet sich da an. Doch eine historisch-kritische Ausgabe ist längst fällig.
Und doch frage ich mich: würde ich es lesen? Und würdet ihr es lesen? Statements erwünscht…

Islam-Film, die Zweite

Hier nun die Fortsetzung zum Eintrag vom 16.03.08:

Wie Spiegel Online berichtet, will der US-Provider Network Solutions den Film, der im Auftrag des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders entstanden ist, nicht mehr online anbieten. Somit bleibt der Film der Öffentlichkeit immer noch verwehrt, Network Solutions begründet die Film-Vorführ-Verweigerung mit der Verletzung der eigenen Leitlinien.
Wilders plant aber weiterhin, den Film online publik zu machen, jedoch wisse er noch nicht, wie. Und zur Not will er den Film als DVD persönlich in Amsterdam verteilen.
Da fühlt sich wohl jemand als der Auserwählte im Kampf gegen den Islam – oder wie viele auch gerne fälschlich sagen: den Terrorismus. Ob sein Film die große Wende im Streit Okzident gegen Orient bedeutet oder letztendlich nur dazu da ist, mehr Öl ins Feuer zu streuen, sei mal dahingestellt. Aber anstatt einen Film zu produzieren, der Völker vereint, Religionen ihre Gemeinsamkeiten statt Unterschied klarmacht und eine Botschaft verfolgt, die Friden schaffen soll, will Wilders nur provozieren, und das zum Wohle von?! Was für ein Auftrag ist das, unbedingt einen Anti-Islam-Film zu verfolgen? Natürlich braucht der Islam eine Art Luthersche Wende, doch durch Provokation schafft man keine Brücken, sondern nur Mauern.

Trueman Show

Durch einen Freund bin ich auf dieses Projekt gestoßen, das nun seit über einem halben Jahr läuft: trueman.tv
Ein 24-jähriger Mann namens Marcel trägt hier 24 Stunden am Tag, bei allen Lebenslagen eine Webcam mit sich herum. Marcel, der am liebsten Saure Eier von Oma isst, tut dies aus einem sehr menschlichen Grund: Geld. Dies ist wahrscheinlich auch der einzige Grund, warum Menschen so etwas mit sich machen lassen, denn der Ruhm währt bekanntlich nicht lange (Warhols Zitat passt einmal mehr wie die Faust aufs Auge). Aber es ist nicht nur Eigennützigkeit, mit der Marcel agiert: In einer Erklärung offentbart er, dass der Urgrund ein Traum sei, „den ich mit 5 Freunden von mir seit vielen vielen Jahren teile“: „gemeinsam einen Bauernhof aufzubauen auf den wir anders leben können, als die moderne Welt es uns diktiert und zusammen alt werden können.“ Es liegt schon eine gewisse Ironie in der Sache, dass zur Flucht aus der modernen Welt solch eine moderne Geld-Verdien-Variante gewählt wurde.
Auch wenn sich mir beim Gedanken an ein solches Experiment die Nackenhaare sträuben, sagt Marcel in seinem Halbjahresbericht vom 19.03.08: „Für mich ist dieses Projekt eine radikale Veränderung in meinem Leben und das im positiven Sinne.“ Ob das Projekt die Ein-Jahres-Grenze erreicht, sei dahingestellt, doch sein Ziel, nämlich das Geld, scheint er erreicht zu haben. Man kann ihm nur wünschen, dass all seine Anstrengungen und Opfer (anscheinend hat er sich sogar von seinen damaligen Freundin getrennt) es wert waren. Sympathisch ist er auf eine gewisse Art, doch ich bin froh, nicht zu seinem Freundeskreis zu zählen.

Zensur des Zeitgeistes: Google veröffentlicht Online-Ranking

Wie heise online berichtet, wurde vor kurzem das Google Zeitgeist-Ranking 2007 vorgelegt, indem statistisch dargestellt werden soll, welche Begriffe deutschlandweit die Beliebtesten bzw. die Meistgesuchtesten sind. Hier die Top Ten:

1. Routenplaner (z.B. googlemaps oder map24)
2. Telefonbuch
3. Wetter
4. Wikipedia
5. Leo (Online-Wörterbuch)
6. Bild
7. StudiVZ
8. ICQ
9. IKEA
10. Das Örtliche

Ich finde es schon ein bisschen bizarr, dass Menschen bei Google Wikipedia eingeben…wozu gibt es denn die Suchleiste!?!

auf chip.de findet man eine schöne Fotostrecke zum Zeitgeist-Ranking.

Bei Betrachtung der Top Ten fällt auf, dass der sogenannte Zeigeist der deutschen Internetkultur bezüglich der meistgesuchten Begriffe unter einer erheblichen Zensur steht. Wörter wie Sex und YouPorn werden überhaupt nicht erwähnt, obwohl ich mir sicher bin (und dafür brauche ich keine statistische Überprüfung), dass die braven Deutschen (und nicht nur die) das weltweite Web nicht nur zum Routenplanen oder Telefonnummern suchen benutzen, sondern auch (nicht nur) um pornographische, erotische, perverse Bilder und Fotos zu sehen, die im Müllkorb der Welt beinahe unbegrenzt angeboten werden.
Es ist schon eine gewisse Ironie dabei, wenn Google vom Zeitgeist redet und im selben Moment eine Zensur vornimmt…

Das Zeitgeist-Ranking zeigt noch ein paar andere interessante Internet-„Tatsachen“ auf bezüglich der Suchbegriffswahl der Deutschen: Der meistgesuchte Mensch im Web ist Bushido, die meistgesuchte Diät „Brigitte Diät“, die meistgesuchte TV-Sendung DSDS (ich glaube, eine genaue Erklärung dieser Buchstabenreihe ist nicht nötig)…die Liste könnte noch fortgeführt werden: über Automarken bis zu Tickets wurden die Begriffe auf Google’sche Weise statistisch aufgeführt.

Als Abschluss bleibt noch eine Frage: Was sagen all diese Daten über den „wahren“ (ein vager Begriff, ich weiß) Zeitgeist der Deutschen bzw. der deutschen Internetkultur aus?!

Meinungen (oder Antworten) sind erwünscht…