Alle Beiträge von Dennis Drögemüller

Revolution Online

SpOn bietet aktuell einen interessanten Artikel über die Bloggerszene des Iran und den bekanntesten Blogger Hossein Derakhshan, der sich im Web aktiv mit hunderten anderer Blogger aktiv gegen das Mullah-Regime einsetzt. Unter anderem Dank seinem Einsatz existieren mittlerweile über 700000 iranische Weblogs. Die Blogs funktionieren dabei weniger als Protestmittel gegen das Regime, denn als Ausdrucksplattform für die eigene Individualität; eine Tatsache, die einem kulturellen Aufstand gegen die traditionelle Kultur des Iran gleichkommt.

Gegen aktive, liberale Politiker und Journalisten, die in Weblogs ungefiltert ihre Meinung sagen, existiert in Teheran die Zentralstelle für Filtering. Immer öfter heisst es auf iranischen Bildschirmen daher „Lieber User, der Zugang zu dieser Seite ist unmöglich“; gegen die Masse der Weblogs kommt die Zensurzentrale jedoch nur schwer an.

YouTube – (Napster-)Geschichte wiederholt sich

Der Inhaber einer amerikanischen Nachrichtenagentur hat am vergangenen Frietag das Online-Videoportal Youtube.com verklagt. Er hatte bei youtube Ausschnitte seines Nachrichtenmaterials entdeckt und vermutet einen Verstoß gegen den 1998 verabschiedeten Digital Millenium Copyright Act. YouTube widerspricht der Ansicht und behauptet, illegales Material grundsätzlich bei Entdeckung zu entfernen.

Wie schon im Streit um die Peer-To-Peer Tauschbörsen sehen nach Film- und Musikindustrie nun auch andere Sparten, wie professionelle Vertreiber von Informationen ihre Pfründe in Gefahr und klagen was das Zeug hält. Meiner Meinung nach wird sich eine ähnliche Entwicklung ergeben: Früher oder später wird youTube zum Rückzug gezwungen, um dann redesignt und -organisisert von den neuen (Mit-)Inhabern kommerziell zum Relaunch gebracht zu werden.

Immer wieder Sonntags…

…liest der Halb-Linke die „Süddeutsche Sonntagszeitung“. Oder besser gesagt: Würde er wohl, wenn es sie geben würde. Diese Marktlücke (?) plant die SZ im Frühjahr 2007 zu schließen, wie Spiegel Online weiß. Anlass ist laut der SZ das gute Anzeigengeschäft, dass sich mit einer Sonntagszeitung machen lässt, die Sonntagsausgabe der SZ wäre die vierte überregionale Sonntagszeitung. Mit einer Auflage von 150.000 Exemplaren soll die Zeitung zunächst testweise in Bayern starten und bei Erfolg ausgeweitet werden.

Der Problem-Beck

Das aktuelle Cover des Satire-Magazins „Titanic“ ziert ein großes Konterfei von SPD-Chef Kurt Beck, darunter die Zeile „Problembär außer Rand und Band: Knallt die Bestie ab!“. Gegen dieses Titelbild hat Beck jüngst geklagt aktuell darf das Heft aufgrund einer einstweiligen Verfügung nicht weiter vertrieben werden.

Meiner Ansicht nach ist das Vorgehen Beck’s ungerechtfertigt. Der alte Satz „Satire darf alles, solange sie nur trifft“, greift, denn diese Satire trifft zweifellos. Wer hat beim Anblick des bärtigen, gemütlich wirkenden Rheinland-Pfälzers nicht schon mal an einen Bären gedacht. Durch sein politisches Amt ist Beck außerdem eine Person des öffentlichen Lebens, die sich eine (auch kritische oder satirische) Auseinandersetzung mit seiner Person eher gefallen lassen muss als ein Privatmann. Den Aufruf „Knallt die Bestie ab!“ kann man hier auch keinesfalls als Aufruf zu einer Straftat ansehen, da das potentielle Zielpublikum der Titanic durchaus in der Lage ist, die Aufforderung als Satire zu dekodieren.

Sven’s WM-Fake

Nicht mehr ganz taufrisch, aber immernoch aktuell ist die Geschichte von Sven’s WM-Wette (nicht verlinkt, um die Aktion nicht zu unterstützen). „Ich brauche eure Hilfe!“ prangte in großen Buchstaben auf der Seite, auf der „Sven“ versprach, bei bestimmten Besucherzahlen in millionenhöhe immer freizügigere Fotos einer Bekannten zu veröffentlichen, mit der er gewettet habe. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich der Link via ICQ, IRC und Email in die Welt. Mittlerweile ist klar, das keine Wette, sondern ein viel simplerer Gedanke hinter der Seite stand und steht: Geld. Über den im Hintergrund aktivierten Dienst Layer-ads verdiente „Sven“ Geld, die Millionen Klicks steigerten den Wert der Domain in kurzer Zeit enorm, mittlerweile ist die URL (wie auch andere Domains mit ähnlichen Wetten, die „Sven“ ebenfalls betrieben hat) an Firstload.de verkauft. Nachahmer sind mittlerweile ettliche im Netz zu finden, wie Heise.de berichtet. Mehr Hintergründe zu Sven’s Treiben gibt es hier.

Das Interessanteste in dem Zusammenhang: Die Gegenpropaganda zu WM-Sven… ehrliche Aufklärung oder selbe Masche eine Nummer geschickter? Comments, please!

Indymedia

Ein (nicht nur, aber vor allem) für Medienwissenschaftler und politisch Engagierte interessantes Portal ist das von Indymedia. Das „unabhängige Medienzentrum“ stellt eine Zusammenfassung von über 100 verschiedenen, autonomen Medienplattformen dar und bietet dabei vor allem kontroversen Themen wie beispielsweise Atomausstieg, Studiengebühren oder Hartz IV ein Forum. Beiträge veröffentlichen kann über ein entsprechendes Formular grundsätzlich jeder. Die eingereichten Texte werden dann von verschiedenen Administratoren nach einsehbaren Kritierien gegengelesen und online gestellt. Besonders interessante Beiträge können als Feature an zentraler Stelle aufsteigen.

Das Portal legt in seiner Selbstdarstellung wert darauf, keine journalistische Arbeit zu leisten, sondern nur das technische Portal bereit zu stellen. Genau hier muss man kritisch hinschauen: Ist das Gegenlesen von Texten auch ohne folgendes redigieren bereits eine journalistische Kontrolle? Kann man hier nur mit rechtlichen Problemen argumentieren, die die freie, ungefilterte Veröffentlichung jeder Art von Inhalten mit sich bringt? Oder wird hier aus Gründen der Glaubwürdigkeit die Gatekeeper-Funktion bestritten?
In jedem Fall ist die Seite einen Besuch wert, nicht jeder Beitrag sollte unhinterfragt aufgenommen werden, aber eine „Gegenöffentlichkeit“ dieser Form, die darüber hinaus interessant vernetzt und organisiert ist, bietet einige Denkanstöße hinsichtlich Themen, aber auch medialer Strukturen.