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Warum Blogs in Deutschland keine Chance haben…

Wer kennt Felix Salmon? In Deutschland vermutlich kein Mensch. In den USA hat es der Niemand aus New York City zu Ruhm und Berühmtheit gebracht. Ganz nach dem Geschmack der Amerikaner und ihres American Dream. Nicht aber als erfolgreicher Jungunternehmer wie man es aus den USA kennt. Der Quell seiner Popularität ist sein Wirtschafts- und Finanzblog, der mittlerweile zu den erfolgreichsten Blogs zählt. Seine Meinung über die Branche scheint gefragt.

Vor kurzem hatte die Redaktion von Medien Monitor die Ehre, einen Beitrag über den berühmten Blogger zu schreiben. Darin zählt er zehn Gründe auf, weshalb Blogs in Deutschland angeblich nicht so populär sind wie in den Staaten und seiner Meinung nach auch niemals sein werden. Zu den Gründen zählt Salmon unter anderem eine zu starke Fixierung auf Status, Hierarchie und qualifizierten Äußerungen, Desinteresse deutscher Wirtschaftsgrößen an der Meinung des Volkes, mangelndes Selbstvertrauen der Deutschen bis hin zu dem Punkt, dass uns die Ferien zu wichtig sind als dass wir sie mit bloggen verbringen.

Das Ganze liest sich wie das kleine 1×1 des Bloggens, recht amüsant wie ich finde. Der gute Herr Salmon sagt uns, was wir falsch machen und wie es richtig geht. Mir drängt sich aber der Verdacht auf, als wäre er – Tag ein Tag aus – so eifrig mit bloggen beschäftigt dass ihm glatt die Zeit fehlt, sich ernsthaft mit der deutschen Blogosphäre auseinander zu setzten. Was denkt ihr über seine 10-Punkte-Liste? Ein Tip: werft auch mal einen Blick in die Kommentare!!

http://www.medien-monitor.com/Deutschland-ist-keine-Blogosph.1382.0.html

http://blogs.reuters.com/felix-salmon

http://www.felixsalmon.com

Nachrichten für umme im Netz bald passé

Rupert Murdoch, weltweit mächtigster Zeitungsverleger, will bei den Webangeboten seiner über 100 Zeitungen neue Wege einschlagen. In einem seiner jüngsten Statements heißt es unmissverständlich ?The current days of free Internet are over?. Eher früher als später ist auf den Websites seiner größtenteils Boulevardzeitungen wie ?The Sun?, ?The New York Post? oder ?Times? mit neuen Bezahlmodellen zu rechnen. Sein eigens für dieses Vorhaben gebildetes ?Global Team? ist dabei, entsprechende Modelle einzuführen.

Mit dieser Einstellung steht Murdoch nicht allein. Auf einer kürzlich zu Ende gegangenen Tagung in Kalifornien, die unter dem Motto ?Global crisis, global opportunity? stand und deren Mitglieder namhafte US-Internetgrößen sind, war der allgemeine Konsens ähnlich. Barry Miller, Mitbegründer der ?The Daily Beast? Website, nannte kostenlose journalistische Inhalte im Internet gar einen Mythos. Auch die Leser der ?New York Times? sollen ab Herbst 5 Dollar pro Monat bezahlen, wenn sie sich im auf der Website informieren möchten.

Murdoch hat mit Bezahl-Modellen im Internet bereits positive Erfahrungen sammeln können. Der Internetauftritt des ?Wal Street Journal? mit über 1 Mio. Abonnenten bringt ihm jährlich ca. 60 Mio. Dollar ein. Während derzeit die Leser einen Jahresbeitrag entrichten müssen können demnächst auch einzelne Artikel gekauft werden. Stimmen aus dem Verlag ließen verlauten, es werde jeder Möglichkeit wahrgenommen, um Nutzer zum zahlen zu bewegen.

Der australische Medienmogul, der ab den 60er Jahren weltweit eine Zeitung nach der anderen aufkaufte, gilt seit dem Durchbruch des Internets als der Verlierer der Digitalen Revolution. In den letzten Jahren ist der Aktienkurs seines Medienimperiums immer weiter im Sinkflug. Doch durch die Einführung seiner ?pay-then-read?-Strategie soll damit endgültig Schluss sein.

Ich finde 5 Dollar oder auch Euro pro Monat bei qualitativ wertvollen journalistischen Inhalten im Netz einen fairer Preis. Es ist doch einleuchtend, dass Qualität nunmal seinen Preis hat. Irgendwo muss sich eine gute Nachrichten-Website bezahlt machen. Deshalb finde ich es nicht mehr wie richtig und wäre auch bereit, dafür zu zahlen. Doch gerade bei Boulevard-Inhalten scheint ein Bezahl-Modell schwer vorstellbar.

http://meedia.de/nc/background/meedia-blogs/dirk-manthey.html#c22086

Der Zeitungskrise zum Trotz: Zeitschriftenläden für anspruchsvolle Leser

Sie werden in schwarzen Regalen, auf alten Holzbänken oder in Vitrinen wie Kunstobjekte präsentiert – die mehr als 600 Titel der beiden berliner Zeitschriftenläden ?Do you read me?!? und ?Motto?. Das Ziel der Geschäftsführer Jessica Reitz, Marc Kiessling und Alexis Zavialoff ist, ihre Läden mit besonders hochwerrtigen, seltenen Magazinen selbst von gut sortierten Kiosken abzugrenzen. Dabei entstand die Geschäftsidee aus einer Not heraus. Kiessling, von Beruf Designer, hatte früher oft große Schwierigkeiten, ganz bestimmte Zeitschriften zu ergattern. ?Wir haben uns gedacht, so ein Laden müsste doch in Berlin funktionieren. Und das tut es auch?, sagt Jessica Reitz.

Der Name ?Do you read me?!? ist Programm: nicht nur die Art und Weise, wie die erlesenen Titel präsentiert sind gibt Anlass zum staunen. Die Tiefe der meist internationalen Zeitschriftenangebote mit den Schwerpunktthemen Design, Mode, Fotografie, Architektur, Kunst und Kultur ist beachtlich. Nischenmagazine mit kleinen Auflagen sucht der anspruchsvolle Kunde. Und genau darin liegt die Stärke der Läden. Dabei sind die Magazine eher als Bücher oder Sammelobjekte denn als Heft zum schnellen Lesen und anschließendem Wegwerfen zu sehen. Dazu tut ein durchschnittlicher Preis von 30 Euro sein übriges. Da verwundert es nicht wenn man beim ausgiebigen Stöbern auf echte Raritäten stößt, wie die Zeitschrift ?Arkitip? mit einem signierten Druck des Künstlers Shephard Fairy als Beilage, der schon Wahlplakate für Barack Obama gestaltet hat. Mit 75 Euro auch eines der teuersten Magazine.

Selbst das Internet, immer wieder als die große Bedrohung aller Print-Produkte gesehen, kann den Ladeninhabern kaum was anhaben. ?Ein gutes Foto-Magazin kann man sich eben nicht am Computer als Pdf-Version anschauen?, argumentiert Reitz. Die Geschäftsidee klingt in Zeiten von sinkenden Verkaufszahlen und Werbeeinnahmen in der Print-Branche gewagt. Doch ähnliche Läden in München, Zürich, Amsterdam oder New York zeigen, dass es funktionieren kann.

http://www.tagesspiegel.de/medien-news/Zeitschriften-Do-you-read-me-Motto;art15532,2856619

Facebook: einmal drin – immer drin?

Facebook ist in Kanada ins Visier von Datenschützern gerückt. Die Datenschutzkommission Kanadas monierte den Umgang des Portals mit sensiblen Daten ihrer Mitglieder. Es soll gängige Praxis sein, persönliche Daten auch von bereits ausgeschiedenen Mitgliedern weiterhin zu speichern. Dieses Vorgehen stellt nach kanadischen Recht einen klaren Gesetzesbruch dar. Im schlimmsten Fall müsse sich das Unternehmen vor dem Bundesgericht dafür verantworten. Chris Kelly, Facebook Chief Privacy Officer erklärte, das Unternehmen suche bereits fieberhaft nach Lösungen um die Vorwürfe aus der Welt zu schaffen. Datenschutzkommissarin Jennifer Stoddart hat angekündigt, sie werde einen Monat lang genau beobachten ob Facebook bei diesen Versprechungen Wort hält.

Facebook, Wer-kennt-wen, StudiVZ oder MySpace – das Paradies für alle Werbetreibenden und Marktforschungsinstitute. Noch nie war es so einfach, an sensible Daten unterschiedlicher Zielgruppen zu gelangen. Ein wahrlich lohnendes Geschäft für beide Seiten. Von den Mitgliedern dieser Portale sollte mittlerweile zu erwarten sein dass sie sich wohlwissend auf den Präsentierteller eines unsichtbaren, aber dennoch präsenten Millionenpublikums stellen. Jeder entscheidet selbst darüber, welche Daten er im Netz von sich veröffentlicht. Wenn tatsächlich Telefonnummern, Adressen und Fotos preis geben werden lechszen nicht nur Voyeure danach. Dessen muss sich nun mal jeder Nutzer bewusst sein. Es mag zwar richtig und wichtig sein, mittels Gesetz den Verantwortlichen dieser Portale genau auf die Finger zu schauen und sie im Auge zu behalten. Ich denke aber es wird trotz allem nicht zu verhindern sein, dass diese Daten in die Hände Dritter gelangen.

Ich finde den Vergleich mit dem Straßenverkehr sehr passend: wenn sich ein Fußgänger in eine Stadt mit regem Autoverkehr begibt ist ihm das Risiko bewusst, von einem Auto erfasst zu werden. Zum Schutze der Fußgänger sind Zebrastreifen und Fußgängerampeln eingerichtet worden, zudem haben sich die Fußgänger ebenfalls an bestimmte Vorsichtsmaßnahmen zu halten. Auf diese Weise wird die Gefahr für die Fußgänger deutlich gemindert. Das Risiko besteht aber immer noch und wird niemanden davor abhalten, sich diesem weiterhin aussetzten.

 

http://news.bbc.co.uk/2/hi/americas/8155367.stm

?Hackerangriff auf amerikanische und südkoreanische Regierungs-websites

Seit dem vergangenen Unabhängigkeitstag in den USA am 04. Juli sind wichtige Websites der amerikanischen Regierung von Hackern angegriffen worden. Betroffen sind unter anderem die Internetangebote des Weißen Hauses, des Außenamtes und der Ministerien für Finanzen, Verteidigung und Verkehr. Zeitweise wurden auch die Seiten der ?Washington Post?, der New Yorker Börse und des Geheimdienstes blockiert. 3 Tage nach den ersten Hakerangriffen in den USA, meldete auch Südkorea Angriffe dieser Art.

 
Während sich die USA vorerst mit möglichen Verursachern bedeckt hielt glaubte der Geheimdienst Südkoreas bereits einen Tag nach Bekanntgabe der Probleme zu wissen, wer dahinter steckt. In Seoul hieß es, verantwortlich sei Nordkorea oder Sympathisanten des kommunistischen Nachbarlandes, die in Südkorea leben. Mittlerweile verdächtigt die USA ebenfalls Mitglieder der nordkoreanischen Armee als Quell der Internetattacken.

 
Bei den Angriffen handelt es sich um Denial-of-Service-Attacken. Die Funktionsweise klingt einfach: die Server werden mit riesigen Mengen von Anfragen bombardiert, wodurch die Website lahmgelegt wird. Da Internetangebote mehrere Tage betroffen waren muss es sich um eine besonders heimtückische Art von Hackerzugriffen gehandelt haben.

http://www.faz.net/s/Rub4C34FD0B1A7E46B88B0653D6358499FF/Doc~E4E2DDBAB4956441BBDCDA42529AED079~ATpl~Ecommon~Scontent.html

http://www.us-cert.gov/cas/tips/ST04-015.html

http://www.washingtonpost.com/ac2/wp-dyn/NewsSearch?st=Denial%20of%20Service%20Attack&

Wegen 96-Zeichen-Tweet im Knast

In Guatemala wird es wahrscheinlich zur ersten Anklage vor Gericht wegen eines Tweets kommen. Per Twitter hat Jean Anleu gegen die Korruption in seinem Land protestiert und in einer 96-Zeichen Nachricht dazu aufgefordert, alle Guatemalteken sollen ihr Geld von der Banrural, einer in einen politischen Skandal verwickelte Bank, nehmen. Wegen dieses kämpferischen Aufrufs an seine Landsleute steht ihm jetzt jede Menge Ärger ins Haus. Die Behörden hatten ruck zuck den Übeltäter ausfindig machen können und ihn kurze Hand mit Schwerverbrechern in eine Zelle gesteckt, bis er eineinhalb Tage später durch Kaution auf freien Fuß gesetzt wurde. Der Vorwurf der Regierung lautet: er hat das öffentliche Vertrauen in das Bankensystem Guatemalas untergraben. Konkret könnte das 5 Jahre Haft bedeuten!

Sein Anwalt Jose Toledo hofft, dass es möglicherweise gar nicht erst zu einem Prozess kommen wird. Der Spiegel zitiert Toledo ?Die Staatsanwaltschaft sehe vielleicht ein, dass sie den Falschen erwischt und einen Fehler gemacht habe (…)?. Im Falle einer Verurteilung würde die Regierung für alle im Internet aktiven Regierungskritiker ein Exempel statuieren.

Bei Jean Anleu ist das bereits gelungen. Er hat schon angekündigt, sich in Zukunft mit politischen Nachrichten zurück zu halten. Sein regierungsfeindlicher Tweet wurde aber seit der Bekanntgabe seiner drohenden Anklage tausendfach weitergeleitet, die Abonnentenzahl seiner Nachrichten ist von 175 auf 1600 gestiegen.

Interessant ist, wie Staatsregierungen um die Kontrolle über das Internet und seine Nutzer kämpfen. Ich frage mich, wie oft Regierungschefs in China, Nordkorea, Vietnam, Iran und viele mehr die Geburtsstunde des Internets verfluchen. Bestimmt erinnern sie sich gerne an die guten alten Zeiten, als sie über Zeitungen, Fernsehen und Hörfunk genau diktieren konnten, was gesehen, gehört oder gelesen wird. Ihnen muss das Internet als riesiges Monstrum erscheinen, dessen Eigenleben höchst bedrohlich und zugleich kaum zu bezwingen ist. Im Falle einer Verurteilung Jean Anleus wird es sicherlich dazu führen, dass in Guatemala in Zukunft zweimal überlegt wird was man schreibt. Es zeigt aber genauso deutlich, dass das Internet seine eigenen, unvorhersehbaren Kreise zieht. Deshalb betrachte ich diesen Fall eher als Versuch, die Schranken eines Mediums aufzuweisen, welche es in Wahrheit gar nicht gibt.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,634694,00.html