Alle Beiträge von Tristan Tarpani

Über Tristan Tarpani

Seit 2009 Student der Medien- und Politikwissenschaften in Trier.

Steffen Seibert verlässt das ZDF

Steffen Seibert. Quelle: bundesregierung.de
Offenbar steht die Pressestelle des Bundeskanzler(innen)amtes in regem Austausch mit den öffentlich-rechtlichen Sendern. Nicht nur was Nachrichten angeht, sondern auch bezogen auf das Personal. Kürzlich verließ Ulrich Wilhelm sein Amt als Regierungssprecher und führt nun die Intendanz des Bayrischen Rundfunks. Jetzt hat er einen würdigen Nachfolger gefunden: Fortan wird die PR-Abteilung der Kanzlerin von keinem geringeren als dem ZDF-Nachrichtensprecher Steffen Seibert angeführt.
 
Seibert hat bereits seit 1989 für das ZDF gearbeitet, für seine Moderation der ZDF-Sondersendung zum Anschlag auf das World Trade Center erhielt er die Goldene Kamera. Seit 2007 war er der Anchorman des Nachrichtenmagazins „heute“. Er hat seine gesamte berufliche Laufbahn bei dem Sender verbracht, doch jetzt fühlt er sich offenbar zu größeren Aufgaben berufen.
 
Damit kehrt einer der wohl kompetentesten Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks dem Journalismus den Rücken. Seibert war dafür bekannt, die Inhalte seiner Sendung auf einfache Weise zu vermitteln und auch komplizierte Zusammenhänge der Bevölkerung anschaulich darzustellen.
 
Eine Fähigkeit, die ihn in seinem neuen Job sicher nützlich sein kann.

Neue Daten zur Internetnutzung 2010

Quelle: www.initiatived21.de

Das das Internet die Gesellschaft verändert steht wohl außer Frage. Sogar die Bundesregierung hat mittlerweile den bemerkenswerten Einfluss von Facebook, E-Commerce und Youtube festgestellt und eine eigene Enquete-Kommission gegründet, die erforschen soll, was das Internet mit den Menschen macht.

Andere haben die Brisanz dieser Frage jedoch schon im letzten Jahrtausend erkannt. 1999 gründete der damalige CEO von IBM Deutschland, Erwin Staudt, mit Unterstützung des Bundeskanzlers Gerhard Schröder die Initiative D21. Heute gehören dem eingetragenen Verein mehr als 200 Firmen aus allen Bereichen rund ums Internet an, von Computerherstellern bis zu Webdesignern. Sie alle sind interessiert an der Frage, ob wir mittlerweile in der digitalen Gesellschaft angekommen sind.

Dazu wurde in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal der (N)ONLINER-Atlas veröffentlicht – die „Topographie des digitalen Grabens durch Deutschland“. 30.705 Haushalte wurden bezüglich ihres Internetverhaltens befragt – damit stellt der (N)ONLINER-Atlas eine der wichtigsten gesamtgesellschaftlich repräsentativen Publikationen zur Internetnutzung in Deutschland dar.

Betrachtet man die Ergebnisse, kann man nicht unbedingt sagen, dass wir bereits in der digitalen Gesellschaft leben. Allerdings sind wir auf dem Besten Weg dorthin. Zur Zeit sind 72% der deutschen Online – drei Prozent mehr als im letzten Jahr, und bemerkenswerte 35% mehr als 2001, im ersten Jahr der Studie.

Immer mehr Menschen nutzen das Internet, auch die Senioren sind dabei das Medium für sich zu entdecken. Dieses Jahr verzeichnet vor allem die Gruppe der über 50jährigen die größten Zuwächse. Dennoch existieren nach wie vor große Unterschiede in den Altersgruppen: Während im Bereich 14-19 quasi jeder online ist (97%) sind es bei den 60-69jährigen nur jeder Zweite.

Wer sich für das Thema interessiert kann sich den 72-Seitigen Forschungsbericht hier kostenlos herunterladen. Alternativ dazu kann man sich natürlich auch auf die zentralen Ergebnisse beschränken.

Burda bringt weiteres Magazin auf den Markt

Wo alle von Medienumbruch reden, setzt Burda weiterhin beharrlich auf Print – und wagt ein weiteres Experiment im Zeitschriftenmarkt. Erst kürzlich begann der Verlag eine wahre Publikationsoffensive, als er die Zeitschriften „Freundin Donna“ und „Alley Cat“ an den Kiosk brachte. Nun erscheint bereit das nächste Magazin mit dem Namen „eazy“ in einer Auflage von 20.000 Exemplaren. Ab 9. Juni kann man es im Zeitschriftenhandel für 8€ kaufen.

Zielgruppe der Publikation sind junge Menschen mit Sinn für Trends und der gewissen Do-It-Yourself-Mentalität, denn das Magazin enthält neben den Themenbereichen Mode und Lifestyle auch Schnittmuster für angehende Nähgarnkünstler_innen.

Die Veröffentlichung ist sicherlich nicht nur rein wirtschaftlich motiviert, sondern trägt auch zur Imagepflege der Marke Burda bei. Denn die zahlreichen Publikationen demonstrieren das Vertrauen des Verlages in den Zeitschriftenmarkt, und das trotz der angehenden Finanzkrise. Das zeugt von großem Mut und dem Glauben an sich selbst – ein Signal vor allem natürlich für potentielle Anzeigenkunden.

Vorsichtig ist Burda aber trotzdem. Das Magazin wurde ausschließlich von Volontären des Verlages entworfen, wodurch die Entwicklungs- und Redaktionskosten niedrig bleiben. Außerdem soll mit dem Verkauf der Markt erforscht werden, denn weitere Ausgaben sind erst dann geplant, wenn sich das Magazin bewährt hat. Wie bei den anderen beiden Magazinen auch wird sich die Zukunft der Publikation im Herbst entscheiden.

(via W&V)

Das Netz will Gauck

Joachim Gauck, der Kandidat für den zur Zeit offenen Posten des Bundespräsidenten, erhält überraschende Unterstützung aus dem Netz. Überraschend deshalb, weil die Netzgemeinde bisher vor allem für eher destruktive Aktionen bekannt geworden ist, die sich gegen etwas oder zumindest für die Abschaffung von etwas ausgesprochen hat.

Angefangen hat alles wohl mit der Facebook-Gruppe „Joachim Gauck als Bundespräsident“, die zur Zeit über 14.000 Mitglieder aufweisen kann. Bezeichnenderweise wurde die Gruppe von einem bekennenden Liberalen gegründet (Gauck wurde von SPD und Grünen vorgeschlagen). Auf der Seite selbst findet man einen Link zu einer Online-Petition an den deutschen Bundestag mit 4500 digitalen Unterschriften, welche einen Appell zur Stimme für Gauck beinhaltet.

Auch diverse Twitter-Aktionen, Blog-Beiträge, Interviews auf rennomierten Nachrichtenseiten und weitere Petitionen liefern die gleiche Message: Die Netzgemeinde steht hinter Gauck.

Und dann wird alles zum Selbstläufer, die viralen Effekte der Aktion, die wir schon so oft beobachten konnten, treten in Erscheinung, und der Artikel auf Spiegel Online ist die erste Bekundung des Interesses der großen Medienhäuser an der Geschichte.

Nachdem die Aktion nun schon für einigen Wirbel gesorgt hat, ist vor allem eines auffällig daran: Die „Kampagne'“ ist nicht etwa das Ergebnis einer PR-Agentur oder gar gezielte Imageförderung, sondern eher ein emergentes Phänomen, dessen Zustandekommen in dieser Weise niemand hätte voraussagen können.

Das Internet bietet mit seiner Möglichkeit zur aktiven politischen Partizipation also die Chance, die Demokratie zu gestalten, und zur Zeit funktioniert das meistens indem eine kleine Idee im Netz aufblüht, durch die klassischen Medien aufgegriffen wird und letztendlich Teil des gesellschaftlichen Diskurses wird.

Und es wird sicherlich noch eine Weile dauern, bis die Politik die Gesetze dieses Systems erkannt hat und gezielt für sich zu nutzen weiß. Hoffentlich – denn ansonsten wäre der nebulösen Sphäre der Internetwelt ein großer Teil ihrer nahezu mystischen Aura genommen.

Kampf gegen ARD und ZDF geht weiter

Helmut Heinen (Quelle: bdzv.de)

Helmut Heinen hat sich kritisch über die EU-Maßnahmen bezüglich des öffentlich-rechtlichen Internetangebotes geäußert. Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) sagte in einer Rede, der bisherige Verlauf des von der EU-Politik initiierten Dreistufentests sei enttäuschend. Im Bezug auf die Krise der deutschen Verlagswirtschaft machte er die Notwendigkeit von passenden Rahmenbedingungen zur weiteren Entwicklung der Medienhäuser deutlich. Es könne nicht Sinn des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sein, dass ein Teil der acht Milliarden Euro an Rundfunkgebühren dazu eingesetzt werde, den Zeitungsverlagen den Weg in die digitale Medienzukunft zu verbauen.

Damit führt er die seit langem anhaltende Kritik der deutschen Verleger an der Inhaltsexpansion der öffentlich-rechtlichen Anstalten fort. Bereits 2007 kam es zu erheblichen Protesten, als die Sender eine Erweiterung ihrer redaktionellen Inhalte im Internet bekanntgaben. Die privatwirtschaftlichen Unternehmen sahen sich gegenüber den Online-Präsenzen von ARD und ZDF im Nachteil, da diese aufgrund ihrer Gebührenfinanzierung den Wettbewerb im Internet verzerren würden. Fatal für die klassischen Medien, sehen diese doch im Onlinejournalismus eine Möglichkeit zur Sanierung der angeschlagenen Branche.

Die Europäische Kommision veranlasste daraufhin eine Prüfung des Angebots mittels des Dreistufentests, mit dem überprüft werden soll, ob die Anstalten sich noch im Rahmen ihres gesetzlichen Versorgungsauftrages bewegen. Darüber hinausgehende Inhalte sollten entfernt werden. Doch offenbar waren die Ergebnisse für den Lobby-Verband nicht zufriedenstellend. In einem Gespräch mit dem Handelsblatt am 10. Mai kündigte Heinen an, alle politischen und juristischen Mittel auszuschöpfen, um gegen die Online-Pläne von ARD und ZDF vorzugehen.

Heinen ist seit 2000 Präsident des BDZM. Dieses Jahr wurde er in seinem Amt bestätigt. Die von ihm herausgegebene Kölnische/Bonner Rundschau war Ende 2009 von „massiven Umsatzeinbußen im Anzeigengeschäft“ betroffen, wie der Verlagsleiter des Heinen-Verlags, Wolfgang Birkholz, gegenüber dem WDR bekannt gab.

Merkels Pressesprecher wird BR-Intendant

Der neue Intendant des BR, Ulrich Wilhelm (Quelle: REGIERUNGonline)

Es ist noch garnicht nicht lange her, dass die Einflussnahme der Politik auf das Mediensystem unter dem Schlagwort „Causa Brender“ in der Öffentlichkeit diskutiert wurde. Laut diversen Medienberichten habe die CDU-nahe Mehrheit des Rundfunkrates den Vertrag des damaligen Chefredakteurs Nikolaus Brender aus politischen Gründen nicht verlängert. Es folgte eine kontroverse Debatte, angeführt von SPD-Ministerpräsident Kurt Beck und dem Herausgeber der FAZ, Frank Schirrmacher. Dieser sprach von einer „Entmündigung der Öffentlichkeit„. Nach der Wahl des neuen BR-Intendanten bleibt es bisher vergleichsweise ruhig im Mediencircus. Und das, obwohl die dortige Personalbesetzung nicht minder kontrovers anmutet als die Abwahl von Brender.

Denn man kann die politische Neutralität des neuen Amtsinhabers Ulrich Wilhelm durchaus in Frage stellen. Da genügt ein Blick auf seine Biographie: Erst Pressesprecher von Edmund Stoiber. Dann Pressesprecher der Bundesregierung. Jetzt also verantwortlich für die Inhalte eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders, der per Gesetz zu politischer Neutralität verpflichtet ist. Kann jemand, dessen Job es jahrelang war, das Image mehrerer Politiker und damit einer Partei zu pflegen, diesem Anspruch überhaupt gerecht werden?

Sein Konkurrent in der Wahl hatte es schwer. Rudolf Erhard, 58, ist schon seit Jahren beim Bayrischen Rundfunk. 2005 bekam er den bayrischen Verdienstorden „als Zeichen ehrender und dankbarer Anerkennung für hervorragende Verdienste um den Freistaat Bayern und das bayerische Volk„. Er kennt den Sender und die Bedingungen der Angestellten dort, doch erhielt er lediglich 4 von 47 Stimmen und war damit quasi chancenlos. Nach ideologischen Gesichtspunkten wäre er wohl der bessere Kandidat für diesen Posten gewesen, denn er ist vor Allem dem Sender und somit dem öffentlich-rechtlichen Ideal verschrieben. Dem Rundfunkrat reichte das offenbar nicht. Zusammengesetzt aus Vertretern aller gesellschaftlichen Schichten dominieren dort eindeutig die Vertreter der CSU, wie das folgende Schaubild zeigt.

Zusammensetzung des BR-Rundfunkrates (Quelle: Eigene Darstellung)

Auch das letzte Opfer der politisch-motivierten Personalbesetzung, Nikolaus Brender, sieht die Sache kritisch. Im Gespräch mit der SZ sagte er, es sei „verwunderlich, dass sich die Empörung nur so gezügelt zeigt“. Und weiter: „Vom Regierungssessel auf den Intendantensessel ohne irgendein Zwischending, ohne ein Zeit der Erholung, der Keuschheit, das ist für mich schon hoch erstaunlich“.

Die Frage, die hinter all dem steckt: Ist die politische Neutralität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks überhaupt irgendwie zu gewährleisten? Kurt Beck schlug damals vor, die zur Wahl notwendigen Stimmen auf eine drei-fünftel-Mehrheit zu ändern, um den Parteienproporz in den Rundfunkräten abzuschwächen und die dort dominierenden Parteien ein Wenig zu entmachten. Klingt nach einer guten Alternative, die für den Anfang schonmal für mehr Neutralität sorgen könnte.

Wichtig ist zumindest, dass das Thema nicht in Vergessenheit gerät und weiterhin Bestandteil der öffentlichen Diskussion bleibt, sonst könnte im Bestfall das Bild der öffentlich-rechtlichen Sender in der Bevölkerung ernsthaften Schaden nehmen, im Schlimmstfall könnte die politische Berichterstattung italienische Züge annehmen, ohne dass es überhaupt jemand bemerkt.

Immerhin dürfte Wilhelm aufgrund seines Jura-Studiums ja wissen, an welche Gesetze er sich zu halten hat. Im Interview nach der Wahl gab er bekannt: „Ich habe deutlich gemacht, dass die Aufgaben ganz klar unterschiedlich sind – als Regierungssprecher habe ich die Aufgabe für die Regierung zu sprechen in der Öffentlichkeit, als Intendant aber die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu schützen und nach außen zu verkörpern. Ich glaube, dass das ohne weiteres gut gelingen wird.“ Ob das wirklich so „ohne weiteres“ gelingt, bleibt angesichts seiner Professionalisierung zum einseitigen Darstellen von Informationen nach reinem Nutzen-Kalkül wohl fraglich.

Neue Dimensionen für interaktives Fernsehen?

Kennt noch jemand „Hugo, die Show“? Das besondere an der in den 90ern ausgestrahlten Sendung war ihre bis heute unerreichte Interaktivität – mit dem Telefon konnte jeweils einer der Zuschauer der trollhaften Spielfigur Hugo befehle erteilen und so Fallen ausweichen, über Hindernisse springen oder beim Hütchenspiel auf Gewinnjagd gehen. Abgesehen davon hat das Fernsehen überraschend wenig interaktive Inhalte zu bieten – neben der heute stark genutzten Goldgrube der Call-In-Quizshows waren es vor allem die sogenannten TeleDialog-Umfragen (TED), bei denen die Zuschauer aktiv das Programm beeinflussen und so z.B. bei „Wetten, dass..?“ den Gewinner der Sendung küren konnten. Wirkliche Interaktivität, die quasi die Möglichkeit des Vertauschens der Sender- und Empfängerrollen beinhaltet, gab es im Fernsehen bis dato noch nicht wirklich. Doch das könnte sich bald ändern.

In Amerika reift derzeit eine neue Idee heran, die die Möglichkeiten der Interaktion in bisher unermessliche Bereiche vorantreiben will. Verantwortlich dafür zeigt sich Will Wright (siehe Foto), der einigen vielleicht als der Macher der Computerspiele „Sim City“ oder „Die Sims“ bekannt sein dürfte. Letzteres erhebt bis heute den Anspruch auf das weltweit meistverkaufteste Computerspiel aller Zeiten. Alle Spiele, für die sich Wright verantwortlich zeigt und zu denen auch die relativ erfolgreiche Evolutions-Simulation „Spore“ gehört, zeichnen sich vor allem durch eine Eigenschaft aus: Der Spieler bekommt nie dagewesene Möglichkeiten, Dinge zu erschaffen und zu beeinflussen, seien es Menschen und Familien, ganze Städte oder eben kreative Alien-Figuren. Nun will Wright sein erfolgreiches Konzept auf das Fernsehen übertragen, und das Projekt trägt nicht unzutreffend den Namen „The Creation Project“.

In der für Al Gore’s Medienunternehmen „Current TV“ produzierten Show wird der Zuschauer zum Programmdirektor. Geplant ist, dass die Handlung komplett durch die Partizipation der Rezipienten erzeugt wird. Natürlich stößt das Medium TV hierbei schon aus technischen Gründen schnell an seine Grenzen, weswegen der eigentliche interaktive Part ins Internet verlagert wird. Dort können die Teilnehmer nach typischer Social-Media-Marnier Ideen für den Fortgang der Handlung enwickeln, diskutieren und vor Allem bewerten. Die Idee mit den meisten Stimmen wird dann von den Machern der Show umgesetzt. Unbegrenzte Möglichkeiten – so scheint es.

Das dahinterstehende Konzept ist jedenfalls nur dem ersten Anschein nach neu. Der Zuschauer bestimmt, was er in Zukunft konsumieren soll – es ist nicht besonders schwer, Parallelen zu Castingshows zu ziehen. „Amerika sucht den Super-Autor“, und falls das Modell erfolg hat, wird es wieder weltweit exportiert. Was das für die Qualität der Inhalte bedeutet ist beim aktuellen Informationsstand schwer zu sagen. Das zuständige Team sollte sich jedenfalls im klaren darüber sein, dass quasi per Schwarmintelligenz erzeugten Produkten immer ein bisschen der Hauch des Chaos anhaftet. Eine kontrollierende Instanz ist also notwendig, was den Faktor der Interaktivität wieder ein wenig relativiert.

Ein weiterer wichtiger Punkt diesbezüglich ist der Anklang, den das Projekt finden wird. Denn zunächst ist das Fernsehen ja ein Medium, dass vor Allem dafür beliebt ist, dass der Rezipient sich vollkommen passiv berieseln und eskapistisch unterhalten lassen kann. Nun soll er selbst zum Autor werden. Der motivierende Faktor hierbei dürfte vor Allem die Reputation sein, denn wer wäre nicht stolz drauf, seinen Freunden seine quasi eigene Episode einer TV-Serie vorführen zu können.

„Hugo, die Show“ wurde nach 7 Jahren wegen Quotenmangel wieder eingestellt. Vielleicht schafft Wright es ja, ein Stückchen mehr Interaktivität ins Fernsehen zu bringen.

(via mashable)

Der elektrische Reporter wird Realität

Journalismus ist ja bekanntlich ein hartes und stark umkämpftes Geschäft. Für viele ist es ein Traum, nurnoch seinen Interessen nachgehen zu können und darüber schreibend auch noch Geld zu verdienen. Doch dass die Medienlandschaft in der Krise steckt, ist kein großes Geheimnis. Sinkende Absatzzahlen, abspringende Sponsoren, Globalisierungskampf im Internet – all das macht der Branche zur Zeit zu schaffen. Da nimmt man natürlich jeden Strohhalm dankend an, an den man sich klammern kann. Die neuste Idee ist so grotesk wie faszinierend: Am meisten Geld lässt sich im Journalismus einsparen, wenn man einfach auf die Journalisten verzichtet. Klingt unmöglich? Ist es aber vielleicht nicht mehr lange.

StatSheet ist ein Internetdienst, der sich auf die Bereitstellung von Statistiken aller Art zu sportlichen Ereignissen spezialisiert hat. Bisher noch fokussiert auf den Bereich Basketball bekommt man  dort alle Zahlen, die im Sport eine Rolle spielen: Spielstände, Erfolge und Niederlagen, Spieleinsätze und aktuelle Tendenzen gehören zum Repertoire und sollen das Leben von Sportjournalisten erleichtern. Diese Zielsetzung wurde jedoch jäh in ihr Gegenteil verkehrt, als die Macher der Seite erklärten, sie hätten einen Algorhitmus entwickelt, der aus den vorhandenen Daten selbstständig und automatisiert die komplette Sportberichterstattung generiert.

Journalistische Leistungen von Computerprogrammen erzeugt? Da stellt sich natürlich direkt die Frage nach der Qualität. Eine Kostprobe davon kann man bei der FAZ nachlesen, die laut eigenen Angaben eine Testversion des Journalistenroboters (siehe Foto) erhalten hat und ihm die Berichterstattung über den 28. Bundesligaspieltag überließ. Der Artikel ist generell sehr überzeugend, dafür an manchen stellen unfreiwillig komisch, wenn z.B. den letzten die Pferde beißen, die Katze im Dorf gelassen wird oder der frühe Fisch den Wurm fängt. StatSheet entwickelt das Programm jedoch weiterhin, mit dem Ziel, dass mindestens 90% der Rezipienten nicht mehr den Unterschied zu konventionellen Sportartikeln erkennen können.

Sollte sich die Idee bewähren wäre das toll für die Journalismusindustrie, allerdings schlecht für die Journalisten, denen dann die Arbeit abgenommen wird. Laut StatSheet ist dies jedoch kein Problem, da sehr spezielle Artikel beispielsweise über bestimmte Persönlichkeiten oder andere Hintergrundberichte nicht von dem Automatismus erzeugt werden können. Das System solle nicht den konventionellen Journalismus ersetzen sondern nur den Menschen ihre Arbeit erleichtern.

Das ist wahrscheinlich in etwa das gleiche, was man früher auch über die Dampfmaschine gesagt hat. Was daraus geworden ist, wissen wir ja.

(via ReadWriteWeb)

Apple bekommt Konkurrenz

Das WePad mit der Stern-Applikation. Quelle: WePad Pressemappe

Im Zuge des Diskurses zum Thema Paid Content lässt sich eine interessante Entwicklung beobachten. Viele Verlage haben iPhone-Applikationen bereits als neues Geschäftsmodell entdeckt und stellen ihre Inhalte in Verbindung mit mehr oder weniger hohen Gebühren somit auch für mobile Endgeräte zur Verfügung. Doch so verlockend die neue Einkommensquelle auch ist, sie bringt auch einen schwerwiegenden Haken mit sich.

Denn alles, was auf dem iPhone veröffentlich wird, muss erst von Apple abgesegnet werden. Damit kommt dem Unternehmen eine beängstigend starke Position in der Kontrolle der Medieninhalte zu. Erst kürzlich hat sich gezeigt, wohin das führen kann, als die Applikation des Nachrichtenportals stern.de kommentarlos aus dem Angebot entfernt worden ist. Der Grund dafür war ein Verstoß der Inhalte gegen die Richtlinien von Apple, da eine Bildergalerie offenbar zu viel nackte Haut zeigte. Auch die Bildzeitung muss ihre gerne mal freizügigen visuellen Inhalte für die Publikation auf dem Mobiltelefon regelmäßig anpassen, da ihr sonst ein ähnliches Schicksal droht.

Das Problem an der Sache ist die Unberechenbarkeit, mit der Apple hier vorgeht. Die Begründung der unpassenden Frivolität lässt sich mit ein bisschen Phantasie auf sehr viele Inhalte anwenden, sei es nur die Berichterstattung über neue Trends im Modedesign (die ja auch gerne mal entscheidende Körperteile unverhüllt lassen). Damit hat Apple quasi ein mächtiges Regulationswerkzeug an der Hand, welches wie ein Damoklesschwert über der neuen digitalen Zukunft pendelt. So ist es leicht zu verstehen, dass die Verlage lieber etwas mehr Sicherheit und weniger Beeinflussung durch fremde Unternehmen genießen würden. Und die Lösung für diese Probleme kommt überraschenderweise aus Deutschland.

Während alle Welt über die Vor- und Nachteile des neusten Produktes aus dem Hause Apple diskutiert und das iPad mal wieder als Zukunft des Internets gehandelt wird, hat sich der Entwickler der ersten deutschen Internetsuchmaschine Fireball Gedanken darüber gemacht, wie man den Verlagen die verlangte Sicherheit bieten könnte. Für Helmut Hoffer von Ankershoffen war klar: Die gleiche Problematik, die auf das iPhone zutrifft, wird das iPad selbstverständlich ebenfalls betreffen – werden die Inhalte hier doch ebenfalls über den AppStore verbreitet. Die naheliegende Lösung: Ein Konkurrenzprodukt muss her.

Das WePad könnte dem iPad durchaus einige Benutzer klauen. Die Verlage jedenfalls liebäugeln bereits mit der unkontrollierten Freiheit, die ihnen dort eingeräumt wird. Es erscheint naheliegend, dass Gruner + Jahr der erste Verlag ist, der seine Stern-Applikation für das neue Gerät zur Verfügung stellen will, die Umsetzung weiterer Publikationen für die Plattform dürfte nicht lange auf sich warten lassen.

Wenn auch noch andere Verlage diesem Vorbild folgen, könnte es dünn werden für Apple. Denn was nützt das schönste Gerät, wenn dafür die Inhalte fehlen?

Die Emanzipation der Nerds

Starcraft im koreanischen TV (Quelle: Wikipedia)

Die Vorliebe für Computerspiele wird von vielen ja immernoch geheim gehalten. Aus Angst, von der Gesellschaft stigmatisiert zu werden, fühlt sich das Geständnis der geheimen Leidenschaft so an, als hätte man gerade öffentlich die Backstreet-Boys als seine Lieblingsband proklamiert. Wobei auch festgestellt werden muss, dass die Sachlage heute ein wenig anders ist als noch vor ein paar Jahren. Seit Blizzard Entertainment mit World of Warcraft einen ziemlichen Erfolg einfuhren durfte kommt es überraschend häufig vor, dass man im Bus sitzend Gespräche belauschen kann, in denen Sätze gesagt werden wie: „Wenn ich auf nen Healdudu oder nen Diszi im 1on1 klopp geht da fast nix wenn der Dudu immer hottet und der Priester schön Schildet und Sühne auf CD raushaut, das is alles total imba!“

Manchen reicht das allerdings noch nicht. Ted Owen zum Beispiel. Der Gründer der amerikanischen Global Gaming League träumt davon, dass Computerspiele irgendwann mal zu einer olympischen Disziplin werden. Völliger Quatsch? Möchte man allein bei der optischen Vorstellung von leicht übergewichtigen Hardcore-Gamern mit Haltungsschäden im Zusammenhang mit durchtrainierten Spitzensportlern jedenfalls meinen. Doch auch wenn Ted Owen in seinen Verhandlungen mit der chinesischen Regierung für die olympischen Sommerspiele 2008 offensichtlich keinen Erfolg hatte gibt es durchaus ernstzunehmende Vereine, so zum Beispiel den deutschen eSport-Bund (ESB). „Die übergeordneten Ziele des ESB sind, faire und unabhängige Strukturen für alle Gamer zu schaffen und die Anerkennung des eSports als Sportart zu erreichen“ liest man dort auf der Internetseite.

Auch in Amerika gibt es Gruppen mit ähnlichen Zielsetzungen. Mona Zhang, Studentin an der wohlbekannten Princeton-Universität, war davon überzeugt, dass Hochschulsport nicht unbedingt immer etwas mit körperlicher Ertüchtigung zu tun haben muss. Zusammen mit einem Freund vom MIT hat sie daraufhin die C-Star-League gegründet – eine Liga, in der die Teams verschiedener amerikanischer Universitäten in dem seit Jahren sehr erfolgreichen Strategiespiel Starcraft (übrigens auch von Blizzard Entertainment) gegeneinander antreten. Insgesamt 674 registrierte Spieler aus 74 Universitäten sind zur Zeit daran beteiligt – Princeton belegt zur Zeit Platz 1 in der Division 2.

In manchen Ländern ist die Emanzipation der Gamer sogar schon fast abgeschlossen. In Südkorea ist Starcraft so populär, dass die herausragenden Spieler dort als Stars verehrt werden und mit ihrem Hobby ihren Lebensunterhalt verdienen können. Gesponsort von namhaften Unternehmen wie Samsung ist die eSport-Szene zu einem ernstzunehmenden Wirtschaftszweig geworden. Dort wird das bunte Bildschirmspektakel sogar in den großen Fernsehkanälen übertragen, Finalspiele haben nicht selten ein Live-Publikum von 100.000 Menschen, die mit ihren Stars um den Sieg eifern.

Es dauert wohl noch eine Weile, bis die aktuellen Ergebnisse aus dem eSport als obligatorische Rubrik in der FAZ zu finden sind. Doch lohnt es sich sicher einmal darüber nachzudenken, ob Computerspiele wirklich so weit von „normalen“ Sportarten entfernt sind. „Was im allgemeinen unter Sport verstanden wird, ist weniger eine Frage wissenschaftlicher Dimensionsanalysen, sondern wird weit mehr vom alltagstheoretischen Gebrauch sowie von den historisch gewachsenen und tradierten Einbindungen in soziale, ökonomische, politische und rechtliche Gegebenheiten bestimmt“ steht dazu im sportwissenschaftlichen Lexikon.

Letztendlich bedeutet das alles vor Allem eins: Sport ist das, was wir als Sport bezeichnen. Beste Vorraussetzungen also, um irgendwann vielleicht auch in Deutschland die Geburtsstunde des Hochschul-eSports mitzuerleben. Joggen gehen kann man ja trotzdem noch.

Kampf um das Internet

Quelle: www.flickr.com (LucasDime)

China gilt als aufstrebende Weltmacht. Die florierende Wirtschaft steht in krassem Kontrast zu den negativen Schlagzeilen aus dem Reich der Mitte: Zensur und Menschenrechtsverletzungen gehören zum Alltag. Jetzt zieht auch Google die Konsequenzen aus den rabiaten Methoden des Staates – und ruft die amerikanischen Geheimdienste zu Hilfe. Resümee eines Cyberkrieges im 21. Jahrhundert.

Es ist kein Geheimnis, dass das Internet ohne Google nicht vorstellbar wäre. Die geniale Idee, die Hypertextualität der Inhalte mathematisch auszuwerten und aus den gewonnenen Daten auf die Relevanz einzelner Internetseiten zu schließen hat dem Unternehmen eine dauerhaft exponierte Stellung in der Medienwelt beschert. Aktuelle Statistiken attestieren Google einen unschlagbaren Martkanteil von 80% im Segment der Suchmaschinen – diese Dominanz ist wohl vorerst nicht mehr zu durchbrechen. Dass eine solche Marktmacht für viele eine bedrohliche Entwicklung zur Monopolisierung der Suchmaschinen-Branche darstellt erklärt das starke Interesse von Medien jeglicher Art an dem Unternehmen. So findet man bei Amazon die beeindruckende Zahl von 6189 Publikationen rund um den Internetgiganten und auch die folgende Statistik zeigt, dass Google dauerfhaft auf mehr Interesse in der Blogosphäre stößt als beispielsweise Microsoft und Apple.

Blogposts zum Thema Google
Quelle: www.blogpulse.com

Angriff auf die Informationsfreiheit

Weitaus beeindruckender als diese Zahlen ist jedoch der Umstand, dass ganze Nationen den Einfluss von Google fürchten. Am signifikantesten zeigt das wohl die Geschichte, die sich um das Verhältnis von Google zur aufsteigenden Wirtschaftsmacht China rankt und die bei genaurerer Betrachtung eher nach dem Drehbuch für einen Science-Fiction-Wirtschaftskrimi aussieht als nach spröder Informationsvermittlung.

China greift als diktatorischer Staat gerne mal zu unorthodoxen Methoden der Zensur um die Verbreitung gefährlicher staatsschädigender Informationen und die potentielle Bildung von informellen Netzwerken zu unterbinden. Dies widerspricht natürlich deutlich der Unternehmensphilosophie von Google:

„Das Ziel von Google besteht darin, die auf der Welt vorhandenen Informationen zu organisieren und allgemein zugänglich und nutzbar zu machen.“

Da war es klar, dass es früher oder später zum Eklat kommen muss. Bereits als Google sein Angebot auf China ausweiten wollte gelang dies nur unter der Verpflichtung zur Selbstzensur. Google stand vor einer ideell-ökonomisch geprägten Zwickmühle: Zum einen winkte der lukrative chinesische Online-Werbemarkt mit einem geschätzt möglichen Umsatz von 6 Milliarden US-Dollar in den nächsten Jahren, zum anderen war da eben die Verletzung der Unternehmensphilosophie, welche zu einem bemerkenswerten Image-Schaden führen könnte – vor allem unter Beachtung der eingangs erwähnten detaillierten Berichterstattung. Google ließ sich nun zunächst darauf ein, bestimmte Inhalte freiwillig aus den Suchergebnissen rauszufiltern, wenn man sich mit dieser Entscheidung laut eigenen Angaben wohl auch schwer tat.

Der Cyber-Krieg und seine Folgen

Im Dezember letzten Jahres kam es dann zu einem Hacker-Angriff, der laut den Ermittlungen von Google wohl von der chinesischen Regierung initiiert worden war und neben Google noch 20 weitere international agierende Internetfirmen betraf. Was Google angeht galt der gezielte Angriff dem Email-Service Google Mail und den Postfächern von in China agierenden Menschenrechtsaktivisten, die selbstverständlich ganz oben auf der Liste der unerwünschten Persönlichkeiten stehen. Offenbar wollte China auf unlauterem Wege an Informationen kommen, die bei der „Sicherstellung“ dieser Störfaktoren behilflich sein können. Natürlich dementierte der Staat sämtliche Beteiligung an dem Angriff, doch für Google gab es nun nurnoch eine mögliche Konsequenz – die Verpflichtung zur freiwilligen Zensur war nicht mehr länger eine Option, selbst wenn das die Abschaltung der chinesischen Google-Seiten bedeuten würde. Das alles wurde ausführlich im Blog des Unternehmens veröffentlicht.

Was jedoch nicht von Google veröffentlicht wurde: Das Unternehmen plant eine Kooperation mit Amerikas geheimsten und mächtigstem Spionagedienst, der National Security Agency (NSA). Die NSA ist zuständig für die weltweite Überwachung und Entschlüsselung elektronischer Kommunikation und soll Google dabei helfen, die Umstände des Hacker-Angriffes herauszuarbeiten und eindeutig zu klären. Dies geht aus Insider-Informationen aus der Medienbranche hervor.

Die NSA hat in den letzten Jahren aufgrund der Durchführung von verfassungswidrigen Abhör-Aktionen von privaten Telefonanschlüssen ohne richterlichen Beschluss für negative Berichterstattung gesorgt. Und diese Sicherheitsbehörde kooperiert nun ausgerechnet mit dem Unternehmen, welches aufgrund seiner Tendenz zur umfassenden Datensammlung über seine Nutzer als „Datenkrake“ tituliert wurde – dystopische Visionen waren die Folge, vor Allem weil die Kooperation größtenteils unter vorgehaltener Hand stattfinden solle. Niemand könne so genau wissen, inwiefern Google der NSA den Zugang zu seinen Daten einräumen würde.

Ausblick auf die Zukunft

Das Fazit aus der Geschichte – die Globalisierung der Kommunikation ist in vollem Gange. In einer Welt, die sich in feingliedrige Bestandteile von hoher Komplexität zerteilt, ist der Informationsaustausch zwischen Individuen, Teilsystemen und Nationen von enormer Wichtigkeit, um die Entgrenzungstendenzen moderner Gesellschaften zu kompensieren. Doch ab und zu ragen kulturelle Schutzwälle auf, die die grenzenlose Freiheit der Kommunikation als Bedrohung ansehen. In Zukunft wird das sicherlich noch öfter zu Konflikten führen, und irgendwann wird man sich auch der Frage stellen müssen, wie viel Einfluss ein privatwirtschaftliches Unternehmen wie Google eigentlich auf die öffentliche und private Kommunikation haben darf. Man darf gespannt sein.