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Pompöse PK – Pep ist da!

Er ist da – der Neue, der beste Trainer der Welt, der angebliche Heilsbringer. Geheimnisvoll und still hatte er sich in den letzten Monaten seit der Bekanntgabe seines Engagements beim FC Bayern München gegeben – um ja keine Unruhe zu verbreiten. Und genauso trat er auch auf: ruhig und gar ehrfürchtig zeigte sich Josep „Pep“ Guardiola den 240 Journalisten und den Zuschauern vor den Bildschirmen. Die größte Pressekonferenz in der Geschichte des FC Bayern wurde live im Fernsehen übertragen, Pressevertreter aus der ganzen Welt waren vor Ort in München. Es war ein von der ersten bis zur letzten Minute inszeniertes Medienereignis. So pompös die Aufmachung der Pressekonferenz auch war, so bescheiden und leise und doch souverän meisterte der Mann, der auf Schritt und Tritt in München verfolgt wurde, jegliche Fragen. Ein Spanier, der bis vor wenigen Monaten aus der deutschen Sprache vielleicht nur das Wort Bundesliga kannte, begrüßte die Anwesenden mit folgenden Worten: „Guten Tag, grüß Gott, meine Damen und Herren.“ und hatte damit gleich alle Sympathien auf seiner Seite. Angekündigt wurden seine Deutschkenntnisse bereits im Vorhinein, doch wie würde er sich wirklich schlagen? Zu Beginn gab Pep sich etwas zögerlich, jedoch sehr höflich und ehrlich. Manchmal fehlten ihm die nötigen Vokabeln – wer mochte es ihm verdenken. Man konnte es als ein langsames Herantasten an die neue Aufgabe deuten. Doch im Verlauf der fast einstündigen Konferenz zeigt er seine gewohnte Sicherheit und Eloquenz. Er lachte viel, kommunizierte mit den Verantwortlichen des FCB und stand jedem Journalisten Rede und Antwort. Wirklich konkret wurde er jedoch nicht, er sprach mehr im allgemeinen Sinn. Dies mag auch seiner bisherigen Distanz zum neuen Club geschuldet sein. Man konnte es ihm jedenfalls nicht übel nehmen, diesem sympathischen Mann.

Seine Sprachkenntnisse gaben einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie zielstrebig, ehrgeizig und perfektionistisch er an die Aufgabe herangehen wird. Zwar hatte sich so manch einer mehr Details zu seinem weiteren Vorgehen erhofft, doch man sollte nicht vergessen, dass es Peps Vorstellung war, eine Art Begrüßung in seiner neuen Heimat München – alles Weitere wird folgen..

 

Sky Sport News HD (2013): FC Bayern München Pressekonferenz mit Pep Guardiola, 12:06, 24.06.2013.

„Wetten, dass…?“ Stefan Raab bald Lanz beerbt? – Wenn Kritik zu weit geht

Knapp drei Monate ist es still geworden um Markus Lanz und „Wetten, dass….?“. Genau so lange ist die letzte Ausgabe der Samstagabendsendung her. In der Zwischenzeit ist der Tiroler gewohnt solide seinem Engagement als Moderator in seiner eigenen Sendung „Markus Lanz“ nachgegangen. Doch seit einer Woche ist er wieder im Fokus. Das „Sommer-Wetten, dass…?“ steht an und damit einher gehen die unersättlichen Kritiken zur Sendung. Wie langweilig werden die Wetten, wie peinlich wird es für die Promis oder wie viele sagen gar im Vorhinein ab, welchen Fauxpas leistet sich Lanz und wie wenige Zuschauer schalten ein ? Eine überspitzte Darstellung, aber nicht minder harsch lauten die Kommentare, die sich ein Markus Lanz vor dieser einen Sendung anhören muss. Ja genau, Markus Lanz muss sie sich anhören, er allein wird mit dieser Sendung in Verbindung gebracht. Deswegen ist auch von der „Lanzkrise“ die Rede, wenn auf die rapide sinkenden Einschaltquoten verwiesen wird, wie die Bild am Sonntag es so schön sagt. Und dann kommt dieses besagte Sommerspecial – und es kommt knüppeldick für den Nachfolger von Thomas Gottschalk: Als eine „Verpatzte Krönung auf Mallorca“ sieht es süddeutsche.de , deutlicher wird da schon die Onlineausgabe des Spiegels („„Wetten, dass…?“: Unterhaltung jenseits der Gürtellinie“) und Die Welt online appelliert sogar an Stefan Raab, Gast in der Sendung, „Lieber Stefan Raab, bitte übernehmen Sie – sofort!“. Wie weit darf Kritik gehen? Kann man in diesem Fall überhaupt noch von Kritik sprechen oder ist dies eine Hetzjagd gegen den Moderator?  Wer die sieben Sendungen unter Lanz teilweise oder ganz verfolgt hat weiß, dass der Moderator nicht immer ganz souverän war und ihm so mancher Fehler unterlief. Vielleicht liegt es daran, dass er bereits in den Sog der Kritik geraten ist, als er noch nicht einmal „Einen wunderschönen guten Abend“ gesagt hatte. Vielleicht ist der Druck, der auf ihm lastet, doch zu groß und schuld. Aber vielleicht sollten sich auch die Medien etwas zügeln und nicht gleich am Posten des Neuen rütteln und sogar einen Nachfolger fordern.  Oder vielleicht kann Lanz „Wetten, dass…? aber auch einfach nicht besser. Und noch ein vielleicht: vielleicht ist das Format einfach nicht mehr zeitgemäß. Sicher ist, dass Markus Lanz nicht zu beneiden ist und dass er es nicht verdient hat, derart „gehetzt“ zu werden. Kritik kann er vertragen, er musste schon viel davon einstecken, sicherlich berechtigt, auch diesmal. Doch irgendwann, wenn auch die Kritik jenseits der Gürtellinie liegt, dann ist es genug.

 

Frank, Arno (2013): „Wetten, dass…?“: Unterhaltung jenseits der Gürtellinie, spiegel.de , 09.062013, http://www.spiegel.de/kultur/tv/wetten-dass-unterhaltung-auf-niedrigem-niveau-a-904595.html (zuletzt aufgerufen am 09.06.2013).

Brück, Kira (2013): Lieber Stefan Raab, bitte übernehmen Sie – sofort!, welt.de, 09.06.2013, http://www.welt.de/vermischtes/article116951143/Lieber-Stefan-Raab-bitte-uebernehmen-Sie-sofort.html (zuletzt aufgerufen am 09.06.2013).

Bruckner, Johanna (2013): Verpatzte Krönung auf Mallorca, sueddeutsche.de, 09.06.2013, http://www.sueddeutsche.de/medien/wetten-dass-verpatzte-kroenung-auf-mallorca-1.1690726 (zuletzt aufgerufen am 09.06.2013).

Tackmann, Volker (2013): ZDF verlängert Cindys Vertrag (und die Mienen im „Wetten, dass…?-Team) ; in: Bild am Sonntag, 09.06.2013.

Opfer der Medien oder berechnende Nutznießerin der medialen Plattform?

Die Berichterstattung über den Fall um Amanda Knox ist seit 2007 immer noch präsent. „Der Engel mit den Eisaugen“ hat sich eingebrannt in das Gedächtnis. Selten hat ein Mordfall derart für weltweites Aufsehen gesorgt wie dieser. Der Fall Amanda Knox hält sich seit nunmehr sechs Jahren in der Öffentlichkeit. Die amerikanische Studentin geriet damals unter Verdacht im November 2007 ihre Mitbewohnerin Meredith Kercher kaltblütig ermordet zu haben – mit unzähligen Messerstichen.

Sie wurde zur Verdächtigen, weil sich ihre Zeugenaussagen widersprachen. Oder wurde sie zu der Verdächtigen gemacht? Durch fragwürdige Methoden der Polizei, durch die beispiellose Hetzjagd der Medien? Während des Prozesses wurde von der jungen Studentin ein Bild gezeichnet, das sie als „Engel mit den Eisaugen“, als Mädchen, das zu allem fähig scheint, darstellt. Vielleicht trug auch diese Negativität dazu bei, dass sie 2009, sie saß schon zwei Jahre in Haft, zu 26 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Trotz der Ermittlungspannen und trotz der Unklarheiten über den tatsächlichen Tathergang. Zwei Jahre später wendete sich das Blatt: die Freilassung der Angeklagten aus Mangel an Beweisen. Amanda ging zurück in ihre Heimat, mied die Öffentlichkeit, tauchte förmlich ab. Im März 2013 wird bekanntgegeben, dass der Prozess erneut aufgenommen wird. Erneut steht sie im Fokus. Doch sie wehrt sich verbal: mit ihrem Buch „Zeit, gehört zu werden“ möchte sie ihre Sicht der Dinge darstellen und das in der Öffentlichkeit von ihr konstruierte Bild als „eine Teufelin“ bereinigen. Sie tritt in diversen Talkshows auf, unter anderem bei Markus Lanz – um die Wahrheit über sich und ihre Rolle im Mordfall Meredith Kercher klarzustellen. Oder etwa, um ihr Buch zu vermarkten? Diese Vermutung liegt nahe, doch nach der neuerlichen Aufnahme des Verfahrens wird auch deutlich, dass sie die Menschen auf ihre Seite bringen möchte, die sie eigentlich schon als Mörderin abgestempelt haben. Mehrmals geht sie in dem Interview mit Lanz auf die Medien ein, sie spricht von einer „Vorverurteilung“, dass die Öffentlichkeit sie zu dem „Engel mit den Eisaugen“ machte und sie dadurch „eine ganz negative Berühmtheit“ erlangte. Und das Schlimmste daran war für sie, nichts dagegen machen zu können. Wie sie in dem Interview wirkt, ist vielseitig interpretierbar. Für die einen mag sie kühl und berechnend wirken, für die anderen reif und gefasst.

Entscheidend ist jedoch, dass dieser Mordfall noch nicht geklärt ist und noch nicht bewiesen ist, ob Knox die Mörderin ist oder nicht. Sollte sie unschuldig sein, hat sie die Chance verdient, Klarheit über ihr Schicksal als zu Unrecht Verurteilte, sowohl vor Gericht als auch in der Öffentlichkeit, zu schaffen. Sollte sich in den folgenden Ermittlungen der Verdacht gegen Amanda Knox erhärten, dann hätte man einer mutmaßlichen Mörderin eine mediale Plattform gegeben. Ein mediales Dilemma?! Man muss hoffen, dass durch das Aufrollen des Prozesses endlich Licht ins Dunkel kommt – egal in welcher Hinsicht. Die Familie von Kercher hätte es verdient, Gewissheit zu erlangen.

Lanz, Markus (2013): Amanda Knox bei Markus Lanz. Video vom 02.05.2013. URL: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1893638/Amanda-Knox-bei-Markus-Lanz  (zuletzt aufgerufen am 11.05.2013).

Bayer, Tobias (2013): Amanda Knox ist „bestürzt“ über neuen Prozess. 26.03.2013. URL: http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article114774335/Amanda-Knox-ist-bestuerzt-ueber-neuen-Prozess.html (zuletzt aufgerufen am 11.05.2013).

„Gurkentruppe“? Von wegen!

Es läuft gerade das Viertelfinale der Handball-Weltmeisterschaft 2013. Das deutsche Handballteam tritt in Saragossa gegen die starken Spanier an.

Viertelfinale?? Deutschland?? Ja, ganz genau.

Das im Vorhinein als „Gurkentruppe“ bezeichnete Team von Trainer Martin Heuberger lässt mit seinen Leistungen im Turnier jegliche Kritiker verstummen und wahrt den Traum eines erneuten Wintermärchens nach 2007. Wie Phoenix aus der Asche haben die Handballer hochgradige Leistungen abrufen können – trotzdem sie in der Öffentlichkeit als „Gurkentruppe vom Dienst“ betitelt wurden. Wirkt sich solch eine Einschätzung nicht negativ auf die betroffenen Personen und ihre Leistungen aus? Wurden die Spieler von 2007 noch bis in den Himmel gelobt, Lieder für sie geschrieben und euphorisch gefeiert, verblasste die Euphorie und damit auch die Berichterstattung rund um den Sport in den Jahren danach – so auch die Leistung des Teams. Doch die DHB-Mannschaft 2013 hat sich davon nicht einschüchtern lassen und ist mehr als zurück! Vielleicht auch, weil sie sich mit dem „Gurkentruppen“-Image selber auf die Schippe genommen hat. Lasst uns hoffen, dass die Euphorie noch etwas erhalten bleibt – die Jungs hätten es verdient, auch, damit sie dieses „Gurkentruppe“-Image loswerden können. Dafür ist ein Sieg heute notwendig. Im Falle einer Niederlage wäre es wünschenswert, dass sich die Kritiker mit ihrer negativen Einschätzung zurückhalten würden, denn egal wie das Viertelfinale auch ausgehen mag – die Leistung des Teams von Martin Heuberger hat größten Respekt in der Öffentlichkeit verdient!

Giannakoulis, Stefan (2013): „Gurkentruppe greift nach den Sternen“, 21. Januar 2013, ntv.de, http://www.n-tv.de/sport/Gurkentruppe-greift-nach-den-Sternen-article9985861.html (aufgerufen: 23.01.2013).

 

 

In Gedenken an Jacintha Saldanha

Erinnerungen werden wach. 31. August 1997: Prinzessin Diana stirbt nach einem Autounfall in einem Pariser Krankenhaus. Die Meldungen überschlagen sich: wurde die Exfrau von Prinz Charles von den Medien bis in den Tod gehetzt? 15 Jahre später dreht sich erneut alles um das britische Königshaus. Diesmal wird eine erfreuliche Nachricht von einer Tragödie überschattet: der potenzielle Thronfolger und Sohn der verstorbenen Diana verkündet die frohe Botschaft über die Schwangerschaft seiner Frau Catherine, auch genannt Kate. Die Hysterie ist groß, überall auf der Welt. Die Nachricht reicht so weit, dass gar ein australischer Radiosender damit versucht sein Morgenprogramm auf eine fragwürdige Art zu schmücken. Wenige Tage nachdem die Mitteilung über den royalen Nachwuchs weltweit bekannt war, drückt das Königshaus seine „Tiefe Trauer“2 aus – in Gedenken an eine von Kates Krankenschwestern, Jacintha  Saldanha. Sie wurde Opfer eines üblen Radio-Scherzes des australischen Senders „2Day FM“, dessen zwei Moderatoren sich als die Queen und Prinz Charles am Telefon ausgaben, um über den Gesundheitszustand von Kate informiert zu werden.1 Jacintha war diejenige, die den Anruf entgegennahm und auch weiterleitete. Die beiden Moderatoren hatten es also geschafft an sehr intime Informationen heranzukommen. Danach folgte eine „öffentliche Erniedrigung“2 und Demütigung des Krankenhauses und seiner Beschäftigten, ganz besonders Jacinthas, die sich daraufhin das Leben nahm.

Warum musste es soweit kommen? Sind erneut die Medien schuld aufgrund ihrer Erbarmungslosigkeit? Oder sind die beiden Radiomoderatoren zur Rechenschaft zu ziehen?

Dieser geglückte Anruf war natürlich ein Erfolg für den Radiosender und gefundenes Fressen für die Boulevardpressen. Eine „weltweite Berichterstattung über den Vorfall“1 erfolgte und die Beteiligten wurden mit Hohn und Spott überhäuft, ohne Rücksicht auf persönliche Schicksale. Vielleicht wäre es mit einer weniger ausführlichen und weniger personalisierten Berichterstattung nicht zu einer solchen Tragödie gekommen, doch der „zügellose[n] Hunger der Medien nach Invasion der Privatsphäre“2 kannte keine Grenzen, sodass diese Frau im „internationale[m] News-Sumpf“2 untergegangen ist. Ein Geschehnis, dass an Tragik kaum zu überbieten ist, sollte es doch ursprünglich ein Radio-Gag der beiden australischen Moderatoren sein. Diese werden momentan für ihre „Tat“ an den Pranger gestellt und in sozialen Netzwerken gar für den Tod der Krankenschwester verantwortlich gemacht.2 Auch hier wird wieder die Macht der Medien deutlich, wie weite Kreise so etwas ziehen kann. Doch es bringt nichts, soziale Netzwerke zu missbrauchen, um die beiden unter einen ähnlichen öffentlichen Druck zu stellen, wie Jacintha es erleben musste. Wir sollten aus diesem Vorfall lernen. In Gedenken an Jacintha Saldanha.

Quellen:

1 Kielinger, Thomas (2012): Die seelische Verstörung der beliebten Krankenschwester, welt.de, 09.12.2012, http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article111909716/Die-seelische-Verstoerung-der-beliebten-Krankenschwester.html (aufgerufen am 09.12.2012)

2 Kielinger, Thomas (2012): Kates Krankenschwester und die Scham vor dem Spott, welt.de, 08.12.2012, http://www.welt.de/vermischtes/article111895055/Kates-Krankenschwester-und-die-Scham-vor-dem-Spott.html (aufgerufen am 09.12.2012)

Das Image Obamas – ein konstruiertes Weltbild?

Die Präsidentschaftswahl in den USA hat in diesem Jahr ein beispielloses mediales Interesse ausgelöst. Die beiden Kandidaten Mitt Romney (Republikaner) und Barack Obama (Demokraten) lieferten sich einen ungemeinen Schlagabtausch, der in der ganzen Welt mit großem Interesse wahrgenommen wurde. In der Wahlnacht am 06.11.2012 lud Markus Lanz mehrere Experten (Botschafter Philip D. Murphy, die Journalisten Michael Spreng und Georgia Tornow, Rechtsanwalt Joachim Steinhöfel und Autor Eric T. Hansen)1 zu einer Spezialausgabe seiner gleichnamigen Talkshow ein und diskutierte unter anderem mit Ihnen über die vermeintliche Annahme, dass der amtierende Präsident Obama in Deutschland zweifellos besser dastehe als sein Herausforderer Mitt Romney.

Seltsamerweise blieb der Kampf ums Weiße Haus bis zur Wahlnacht unglaublich spannend, hatte sich Mitt Romney doch eigentlich schon vor Monaten selbst demontiert und damit Barack Obama einen Stimmenanteil von 85% verschafft – allerdings in Deutschland.1 Wie kann es sein, dass wir in Deutschland derart von Präsident Obama überzeugt sind, wohingegen sich in Amerika das wohl spannendste Duell aller Zeiten abgespielt hat? Bekommen wir in Europa nicht alles mit, erreichen uns die Nachrichten in verzerrter Weise oder sehen wir Obamas Qualitäten durch eine „rosarote Brille“?

Das erste TV-Duell, das dem Amtsinhaber fast zum Verhängnis geworden wäre, das nahmen auch wir als Niederlage wahr. Doch unvorstellbar für uns, dass dies allein ausschlaggebend für den Ausgang des Wahlkampfes sein sollte. Doch es scheint noch mehr Gründe dafür gegeben zu haben, dass es derart eng werden würde. Haben wir ein anderes Bild von Obama als die Amerikaner? Wurden unsere Nachrichten zu Gunsten des jetzigen Präsidenten manipuliert und ein fast ausschließlich positives Weltbild von ihm konstruiert?

So sind uns sämtliche Patzer von Mitt Romney präsent, ob das seine verbale Entgleisung war, in der er Wähler Obamas als „Opfer“ bezeichnetet oder als er den Irak mit dem Iran verwechselte.1 Romney´s Fehltritte fanden größeren Anklang in unserer Berichterstattung und wurden hierzulande als eine Art des in den USA sehr verbreiteten „negative campaigning“1 gegen ihn gebraucht. So lautete beispielsweise eine Schlagzeile der Financial Times Deutschland vom 17.10.2012 „Obamas Kampfgeist und Romneys Patzer“.2 Herr Eric T. Hansen erklärte passend dazu, dass in Deutschland Obamas Fehltritte oder verbale Entgleisungen meist beschönigt und weitreichend erklärt werden, wohingegen gegenüber Romney keinerlei Gnade gezeigt wird.

Herr Hansen nahm den Herausforderer in Schutz, und wies auf die übertriebene Negativität in der Berichterstattung über den Republikaner hin.1 Lanz stellte gar die These in den Raum, dass in Deutschland „tendenziell Demokraten eher gut und Republikaner eher böse sind“.1 Wir bekommen, so scheint es und bejahen es die Experten in der Talkrunde, ein verzerrtes Bild der Parteien und ihrer Kandidaten vermittelt und nach Herrn Hansen sind es „die Mehrzahl der deutschen Zeitschriften, die das kolportieren“.1

Wir bekommen also, natürlich oberflächlich betrachtet und auf den Otto Normalverbraucher zugeschnitten, ein Bild übermittelt, das verzerrt und manipuliert ist. Dies erklärt auch die Diskrepanz zwischen dem engen Wahlkampfendspurt in den USA und dem eindeutigen, jedoch fiktiven Ergebnis in Deutschland. In diesem Fall stehen sich ein überzogen, kritisches Bild des Republikaners Romney und die euphemistische Darstellung des Demokraten Obamas gegenüber. Wir hier in Deutschland, wir sehen es so, weil die Medien es uns durch ihre Brille vermitteln. Und es kam so, wie es kommen musste: das Gute konnte das Böse, in diesem Fall Mitt Romney, der es auf der Zielgeraden noch einmal spannend machte, besiegen. Happy End.

1 Lanz, Markus (2012): Markus Lanz, Video vom 6. November 2012, http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/1539970#/beitrag/video/1769028/Markus-Lanz-vom-6-November-2012 (abgerufen am 10.11.2012)

2 Zöttl, Ines (2012): Obamas Kampfgeist und Romneys Patzer, 17.10.2012, http://www.ftd.de/politik/international/:us-wahl-2012-obamas-kampfgeist-und-romneys-patzer/70105319.html (abgerufen am 10.11.2012).