Photoshop war gestern …

Lange Beine, schlanke Figur, große Muskeln – computererzeugte Traummaße und Schönheitskorrekturen mit Hilfe weniger Mausklicks sind mittlerweile jedem bekannt – so lange es sich dabei um Möglichkeiten im Rahmen der Fotobearbeitung handelt. Dass nun in Zukunft auch die Option bestehen könnte, Videoaufnahmen perfekt zu manipulieren, verdanken wir dem Saarbrücker Max-Planck-Institut für Informatik (MPII).

Mit dem Prototyp “Movie Reshape”, entwickelten Arjun Jain, Thorsten Thormählen, Hans-Peter Seidel und Christian Theobalt eine Software zur nachträgliche Veränderung von Körperproportionen in Videoaufnahmen per Schieberegler. Bislang erlaubt das System Variationen in den Bereichen Beinlänge, Muskelmasse, Gewicht, Größe, Hüft-, Bauch- und Brustumfang. Um diese Veränderungen zu realisieren, greift das System auf eine Datenbank mit 3-D-Körpermodellen zurück.

Im Vorfeld ließen die Informatiker die Körper von 100 Probanden einscannen, aus denen dann ein Durchschnittskörper erzeugt wurde. Wird nun eine Videosequenz in das Programm eingegeben, passt sich das Durchschnittskörpermodell an die Filmgestalt an. Nach dieser aufwändigen, da mehrstündigen Prozedur ist die Person allerdings genau analysiert und von diesem Zeitpunkt an genügt ein einfaches Verschieben des gewünschten Reglers, um die Figur automatisch auf anatomisch korrekte Weise zu morphen. Das Bewahren der Körperproportionen stellt dabei die zentrale Leistung des Programms dar, denn bereits bei kleinen anatomischen Abweichungen reagiert das menschliche Auge und realisiert, dass es sich um eine Manipulation handelt. Wie fortschrittlich die Software diesen Punkt umsetzt, lässt sich im Beispielvideo weiter unten sehen.

Künftig müssen Schauspieler wohl noch weniger um ihr “perfektes” Aussehen beneidet werden, da sie im “wahren Leben” nun weder ihren Bildern noch ihren Filmaufnahmen gleichen …

Eine Vorstellung der Software erfolgte im Dezember auf der Grafik-Messe “Siggraph” in Seoul, ein Videobeispiel findet sich unter:

http://www.mpi-inf.mpg.de/resources/MovieReshape/index.html#material

Quellen:
http://www.mpi-inf.mpg.de/resources/MovieReshape/
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 14.11.2010

print

Ein Gedanke zu „Photoshop war gestern …

  1. Es bleibt mir ein Rätsel,warum Unmengen an Geld in Produkte investiert werden, die ideale Schönheit herbeiretuschieren. Fakt ist,dass es sie nicht gibt und sprichwörtlich sowie so im Auge des Betrachters liegt. Die Macht der inszenierten Realität wird vielen Menschen zum nie erreichbaren Vorbild dienen, und dauerhaft versuchen den Moment, in den gnadenlos ehrlichen Spiegel zu schauen, zu vermeiden. So
    Ungephotoshopt, ohne virtuelles Lifting, Bodystyling, ist dass dann noch zu ertragen?

Kommentare sind geschlossen.