Kill Bin Laden – Brisanter Filmstoff

Osama Bin Ladens Tod als Medienereignis. Was sich in den letzten Tagen als Tatsache herausgestellt hat, wurde in der Filmbranche schon lange thematisiert. So ist es kein Wunder, dass nach diversen Filmen zum 11. September (um nur einige zu nennen: Fahrenheit 9/11, Flug 93, World Trade Center) auch bereits Produktionen zum Thema Bin Laden in den Startlöchern standen.

Filmregisseurin Kathryn Bigelow, die für ihr Kriegsdrama „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ 2010 mit zwei Oscars ausgezeichnet wurde, arbeitete schon an einem Film mit dem Projektnamen „Kill Bin Laden“. Inhalt des potentiellen Action-Thrillers war jedoch bisher nur ein gescheiterter Versuch des US-Militärs, den Terroristen dingfest zu machen.

Doch Bigelow ist nicht die einzige mit dem richtigen Riecher für publikumswirksamen Filmstoff. Ein weiteres Projekt, mit dem unter anderen Regisseur Oliver Stone geliebäugelt hatte, war die Verfilmung des Buches „Jawbreaker“. Der ehemalige CIA-Offizier Gary Berntsen erzählt hier von den Anfängen der Jagd auf Bin Laden vor nun bereits 10 Jahren. Jene Verfilmung war bisher allerdings noch nicht wirklich in Gang gekommen.

Im Juni letzten Jahres war Osama Bin Laden hingegen schon Thema einer fertigen Dokumentation von Steve Webb. „10 ways to kill Bin Laden“ stellte 2010 zehn Pläne der USA dar, die zu einer gelungenen Mission hätten beitragen können.

Jetzt, da Bin Laden tatsächlich tot ist, hat der Wettlauf um die Kinoerfolge und Besucherzahlen begonnen. Denn eine Story mit realem Ende, zudem noch mit einem Triumph für die USA, hat gute Aussichten darauf, die amerikanischen Kinokassen klingeln zu lassen. Für Kathryn Bigelow und Mark Boal, den Drehbuchautor, bleibt nun zunächst, das bisherige Material entweder nur wenig zu verändern oder gänzlich der Realität anzupassen. Immerhin ein Schauspieler, Joel Edgerton, soll schon für eine Rolle in „Kill Bin Laden“ zur Verfügung stehen.

Es ist wohl nur noch eine Frage von wenig Zeit, bis das erste Kinoereignis zum finalen Schlag gegen Osama über die Leinwände flimmert. Man darf gespannt sein, inwieweit sich Nationalstolz und Triumphgefühl auf den Erfolg des Films ausüben werden oder ob der amerikanische Zuschauer jenes Thema als mediale Sensation letztlich doch eher ablehnt.

http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,760298,00.html

http://diepresse.com/home/kultur/film/654809/Kill-Bin-LadenFilm-von-der-Realitaet-ueberholt

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