Die grüne Blamage der CSU

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„Ein Männlein steht im Walde ganz grün und dumm.“ So lautet der erste Satz, hinterlegt mit der allbekannten Melodie, eines von der CSU veröffentlichten Anti-Grünen Videos. Hauptdarsteller des netten Filmchens ist ein Strichmännchen (Parteimitglied der Grünen), welches sich während eines cholerischen Wutanfalls im Wald, selbst mit einer Steinschleuder einen Stein an den Kopf feuert.

Der 30-Sekunden-Spot, samt hinterlegtem Song und visueller Darstellung, ist so provokant, geschmacklos und flach, als wäre er gerade aus der Bildzeitungsredaktion entsprungen. Kaum vorstellbar, dass der Spot im Auftrag der CSU erstellt und veröffentlicht wurde.

Doch was verspricht sich die Partei von dieser peinlichen Aktion? Welche Wählergruppe soll damit angesprochen werden?  Ist dies der Vorgeschmack auf einen Wahlkampf, wie wir ihn bereits in anderen Staaten beobachten können?

Mit der Veröffentlichung dieses Videos, hat sich die Partei selbst einen Stein an die Schläfe geschleudert. Kritik hagelt es selbst aus Reihen der Mitglieder, so postet Peter Strauch, Ortsvorsitzender der CSU Dachau, auf der Website der Partei:

„Liebe Leute, so eine Kampagne kann doch nicht Euer ernst sein?!? Da komm ich als Ortsvorsitzender vor der lokalen Presse auch in Erklärungsnot und muss mich für so eine Kampagne bei den politischen Gegnern fast schon entschuldigen. Das sollte nicht unser Niveau sein. Bitte stoppt die Kampagne!“

Für mich ist dieses Video ein jämmerlich fehlgeschlagener Versuch eines politischen Angriffs – dennoch gebe ich zu, der Spot hat mich für einige Minuten amüsiert.

Quellen:

(Den Spot findet Ihr auf beiden Sites)

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-01/csu-gruene-video

http://www.csu.de/partei/aktuelles/1811116.htm?dtbpage=2&ac=post&read=

3 Kommentare zu “Die grüne Blamage der CSU”

  1. s2fazitt sagt:

    Seitdem ich mich für Politik interessiere, konnte ich unserem Parteiensystem nichts abgewinnen – alles im Endeffekt derselbe Mist, egal ob Rot, Grün, Grau, Schwarz, Terracotta oder Khaki.

    Mittlerweile spielt Politik für mich nur noch eine Rolle – eine unterhaltende (Danke, liebe Satiremagazine!). Die Regierungsparteien klopfen sich vehement auf die Schulter – oder wie kann man sich erklären, dass unser allseits geliebter Außenminister bei einem Stand von 3 % in den Umfragewerten während des Dreikönigstreffen allen Ernstes sagt: „Der Anfang für eine erfolgreiche Zukunft ist gemacht!“

    Stets bin ich auf der Suche nach politischen Programmen, mit denen ich mich identifizieren kann. Moment, mir würden ja schon einzelne Punkte reichen. Aber wird überhaupt auf Programme eingegangen? Dieser genannte Werbespot soll suggerieren: Die Grünen sind blöd, also wählt die CSU. Logischer Zusammenhang? Dafür reicht mein intellektueller Horizont anscheinend nicht aus. Bitte liebe Blogger, erklärt es mir!

    Anschwärzen scheint im Bundestag das Stilmittel schlechthin zu sein. Hoppla, hatte da eben die Parteivorsitzende der LINKEN tatsächlich das böse „K-Wort“ in den Mund genommen? Ha, da beantrage ich doch gleich mal beim Verfassungsschutz, dass diese bösen Demagogen von der Parteiliste gestrichen werden (Gruß an den Noch-Vorsitzenden der CSU, Herrn Seehofer)!

    In diesem Fall sind ist es die CSU, aber es gibt unendliche Beispiele für dieses „Gegenseitig-schlecht-Gerede“, auch in anderen Parteien. Wer von denen ist denn ernsthaft am Wohle des Volkes interessiert und klebt nicht nur an seinem eigenen Posten? Schönes Marionettenspiel sag ich da nur (ein Fall für Renè Marik)!

    PS: Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  2. s4makirc sagt:

    Richtig, andere Schlechtmachen war schon immer das beste Mittel, um von eigenen Fehlern abzulenken. Hat man keine innovativen Ideen bzw. ein gutes Wahlprogramm zur Hand, wird einfach mit dem Finger auf die anderen Parteien gezeigt; frei nach dem Motto: „Die sind noch schlechter als wir, also wählt uns“. Schade, dass dies in fast jedem Wahlkampf so geschieht, es wäre sehr erfrischend, wenn eine Partei ein wirklich gutes Konzept vorlegen könnte und aufgrund dessen gewählt würde und nicht, weil sie die anderen Parteien möglichst schlecht darstellen konnte. Bis dahin bewegen wir uns eben weiter auf Strichmännchen-Niveau.

  3. s2irackf sagt:

    Klar, Schlechtmachen war schon immer ein Mittel in der Politik und wird wohl noch lange eines bleiben. Trotzdem gab es meiner Meinung nach selten etwas, dass einerseits SO schlecht und niveaulos, andererseits SO daneben gegangen ist.
    Demaskiert wird hier wohl nicht die pseudo-bürgerliche Fassade der Grünen, sondern das Niveau der CSU.

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