Fomo – die Angst etwas zu verpassen

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Facebook, Instagram und Co. sind schon längst fest in den Alltag unserer heutigen Gesellschaft integriert und eröffnen uns vorher nie dagewesene Möglichkeiten.

Dank unzähliger sozialer Netzwerke ist es uns möglich, immer und überall miteinander in Verbindung zu stehen und noch so jedes, womöglich auch uninteressante, Detail aus unserem Leben zu teilen.

Rund um die Uhr steht uns eine Flut von Informationen zu Verfügung, die es zu verarbeiten und zu ordnen gilt. Etwas zu verpassen, da es in der Masse von Bildern, Posts und Tweets unter geht, ist da nicht unwahrscheinlich, aber dennoch hoch gefürchtet.

Fomo – Die Angst, etwas zu verpassen

Jeder kennt es und jeder hasst es, das Gefühl etwas zu verpassen oder ausgeschlossen zu werden.

In einer Welt, in der uns alle Möglichkeiten offen stehen, über alles up to date und informiert zu sein, in der es nahezu keine Ausrede gibt, über etwas nicht auf dem neusten Stand zu sein, gilt  Fomo, fear of missing out, nun als die erste Social Media Krankheit.

Ein unwohles Gefühl im Bauch, vielleicht schon ein leichter Anflug von Panik, der sich breit macht, wenn man seinen Instagramfeed öffnet und scheinbar endlos durch das Vergnügen anderer scrollt. Ein Partybild hier, ein Urlaubsbild da und man selbst fragt sich, ob man nicht gerade seine Zeit vergeudet und das selbst Erlebte verliert an Bedeutung – das ist Fomo.

Das was wir tun, sei es das Zusammensein mit Freunden Zuhause, auf einer Party oder im Urlaub, scheint gar ungenießbar mit dem Wissen, dass es da Draußen vielleicht doch noch eine viel bessere Option gibt, die das gerade Erlebte womöglich in den Schatten stellt.

Was, wenn man gerade zur richtigen Zeit am falschen Ort ist und das Event, das gerade in meiner Facebook-Timeline auftaucht, viel mehr Spaß verspricht?

Somit werden wir, unfähig den Moment zu genießen und gelähmt von der Angst, die Zeit unseres Lebens zu verpassen, zu Sklaven unseres Smartphones und befinden uns in einem permanenten ,,Standby-Modus abwartender Aufgeregtheit’’, wie es Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen, beschreibt.

Betroffene: Vor allem Digital Natives

Als junger Mensch, der doch erheblich öfter und intensiver mit sozialen Netzwerken in Kontakt steht, als die ältere Generation, ist Fomo mittlerweile allgegenwärtig.

Laut einer Umfrage geben etwa 64 Prozent britischer und amerikanischer Teenager im Alter von

13 -17 Jahren an, mit diesem Phänomen vertraut zu sein.

Erschreckende Zahlen, die klar machen, wie präsent die andauernde Angst etwas zu verpassen, schon im Alltag junger Erwachsener, wirklich ist.

 

Fomo gilt somit als Ursache für die teilweise zwanghafte Nutzung sozialer Plattformen und das ständige Aktualisieren des Feeds.

Folgen dieses Phänomens sind Unsicherheit, enormer Stress und starke Zweifel an sich selbst und dem eigenen Leben.

Junge Menschen setzten sich zunehmend unter Druck, diesen ,,Idealen’’, die ihnen tagtäglich auf Instagram und Co. begegnen, zu entsprechen und vergessen dabei, im Hier und Jetzt zu leben und das, was sie haben zu schätzen.
Und auch der Druck, das eigene Leben festzuhalten und zu teilen, damit auch wirklich jeder weiss, wie viel Spaß das Konzert oder der Urlaub gemacht haben, lassen einem wenig Zeit um diese Erlebnisse dann auch wirklich selbst zu genießen.

Gerade das Aufkommen und immer populärer Werden der ,,Storys’’, die es längst nicht mehr nur bei der App ,,Snapchat’’ zu füttern gilt, gewähren kein Pardon, wenn es darum geht, sein Leben mit seinem Umfeld zu teilen, denn: Wurde es nicht gepostet, dann hatte man auch sicher keinen Spaß.

FoMo als Werbemittel

Auch die Werbebranche weiß die neue Trend-Krankheit gezielt für sich einzusetzen und nennt FoMo immer öfter als Kaufargument.

Die Angst der Verbraucher, ein einmaliges Erlebnis oder Lebensgefühl zu verpassen, wenn sie das Produkt nicht erwerben, kommt den meisten Firmen zugute.

Eine Gruppe von Jugendlichen, die die Zeit ihres Lebens haben, während sie eine alkoholfreie Biermarke konsumieren?
Die Werbung einer Fluggesellschaft vermittelt das Gefühl von Selbstfindung und Zufriedenheit?

Alles Teil einer Marketingmasche, denn auch die Wirtschaft weiß, wie sie ihre Vorteile aus ,,fear of missing out’’ ziehen kann.

Der Angst entgegensteuern

Die Angst etwas zu verpassen, ist keine Erfindung des digitalen Zeitalters, denn sie ist so alt wie der Mensch selbst.

Niemand ist gerne der Einzige, der nicht mitreden kann und sich von der Masse ausgeschlossen fühlt, damit bedarf es nicht mal sozialer Netzwerke.
Jedoch bieten genau diese, aufgrund der ständigen Präsenz und Verbindung unter- und miteinander, den perfekten Nährboden für ,,Fomo’’.

Somit ist es wichtig sich selbst klar zu machen, dass man sich nicht länger dieser Angst und der damit eingehenden Unruhe, ausgesetzt sein möchte.

Man muss lernen mit der Tatsache umzugehen, dass man nicht Teil jedes Events und jeder Veranstaltung sein muss und auch nicht kann.
Außerdem sollte man sich bewusst machen, dass soziale Medien und Postings nur bedingt Einblicke in den realen Ablauf einer Partynacht oder eines Urlaubs gewähren, da sie nur eine Momentaufnahme abbilden, die auch oftmals gekonnt in Szene gesetzt wurde.
Auch das Reduzieren von sozialen Medien im Alltag stellt letztendlich einen wichtigen Aspekt dar, denn somit bleibt Zeit sich auf das selbst Erlebte zu besinnen und dies auch schätzen zu lernen.

Und sei es auch nur ein Kaffee mit der besten Freundin, während Blogger vom anderen Ende der Welt Bilder von Cocktails am Strand posten.

 

 

Quellen:

http://www.spiegel.de/netzwelt/reeperbahnfestival/fomo-mode-erscheinung-fear-of-missing-out-a-992740.html
http://mashable.com/2013/07/09/fear-of-missing-out/#0JuRe8mBWiqE
https://de.wikipedia.org/wiki/Fomo
https://psychcentral.com/quizzes/fomo-quiz.htm

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