Fox, Lierhaus & die Krankheit

Michael J. Fox misst nur 1,62 m. Trotzdem gehört er zu den ganz großen Hollywoods. Am 5. Februar wurde ihm in Berlin die Goldene Kamera in der Kategorie „Lebenswerk International“ verliehen. An demselben Abend und auf derselben Bühne, auf der Monica Lierhaus ihr Comeback feierte und ihrem Lebensgefährten einen Heiratsantrag machte.

Beide leiden an einer Krankheit: Bei Fox wurde vor rund 20 Jahren Parkinson diagnostiziert und die ehemalige Sportmoderatorin Lierhaus musste sich Anfang 2009 einer Gehirnoperation unterziehen, bei der folgenschwere Komplikationen auftraten, die so heftig waren, dass sie zum Pflegefall wurde. Das Sprechen und Gehen musste sie zum zweiten Mal lernen. Was die beiden aber tatsächlich gemeinsam haben ist nicht die Krankheit, sondern die Tatsache, dass sie sich schlichtweg weigern, sich ihr zu ergeben. Und sie tun das öffentlich: Jeder kann vor seinem Fernseher zuhause das Zittern von Michael J. sehen und die Sprachschwierigkeiten hören, die Lierhaus immer noch hat.

Wie viele Menschen in unserem unmittelbarem Umfeld an einer chronischen Krankheit leiden weiß keiner von uns. Schenkt man der Ärztezeitung glauben, ist  heute jedes achte Kind in Deutschland chronisch krank. Der öffentliche Umgang mit dem Thema Krankheit kann unserer Gesellschaft deshalb nur gut tun, insbesondere weil dieser Tage in den Köpfen vieler Menschen der körperlichen Gesundheit ein gottgleicher Status eingeräumt wird. Die Medien nehmen dabei die bekannte Rolle des Agenda-Setters ein. Was früher der Ablassbrief war, ist heute die Vitaminkur. Aber anders als bei der Sünde ist es mit der Krankheit: „Jeden kann es treffen“, warb vor nicht all zu langer Zeit der aus Trier stammende Komödiant Guildo Horn auf Straßenplakaten für einen natürlichen Umgang mit körperlich eingeschränkten Menschen.

Monica Lierhaus, als auch Michael J. Fox kann man nur den tiefsten Respekt aussprechen, weil sie stellvertretend für alle anderen, einen selbstbewussten Umgang mit ihrer Krankheit öffentlich vorführen und damit beweisen, dass es nicht die Krankheit ist, sondern der Mensch, der interessiert.

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