Atomkraftwerk Tihange – Angstmache durch die Medien?

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Tihange, eins von vielen Atomkraftwerken in Belgien, soll es abgeschaltet werden oder nicht? Diese Frage stellen sich viele und das Thema sollte auch nicht klein geredet werden. Im Jahr 2002 wurde der erste Störfall gemeldet und seit dem werden immer weiter Nachrichten zu Tihange laut. Zuallererst wurde 2012 im Block 1 der Austritt von radioaktivem Wasser gemeldet und ein Jahr später wurde bekannt, dass der Block 2 Risse trägt. Jedoch dürfe Tihange nicht abgeschaltet werden, da Engpässe in der Stromversorgung gefürchtet werden.

Allerdings ist die Abschaltung des Atomkraftwerks geplant. Tihange wird 2025 vom Netz gehen. Nichtsdestotrotz melden Zeitungen in Deutschland, dass den Menschen ein atomarer Ernstfall bevorstehe.

Im Juni diesen Jahres fand ein Protest gegen Tihange statt. Es wurde eine 90 km lange Menschenkette gebildet, die von Tihange, über Lüttich und Maastricht und über Vaals (Niederlande) nach Aachen verlief. 50.000 Menschen nahmen bei dieser Protestaktion teil. Es war im nachhinein zu erkennen, dass viel mehr Deutsche als Belgier zu einem Protest bereit waren, obwohl Belgier im Falle eines Atomunfalls stärker betroffen wären. Wie kann das sein?

Die deutschsprachige Zeitung „Grenzecho“ aus Belgien berichtete, dass in Deutschland das Vorsorgeprinzip im Vordergrund stehe und man in Belgien von einem kalkulierbaren Risiko spricht und eine eher abwartende, passive Haltung einnimmt. Es scheint so, als wolle das Nachbarland Deutschland manchmal besserwisserisch und belehrend erscheinen. Die Begriffe „marode“ oder „Bröckelreaktoren“, finden immer öfters in Medien Gebrauch. Hierdurch werden bei den Lesern Ängste geschürt und eine negative Stimmung verbreitet.

Selbst der Ministerpräsident der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens Paasch findet, dass Panikmache in Deutschland betrieben wird. Gleichzeitig spräche das Nachbarland negativ über Belgien: „Ich akzeptiere nicht, wie insbesondere deutsche Medien seit einiger Zeit über unser Land berichten. Nach der Dutroux-Affäre hat man uns als das Land der Kinderschänder bezeichnet, nach den Anschlägen in Paris waren wir das Land der Terroristen, jetzt bezeichnet man uns als das Land der Schrottreaktoren, das leichtfertig mit dem Leben von neun Millionen Menschen spielt.“

Zu erkennen ist, dass Tihange in den letzten Jahren nicht nur in Belgien sondern auch in Deutschland ein großes Thema geworden ist. Ob von dem Atomkraftwerk ein so großes Risiko ausgeht, ist schwer zu erkennen. Die Thematik ist so umfangreich, dass einem Laien nicht objektiv der Sachverhalt näher gebracht werden kann. Zudem ist der unwissende Bürger auf die Medienberichterstattung angewiesen, um sich eine eigene Meinung zu bilden.

Quellen:

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/kernkraftwerk-tihange-jodtabletten-fuer-alle-aachener-15178624.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Tihange

http://www.grenzecho.net/region/eupener-land/eupen/die-menschenkette-ist-sehr-deutsch

https://ostbelgiendirekt.be/dg-wird-sich-klage-gegen-pannenreaktor-in-tihange-nicht-anschliessen-paasch-kritisiert-deutsche-medien-92806

http://www.nw.de/nachrichten/regionale_politik/21903401_Das-ist-Panikmache-So-schaetzt-ein-Reaktorexperte-die-Angst-vor-einer-Atomkatastrophe-in-Belgien-ein.html

https://www.chain-reaction-tihange.eu/de/

 

 

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