Alle Beiträge von Maximilian Ossweiler

„Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr!“

Mehr als 80000 Menschen sprachen sich in einer Petition der Online-Plattform „openPetition“ für den Rauswurf des Fernsehmoderators Markus Lanz beim ZDF aus. Die Petentin Maren Müller bezieht sich dabei auf die gleichnamige Talkshow des Moderators vom 16.01.2014, in der auch die stellvertretende Parteivorsitzende der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, zu Gast war. Müller kritisiert insbesondere Lanz‘  stillosen Umgang mit der Politikerin und wirft ihm eine „tendenziöse Diskussionskultur“ vor, in der es unüblich sei, Parteien links der politischen Mitte „mit einem Mindestmaß an Höflichkeit zu begegnen“. Im Laufe des Gesprächs  zeigte sich tatsächlich, mit welchen Mitteln Lanz versuchte, beim Zuschauer Stimmung gegen Wagenknechts Positionen zu erzeugen. So hakte er ständig ein, wollte den Eindruck erwecken, dass bei der Linken komplexe Fragen, u.a. um die Europäische Union sowie die Euro- und Zuwanderungspolitik, ausschließlich in einem Ja/Nein Schema zu beantworten sind. Unterstützung fand Lanz durch den „Stern“-Redakteur Hans-Ulrich Jörges, dessen Argumente dankend abgenickt wurden und den Lanz auf die Frage, ob die Linke rechte Ressentiments schürt, sogar zu Rate zog. Die fehlende Neutralität des Moderators zeigt sich nun darin, dass Wagenknechts Ausführungen durch sofortige Ja/Nein Fragen unterbrochen wurden („Wollen Sie den Euro? Ja oder Nein?), Jörges‘ Thesen dagegen, dass z.B. durch einen Austritt Griechenlands aus dem Euro die Verelendung in diesem Land beginnen würde, wortlos hingenommen wurden. Das Problem, dass ökonomisch schwächere Länder der Eurozone ihre Währung nicht mehr dem Leistungsniveau ihres Landes anpassen können und ggf. abwerten müssten, soll auf ökonomischer Basis diskutiert werden. Jörges‘ populistisches Basta-Argument, „Austritt aus dem Euro bedeute Verelendung“, ohne kritische Bedenken oder Einwände hinzunehmen, zeugt von sachlicher Inkompetenz des Moderators, der auf diese Sendung bisher nicht anzusprechen war. Selbst wenn er mit den Positionen Sahra Wagenknechts nicht übereinstimmt, so muss er sich doch auf rationale und faire Art mit ihren Argumenten auseinandersetzen. Schließlich ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk zu Objektivität, Unparteilichkeit, Ausgewogenheit und Meinungsvielfalt verpflichtet. Die Sendung „Markus Lanz“ vom 16.01.2014 entspräche diesen Kriterien allerdings nicht…

Quellen:

openPetition. URL: https://www.openpetition.de/petition/online/raus-mit-markus-lanz-aus-meiner-rundfunkgebuehr. Stand: 17.01.2014

Online-Petititon: Mehr als 80000 Unterzeichner gegen Markus Lanz. in. Spiegel Online. URL: http://www.spiegel.de/kultur/tv/online-petition-gegen-markus-lanz-hat-ueber-60-000-unterschriften-a-944981.html. Stand: 22.01.2014

Niggemeier, Stefan. Wie Markus Lanz ein paar Mal bei der „schönsten Linken aller Zeiten“ einhaken musste. URL: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wie-markus-lanz-ein-paar-mal-bei-der-schoensten-linken-aller-zeiten-einhaken-musste/. Stand: 17.01.2014

Geyer, Steven. Petition gegen Markus Lanz. in. Frankfurter Rundschau. URL: http://www.fr-online.de/medien/lanz-vs–wagenknecht-petition-gegen-markus-lanz,1473342,25967038.html. Stand: 23.01.2014

Staatsvertrag für Rundfunk und Telemedien. URL: http://www.dvtm.net/fileadmin/pdf/gesetze/13._RStV.pdf. Stand: 01.04.2010

Abrufdatum der Links: 23.01.2014

 

Vertraue den Sendern, vergiss Print

So lautet wohl das Motto des Axel-Springer-Konzerns. Der Verlag will den TV-Sender N24 erwerben und dabei multimedial expandieren. Bereits das damalige Vorhaben von 2005, die ProSiebenSat.1 Media AG zu übernehmen und im Gegenzug einzelne Tageszeitungen wie z.B. die „Berliner Morgenpost“ und weitere Zeitschriften an die Funke Mediengruppe zu verkaufen, deutete auf die digitale Neuausrichtung Springers hin, mit der man sich bewusst von anderen Verlagen abheben wollte. Die KEK (Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich) reagierte auf die geplante Übernahme der Sender ProSieben und Sat.1 skeptisch und befürchtete eine zu starke wirtschaftliche Kontrolle der Axel Springer AG (jetzt Axel Springer SE) auf dem Medienmarkt, eine Auffassung, die das Bundeskartellamt in einem endgültigen Verbot bestätigte.

Nun wartet Springer wieder auf die Zustimmung der Behörden, diesmal im Bezug auf die geplante Übernahme des Senders N24, der bis Juni 2010 noch zur ProSiebenSat.1 Media AG gehörte, welche danach alle N24-Anteile an N24-Manager und den ehemaligen Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust verkauft hat.

Außerdem soll die „Welt“-Gruppe in das Konzept von N24 integriert werden, wodurch zwei neue Redaktionen entstünden: Neben der bereits existierenden N24 Programmredaktion sollen die Reaktion der „Welt“-Gruppe und die Digitalredaktion von N24 nach dem Newsdesk/Newsroom-Prinzip zusammengeführt werden. Da scheint es kein Zufall zu sein, dass Stefan Aust, Miteigentümer der N24 GmbH, neuer Herausgeber der „Welt“-Gruppe wird.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Zusammenarbeit der „Welt“-Redaktion mit der Digitalredaktion von N24 insbesondere auf das multimediale Angebot auswirken wird, d.h. inwiefern sich u.a. die Gestaltung der Websites, der Apps für Smartphones etc. der „Welt“-Gruppe verändern werden.

In jedem Fall offenbart  dieses Beispiel die Ambitionen der Axel Springer SE, sich als „das führende multimediale Nachrichtenunternehmen für Qualitätsjournalismus zu etablieren“ 1, was nicht unwesentliche Auswirkungen auf die Verlags- und Auflagenkonzentration im Printsektor hätte, sofern dieses geplante Konzept realisierbar ist.

 

Zitate:

1) Axel Springer SE – Presse/Presseinformation. URL: http://www.axelspringer.de/presse/Axel-Springer-uebernimmt-N24-Multimediales-Nachrichtenunternehmen-aus-N24-und-WELT-Gruppe-entsteht_19647691.html

weitere Quellen:

Springer-Verlag kauft TV-Sender N24. URL:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/medienbranche-springer-verlag-kauft-tv-sender-n24/9191378.html

Springer kauft N24. URL:

http://www.fr-online.de/medien/verlag-axel-springer-springer-kauft-n24,1473342,25568280.html

Schwegler, Petra. Springer kauft N24- und Aust wird Herausgeber der „Welt“. URL:http://www.wuv.de/medien/springer_kauft_n24_und_aust_wird_herausgeber_der_welt

Neuer Job: Stefan Aust wird Herausgeber der „Welt“. URL:

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/stefan-aust-wird-herausgeber-der-welt-a-937813.html

Fusion mit „Welt“-Gruppe: Springer kauft Nachrichtensender N24. URL:http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/axel-springer-ag-kauft-n24-und-a-937969.html

Huber, Joachim. Springer holt sich N24. URL:

http://www.tagesspiegel.de/medien/einstieg-ins-tv-geschaeft-springer-holt-sich-n24/9191430.html

(Abrufdatum der Links: 09.12.2013)

Brauchen wir einen öffentlich-rechtlichen Jugendkanal?

Projekt Jugendkanal gescheitert? Zumindest haben sich die Ministerpräsidenten der Länder vorerst dagegen ausgesprochen: Man sei sich noch unsicher über das inhaltliche Konzept sowie die Finanzierung des von ARD und ZDF geplanten Jugendkanals: 45 Millionen Euro waren hierfür angesiedelt, wobei nicht sicher ist, ob man am Ende unterm Strich 7 bis 20 Millionen Euro mehr einplanen müsste, wenn neben der Einführung des Jugendkanals Digitalkanäle der Öffentlich-Rechtlichen gestrichen werden sollen. Und genau hier liegt das entscheidende Problem:

Warum soll man Spartenkanäle wie beispielsweise „EinsPlus“ streichen, wenn gerade deren Programm für junge Leute attraktiv ist? Man denke nur an die Live-Übertragungen von Festivals wie beispielsweise „Rock am Ring“ oder „Southside“ („Beatzz in Concert“) oder das generell breite Spektrum an Lifestyle- und Infosendungen. Dagegen sieht es beim ZDF schon dürftiger aus: Speziell der Spartenkanal ZDFneo, der anfangs noch zurecht einen hohen Marktanteil bei einem jungen Publikum erzielen konnte, zeichnet sich mittlerweile durch seinen Hang zur Nostalgie aus, anstatt sein Programm fortschrittlich und modern zu gestalten: Da reiht sich Wiederholung an Wiederholung der ohnehin schon beim Hauptsender vertretenden Vorabend- oder Kochsendungen, hinzu kommen ebenfalls veraltete US-amerikanische Sendungen aus den 1980ern und 1990ern („Hart aber herzlich“ & „Die Nanny“) sowie Evolutions-Dokumentationen à la Terra X. Wenig Vielfalt, fast alle Sendungen stammen aus dem Archiv.

Da schien vor einem Jahr das Angebot für den jungen Zuschauer interessanter, als sich Benjamin von Stuckrad-Barre (mittlerweile bei Tele 5) lässig und provokant mit bekannten  Politikern unterhielt oder die beiden Jungmoderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf ihre pubertären Mutproben sehr frisch und unterhaltsam in Szene setzten. Diese sind nun zu Pro7 gewechselt, während sich das ZDF noch fester an Markus Lanz klammerte und damit (bezüglich „Wetten dass..?“) zu wenig riskiert hat. Man hätte auf einen Moderator setzen sollen, der das jüngere Publikum hinter sich hat, weil dieses die Zukunft des Fernsehprogramms bestimmen wird. Zumindest wäre solch ein (gewagter) Schritt ein notwendiger Vertrauensbeweis gewesen.

ARD und ZDF brauchen deshalb keinen etikettierten Jugendkanal, sondern eine grundsätzliche Reformierung ihres eigentlichen Fernsehprogramms. Erst dann kann der Weg aus der Legitimationskrise gelingen.

Quellen:

http://www.tagesspiegel.de/medien/digitalkanal-zdfneo-mehr-und-juengeres-publikum/1644624.html

http://www.spiegel.de/kultur/tv/ard-zdf-projekt-ministerpraesident-schiessen-jugendkanal-ab-a-930028.html

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/jugendkanal-von-ard-und-zdf-das-ganze-volle-programm-12627431.html

http://www.stern.de/kultur/tv/kein-jugendkanal-fuer-ard-und-zdf-ministerpraesidenten-stoppen-den-irrsinn-2066441.html

http://www.digitalfernsehen.de/Ministerpraesidenten-kippen-Jugendkanal-von-ARD-und-ZDF.108605.0.html

http://www.einsplus.de/

http://neo.zdf.de/

Syrien – Können die Medien zwischen Täter und Opfer unterscheiden?

Das Aufbegehren der Zivilbevölkerung gegen autokratische Regime wurde die letzten zwei Jahre in den Medien ausführlich thematisiert. Ob nun der Sturz Zine el-Abidine Ben Alis in Tunesien, die Pfählung Muammar al-Gaddafis in Libyen oder das Ende der Herrschaft Husni Mubaraks in Ägypten – die gegenüberstehenden Fronten in den drei aufgeführten Ländern schienen (medial) immer klar abgrenzbar: auf der einen Seite die (gemäßigte) islamistische Opposition, deren politischer Handlungsspielraum vom Regime stark eingegrenzt wurde und auf der anderen Seite das Regime selbst. Umso befreiender und für westliche Medien erfreulicher schien es, als in diesen Ländern die ersten freien Wahlen seit der Absetzung des jeweiligen Despoten stattfanden und sich in Libyen sogar eine demokratisch legitimierte säkulare Regierung bildete, die im Moment jedoch im Chaos versinkt, da sie sich gegen Milizen, die für die Entlassung ehemaliger Funktionäre aus der Gaddafi-Ära plädieren, nicht durchsetzen kann. Ebenfalls ernüchternd schien die Lage in Tunesien, und zwar bereits wenige Monate nach Sturz des Diktators Ben Ali: Die säkularen Kräfte, d.h. die Demonstranten, die einst gegen Ben Ali protestiert hatten, gingen neben der von Islamisten geführten Ennahda-Partei unter. Sollte also lediglich in einer autokratisch-säkularen Diktatur das Attribut „säkular“ durch „gottesstaatlich“ ersetzt werden?

Damit war die aufkommende Euphorie der Medien wohl zu voreilig, hat man ja nicht hinterfragt, was nach den Umstürzen folgen sollte. Man müsste sich im Jahr 2013 die Frage stellen, ob der Arabische Frühling nicht das Gegenteil dessen bewirkt hat, was er eigentlich erreichen wollte, nämlich Freiheit. Gerade im Bezug auf Syrien ist auffällig, dass die global agierende Al-Kaida Bewegung gestärkt wurde.

Das terroristische Netzwerk konnte während der Revolution in den arabischen Ländern Verbindungen knüpfen, auch zu syrischen Sunniten, welche die Mehrheit der dortigen Bevölkerung bilden und den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad als gottlos bezeichnen.  Sogenannte „Foreign Fighters“, ein Zusammenschluss ausländischer Dschihadisten, terrorisieren das Land und gefährden religiöse Minderheiten, darunter auch syrische Christen. Selbst in die Freie Syrische Armee (FSA) schlichen sich islamistische Kräfte ein. Somit sollte man von der Schwarz-Weiß-Malerei abweichen, dass eben nicht das Volk gegen Assad kämpft, sondern das Kräfteverhältnis durch eine sunnitische Mehrheit, zu der u.a. Al-Kaida zählt und einer alevitischen Minderheit, zu welcher Assad zuzuordnen ist, bestimmt wird.

Trotzdem suggeriert das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ mit dem Titel „Wie leben Sie mit dieser Schuld, Herr Assad?“ (vgl. Der Spiegel, Nr.41), dass Unruhen in Syrien ausschließlich auf dem Konflikt zwischen Assad („böse“) und der Zivilbevölkerung („gut“) basieren, wogegen der eigentliche Grund für die Unruhen in diesem Land, der ethnisch-religiöse Konflikt, außer Acht gelassen wird. Im TV ging man noch einen Schritt weiter und unterstellte mit dem suggestiven Titel der Talkshow „Anne Will“ vom 06.06.2012, „Assad lässt Kinder töten – wie lange wollen wir noch zuschauen?“, dass der syrische Präsident für das Massaker von Al-Hula, bei dem u.a. 30 Kinder brutal massakriert wurden, verantwortlich ist. Die Tatsache, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender so etwas behauptet, dann für diese gewagte These aber keine Beweise liefert, gilt als höchst unseriös.

Natürlich war es Assad, der als Reaktion auf die Bürgerproteste keine demokratischen Reformen zuließ, sondern die Aufstände brutal niederschlug. Parallel dazu erreichten aber die religiösen Konflikte durch Al-Kaida eine neue Eskalationsstufe, weshalb es als Außenstehender schwierig ist, den politischen Sachverhalt genau zu analysieren. Der Konflikt wird immer diffuser. Wenn man aber eine Person (öffentlich) des Mordes beschuldigt und keine Beweise liefert (siehe Anne Will), betreibt man Rufmord und macht sich strafbar.

Quellen:

Der Spiegel, Nr. 35 /26.08.2013;  Nr. 41/07.10.2013

Die Zeit, Nr. 36/29.08.2013

 

Zugriff auf die Onlinequellen: 01.11.2013

http://www.welt.de/politik/ausland/article13539929/Syrische-Armee-bombardiert-gezielt-Moscheen.html

http://www.kriegsberichterstattung.com/id/1803/Anne-Will-und-Syrien-Kritik-von-Scholl-Latour-an-Assad-laesst-Kinder-toeten/

http://www.theglobeandmail.com/news/world/rebels-foreign-fighters-step-up-crimes-in-syria-un/article14333618/

http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-07/syrien-libyen

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13678796/Folgt-nun-die-autokratisch-gottesstaatliche-Diktatur.html

http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Libyen/ruf4.html

http://www.srf.ch/news/international/libyen-versinkt-im-chaos