Bis zum nächsten Medienskandal

Nach dem Aufstehen zum Frühstück erst einmal ein leckeres Ei – ach nein, da war doch was … Dioxin. Dioxin? Dioxine sind besonders langlebige Umweltgifte, genauer gesagt Kohlenwasserstoffverbindungen, die unterschiedlich stark mit Chlor versetzt sind. Mit diesen Stoffen belastete Industriefette sind schon seit letztem März zu Tierfutter verarbeitet worden. Industriefett mit Dioxinzusatz – vielleicht nicht ganz zum Verzehr für Mensch und Tier geeignet …

Nun wurden bereits über 4700 Höfe gesperrt, die ihr „Tierfutter“ von Futterlieferanten bezogen, die dem Futter Fett von Herstellern, wie „Harles und Jentzsch“, beimischten. Hier wurde der erlaubte Dioxingrenzwert um mehr als das Doppelte (bei manchen Proben sogar das zehnfache) überschritten. Aber nicht nur Hühner sind betroffen, auch Schweine und Puten bekamen von den 150.000 Tonnen Dioxin-Futter zu fressen.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner forderte nun strengere Kontrollen und Regelungen; unter anderem sprach sie sich für das Verbot der gleichzeitigen Produktion von Futter- und Industriefetten auf ein und dem selben Firmengelände aus.
Die Frage nach der Wirksamkeit strengerer Regulierungen stellt sich aber in sofern, als dass die Medien uns in regelmäßigen Abständen immer wieder Meldungen über Futter- und Lebensmittelskandale, sei es nun Dioxin, Analog-Käse oder falschen Schinken, liefern. Was, außer Bioprodukten kann man also noch essen? Durch Konkurrenzdruck und den Kampf um möglichst niedrige Preise werden Hersteller wohl weiterhin minderwertige, giftige Mittel einsetzen und Tiere unartgerecht halten. Ist der Medienhype aber erst einmal vorbei, kümmert sich die große Masse der Verbraucher nicht mehr um die Art, wie ihre Nahrungsmittel hergestellt werden, und verfällt in das gewohnte Muster, zum Billigsten zu greifen, zurück. Um Veränderungen zu erreichen, müsste die gesamte Produktion und Kaufbereitschaft der Kunden verändert werden; eine unrealistische Vorstellung. Also, gewohntes Konsumieren bis zum nächsten Medienskandal …

Quellen:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,738227,00.html
http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2011-01/dioxin-harles-proben

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Ein Gedanke zu „Bis zum nächsten Medienskandal

  1. Es stellt sich die Frage warum ausgerechnet jetzt dieses Thema ein Fenster gefunden hat, durch das es sich auf die Nachrichten-Agenda geschlichen hat. Denn anscheinend ist dieses Problem ja schon länger präsent und publik…ist wirklich so wenig passiert zwischen den Jahren?!

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