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Ich hab’s ja gleich gesagt…

An dieser Stelle ein kurzer Hinweis:

Einem Artikel auf sueddeutsche.de folgend, attestiert das „Jahrbuch Fernsehen 2007“ (zusammengestellt vom Grimme-Institut, der Deutschen Kinemathek, der Funkkorrespondenz, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik und dem Institut für Medien- und Kommunikationspolitik) dem deutschen Fernsehen unter anderem einen Innovationsmangel.

Ich hab’s ja gleich gesagt…

Quelle:
http://www.sueddeutsche.de/,tt5m5/kultur/artikel/729/129510/

Survivor ist – Deutsch!

1992 begann das Unheil. Da wurde in England ein Format entwickelt, was 5 Jahre später erstmals im schwedischen Fernsehen erfolgreich laufen sollte. Drei Jahre später adaptierte der amerikanische Sender CBS das Format und sendet es bis heute. Erfolgreich. Da sich die unheimlich innovatoven deutschen Frensehsender natürlich nicht die Gelegenheit entgehen lassen wollten, ganz viel Werbeneinnahmen zu scheffeln, sprangen sie zuhauf auf den Zug auf und schickten Deutsche auf irgendwelche Inseln. Die Sendungen waren allesamt weniger erfolgreich als erwartet, weshalb sie bald auch von den Bildschirmen verschwanden.
Bis Mittwochabend.
Da lief das Format unter dem Original-Titel auf ProSieben an und der dramatisierende Untertitel „Überwinde. Überliste. Überlebe.“ lässt kaum Zweifel daran, worum es eigentlich geht: Voyeurismus und menschliches Gruppen(fehl)verhalten.
Warum wird ds Konzept wieder ausgepackt? Was soll denn jetzt das besondere daran sein? Die Produzentin Shona Fraser erklärt, das besondere an der Umsetzung sei, dass sie „deutsch“ sei. Na toll.
Aber ich will die Sendung nicht kritisieren, lieber stelle ich die Frage, warum man Menschen im Fernsehen so aufeinanderhetzten muss. Die Teilnehmer, das ist ein offenes Geheimnis, werden ja speziell nach ihrem Konflikpotenzial ausgesucht. So finden sich dann verschiedene Stereotypen, die für möglichst viele Reibereien innerhalb der beiden Gruppen sorgen sollen. Und warum? Damit wir, die Zuschauer, uns daran erfreuen können, wie heuchlerisch, lästerhaft und bisweilen offen böswillig wir Menschen doch sein können.

Manchmal erinnert das ein bisschen an die Gladiatorenkämpfe im alten Rom. Da wurden auch Menschen aufeinander gehetzt. Nur war das ehrlicher. Hier beschwor man keinen Pseudo-Teamgeist. Hier heuchelte man keine Sympathie für den Gegner. Und die Zuschauer wussten, dass das, was sie da sehen, eigentlich schon ziemlich grausam ist.

Quellen:
Drei Rezensionen von Survivor:
Süddeutsche Zeitung
Spiegel Online
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Survivor und die Quoten:
DWDL.de
Was zum Format:
englische Wikipedia

„Blackout“ des Fernsehens

Erinnert sich noch jemand an „Blackout – Die Erinnerung ist tödlich“? Nein? Ich nämlich auch nicht. Kein Wunder eigentlich, die Miniserie bekam mit der ersten Folge, welche am 29. Oktober 2006 bei Sat.1 ausgestrahlt wurde, gerade mal 7 Prozent Marktanteil. Und das, obwohl sämtliche Kritiker der einhelligen Meinung waren (zum Beispiel bei Quotenmeter.de), dass diese deutsche Miniserie von ungewöhnlich hoher Qualität sei.
Nicht zuletzt Roger Schawinski, der damalige Leiter von Sat.1, war bestürzt über die niedrigen Einschaltqouten. Dieses Ereignis und seine gesammelten Erfahrungen präsentiert Schawinski in seinem Buch „Die TV-Falle“. Auszüge davon werden in der Zeit Magazin-Beilage „Leben“ veröffentlicht.
Mich brachte diese Meldung zum Nachdenken über die Qualität des deutschen Fernsehen… Mal wieder. Sollte Helmut Thoma wirklich Recht behalten, wenn er sagt „Im Seichten kann man nicht ertrinken“? Angesichts unzähliger Telenovelas, Sitcoms und immer wieder dem gleichen Mist, nur eben in grün (oder braun, oder gelb, mit Streifen (Piraten!) oder Punkten) lässt sich nur feststellen, dass es unter den Senderchefs wohl kaum noch Mutige gibt, die jenseits der ausgetreten Pfade von Tanz-Schows, Chart-Shows und „Real-People“-Auswanderer-Formaten mal etwas anderes ausprobieren, um so frischen Wind in die deutsche Fernsehwüste zu bringen.

Und falls es noch jemanden interessiert, Kabel 1 wiederholt die 4-teilige Miniserie „Blackout“ am 1. November, um 21.50 (oder 22.05, die Webseite ist sich da selbst nicht ganz sicher…)

 Quellen:
http://www.quotenmeter.de/index.php?newsid=17181
http://www.dwdl.de/article/news_12152,00.html
http://www.kabeleins.de/film_dvd/blackout/

Call-In-TV und die Meinungsfreiheit

Das Oberlandesgericht München hat in einem Berufungsverfahren die Entscheidung des Landesgerichtes München, dass es erlaubt ist, im Internetforum „Call-in-TV.de“ von „verwirrten Anrufern“ zu sprechen und damit „Scheinanrufe“ zu meinen, kassiert.

Dies fällt zusammen mit einer Entscheidung des Landesgerichtes Hamburg, welche es dem Medienjournalisten Stefan Niggemeier (einer der Köpfe hinter „Bildblog.de“) untersagt, zwei Kommentare zu eben diesen Call-In-Sendungen zu veröffentlichen.

Alarmierender ist dabei, dass es anscheinend möglich ist, dass Produktionsgesellschaften, welche noch mächtigere Medienkonzerne in ihrem Rücken haben, es tatsächlich schaffen, ihre Kritiker mundtot zu machen.
Die Callactive Gmbh hat in einem früheren Verfahren erwirkt, dass der Betreiber von „Call-In-TV.de“ den Begriff „Scheinanrufe“ nicht mehr erlauben darf. Durch einen Sprachfilter wurde dann „Scheinanrufe“ automatisch durch „verwirrte Anrufer“ ersetzt. Das OLG München hat nun entschieden, dass auch dieser Begriff nicht zulässig sei, da nun jeder um dessen wahre Bedeutung wisse.
Abstrakt gesehen heißt das, dass allein die Tatsache, dass ein an sich harmloser Begriff, alleine aufgrund seiner potentiellen Bedeutung, welche gegen die Interessen eines dritten versößt, ab sofort nicht mehr verwendet werden darf.

WIE BITTE??

Es ist schon bedenklich genug, dass Forenbetreiber mittlerweile dafür hafbar gemacht werden können, was in ihren Foren veröffentlicht wird (wobei ich diese REgelung noch verschmerzen kann, wer will schon, dass Nazis (zum Beispiel) in einem Fourm palavern können wie sie wollen), aber dass nun auch Begriffe zensiert werden aufgrund ihrer POTENTIELLEN (!!) Bedeutung.

Zum Niggemeier-Fall:
Hierbei hat es die Callactive Gmbh geschafft, zwei Kommentare zu einem Artikel von Niggemeier in seinem Weblog zu zensieren. Diese Artikel setzten sich, wohl äußerst kritisch und polemisch, mit Call-In-Sendungen auseinander.
Es sind Kommentare in einem Weblog. Zu Erinnerung: Eine der Hauptfunktionen von Weblogs ist die Möglichkeit für Besucher Kommentare zu den Beiträgen zu hinterlassen. Und diese Möglichkeit wird nun eingeschränkt, weil das einem Unternehmen nicht passt. Weil es diesem Unternehmen nicht passt, dass seine Praktiken (die bei genauer Recherche wirklicht nicht ganz sauber sind) öffentlich kritisiert werden.

Es ist eigentlich ein beängstigender Zustand, der sich dort entwickelt.
Aber angesichts von globaler Übverwachung, Paranoia des Staates vor seinen eigenen Bürgern und präventiven Durchsuchungen von, nun, allem, wird der Albtraum von Stasi 2.0 anscheinend immer realer.

Quellen:

http://www.dwdl.de/article/news_11963,00.html
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/in-eigener-sache/
http://www.call-in-tv.de/

Tagesthemen jetzt früher?

Die Intendantin des WDR, Monika Piel, setzt sich für eine Verschiebung der „Tagesthemen“ ein. Laut ihrem Interview mit der Rheinischen Pest Post müsse “ … eine so wichtige Nachrichtensendung wie die ?Tagesthemen? […] auch eine verlässliche Sendezeit haben […]„. So verlässlich wie beispielsweise das „Heute Journal“ des ZDF.

Wieso verlässlich? Weil die Tagesthemen bisweilen nach hinten verschoben werde, vor allem wegen etwaiger Live-Sendungen zuvor, besonders am Samstag (erinnert sich noch jemand an die Überziehungs-Massaker von Jürgen von der Lippe mit „Geld Oder Liebe“? Irgendjemand?). An und für sich ist das aber kein Problem. Denn solange dies nur samstags geschieht, tut man damit niemanden sehr weh. Und ich glaube, der durchschnittliche „Tagesthemen“-Zuschauer ist auch nicht sehr schmerzempfindlich bei solchen Überziehungen.
Womit Frau Piel allerdings Recht hat, ist die Feststellung, dass die „Tagesthemen“ nach „Heute“ kommen und somit durchaus gegen dieses Format an Aktualität verlieren.
Da die Tagesthemen aber gleichzeitig das Aushängeschild der ARD sind, ist es nur verständlich, wenn man das Profil dieses Schildes schärfer zeichnen möchte.
Allerdings hilft da vielleicht weniger eine Umstellung auf einen früher Sendeplatz, sonder viel eher wohl eine genauere inhaltliche und vielleicht auch gestalterische Neukonzeptionierung der Sendung.

Quelle:
http://www.rp-online.de/public/article/aktuelles/gesellschaft/medien/458857
http://www.dwdl.de/article/news_11695,00.html

Die deutsche BBC

Laut einer Meldung vom HAndelsblatt will die britische BBC in den deutschen Produktionsmarkt einsteigen, ähnlich wie sie es bereits in den USA, Kanada und Indien getan haben.

Der Einstieg wird dabei wohl in zwei Jahren entweder über die Beteiligung bei einer bereits bestehenden Produktionsfirma von statten gehen oder über eine Neugründung.

Die BBC ist für ihr qualitativ hochwertiges Fernsehen bekannt. Nicht nur im Bereich der Wissensendungen (ich oute mich hier mal als großer Fan der Reihe „BBC Exklusiv“ auf VOX) sondern auch bei Serien (z.B. die hervorragende SitCom „Coupling“ oder das jüngst angelaufene „Rom“) spielt die BBC ein einer Liga mit den Privaten.
Deshalb ist auch zu hoffen, dass der Einstieg der BBC einen qualitativen Sprung für das deutsche Fernsehen bedeutet.

Allerdings sehen die ARD und das ZDF dieser Entwicklung nicht tatenlos zu, sondern erweitern ihren Einflußbereich ebenfalls. So kaufen sie sich bei bisher unabhängigen Produktionsfirmen, wie beispielsweise der Bavaria Film AG (produzierte unter anderem „Das Boot“, „Die unendliche Geschichte“ [Teil 1], „Das Parfum“ aber auch alle Inga Lindström-Filme).

Quellen:
www.Handelsblatt.de
http://www.dwdl.de/article/news_11648,00.html
http://de.wikipedia.org/wiki/BBC
http://de.wikipedia.org/wiki/Bavaria_Film

Und wieder BILD…

Wir regen uns ja alle hin und wieder mal über die BILD auf. Der eine mehr, der andere, natürlich, weniger.
Oft ist dann das niedrige Niveau, die journalistischen Schludrigkeiten oder die moralische Fragwürdigkeit der Berichterstattung Ziel der Kritik.
Martin Krauß, von der Wochenzeitschrift „Freitag“, hat sich ebenfalls Gedanken zum Thema „Kritik an der BILD“ gemacht. Herausgekommen ist: „Sie ist Deutschland“ (Sie, die BILD-Zeitung). Der Artikel gibt einen guten Überblick über die Formen der Kritik an der großen, alten Boulevard-Zeitung und formuliert eine These, die tatsächlich Unbehagen bereitet:

Die Bild-Zeitung manipuliert nicht mehr (so sie das jemals tat); nein, sie ist dazu übergegangen, Staat und Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland zu repräsentieren.
Ist dem tatsächlich so? Hat es Chefredakteur und Schmalztiegel Kai Dieckmann wirklich geschafft, seine „Zeitung“ in der deutschen Gesellschaft so zu verankern, dass die BILD

[…] nämlich bloß alles [reproduziert], was an Rassismen, Sexismen, Nationalismen et cetera in dieser Gesellschaft präsent und virulent ist[?]

Was meint ihr?

Quellen:
www.bildblog.de (immer wieder nützlich bei dem Thema, der Link stammt ebenfalls von dort)
http://www.freitag.de/2007/27-28/07281301.php

DVD – Tod der Fernsehserie?

In der Online-Ausgabe des Magazins der Süddeutschen Zeitung findet sich ein interessanter Artikel. Er reflektiert das Konsumverhalten von Fernsehserien früher und heute. Dabei stellt der Autor Tobias Kniebe fest, dass heutzutage Serien für gewöhnlich nicht mehr im TV geschaut werden, sondern auf DVD.
Natürlich könnte man das einsame gucken von Serien per digitalem Trägermedium als einen weiteren Schritt zur völligen Individualisierung der Gesellschaft ansehen, aber ich glaube, das geht zuweit.
Es ist eher ein Schritt hin zu einer grundlegenden Änderung der Seh-Gewohnheiten der Fernsehzuschauer. Aufgrund des immer größeren Angebots neigen wir anscheinend dazu, uns mehr und mehr unabhängig von der Planung der Programmchefs zu machen und selbst zu bestimmen, wann wir was sehen. Nicht nur dank DVD, sondern auch dank diverser Dienste wie www.onlinetvrecorder.com.

Quellen:
Artikel des SüddeutscheMagazins
www.onlinetvrecorder.com

Pseudo-Versuchskaninchen

…und es geht weiter

Kabel 1 beschert uns ein neues „Real-People“-Format. „Männer allein daheim“ heißt das, mit Rumpelreim versehene, tolle neue Format. Es geht darum, dass alle Frauen aus einem niedersächsischen Dorf (750 Seelen… mehr oder weniger. Hinzu kommen diverse Kühe, Katzen, Hunde, Mäuse, Meerschweinchen usw.) evakuiert werden und die Männer alleine klar kommen müssen. Mit ihren Kindern. Den Kühen. Den Katzen und Hunden. Und den, oh mein Gott, den Meerschweinchen!!
Und dem Essen natürlich. Aber das bisschen Haushalt… zur Not grillt man die Meerschweinchen.

Das Format lief gestern an (20.15 Uhr), es sind noch sieben Folgen da und es hat sich erstaunlich gut behauptet: Platz neun auf der Top-20-Quotenliste von DWDL.de, Marktanteil 11,5%.
An sich eine tolle Sache für Kabel 1 (immerhin sendet er immernoch tapfer „Eine schrecklich nette Familie“), wenn mich nicht am Programm zwei Dinge stören würden:

Erstens: Die Frauen sind eine Woche weg. Eine Woche. Was gibt’s da zu filmen? Spiegel Online hat schon recht, wenn die einzige Möglichkeit, aus dieser Anlage noch etwas herauszuholen, der Weg der Dramatisierung und Übertreibung. Und überhaupt, wer weiß denn, ob diverse Begebenheiten, die gezeigt werden, nicht ganz leicht manipuliert worden sind, damit man überhaupt etwas zu zeigen hat? Jedenfalls stört es mich, dass aus einer kleinen Mücke, einer Lappalie, ein „einzigartiges Experiment“ (Zitat: Sender PR) gemacht wird.

Zweitens: Es basiert auf einem ähnlichen Format der BBC.
Mal ehrlich, sollen die einzigen Aushängeschilder der deutschen Fernsehlandschaft tatsächlich nur „Derrick“ und „Wetten dass…“ sein? Fällt den nationalen Fernsehanstalten denn nichts mehr ein? Sind die nicht mehr kreativ? Bekommen die kein Koks mehr? Was ist denn los? Eine Bilanz in loser Reihenfolge:

  • Big Brother: Kommt aus Holland von Endemol
  • Stromberg: basiert auf „The Office“ von BBC
  • Verliebt in Berlin: jede beliebige Telenovela aus Südamerika
  • Schmeckt nicht, gibt’s nicht: ohne Jamie Oliver nicht denkbar
  • Let’s Dance: Gab’s vorher schon in Israel

Und so weiter…
Die einzigen Kreativen scheinen mir die Leute vom KiKa zu sein, die zum Beispiel mit Wissen Macht Ah! ein Format geschaffen haben, dass in China in Lizenz produziert wird.
Die einzigen Wahrhaftigen scheinen mir die Leute von ProSieben zu sein, die ja eh hauptsächlch amerikanische Serien in’s Programm nehmen.

Quellen:
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,491859,00.html
http://www.dwdl.de/article/news_11522,00.html
http://www.dwdl.de/content/quoten/ (Achtung, vielleicht nicht mehr aktuell!)
http://www.kabeleins.de/doku_reportage/maenner_allein_daheim/

NRW ohne taz

Die WAZ-Verlagsgruppe konnte sich mal wieder behaupten.

Der NRW-Regionalteil der taz wird ab morgen nicht mehr erscheinen. Die Redaktion konnte sich gegen die fast monopolartige Stellung der Westdeutsche Allgemeine Zeitung nicht behaupten, hat ihre durch eine groß angelegte Werbekampagne angepeilten 1000 Abonnenten nicht werben können und wird deshalb mit sofortiger Wirkung eingestellt.

Das Bedauernswerte dabei ist, dass sich somit für die meisten Teile von NRW kaum eine publizistische Alternative bietet, als die Erzeugnisse aus der WAZ-Verlagsgruppe.

Ich glaube nicht, dass das Schwinden der Anzeigekunden oder die sinkenden Abonnements auf lange Sicht das Problem der Zeitungen sind, sondern die Möglichkeit sich gegen eingesessene, angestammte und daher mächtige und vermögende Konzerne wie beispielsweise die WAZ-Gruppe zu behaupten. Hinzu kommt das Fehlen einer wirklich freien Presse. Nicht einer, die nur vom Geld abhängig ist
Der Zeitungsmarkt in NRW bietet ein schönes Beispiel für zwei Dinge:

  1. Die Tendenz zur Monopolisierung auf dem deutschen Zeitungsmarkt.
  2. Der Markt reguliert sich eben doch nicht von alleine.

Quellen:
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,492181,00.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_tageszeitung#Regionalausgaben
http://www.taz.de/index.php?id=medien&art=1474&id=497&cHash=6b9059eff7
http://de.wikipedia.org/wiki/Nordrhein-Westfalen#Medien
http://www.waz.de/

Prominenz und Dekadenz

Ein neues Magazin betritt den hart umkämpften Zeitschriftenmarkt. Okay, eigentlich betritt es ihn nicht wirklich, aber dazu später mehr.
Es geht um das Magazin „Rich“. Dieses Blatt ist speziell für „Reiche“ konzipiert, soll „Talk-Value“ bieten und vor allem ein schönes und bunter Umfeld für die Werbekunden liefern. Das es bei diesem Magazin hauptsächlich um Konsum und Vermarktung geht, wird aus einem Interview des „Blattmachers“ (laut Spiegel aber lediglich „Berater[s] der Chefredaktion, laut Webseite des Magzins „Chefredakteur“) mit DWDL.de hervor.

Der DWDL-Artikel klärt hinreichend, worum es bei „Rich“ geht. Die Besonderheit des Magazins: Es wird, aufgrund des hohen Streuverlustes, nicht am Kiosk angeboten, wo es ja in die falschen, nicht-reichen und un-luxuriösen, Hände geraten könnte. Nein, „Rich“-Gründer Christian Geltenpoth hat sich aus diversen Daten von rund einer Million „reichen“ Haushalten die „richtigen“, also konsumfreudigen, Haushalte herausgefiltert und wird diesen dann im September das Magazin zuschicken. Ganz exklusiv, als „Statussymbol“, denn „Wann bekommen diese Leistungsräger sonst mal eine Anerkennung?“ (Geltenpoht im Spiegel vom 4. 6. 2007).

Tja, geht es dabei auch um Anerkennung? Mir persönlich kommt die Galle hoch, wenn ich sowohl den Artikel, als auch das Interview lese. Es wird hier fast so getan, als wären die Wohlhabenden in Deutschland ein quasi stigmatisiertes Völkchen, das kaum beachtet wird und deshalb etwas verhätschelung dient (Zitat Geltepohl: „Man wisse ja, wie obzön und neidvoll Reichtum hierzulande bisweilen angesehen wird.“ (Spiegel, 4. 6. 07) ).
Obszön ist dabei nur die Tatsache, dass es unter den Wohlhabenden Leute gibt, die sich lieber ihren dritten Ferrari/Lamborghine/Corvette/was-weiß-ich kaufen, als etwas sinnvolles mit ihrem Geld anzufangen.
Ich gönne jedem seinen Erfolg, ich gönne jedem seinen Luxus, frage mich aber immer wieder, wie blind einen Luxus machen kann und wie dieser Luxus auf Menschen wirkt, die nichts haben.
Man kann von mir aus seinen Wohlstand genießen, aber muss man dazu unbedingt Porsche fahren? Sollte man stattdessen nicht lieber auf Operationen im männlichen Unterliebsbereich sparen? Diese scheinen manche der „Reichen“, die dieses Magazin wegen seines „Talk-Value“ auf dem „Coffetable“ lesen und sich feine Sachen daraus bestelln, wahrscheinlich nötiger zu haben als ihr drittes Ferienhaus, diesmal in Florida.

Es tut mir leid, wenn ich etwas polemisch argumentiere, aber angesichts der sich weiter öffnenden Schere zwischen Arm und Reich, sowohl in Deutschland als auch anderswo, angesichts der Ungerechtigkeit der Lebensverhältnisse in der ganzen Welt, angesichts der Auswüchse des Kapitalismus im Zuge der Gaobalisierung, im Angesicht all dessen kann ich mir nur an den Kopf greifen und fragen, ob sich denn niemand dieser Wohlhabenden, dieser angeblichen „Leistungsträger“, dazu verpflichtet fühlt, mir ihrem Geld dieser Ungerechtigkeit ein klein wenig abzuhelfen.

„Selektion verpflichtet […]“, so heißt es (polemisch von mir verkürzt) auf der Webseite des Magazins. Ja, wirklich, aber so?

Quellen:
http://www.dwdl.de/article/news_11467,00.html
http://www.rich-germany.de/main.php
„Der Spiegel“, Ausgabe 4. Juni 2007

Montgomery übernimmt Netzeitung

Die bisher einzige professionelle Onlinezeitung „Netzeitung“ wird von der „BV Deutsche Zeitungsholding“ übernommen.
Zwar steht der Vertrag noch unter Vorbehalt einer Zustimmung des Bundeskartellamtes, aber die Vertragspartner rechnen im Juli 2007 mit der Vollendung der Übernahme.

Hinter der „BV Deutsche Zeitungsholding“ steckt die britische Investmentgesellschaft Mecom und hinter dieser steck wiederum der britische „Private-Equitiy-Manager“ David Montgomery.

Augenscheinlich ist diese Meldung nicht wirklich bemerkenswert, solange man sich nicht die Verstrickungen der Netzeitung vor Augen führt.
So arbeitet die Netzeitung eng mit dem Berliner Radio-Sender „100,6 Motor FM“ zusammen und gestaltet zum Teil deren Programm. Zusätzlich übernimmt die Netzeitung die Gestaltung der nachrichtlichen Aspekte des Teletextes der ProSiebenSat1 Media Ag und auch Teile der multimedialen Gestaltung des an die ProSiebenSat1 Media Ag angeschlossenen Senders N24.
Zudem verlegt die Deutsche Zeitungsholding unter anderem die Berliner Zeitung, eine der größten Abonnement-Zeitungen im Berliner Raum.

Es ergibt sich dadurch also die Situation, dass ein britscher Investor sich einen großen Einfluß auf dem Berliner Zeitungsmarkt erkauft und sich dadurch sogar in der Nähe einer der größten deutschen Privatsendergruppen postionieren kann.

Eine weitere Möglichkeit, die angedacht wird, ist, die Netzeitung, die sich dank der Werbung und der verschiedenen Verwicklungen über Wasser halten kann, kostenlos als Printzeitung zu verkaufen.

Der einzige Zweck, den die Veröffentlichung im Printformat mit sich bringt, ist augenscheinlich die Werbung von Anzeigekunden (die dank der kostenlosen Verbreitung wohl eine große Streuung erreichen können) vielleicht auch die Aufmerksamkeit, die man auf die angeschlossenen Medien (also konkret Berliner Zeitung, Teletext von ProSiebenSat1, 100,6 Moto FM sowie N24) lenken könnte.

Quellen:
FAZ.net-Artikel
http://www.dwdl.de/article/news_11196,00.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Holding
http://de.wikipedia.org/wiki/David_Montgomery

Die Zukunft von RTL II

Die Unterhaltungschefin von RTL II, Julia Nicholas, hat in einem Interview mit DWDL.de ein schönes Wort geprägt: „Real-People-Formate“.
Diese Formate sollen allem anschein nach gewöhnliche Menschen in ihrem alltäglichen Leben darstellen oder eben sonstwie der Öffentlichkeit preisgeben. Leider findet sich keine griffige Definition dieses Begriffes. Aber damit man eine Vorstellung hat: Formate wie „Das perfekte Dinner“ oder auch „Raus aus den Schulden“ gehören dazu. Und natürlich auch die geliebte „Super Nanny“.
RTL II jedenfalls möchte diese Sparte weiter ausbauen. Neben so gehaltvollen Sendungen wie „Frauentausch“ und „Big Brother“ kommen im Sommer wohl noch solche vielversprechenden Formate wie „Mein Kiez“ und „Das Schicksal meines Lebens“ auf uns zu.
Nun gut, man kann das für schlimm halten, aber im Zuge der Quotenorientierung der Privaten mit Hinweis auf das Geld durchaus entschuldbar.
Was nun aber wirklich interessant wäre zu erfahren ist, wer diese Formate schaut und warum.

Ist es wirklich nur die „bildungsferne Schicht“, die sich diese Programme abendlich antut? Oder auch die „freischwebende Intelligenz“ in Form von Akademiker und selbsternannten Intelektuellen, die durch die Rezeption von „Super Nanny“ die Gelegenheit hat, sich selbst dem dargestellten Rest der Gesellschaft in ihrer Lebensart und Erziehungsweise überlegen zu fühlen, während sich der Sohn respektive Tochter im Nebenzimmer wahlweise die Pulsadern aufschneidet oder Koks schnupft?

Wie dem auch sei, interessant ist auch der Einfluß, den diese Formate vielleicht auf andere Sender haben. VOX hat ja mit „Das perfekte Dinner“ auch ein erfolgreiches „Real-People-Format“ und die Doku-Soap „Steinzeit – Das Experiment“ wird ja beispielsweise vom Spiegel auch als „Big Brother im Öko-Ambiente“ verstanden.
Denn, ohne Frage, gesehen werden „Real-People-Formate“ auf jeden Fall.

Vielleicht könnten diese Formate in ihren extremen Auswüchsen vielleicht noch erzieherische Funktionen entwickeln. Durch die Präsentation von Negativ-Beispielen.
Ich sage nur „KOMM MA‘ NACH OSSENDORF!„…

Quellen:
http://www.dwdl.de/article/news_10996,00.html
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,485055,00.html

Habermas zur Zeitungskrise

Jürgen Habermas, dem ein oder anderen kein Unbekannter als Autor der deliberativen Diskurstzheorie und einer der letzen lebenden deutschen Philosophen, äußert sich in einem Artikel auf sueddeutsche.de zum Thema Zeitungskrise und die Aufgabe der Medien in einer Demokratie.

Als einleitendes Beispiel dient ihm die Süddeutsche Zeitung. Diese steuert einem ungewissen Schicksal entgegen, denn ein Großteil der Gesellschafter möchte sich von der Zeitung zurückziehen. Potentiell wird damit Platz geschaffen für eine Teilhabe von Finanzinvestoren.
Falls diese die Mehrheit am Verlag erlangten, bestünde die Gefahr der einseitigen Gefahr der Orientierung an Unterhaltung und Kommerz.

Dies kann sich aber „eine Demokratie nicht leisten“, zumindest wenn es nach Prof. Habermas geht. Denn:

… die öffentliche Kommunikation büßt ohne den Zufluss von Informationen, die sich aufwändiger Recherche verdanken, und ohne die Belebung durch Argumente, die auf einer nicht gerade kostenlosen Expertise beruhen, ihre diskursive Vitalität ein. Die Öffentlichkeit würde den populistischen Tendenzen keinen Widerstand mehr entgegensetzen und könnte die Funktion nicht mehr erfüllen, die sie im Rahmen eines demokratischen Rechtsstaats erfüllen müsste.

Bei den Lösungsvorschlägen zu den Problemen, die sich durch eine Abhängigkeit der Presse vom Kapital ergeben, lässt Habermas den Leser aber im Dunkeln.
Er erwähnt „Stiftungsmodelle mit öffentlicher Beteiligung“, Steuervegünstigungen oder einmalige Subventionen. Ob diese Methoden aber langfristig zum Erhalt der Qualitätspresse führen können, ist mehr als fraglich.

Quelle:
http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/455/114341/

Springer vs. Blogger 1:0

Vor einigen Tagen stellte ein Redakteur der Welt am Sonntag einen Blog auf Welt Online, der sich etwas polemisch/kritisch mit dem neu erscheinenden Buch „Der große Selbstbetrug“ von Kai Dieckmann, Chef-Redakteur der allseits bekannten BILD-Zeitung, auseinandersetzte.

Kurz nach dessen Veröffentlichung wurde dieser Text wieder von Welt Online genommen. Und Herr Posener bekam mit Sicherheit eine Vorladung zum Chef. Warum?

Sowohl BILD als auch Welt und seine Schwesterformate erscheinen im Axel-Springer-Verlag. Wer hat hier Selbstzensur gesagt?

Jedenfalls findet man heute auf der Onlinepräsenz der Süddeutschen Zeitung ein Interview mit Christpoh Keese, Chefredakteur der Welt am Sonntag und auch zuständig für Welt Online.
Interessant sind bei diesem Interview, welches sich natürlich mit dem Posener-Post auseinandersetzt, die Ansichten über Journalismus und Weblogs, die Herr Kesse dort von sich gibt.
Ein Beispiel:

sueddeutsche.de:Einen Blog-Beitrag von der Seite nehmen heißt, das Wesen des Blogs infrage zu stellen?

Keese: Ich finde, es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen professionellem Journalismus und Blogs. Blogs sind private Tagebücher, professioneller Journalismus besteht aus der Kombination von Schreiben und Redigieren. Im Journalismus gibt es keinen Einhandbetrieb, sondern Autoren, die Texte schreiben, und Redakteure, die Texte bearbeiten[…].
[…]
Was am Ende in der Zeitung oder online erscheint, ist Teamarbeit. Genau das erwarten Leser von uns: ein sorgsam begründetes Urteil aufgrund sachlich korrekter Informationen. Blogs arbeiten völlig anders – es sind subjektive Tagebücher. Beide Konzepte markieren Gegensätze.

Aber lest es doch einfach selbst!

BildBlog.de hat zu diesem Thema natürlich auch einen Bericht und eine Meinung.
Den Originalbeitrag von Posener gibt’s übrigens hier.

Quellen:
http://www.bildblog.de/2251/der-grosse-selbstbetrug-von-kai-diekmann
http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/208/114094/

Alte Serien jetzt Online

Zwar ist das völlig digitale Fernsehen noch nicht auf dem Vormarsch, aber es zeichnen sich bereits Entwicklungen ab, die einen erahnen lassen, was Breitband-Internet und YouTube möglich machen.

Die BBC, RTL, ARD und ZDF planen ja schon seit längerer Zeit, ihre Programme auch ständig im Netz zugänglich zumachen (siehe auch Spiegel-Artikel vom 12. 3. 2007, Seite 102 – 105).
Aber auch aktuelle Sendungen findet man schnell im Netz, auf YouTube, MyVideo und anderen einschlägigen Seiten. So ist die letzte Staffel „Stromberg“ (noch) auf YouTube verfügbar. Onlinetvrecorder.com und ähnliche Dienste machen es möglich.

Für „alte Hasen“ im Fernsehserienbereich gibt es aber andere Seiten, die einem Fernsehen in die Vergangenheit über das Netz ermöglichen. Seiten wie www.tv-links.co.uk oder www.alloftv.net stellen im Grunde nur Linksammlungen dar, die auf die Videos verweisen, die auf Servern von YouTube und co. bereits vorhanden sind. Daher sind diese Seiten ja auch nicht illegal, da ja die Haftung für die Inhalte der verlinkten Seiten zumeist ausgeschlossen ist. Oder wie eine Seite es ausdrückt: „How this is legal? I just link them here from an other page. If this would be illegal google would be illegal.“

Die Zukunft des Fernsehen ist diese Art der Verteilung aber kaum. Zu grobkörnig sind oft die Videos und zu schlecht der Sound. Und das Bild ist, abhängig vom Player, meist zu klein, um die Programme wirklich gut zu sehen.
Wie lange werden wir aber diesen „Service“ noch genießen können?
Bei aktuellen Serien werden die Copyrightinhaber in ihrem eigenen Interesse sehr schnell handeln und versuchen, die Verteilung über Video-Plattformen so schnell wie möglich einzuschränken. Was aber ist mit alten Serien, für die sich nur noch wenige vereinzelt interessieren (wie z.B. die Teenie-Comedy-Serie „Parker Lewis – Der coole von der Schule„)? Wahrscheinlich werden uns diese Klassiker noch etwas länger erhalten bleiben, besonders im obigen Fall, da diese Serie auf Deutsch bei YouTube verfügbar ist und die Copyrightrechte momentan entweder nicht vergeben sind, noch bei ProSieben liegen oder beim ursprünglichen Sender FOX. Denn in jedem der drei Fälle besteht kein direkter kommerzieller Verlust für den Rechteinhaber, da die Sendung momentan nicht gesendet wird!

Quellen:
http://www.tv-links.co.uk/
http://alloftv.net/index.php

Links:
http://www.taxi-blog.de/wordpress/sonstwas/802/dailyepisodescom/

Globale Zeitungskrise?

Die FAZ berichtet, dass nicht nur das Verlagshaus Dow Jones momentan in den wirtschaftlichen Seilen hängt, auch die renommierte Nachrichtenagentur Reuters aus Großbritannien hat ein nicht unbeträchtliches Übernahmeangebot bekommen. Man geht davon aus, dass das kanadische Unternehmen Thomson Financial (ebenfalls im Agenturjournalismus tätig, einer der Hauptkonkurrenten von Reuters und Teil der „Thomson Corporation“) Reuters übernehmen möchte.
Die Konsequenzen, die sich aus der Übernahme ergeben, wären altbekannt:
Fortschreitende Homogenisierung des Nachrichtenjournalimus, Einschränkung der publizistischen Freiheit und damit auch der Meinungsfreiheit, nicht zuletzt auch die zunehmend marktwirtschaftliche Orientierung des Journalismus.

Vor allem Rupert Murdochs Medienimperium hat eine zum Teil beängistigende Größe erreicht. Nicht nur, dass die renommiertesten Zeitungen wie „The Times“ und „New York Post“ zu Murdochs Konzern „News Corporation“ gehören, er besitzt auch eines der größten und bekanntesten Hollywood-Studios: „20th Century Fox„. Ebenso bekannt ist dem aufmerksamen Medienrezipienten auch die anti-europäische, streng patriotische Grundhaltung der „Fox Television“, speziell in Bezug auf die Berichterstattung im Irakkrieg.

Es bleibt die Frage, ob die Kartellbehörde der USA sich in der Lage sieht, den stetig wachsenden Nachrichtenkonzernen einen Riegel vorzuschieben, um eine Oligopolisierung des Nachrichtenmarktes zu verhindern.

Quellen:
FAZ.net
Wikipedia