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Interaktive Evaluation des neuen „heute“-Designs

So, die Feuertaufe ist bestanden, jetzt werden Meinungen des Publikums kundgetan. Selbstverständlich ist ein 30 Millionen Euro Studio, das von Gebühren der Zuschauer, ob nun freiwillig oder unfreiwillig gezahlt, finanziert wird, einer ausgiebigen Diskussion würdig, und das Publikum lässt sich auch nicht lumpen. Mit Kritiken wie „Texteinblendung in Berichten erinnert an 70er Jahre“ und „pädagogisch wertvoll, akkustisch katastrophal“ wird auf geschmackliche Unstimmigkeiten hingewiesen, wohingegen Beiträge wie „Wir wollen das alte Design zurück!!! – Bitte mitmachen!!!“ oder „Design-Katastrophe“ sehr deutlich den Standpunkt der Zuschauer beschreibt.

Es ist interessant zu beobachten, wie ein innovativer Schritt im Fernsehen aufgenommen, kritisiert und beurteilt wird und wie die Mitdiskutierer sich gegenseitig aufeinander eingehen und in die Schranken weisen. Medienrezeption aus erster Hand, aufschlussreich zu verfolgen und (zumindest teilweise) konstruktive Kritik für die Macher. Allein die große Zahl der kritischen Zuschauer und die große Rezeption in anderen Medien verweist auf die Tatsache, dass die Veränderung ein großer Einschnitt ist.

 

http://www.zdf.de/ZDFforum/ZDFheute/inhalt/19/0,3672,7605267,00/

Mondlandung – 40 Jahre Schwindel?

40 Jahre ist es her, als Millionen Menschen auf der ganzen Welt vor dem Fernseher saßen und gebannt auf den Bildschirm starrten. In Europa stieg man nachts aus dem Bett, um hüpfende Menschen in Astronautenanzügen auf dem Mond zu beobachten. Unbestreitbar ist die Popularität des Videos, was bis heute jedes Kind in Auszügen kennt und den wohl bedeutendsten Schritt eines Mannes in der Menschheitsgeschichte zeigt.

Oder handelt es sich doch um Filmgeschichte? Seit den 1970er Jahren schließen sich Verschwörungstheoretiker aus aller Welt zusammen, die sich einer Sache ganz sicher sind: Neil Armstrong hüpft in einem Filmstudio herum. Durch Autoren wie Bill Kaysing wird die Theorie publiziert, dasVideo als eine der größten Medienfälschungen der Welt betitelt.

2009 ist Jubiläumsjahr, natürlich eignen sich solche Ereignisse als gute Gelegenheit Altes herauszukramen und Diskussionen wieder zu beleben. Man liest es wieder in den Medien, Internetplattformen diskutieren über den vermeintlichen Schwindel und der Leser muss sich fragen, was er davon halten soll. Ein Video als Originalquelle eines solch historischen Ereignisses oder eine teuer produzierte Fälschung, um dem Gegner im Kalten Krieg zu imponieren? Keine Frage, das Video hat seine Wirkung nicht verfehlt.

Freiheit des Films vs. Persönlichkeitsrecht

Es ist entschieden: der bereits 2006 fertiggestellte Film „Rohtenburg“ darf nun in den deutschen Kinos anlaufen, das hat der Bundesgerichtshof vor wenigen Wochen entschieden. Der von dem skandalösen Fall des „Kannibalen von Rotenburg“, Armin Meiwes, inspirierte Film ist seit Jahren umstritten und Meiwes, der 2006 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, wehrte sich vergeblich gegen die Verfilmung seines Lebens und berief sich auf den Persönlichkeitsschutz.

Am 18. Juni ist es nun soweit: nach drei Jahren Rechtsstreit hat das deutsche Publikum  die Möglichkeit sich Thomas Kretschmann in der Rolle eines Mannes zu sehen, der eine Internetbekanntschaft mit dessen Einwilligung tötet und in Teilen aufisst.  Offiziell heißt es, dass die Handlung des Films nicht den Anspruch einer Biographie erhebt, sondern nur inspiriert wurde durch den Fall in Deutschland. Selbstredend weiß natürlich jeder, der diesen Film sieht, wer gemeint ist und assoziiert somit automatisch den Hergang der wirklichen Tat.

Wie soll man die Entscheidung des Bundesgerichtshofes, die Freiheit des Films über Meiwes Persönlichkeit zu stellen, nun bewerten? Ist es gerechtfertigt, eine noch lebende Person ohne dessen Einverständnis im Sinne der Meinungs- und Pressefreiheit in solch extremer Weise darzustellen, oder sollte man Kritik üben an der gewissenlosen Ausschlachtung aller verfügbaren Themen, nur um die Menschen mit schockierenden Skandalen in die Kinosäle zu locken?

 

http://www.spiegel.de/video/video-1007174.html  15. Juni 2009

Suche nach Hollywoods neuem Sternchen…

Endlich ist es soweit: nach Sängern, Tänzern, Models, Showstars, den Partnern fürs Leben und anderen Gruppen von Menschen, deren Talente sich immer häufiger auf den ersten oder zweiten Blick nicht feststellen lassen, werden jetzt auch Schauspieler im deutschen Fernsehen gecastet. Allein, dass man es fertig gebracht hat, tatsächlich noch eine Berufsgruppe zu finden, die man durch den Casting-Wolf drehen kann, ist schon einen Applaus wert … das war´s dann allerdings auch schon mit dem Beifall.

Til Schweiger sucht ab heute einen neuen Stern am Hollywood-Himmel: in seiner RTL-Show „Mission Hollywood“ castet er junge Frauen, die, natürlich schauspielerisch begabt, nur eines wollen: den Ruhm der großen Kinostars. Schweiger holt sich bei der Auswahl tatkräftige Unterstützung von Bernhard Hiller, Schauspiel-Coach von namhaften Hollywood-Größen und einem immer wechselnden Gastjuror.

Faszinierend zu sehen, wie einseitig die Unterhaltung im deutschen Fernsehen geworden ist. Vermutlich wird auch dieses Format auf stattliche Zuschauerzahlen kommen, man mag nur hoffen, dass den Machern der Casting-Shows nun endlich die Ideen ausgegangen sind.

Studentenpisa

Wie viele Fraktionen sitzen im Bundestag?  Welches Dokument von 1950 gilt als Grundsteimn der europäischen Integration? Wie hoch ist die aktuelle Staatsverschuldung? – Diesen und vielen weiteren Fragen sahen sich Studenten aus ganz Deutschland bei „Studentenpisa – der spiegel Wissenstest“ von März bis April konfrontiert. Nun sind die Ergebnisse der groß aufgelegten Umfrage in der neuen spiegel-Ausgabe zu bestaunen. Geprüft wurde in den fünf Kategorien Politik, Geschichte, Wirtschaft, Kultur und Naturwissenschaften. Bei dieser Kollaboration von spiegel online und studiVZ konnte jeder am PC mitmachen und sich seine persönlichen Ergebnisse zusenden lassen. Die Organisatoren konnten mit dem Wissen der über 600.000 Teilnehmer (davon über 200.000 Studenten) nun Unterschiede in Geschlecht, Studienfach oder Universität feststellen. Neben auffälligen Defiziten im Bereich Politik wurde auch festgestellt, dass Männer weitaus mehr Fragen richtig beantworteten als Frauen.

Tests dieser Art, die Allgemeinwissen in völlig verschiedenen Themengebieten überprüfen sind meiner Meinung nach sehr interessant zur Feststellung des Intelligenzklimas unter jungen Menschen in Deutschland. Auch ich habe den Test damals gemacht und fand es interessant, das eigene Wissen zu überprüfen und sich zum Beispiel mit seiner Hochschule zu vergleichen. Internetumfragen wie diese, die so viele Menschen einer bestimmten Altersgruppe erreichen, bieten somit vielleicht auch neue Möglichkeiten für Forschung und Verbesserung der Wissensvermittlung.

 

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,625253,00.html

Star Trek – Auf ein Neues

Vor ein paar Tagen ereilte mich die Nachricht über die Medien: die schon etwas in die Jahre gekommene Serie „Star Trek“ wird neu verfilmt. Doch es soll nicht einfach eine billige Nacherzählung sein, kein geistloses Remake nach dem Motto: aus Alt mach Neu, mit bewährter Handlung und Charakteren, aufgemotzt mit hippen jungen Schauspielern und allem, was der PC an Special Effects zu bieten hat. Natürlich spielt das alles auch mit ein, aber im Vordergrund soll die Vorgeschichte der berühmtesten Weltraum-Crew aller Zeiten erzählt werden: durch welche Umstände treffen die unterschiedlichen Personen aufeinander, wie begann das spannende Abenteuer der Raumschiff Enterprise?

Nun, in der Tat muss man sich eingestehen, dass die Thematik etwas aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden ist. Wenn die Generation vor uns noch mit Begeisterung von der Serie erzählt, kennt man sich bei den Jugendlichen wohl eher nur noch mit Bullys Remake „Traumschiff Surprise“ aus. Die Neuverfilmung von Regisseur J. J. Abrams soll dem entgegenwirken und die Handlung der Science-Fiction Serie, die so viele faszinierte, auch dem neuen Publikum näherbringen und sogar Nicht-Fans auf den Geschmack bringen.

Bleibt abzuwarten, ob das engagierte neue Team sein Ziel mit der neuen Produktion erreicht, oder ob man Altes, was gut war, einfach alt und gut sein lassen soll.

Das Ausmaß der Finanzkrise in einem Bild – das Pressefoto des Jahres

Die World Press Photo Awards 2009 sind vergeben worden – einer der Gewinner des begehrtesten Preises für Pressefotos ist das Foto eines bewaffneten Polizisten in einem zwangsgeräumten Haus, erschienen im Time-Magazine. Das Bild vermittelt den Eindruck einer Kriegsreportage, doch Schauplatz ist Cuyahoga County in Cleveland (Ohio) in den USA. Kein Bild in einem durch Gewalt zerstörten Haus, sondern Schauplatz der Tragik vieler amerikanischer Bürger, die ihr Haus wegen gekündigter Kredite verlassen mussten.

Der Fotograph ist Anthony Suau, der normalerweise die Realität in Kriegs- und Krisengebieten mit seiner Kamera einfängt, doch das beste Foto des Jahres 2008 zeigt die Verlierer in den Industrienationen, die Ende letzten Jahres in der Finanzkrise ihre Existenz verloren.

Dieser Preis kürt die Bilder, die in eindrucksvoller und außergewöhnlicher Weise die einschneidenden Ereignisse eines Jahres wiederspiegeln. In den letzten beiden Jahren waren der Libanonkrieg und der Krieg in Afghanistan Schauplatz der Bilder, nun ein Eigenheim in Ohio, was meiner Meinung nach sehr stark die Brisanz des Themas Finanzkrise und die verheerenden Auswirkungen ihrer Opfer darstellt.

http://www.sueddeutsche.de/kultur/616/458270/bilder/

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,607449,00.html

Hommage an eine Journalisten-Legende

„A Great Reporter´s Love Affair with a City“ lautet der Untertitel des 2004 erschienenen Buches über einen Reporter, der zur Legende einer Stadt wurde. Unter der Rubrik „einestages“ veröffentlichte spiegel online nun einen Bericht über den Starreporter Meyer Berger, der in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts unter anderem für die „New York Times“ schrieb.

Eindrucksvoll wird in dem Artikel der Werdegang des 1898 geborenen New Yorkers beschrieben – vom Zeitungsjungen zum „Star der Fakten“, wie er genannt wird. Unter seinen Veröffentlichungen finden sich viele Berichte über die dunklen Seiten seiner Heimatstadt – Gewalt, Drogen, Mord – aber auch ergreifende Berichterstattungen beispielsweise über die Beisetzung der New Yorker Kriegsopfer des Zweiten Weltkrieges.

1949 wurde er schließlich mit dem Pulitzer-Preis geehrt, für den Artikel über das Massaker eines Serienkillers. Doch vor allem seine Kolumne „About New York“, in der er über die Eigenarten und Lebensformen der Einwohner dieser gigantischen Stadt berichtet, haben ihn zur Legende seiner Mitbürger gemacht.

Ich halte es für sehr bedeutsam, dass man sich heute noch an solche Menschen erinnert, die voller Inbrunst ihrer Arbeit nachgingen und so unter anderem das Bild des modernen Journalisten geprägt haben. Zudem erfährt man, gerade durch die Kolumne „About New York“, viel über den Alltag und die Seele einer Stadt in er Mitte des letzten Jahrhunderts.

http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/3595/der_beste_mann_der_new_york_times.html  7.2.2009

Bayern will Veröffentlichungen aus „Zeitungszeugen“ verbieten lassen

„Der Angriff“ und „Völkischer Beobachter“ – so heißen die nationalsozialistischen Zeitungen, die unter anderem in der neuen Zeitschrift „Zeitungszeugen“ neu gedruckt und veröffentlicht wurden. Nun kann man den Originalton der Zeit interessiert verfolgen, doch viele Kritiker befürchten, dass sich einige Menschen gar zu interessiert verhalten werden und sehen es nur ungern, wenn die aggressive Sprache und die Parolen eins zu eins übernommen werden und so die Leser in ganz Deutschland erreichen. So beschreibt uns in „Der Angriff“ aus der ersten Ausgabe der Zeitschrift Dr. Joseph Goebbels persönlich den „glorreichen“ Tag des 30.01.1933 mit dem Artikel „Reinen Tisch machen“. Hier wird  selbsbewusst beispielweise ein in Zukunft möglicher Mitstreiter des neuen Reichskanzlers Hitler als ein „in knapper Monatsfrist eine toter Mann“ beschrieben.

Besonders das Bayerische Finanzministerium, das Inhaber der Rechte für die im nationalsozialistisch gesinnten Eher-Verlag erschienen Zeitungen „Der Angriff“ und „Völkischer Beobachter“ ist, sieht hier eine immense Gefahr für den Gesinnungswechsel einiger Menschen, die sich allzu sehr von der mitreißenden Sprache, wie man sie auch in den Reden von Hitler und vor allem auch Goebbels findet, bewegen lassen. Der britische Albertas Verlag wehrt sich gegen die Vorwürfe und Herausgeber Peter McGee sagt, man werde „dies gerichtlich klären lassen“ (spiegel online).

Auch ich habe mir den „Angriff“ mit dem Artikel von Goebbels durchgelesen und war erstaunt und schockiert wegen dieser harten und eindringlichen Sprache. Doch fällt es selbst einem Laien nicht schwer sich durch die Zeitungen ein klares Bild der Menschen des 30.01.1933 zu machen, ein einmaliger Einblick in den Alltag der 30er Jahre. Meiner Meinung nach ist die Reaktion des Bayerischen Finanzministeriums übertrieben vorsichtig, kann doch ein jeder heute sich an den PC setzen und auf rechtsgesinnten Seiten seine Informationen beschaffen, oder man sieht sich im Fernsehen eine Dokumentation an und holt sich den Redner Goebbels direkt ins Wohnzimmer. Für Interessierte sind diese Zeitungen von unschätzbarem Wert und es wäre schade, wenn diese historisch wertvollen Quellen in Zukunft wieder nur den Archivgängern zugänglich ist und die breite Masse wieder davon ausgeschlossen wird.

Quellen:

http://www.sueddeutsche.de/,ra13l1/bayern/201/454881/text/        16.01.2009

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,601693,00.html    16.01.2009

Zeitungszeugen, Nummer 1, 08.01.2009

Schülerzeitung vs. Evangelikale

„Sex ist Gottes Idee – Abtreibung auch?“ – Seminare wie diese wurden letzten Sommer auf dem sogenannten „Christival“ in Bremen angeboten. Eine große Veranstaltung mit tausenden gläubiger Christen, die nun von zwei Jugendlichen in einer überregionalen Schülerzeitung kritisiert wurde.

Wie spiegel online gestern berichtete, wurde in der Zeitung „Q-Rage“ der Artikel „Die evangelikalen Missionare“ veröffentlicht, in dem die Methoden auf welche Art und Weise der fromme Verband der Evangelikalen sich mitteilt und seine Meinungen verbreitet von den Jungjournalisten in Frage gestellt wird. Zugleich fegte ein Sturm der Entrüstung durch besagte christliche Medien. Die Zeitung wird von dem Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“  herausgegeben, unterstützt von der Bundeszentrale für politische Bildung. Und genau dort liegt auch ein großes Problem: der Vorwurf der Evangelikalen ist vor allem der in der Zeitung angeregte Vergleich mit Islamisten – und der Unterstützung der Politik.  Das christliche Medienmagazin im Internet „pro“ kritisierte unter dem Titel „Christen pfui – Moslems hui: Mit öffentlichen Geldern gegen Evangelikale“ den Artikel der Schülerzeitung.

Mich hat diese Meldung vor allem auf Grund der heftigen Gegenkritik von Seiten der Gläubigen interessiert. So groß ist doch anscheinend die Angst als „fundamentalistische Fanatiker“ dargestellt zu werden, dass nun mit aller Macht „mit Atomraketen auf Spatzen geschossen wird“ – wie es in dem spiegel-online Artikel so schön heißt.

 

Quellen:

http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,596970,00.html

http://www.pro-medienmagazin.de/index.php?id=51&tx_ttnews[tt_news]=2022&tx_ttnews[year]=2008&tx_ttnews[month]=12&tx_ttnews[day]=12&cHash=7df664c5cf

Wer wir waren, wer wir sind…

…hieß es auch diesen Sonntag wieder im ZDF. Die 10-teilige Sendung „Die Deutschen“ klärt nun schon seit dem 26.10.2008 zweimal wöchentlich (dienstags und sonntags) den Zuschauer auf „wer wir waren, wer wir sind.“ Detailgetreu und aufwendig inszeniert die Sendung die wichtigsten Stationen der deutschen Geschichte in den letzten tausend Jahren, von Otto dem Großen bis hin zu Kaiser Wilhelm II. Dies geschieht jedoch immer im Hinblick auf den Schwerpunkt deutscher „Einigung“. Seit wann haben „wir“ das Gefühl zusammenzugehören? Wie kam es dazu, dass ein Haufen Fürstentümer oder Kleinstaaten sich zusammenfügten und 1871 schließlich das vereinte „Deutsche Kaiserreich“ entstand?

Doch in erster Linie möchte das ZDF wohl Geschichte vermitteln. Den Zuschauern vor Augen führen, dass es auch noch andere wichtige historische Ereignisse auf deutschem Boden gab als den Ersten und den Zweiten Weltkrieg oder den Mauerfall.

Selbstverständlich kann diese Art der „Aufklärung“ über die deutsche Geschichte nicht wie eine langweilige Schulstunde heruntergebetet werden. Die Sendung bemüht sich um Darstellung, um Anschaulichkeit; was wohl unumgänglich ist bei der Tatsache, dass viele Zuschauer bei dem Wort „Geschichte“ den Mund verziehen und sich sagen: langweilig und trocken. Aus diesem Grunde wird die monotone Lehrstunde zu einer anschaulichen Inszenierung: Szenen und Situationen werden so genau wie möglich im Hinblick auf Kostüme, Schauspieler und Drehort nachgestellt, Originalschauplätze (wie z.B. die Schlösser in Wien, Dresden oder den Kreml) werden gezeigt und wo das nicht ausreicht werden aufwendige Computeranimationen verwendet, um Schlachten oder Schauplätze in ihrer damaligen Form zu rekonstruieren. Doch nicht nur der „Show-Gedanke“ zählt hier allein: Man bemüht sich um wahrheitsgetreue Darstellungen, die durch die Kommentare von einer Vielzahl von Historikern fundiert werden soll. Und um das ganze abzurunden werden Originalzitate von Zeitzeugen, wie zum Beispiel von einem französischen Soldat in der Völkerschlacht von Leipzig 1813, eingebracht, um das Ganze auf ein für den Zuschauer reales und menschennahes Level zu bringen.

Der Sendung gelingt es, den Geschichtsstoff gut zu verarbeiten, sodass auch Laien der Handlung folgen können und bekommen, wie man so schön sagt, auch was „fürs Auge“. Selbstverständlich bleibt die Sendung in Bezug auf die Fülle der Daten und Informationen oberflächlich. Aber sie versteht es dem Zuschauer einen Überblick zu verschaffen und vielleicht Lust auf mehr zu machen. So auch in der heutigen Sendung mit dem Titel „Napoleon und die Deuschen – Zwischen Freiheit und Repression“, in der der Zuschauer lernt, dass der Eroberungsfeldzug Napoleons ohne es zu wollen den deutschen Kleinstaaten ein Zusammengehörigkeitsgefühl im Angesicht des großen Feindes gab, und dieser somit der erste große Schritt für die Einigungsbewegung in Deutschland war. So lehrt uns das ZDF anhand der Geschichte, wenn auch nur im Groben, „wer wir waren, wer wir sind.“

Quelle:

http://www.zdf.de/

Integration im Fernsehen – der neue Tatort-Kommissar

Kopftuch und Döner – ein Klischee, dessen sich auch das Fernsehprogramm in seiner Darstellung ausländischer Charaktere bedient. Häufig werden gerade türkische Migranten in Serien und Filmen in ihre vorgefertigten Einwanderer-Rollen gezwängt.

Mit dieser Thematik hat sich heute auch spiegelonline.de in dem Bericht „Döner-Dilemma im deutschen TV“ auseinandergesetzt und mit dieser etwas markanten Überschrift meine Neugierde geweckt. Ausschlaggebend für diesen Bericht ist Mehmet Kurtulus als neuer Tatort-Kommissar. Bringt er den Wandel der Integration im deutschen Fernsehen? Hier wird die türkische Besetzung im Tatort zwar als Fortschritt gesehen, aber als Ausnahme abgestempelt.

„Fernsehen funktioniert wohl nur über Klischees“, wird Pegah Ferydoni zitiert. Sie ist Schauspielerin der Serie „Türkisch für Anfänger“, in der das türkisch-deutsche Zusammenleben mit typischen Vorurteilen ironisch dargestellt wird. Klischeehaft ist die „normale“ Rolle eines Fernsehkommissar definitiv nicht. Auch der Schauspieler Mehmet Kurtulus sieht es als einen Schritt nach vorne, er sagt selbst bei spiegel online: „Das höchste Maß an Integration ist Normalität.“

Ist Mehmet Kurtulus somit wirklich nur eine Ausnahme und bleibt das Konzept der Klischeedarstellung im Fernsehen bestehen? Vermutlich ja, aber meiner Ansicht nach hat die Entscheidung des NDR zu dieser Besetzung einen Stein ins Rollen gebracht und die Thematik der Integration in den Medien, mit der sich viele noch nie auseinandergesetzt haben, jedermann vor Augen geführt.

 

Quelle:

 http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,586370,00.html