Alle Beiträge von Nico Laninger

Change has come to America? – Nicht bei den Fernsehnachrichten

Nach einer Umfrage von Public Policy Polling vertrauen die Amerikaner bei der Berichterstattung im Fernsehen am meisten dem rechtslastigen Murdoch-Sender Fox News unter den US-Nachrichtensendern. 49 Prozent der Befragten sagten, er sei am vertrauenswürdigsten, Fox News erhielt damit als einziger eine postive Wertung. Nur 37 Prozent schenken ihm kein Vertrauen, bei den übrigen Sendern ist das Verhältnis umgekehrt.

Der Sender sympathisiert politisch mit der Republikanischen Partei, bezeichnet sich selbst jedoch als „fair & balanced“. Die Wähler der Republikaner vertrauen dem Sender zu 74 Prozent, bei den Wählern der Demokratischen Partei sind es 30 Prozent. CNN kommt an zweiter Stelle, 39 Prozent vertrauen ihm, 41 Prozent nicht. Dabei sind es vor allem die Demokraten, die CNN und den übrigen Sendern NBC, CBS und ABC trauen, während dies jeweils nur weniger als 20 Prozent der Republikaner tun, die vor allem CBS ablehnen.

Die Gruppe der Befragten bestand dabei zu 36 Prozent aus Demokraten, 35 Prozent aus Republikanern und zu 29 Prozent aus Unabhängigen.

Der Präsident von Public Policy Polling, Dean Debman, zeigte sich über das Ergebnis etwas verwundert und bemerkte hierzu:

?A generation ago you would have expected Americans to place their trust in the mostneutral and unbiased conveyors of news. But the media landscape has really changed and now they?re turning moretoward the outlets that tell them what they want to hear.?

Man darf gespannt sein, wie sich diese Zahlen entwickeln werden, auch angesichts der Tatsache, dass in Zukunft nun sogar noch die Hockey-Mom der Nation Sarah Palin bei Fox News die amerikanische Fernsehnachrichtenwelt bereichern wird.

„Wir wollen das CNN des Ruhrgebiets werden!“

Die beiden privaten Regionalsender center.tv Ruhr und NRW.TV buhlen zukünftig verstärkt um die Zuschauer im Ruhrgebiet. Der Lokalsender center.tv Ruhr, der bereits seit zwei Jahren auf Sendung ist, wird sein Programm ab Ende Februar deutlich ausbauen und mit einer Programm-Offensive den Sender zur Nummer 1 der Berichterstattung aus dem Revier machen: Ab 22. Februar wird rund um die Uhr live gesendet. Der Kanal von André Zalbertus, seines Zeichens auch Geschäftsführer des Kölner und Düsseldorfer Lokalfernsehsenders „Center. tv Heimatfernsehen“, will einem Bericht der Online-Ausgabe des Handelsblatts zufolge mit nur 20 Angestellten „das CNN des Ruhrgebiets werden“. Damit die Kosten trotz 24-Stunden-Liveprogramm im Rahmen bleiben, setzt center.tv Ruhr ein neu entwickeltes „Selbstfahrerstudio“ ein, bei dem der Moderator weite Teile der Technik selbst bedient. Und die Bilder für das Programm sollen zukünftig die Bürger der Region selbst liefern. Dafür hat Zalbertus bereits 350 iPhones gekauft, die dann an die Leute verteilt werden sollen. Der Sender erreicht 1,1 Millionen Haushalte via Kabelnetz im Ruhrgebiet, außerdem wird weltweit perInternet und Handy-TV gesendet.

Aber auch beim Regionalsender NRW.TV arbeitet man offenbar derzeit ebenfalls an einer Nachrichtensendung aus dem Ruhrpott. Darüber hinaus plant der Kanal laut Handelsblatt auch ein Kulturmagazin, das in Essen produziert werden soll.

Hyperlocal-Journalism ist zwar mit Sicherheit eine von vielen möglichen Perspektiven auf dem Weg aus der Zeitungskrise…aber ein Graswurzeljournalismus-Vollprogramm? Bleibt zumindest abzuwarten, wie lange das Interesse der Zuschauer an verwackelten Handyvideos von der letzten Ehrennadel-Verleihung vom örtlichen Schützenverein bestehen bleibt. Vielleicht auch ein mögliches Konzept für ein Antenne-West Comeback…wer weiß?

Quellen:

http://www.tvdigital.de/magazin/digital-tv-news/tv-sender/centertv-ruhr-24-stunden-live

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/koepfe/ruhrgebiets-tv-zalbertus-gegen-den-zeitungskonzern;2518764

http://www.radiowoche.de/index.php?area=1&p=news&newsid=8322&PHPSESSID=ve2qadlaus9gvi2r79aq3rdlt6

NDR-Intendant verteidigt „Tageschau“-App

Der Streit um die geplante iPhone-App der „Tagesschau“ geht in die nächste Runde. Nun ist es NDR-Intendant Lutz Marmor, der sich zu diesem Thema äußerte und damit wohl noch ein paar weitere Tropfen Öl ins Feuer gegossen haben dürfte.

Deutsche Zeitungsverlage experimentieren schon länger mit Bezahlinhalten für das Apple-iPhone. Zuerst wurden vom Axel-Springer-Verlag die kostenpflichtigen  „Bild-“ und „Welt“-Apps eingeführt, jetzt wagt auch die „Süddeutsche Zeitung“ diesen Schritt. Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen kündigte „ARD aktuell“-Chefredakteur Kai Gniffke an, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk gegen diese Angebote mit kostenlosen iPhone-Applikationen angehen will, und zwar mit einer „Tagesschau“-App. Kosten muss das Angebot ja auch nichts, wird es doch schon zwangsweise über die Gebührenzahler finanziert. Das Vorhaben stand seitdem stark im Kreuzfeuer der Kritik, vor allem von der Springer-Presse wurde eine kostenlose „Tagesschau“-App immer wieder mit starker Wettbewerbsverzerrung und der Abschaffung tausender Arbeitsplätze gleichgesetzt.

Der Intendant des für die „Tagesschau“ verantwortlichen NDR, Lutz Marmor, meldete sich nun in der Wochenzeitung  „Die Zeit“ zu Wort und veranschlagt für die mobile Tagesschau lediglich einen geringfügigen Kostenaufwand für die Programmierung und verteidigte das geplante Produkt mit dem Argument, dass eine App nicht marktentscheidend sei. Ebenso lehnt er den Drei-Stufen-Test für die iPhone-Anwendung ab, da man schon zum jetzigen Zeitpunkt alles abrufen könne, was es auch bei der „Tagesschau“-App geben wird, diese würde bestehende Angebote lediglich zusammenfassen und die Rezeption vereinfachen. Da die „Tagesschau“ zur Grundversorgung gehört und die Öffentlich-Rechtlichen einen Grundversorgungsauftrag haben, sollten ihre Inhalte auf allen relevanten Ausspielwegen zugänglich sein. (vgl. Artikel auf Spiegel-Online)

Die ARD scheint bei diesem Streit wohl nur verlieren zu können: ein derartiges kostenloses Angebot ruft selbstverständlich alle GEZ-Gegner auf den Plan, die dem Sender eine Verschwendung von Rundfunkgebühren an die Verbreitung sowieso schon bestehender Angebote unterstellen; bei der Verlagswelt und bei privaten Sendern, bei Politikern und Verbänden ist die Empörung ohnehin groß, denn der Vorwurf des unlauteren Wettbewerbs aufgrund der sicheren Finanzierung durch Rundfunkgebühren liegt auch hier nahe. Aber bei einer kostenpflichtigen „Tagesschau“-App wäre das Geschrei natürlich noch größer. Zeitpunkt sowie Art und Weise der Bekanntgabe waren wohl schlichtweg ungünstig gewählt. Bleibt abzuwarten, wer den längeren Atem beweist.

„Mr. News“ schafft es auch 2009

Peter Kloeppel, RTL-Chefredakteur und Anchorman für „RTL-Aktuell“,  dürfte mit der Zuschauerverteilung für das Nachrichtenjahr 2009 erneut sehr zufrieden sein. Wie medienhandbuch.de berichtet,  war „RTL-Aktuell“ 2009 nach AGF / GfK / DAP TV Scope – Daten mit 19,9% Marktanteil erneut die mit Abstand beliebteste Nachrichtensendung der 14 – 49 jährigen Fernsehzuschauer. Die „Tagesschau“ erreichte 12,0%, die ZDF – Sendung „heute“ lediglich 6,2%. Bei den Gesamtzuschauerzahlen lag „RTL – Aktuell“ (3,79 Mio.) wie im Jahr zuvor hinter der „Tagesschau“ (5,26 Mio.) und vor „heute“ (3,77 Mio.) auf dem zweiten Platz. Bei den Spätnachrichten sieht es für RTL ähnlich erfolgreich aus, auch dort konnten sowohl bei den 14 – 49 jährigen als auch beim Gesamtpuplikum Zuwächse verbucht werden.

Die Auswertung zeigt, dass die Nachrichtensendungen des Privatsenders vor allem beim jungen Publikum den öffentlich – rechtlichen Pendants den Rang ablaufen, was nicht unbedingt durch ein größeres Vertrauen in journalistische Kompetenz zu erklären ist. Vielmehr spielt dabei die stärkere Ausrichtung auf Sensationsjournalismus seitens RTL die tragendere Rolle.

Neue Leitung für ZDF-Redaktion für Recht und Justiz

Die ZDF-Zuschauer werden bei der Rechtsberichterstattung ab sofort von Bernd-Ulrich Haagen in Kenntnis gesetzt. Der Sender hat nun den Nachfolger des bisherigen Leiters der Recht-Redaktion, Dr. Bernhard Töpper, bekanntgegeben. Nachdem dieser sich nach 24 Jahren bereits seit Dezember 2009 von diesem Amt zu Ruhe gesetzt hat, wird ab sofort Dr. Bernd-Ulrich Haagen seine Position ausfüllen. Zu seinen Aufgaben zählt nun vor allem die Kommentierung zu Übertragungen von Urteilen des Bundesverfassungsgerichtes und anderer oberster Bundesgerichte. Der promovierte Jurist begann 1980 seine Fernsehlaufbahn beim WDR in der Redaktion „ARD Ratgeber Recht / Die Reporter“. Seit 1987 ist er stellvertretender Leiter der ZDF-Redaktion Recht und Justiz. Haagen hat auch das 3Sat Magazin „Recht Brisant“ entwickelt, das er auch moderiert.

Soacial Networks im Fadenkreuz

Spätestens seit gegen den deutschen Marktführer StudiVZ seit Februar 2008 ein Verfahren läuft herrscht in der Bevölkerung ein höheres Bewusstsein gegenüber dem Missbrauch von Daten  im Bereich Social Networking. Um den Datenschutz der User zu erhöhen, gehen Verbraucherschützer gegen eine Reihe sozialer Netzwerke wie Facebook, MySpace und Xing vor. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) leitete gegen diverse Betreiber der Internetseiten ein Unterlassungsverfahren ein, die Unterlassungserklärungen wurden den Zentralen der Anbieter am heutigen Dienstag zugeschickt.

Laut Pressemitteilung wüssten viele User oft einfach nicht, worauf sie sich mit der Zustimmung zu den Geschäfts- und Datenschutzbedingungen einließen. Die Anbieter könnten ohne Wissen der Nutzer beispielsweise Verhaltensdaten der Nutzer auswerten oder die Profildaten auch Dritten zugänglich machen. Darüber hinaus ließen sich einige Anbieter in den Geschäftsbedingungen vom Nutzer weitreichende Rechte an weiteren Inhalten wie Fotos oder Videos übertragen. Ebenso ist es den Betreibern möglich,  Inhalte einfachzu löschen oder sogar ohne Angaben von Gründen Mitglieder von ihren Netzwerken auszuschließen.

Falls die verschickten Abmahnungen keine Wirkung zeigen sollten, wolle man die Sache gerichtlich klären lassen. Neben Facebook, MySpace und Xing sind auch die Portale Lokalisten sowie Wer-kennt-Wen betroffen. Im Namen des Datenschutzes darf man also wirklich gespannt sein, welche Kreise dieser vzbz-Rundumschlag ziehen wird.

Pornographie und „derbe Zoten“ in der Daytime – Das Fernsehen und der Jugendschutz

Die Kommission für Jugendmedienschutz hat ihren Bericht über die im vergangenen Quartal festgestellten Jugendschutz-Verstöße vorgelegt, wobei Pro Sieben mit den meisten Verstößen besonders  im Kreuzfeuer der Kritik stand.

Ein Großteil der Verstöße hat sexuelle Inhalte aufgewiesen.  Besonders fragwürdig war eine Folge der Reality-Show „Deine Chance! 3 Bewerber, 1 Job“, in der den drei Bewerberinnen zu nachmittäglicher Uhrzeit ausgerechnet ein Tabledance-Engagement vermittelt werden sollte. Doch damit nicht genug, Pro Sieben schaffte es darüber hinaus auch mit den Formaten „Sam“ (eine pornografische Szene in einem Beitrag zum Thema Pädophilie), „U20″ (Thema Schönheitsoperationen bei Jugendlichen), ?talk talk talk fun“ (für Kinder überfordernde Behandlung von sexuellen Themen)  sowie mit dem Spielfilm ?Eine wie keiner“ („durch eine derb-zotige und sexualbetonte Sprache geprägt“) sich ins Zentrum der Kritik zu stellen. Andere Sender waren quantitativ zwar nicht ganz so stark vertreten, haben aber auch Beachtliches vorzuweisen. So zeigte DSF in seinem Nachtprogramm in dem Clip Actiongirls.com (Vol.7) „m frei empfangbaren Fernsehen frauenfeindliche und degradierende Darstellungen von Frauen, die offensichtlich auf männlichen Herrschafts- und Unterwerfungsphantasien basierten“. Sogar der Kindersender Super RTL leistete sich in dieser Hinsicht Fauxpas, in der „Fun Night“ soll nämlich eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung geleugnet oder verharmlost worden sein.

Was soll man nun davon halten? Wird Pro 7 mit seinen Daytime Sendungen nun ein wenig auf die Bremse treten oder gar komplette (sowieso sehr fragwürdige) Formate überdenken? Wohl kaum. Das es soweit irgendwann einmal kommen musste war nur eine Frage der Zeit, irgendwann wird auch wirklich jede standartisierte Inhaltslosigkeit einmal langweilig, dann reicht eine prügelnde Ghetto Schwester nicht mehr. Dann muss man eben auch mal in die Tabledance-Bar um den nachmittäglichen Unterschichten-Einheitsbrei wieder interessant zu machen. Sex sells…scheinbar sogar bei Sonja Kraus. Was bei Super RTL mit Sicherheit und bei DSF sehr wahrscheinlich nich provozieren sollte, ist bei Pro Sieben Marketing. Für die Quote werden da auch schon einmal so ein paar Rügen von der KJM in Kauf genommen. Zwar haben Kinder in der Daytime Zugang zum Ferrnsehprogramm, bei Pro Sieben ist die Zielgruppe zu dieser Tageszeit schon längst eine andere. Die Folgen für die  Sender bleiben abzuwarten. Und selbst wenn der Super GAU eintritt und U20 oder Deine Chance abgesetzt werden muss, besteht noch kein Grund zur Panik – es gibt immer noch „Mitten im Leben“ auf RTL.

Google saves the world!

Gerade erst hatte man sich beim Streit über die Internet-Straßenansicht Street-View zwischen Google und den deutschen Datenschützern geeinigt (Google ist nun auch bereit, Gesichter, Nummernschilder etc. in den Rohdaten zu löschen; jedoch nur wenn Betroffene der Veröffentlichung widersprechen), da stellt nun ein Vorfall in den Niederlanden die Wichtigkeit des Datenschutzes erneut in Frage und unterstreicht dabei Googles Absicht, immerzu und jederzeit für unser aller Wohlergehen zu sorgen. Dort wurde nämlich im vergangenen September ein 14-jähriger Junge von zwei Jugendlichen zuerst von seinem Fahrrad gestoßen und danach um sein Geld und sein Handy gebracht. Als er dann Anzeige erstatten wollte, hatter er natürlich leider nichts in der Hand, was den Überfall hätte beweisen können. Jetzt kommt Google Street-View ins Spiel: Sechs Monate später stöberte der Junge bei Street-View herum und fand? Genau!! Ein Photo von sich selbst auf den Fahrrad und den zwei gesuchten Jugendlichen hinter ihm, aufgenommen unmittelbar vor der Tat. Die Polizei wurde wieder eingeschaltet, forderte von Google das (unretuschierte!) Rohmaterial der Bilder ein und konnte so die Jugendlichen, zwei Zwillingsbrüder, von denen einer schon strafrechtlich bekannt war, identifizieren. Die Evil Twins wurden überführt und die Welt ist, dank Google, wieder ein Stückchen sicherer.

In dem Artikel auf cnet.com wird allerdings zurecht gefragt, was das denn bitte für ein sensibler Street-Viewer gewesen sein soll, welcher den armen Jungen einfach seinem Schicksal überlassen hat. Wahrscheinlich wollte er sich einfach nur darauf konzentrieren, ein paar gute Photos zu schießen und damit stichhaltiges Beweismaterial zu liefern, da kann man ja schon mal vergessen, Soforthilfe zu leisten.

Google jedenfalls sieht sich durch diesen Vorfall in seinem Kampf gegen das Böse offenbar derart bestätigt, dass man in den USA fortan auch mit Dreirädern auf Schnappschusstour gehen wird, um wohl auch wirklich  jedes Verbrechen in jeder noch so kleinen Ecke aufzuklären. Was wären wir nur ohne Google…

Öffentlich Rechtliche schnallen den Online-Gürtel enger

Wie Spiegel-Online heute berichtete, fahren ARD und ZDF in Zukunft ihr Onlineangebot betreffend  einen neuen Sparkurs. Dieses wird radikal reduziert – von 70 bis 80 Pzozent Kürzung ist die Rede.  ZDF-Intendant Markus Schächter erklärt die Zahlen anhand einer geplanten Reduzierung des Textanteils und der gleichzeitigen Ausrichtung des Programms auf Bewegtbilder, da man sich auf sein Anstaltseigenes Wesen als Rundfunksender konzentrieren möchte.

Bleibt abzuwarten wie die Pläne umgesetzt werden. Angebote wie die ZDF Mediathek sind in meinen Augen gehören zu den wenigen, die eine Rundfunkgebühr überhaupt noch rechtfertigen. Von daher hört sich eine „Ausrichtung auf Bewegtbilder“ erstmal vielversprechend an. Man darf jedoch dabei nicht vergessen, dass ARD und ZDF bei der Vorenthaltsdauer ihrer „bewegtbebilderten“ Onlineinhalte an Vorgaben aus Brüssel gebunden sind. Wenn man sich da mal nicht zu Tode kürzt…

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„Bild“-Chefredakteur nun Gesellschafter bei der „taz“

Einem Bericht auf sueddeutsche.de zufolge hat „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann Genossenschaftsanteile der „Tageszeitung“ gekauft. Um wieviele Anteile es sich dabei genau handelt sei zwar unbekannt, es sei aber von einen mittleren vierstelligen Betrag die Rede. Damit gehört Diekmann nun zum Kreis der 8.538 Inhaber der „taz“.

Diese Aktion ist die konsequente Fortführung einer seit Jahren öffentlichkeitswirksam ausgetragenen innigen Feindschaft zwischen der „Bild“ bzw. Diekmann und der „taz“: 2002 hatte die „taz“ auf ihrer Satire-Seite „die Wahrheit“ behauptet, Diekmann würde sich einer Penisverlängerung unterziehen wollen. Dieser hatte geklagt, bekam das geforderte Schmerzensgeld in Höhe von 30.000 Euro jedoch abgesprochen. Im Jahr 2003, zum 25. Jubiläum der „taz“, übernahm der Springer-Verlag unter der Leitung von Diekmann für einen Tag deren Redaktion, nachdem die „taz“ selbst zu dieser „feindlichen Übernahme“ angeregt hatte. Jubiläen der „taz“ werden von der „Bild“ darüber hinaus regelmäßig mit ganzseitigen Anzeigen bedacht. So geschehen zum Beispiel 2009, als man zum 30jährigen der „taz“ fragte: „Ist es nicht schön, ein Alter erreicht zu haben, in dem man Cocktails trinkt, anstatt sie zu werfen?“ Als die „Bild“ letztes Jahr die Redaktion nach Berlin in räumliche Nähe zur „taz“ verlegte, begrüßte der Springer-Verlag seine neuen Kollegen mit einem Werbewagen, welcher der „taz“-Redaktion ein Plakat mit der Aufschrift „Liebe Kolleginnen von der taz, endlich kommen richtige Männer nach Berlin“ präsentierte.

Was sich liebt, das neckt sich – könnte man denken. Auf jeden Fall verdeutlichen diese Beispiele eine mit Inbrunst zelebrierte Hassliebe zweier unterschiedlichster  „Feinde“, wobei zumindest vom Medienrummel am Ende immer beide Lager profitierten,  sowohl die „Bild“ um den bekennenden konservativen Journalist Kai Diekmann, als auch die traditionell linke „taz“. Nun also steigt sogar der eine beim anderen ein…man darf gespannt sein, was als nächstes kommt.

I.Play: Kinder dürfen draußen bleiben!

Als Erziender hat man es im Zeitalter einer allgegenwärtigen Technologisierung und medialen Globalisierung durch das Internet wahrscheinlich wirklich nicht einfach. Auf der einen Seite gibt es eine nicht von der Hand zu weisende Signifikanz der neuen Medien, die im späteren Leben der Kinder eine wichtige Rolle spielen werden, wodurch immer wieder auf eine möglichst frühe Heranführung an digitale Medienangebote hingewiesen wird, auch im Zusammenhang mit Studien, die eine mit der Internetnutzung verbundene Steigerung der Schreibfähigkeit und Allgemeinbildung sowie sowie dem Aufbau wichtiger sozialer und technischer Fertigkeiten belegen. Auf der anderen Seite beinhaltet die Nutzung von Computern und Internet eine schier unendliche Zahl von Gefahren und Gesundheitsrisiken, vor denen Eltern ihre Sprößlinge natürlich schützen wollen. „Und überhaupt“, werden sich diese Eltern fragen: „…sollten Kinder nicht viel mehr draußen herumtollen dürfen als ihre Zeit vor einen Bildschirm zu verbringen? Natürlich ist alles eine Frage des richtigen Maßes, trotzdem:  Gibt es denn keine Möglichkeit, Kinder auf spielerische Weise ins neue Multimediazeitalter zu  geleiten ohne dass sie ständig vor dem PC sitzen müssen?“

Diese oder ähnliche Fragen hat sich der Sportwissenschaftler Phil Hodgkins wohl auch gestellt und präsentiert nun scheinbar die Lösung: I.Play! Der ein wenig nach Apple klingende Namen steht für „Intelligent Play“ und bezeichnet ein mit einem Computer ausgestattetes Spielgerüst. Auf diesem Gerät befinden sich an Streben angebrachte Schalter, die es nacheinander zu drehen, zu drücken oder zu ziehen gilt. Das Gerüst besitzt eine Sprachausgabe, welche dem Kind nach dem Betätigen eines Schalters mitteilt, welchen es wie als nächstes in Angriff nehmen muss. Das soll die Kinder dazu bringen, hochzuspringen, hin- und herzulaufen und dadurch die unterschiedlichsten Muskelgruppen zu trainieren, während ihnen der  Umgang mit einem technischen Gerät geradezu nebenbei beigebracht wird.  Neben dem physischen Lerneffekt kommt am Ende nämlich sogar noch ein virtueller hinzu: I.Play merkt sich die für den Parcours benötigte Zeit und bietet den Kindern auf der I.Play-Website die Möglichkeit, sich über eine Highscoreliste mit anderen auszutauschen, was die medial-sozialen Fähigkeiten der Kinder verbessern soll.

Fragt sich nur, was hier im Vordergrund steht, denn eigentlich ist das Konzept für ein derartiges Spielgerät durchaus lobenswert. Der Entwickler von I.Play sieht jedoch das Erstellen und Vergleichen von Highscores als das eigentlich Innovative an seiner Erfindung (vgl. Interview auf Spiegel-Online). Doch gerade dieses Feature hat den Effekt, dass die Kinder vom Spielplatz direkt wieder vor den PC gelockt werden. Die körperliche Betätigung am Spielgerüst wird dadurch zur Nebensache degradiert, Spielen wird Mittel zum Zweck. Darüber hinaus ist eine derartige Internetnutzung pädagogisch eher weniger wertvoll, denn sinnvolle Inhalte bietet das Vergleichen von Highscores nicht wirklich.

Nichtsdestoweniger wurden in Großbritannien bereits mehr als 40 I.Play-Gerüste aufgebaut. Bei einer derartigen Wachstumsquote scheint es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Potenzial der internationalen Nachkommenschaft nicht mehr durch vergleichende Bildungsstudien wie Pisa bewertet wird, sonder durch I.Play.

MySpace, die Virenschleuder

Und wieder einmal MySpace

Wie heise.de berichtet,  hat sich in den letzten Wochen Spyware der PurityScan/ClickSpring-Familie über Myspace verbreitet indem wahrscheinlich eine Sicherheitslücke von Windows bei der Verarbeitung von WMF Bildern genutzt wurde. Über einen von Deckoutyourdeck.com geschalteten Werbebanner soll sich die Spyware verbreitet haben und bis zu einer Million PCs infiziert haben.

Des Weiteren warnt MySpace vor infizierten About Me Profilseiten, die wiederum Userseiten verunstalten und Umleitungen zu Seiten mit zweifelhaftem politischen Inhalt erstellen.

Mein Gott ist man denn nirgendwo mehr sicher, noch nicht mal in der kleinen MySpace Comunity…? 😉

Nun auch Blogs im Visier des Pentagons

Das amerikanische Militär hat nun offenbar erkannt, dass Weblogs, da sie vor Allem als Gruppenmedium und Plattform dienen, einen potentiellen Herd für politische Bewegungen darstellen können und will sich im Kampf gegen den Terrorismus in Zukunft verstärkt um die Analyse von Blogs kümmern.

In einem Artikel vom 05.07. berichtet Netzeitung.de über ein Projekt, das von der amerikanischen Luftwaffe gefödert wird. In Rahmen dieses Projektes werden Weblogs thematisch untersucht und über eine automatische Interpretation der Inhalte und der Links sollen Muster in der Blogosphäre sichtbar gemacht werden. Das System soll wie eine Art Suchmaschine funktionieren und dem Pentagon behilflich sein Proteste wie den gegen die Mohammed-Karikaturen der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ frühzeitig zu erkennen.

Indem auch alle Links und Trackbacks analysiert werden, kann z.B. der Stellenwert eines Weblogs im globalen Maßstab erkannt werden. Dies dürfte für die Geheimdienstabteilungen sehr interessant sein, werden doch auf diese Weise nützliche Hinweise gegeben, wann und zu welchen brisanten Themen Media-OPs und Desinformationskampagnen gestartet werden müssen…

Google France…

La Grande Nation zeigt sich ja von jeher etwas sperrig, wenn es darum geht Fremdpartikel jeglicher Art in die eigene Kultur eindringen zu lassen. Vor Allem der Streit um eine Einführung einer Deutschquote in der deutschen Musiklandschaft und das immer wieder herangezogene Beispiel Frankreich hat uns dies vor gar nicht allzu langer Zeit wieder einmal vor Augen geführt.

Nun will Frankreich seine Bürger wohl auch vor der Übermacht amerikanischer Firmen im Internet schützen und ihnen eine französische Alternative zu Google Earth anbieten. Wie Spiegel-Online gestern berichtete, hat das staatliche Institut Géographique National (IGN) am Freitag eine 2D-Anwendung mit Satellitenfotos von Frankreich mit dem Namen Géoportail gestartet, die aber eher mit Google Maps als mit Google Earth vergleichbar sein soll. Aber eine 3-D Version des Programms mit deutlich höherer Auflösung der Bilder als sein Google-Konkurrent ist laut IGN bereits in Vorbereitung. Aber auch die 2-D Version fand bei den Franzosen schon regen Zuspruch, die große Nachrage führte zum Zusammenbruch des Servers. Jacques Chirac bezeichnete das Géoportail als „den ersten derartigen freien Dienst in Europa und einen großen Schritt nach vorn für alle Bürger Frankreichs“…eigentlich große Worte für etwas nicht wirklich Neues.

Googles großer Lauschangriff

Google ist im Internet ubiquitär, das wissen wir alle. Wer will kann seine gesamten Tätigkeiten in der Netzwelt mit Hilfe des Suchmaschinenbetreibers ausüben. Ob Mail, Kartendienst, Weblog, Einkaufen oder Textverarbeitung, das Google-Universum scheint unendlich.

Allerdings möchte Google dafür auch einiges von seinen Benutzern wissen: Suchanfragen, persönliche Daten, Mails werden auf den Google Servern gespeichert, und durch Programme wie Google Desktop ist selbst die eigenen Fesplatte nicht mehr sicher.

Damit nicht genug: Wie Focus-Online heute berichtet, wurde jetz in Athen von Google-Forschern ein neues System vorgestellt, mit dem erkannt werden kann, welches Fernsehprogramm gerade im Raum läuft und wieviele Personen sich im Raum befinden. Ermöglicht wird dies über einen Dienst, der die Geräusche im Zimmer durch den Mikrofon-Eingang des PCs aufnimmt, analysiert und an Google weiterleitet.

Auf diese Weise kann Google passende Inhalte im Netz zusammenstellen und dem User zur Verfügung stellen. Weiterhin könnten dadurch gleichgesinnte Fernsehgucker
in spontanen Communities „zusammengeführt“ werden.

„Big Brother“-Verhältnisse werden von Google zurückgewiesen; einzelne Gespräche sollen nicht erkannt werden können und die Daten würden auch lediglich in Form von Statistiken den PC verlassen.

Allerdings stellt dieses System natürlich eine sehr grenzwertige und kritisch zu betrachtende Weiterentwicklung der Nutzeranalyse und einen weiteren Schritt zum völlig gläsernen Nutzer dar. Es stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit eines solchen Lauschangriffs.

Internet killed the TV-Star ?

Gestern erschien auf faz.net ein interessanter Artikel über ein konkretes Beispiel für eine sich schon länger abzeichnende Entwicklung in der Medienwelt, nämlich dass das Internet dem Fernsehen in bestimmten Bereichen wohl den Rang abläuft. Das neustes Opfer ist das Musikvideo.

Plattenfirmen geben immer weniger Geld für die Videos ihrer Künstler aus, das Programm der verschiedenen Musiksender besteht zu einem immer geringeren Anteil aus Videos, Klingeltöne und Raubkopierer bereiten der Industrie schon länger Kopfzerbrechen…kurz gesagt: das Geld ist knapp und das traditionelle Musikvideo scheint aus der Mode zu kommen, es muss also eine neue Form der Vermarktung her!
Diese haben die Plattenfirmen wohl nun gefunden. ?YouTube.com?, eine erst im Herbst 2005 initiierte Website, beinhaltet heute das wohl umfassendste Musikvideoarchiv der Welt. Hier kann sich der User neben den verschiedensten Clips auch die offiziellen Musikvideos vieler Künstler anschauen, und zwar wann und so oft er will! So kann er sich per Mausklick sein eigenes Musik“fernsehen“ zusammenstellen, und das ohne Werbung.

Die im Vergleich zu Fernsehvideos schlechtere Qualität wird offenbar akzeptiert, selbst die Industrie steht dieser Entwicklung gelassen gegenüber: anders als illegale mp3-Tauschbörsen seien diese Foren eher als ein Medium der Vermarktung anzusehen, aufgrund der Qualitätsdefizite seien Musikvideos im Internet lediglich eine Werbung für das Produkt, die Platte.

Aber immer schnellere Verbindungen ermöglichen auch die Übertragung von High-Quality Videos…also wieder eine finanzielle Bedrohung für die Industrie? Und was hat diese Verlagerung für die Videoästhetik zu bedeuten, sind „Group Tekkan“ der Prototyp des zukünftigen Musikvideos?
Eine interessante Entwicklung, die noch in den Kinderschuhen steckt.

Internet TV: Premiere sichert sich doch noch Bundesliga Rechte

Wie Spiegel Online heute berichtet, geht der für den Münchner Bezahlsender Premiere schon verloren geglaubte Kampf um die Übertragungsrechte der Fußball Bundesliga nun in die nächste Runde.

Premiere will zusammen mit Deutschen Telekom ab der kommenden Saison alle Spiele der 1. und 2. Bundesliga live im Internet Übertragen. Für 40 Milionen Euro sicherte sich die Telekom die Internetrechte und ermöglicht Premiere über Sublizenzen, nun doch wieder im Fußballgeschäft mitzumischen.

Mit Hilfe des 50-Megabit-Glasfasernetzes VDSL, an dem die Telekom zur Zeit arbeitet, soll eine Übertragung in höchster Qualität ermöglicht werden. Die Technik steht bislang nur ausgewählten Großstädten zur Verfügung, ein kostspieliger Ausbau soll folgen.

Dies wiederum bedeutet, dass es für den Kunden auch nicht gerade billig werden wird. Premiere und die Telekom hoffen aber, dass die Bundesliga (samt Franz Beckenbauer als Kommentator) ein genügend attraktives Angebot darstellt, das den Preis in den Augen der Kunden rechtfertigt.

Vor knapp 5 Monaten sicherte sich Arena, Tochter des Kölner Kabelnetzbetreibers Unity Media, für 240 Millionen Euro die Fernsehrechte an der Fußball Bundesliga. Jetzt muss Arena den gerade erst errungenen Sieg wieder relativieren, reagierte aber gelassen auf die Meldung und stellen klar, dass es Bundesliga live über Kabel und Satellit weiterhin nur bei Arena geben wird.

Mit dieser Meldung werden natürlich eine Menge Erwartungen bezüglich der künftigen Entwicklung von Fernsehen und Internet verknüpft. Aber ob sich die erwartete Revolution des digitalen Fernsehens mit Hilfe der Bundesliga als Zufpferd derart schnell verwirklichen lässt, vor Allem, wenn man die Kosten, die auf den interessierten Zuschauer zukommen werden, in Betracht zieht.

Das Netz als Betriebssystem?

Kommt jetzt bald der nächste große Sprung in der Entwicklung des Internets? Nachdem das Netz vom anfänglich statischen Abbilden von Texten und Bilder eine immer größere Dynamik und Interaktivität entwicket hat, schickt es sich aller vorraussicht nach in absehbarer Zukunft an, sogar Betriebssysteme zu ersetzen.
Das Zauberwort dabei heißt „Ajax“: Asynchronous JavaScript and XML. Mit Hilfe dieser Technik wird es möglich, dass nur noch bestimmte Teile einer Website zum Browser übertragen werden. Microsoft nutzte dies beispielsweise für die Onlineausführung seines E-Mail-Programms „Outlook“, Google stellt dem Nutzer u.A. mit Google Maps mehrere dieser Webanwendungen zur Verfügung.
Der Ajax-Programmierer Michael Robertson bastelt im Moment an Web-Versionen von Onlineanwendungen. Dabei würde die Software dynamisch auf den Computer geladen werden, und zwar genau dann wenn sie gebraucht wird, und das Betriebssystem unabhängig!
Da die Web-Anwendungen lediglich vereinfachte Versionen der Originalprogramme sind, stellt sich natürlich die Frage, ob mit Ajax herkömmliche Software (insbesondere das Betriebsystem) ersetzt werden kann.

Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/technologie/0,1518,414039,00.html