?Beginn eines neuen Fernsehzeitalters?

Spätestens seit dem 17. Juli 2009 ist es raus: Steffen Seibert hat also auch Beine, kann diese bewegen und dabei sogar benachrichtigen.
Was die Wetterleute schon seit einiger Zeit können, versuchen jetzt auch die Moderatorinnen und Moderatoren des ZDF. Mit dem neuartigen Studio auf dem Mainzer Lerchenberg wird die Kastenstarre der Sendung aufgebrochen und die Bewegung im Raum gewagt. Natürlich hat dies nicht nur ästhetische Gründe: „Wir können nun die verständlichsten Nachrichten im deutschen Fernsehen produzieren und sie mit der hohen Glaubwürdigkeit unserer Moderatorinnen und Moderatoren verbinden“, sagt der stellvertretende Chefredakteur des ZDF, Elmar Theveßen. Bild und Text verschmelzen zu einer Einheit. Aber nicht zu verspielt: „Realität wird nicht vorgespielt und nicht imitiert. Für den Zuschauer ist jederzeit erkennbar, dass sich alles, was er sieht, in einem Nachrichtenstudio abspielt.“
Die Verantwortlichen des öffentlich-rechtlichen Senders sehen den Nutzen der Millioneninvestition für die Gebühren zahlenden Zuschauer hauptsächlich im höheren Erklärpotential durch den Einsatz virtueller 3D-Grafiken.
Tatsächlich bietet die ?grüne Hölle? ? wie das Studio ZDF-intern genannt wird ? fast einen 360°-Grad-Raum aus grünem Hintergrund zum Einfügen von Computerwelten, vergleichbar mit dem Blue Screen bei Animationsfilmen.
Für heute journal-Moderator Klaus Kleber aber ist das Schönste am neuen Studio, ?dass wir nicht mehr auf diesen dämlichen Hockern sitzen müssen, halb sitzend, halb stehend.?
Der erste Eindruck der ?neuen Sendung? lässt trotz aller Zukunftsweisung befürchten, dass einige Kritiker die seriös-nüchterne Nachrichteninformation von der auffälligen Dynamik und Virtualität als in den Hintergrund gedrängt bemängeln.
Allerdings kann u.a. angesichts der Tatsache, dass beispielsweise CNN in seinen Nachrichtensendungen schon mit Hologrammen arbeitet, damit entgegnet werden, dass Deutschland in Sachen Medienevolution wieder einmal nur nachzieht.

Quelle: zdf.de

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3 Gedanken zu „?Beginn eines neuen Fernsehzeitalters?

  1. Ich habe mir gestern Abend das neue Nachrichenstudio bei der „Jungfernfahrt“ angesehen: Auf den ersten Blick ist man befremdet über die neue Optik, doch auf dem zweiten bleibt doch alles beim alten. Aufgefallen ist mir nur, dass die eingespielten LIVE-Schaltungen ins Ausland fast schon veraltet wirken: man erwartet nur noch High-Tech in der „Grünen Hölle“, dann wird ein Korrespondent im Iran gezeigt und alles ist wie früher – nur dass es schon fast nicht mehr stimmig wirkt im Gesamtkonzept der Sendung. Aber wahrscheinlich ist das nur Gewöhnungssache.

  2. Meines Erachtens stehen kosten und Nutzen des Projekts nicht im richtigen Verhältnis. Technische Spielereien haben zweifellos ihren Reiz und mitunter auch Nutzen. Bislange sehe ich aber noch nicht den tatsächlichen Mehrwert oder die Steigerung des (tatsächlich relevanten) Informationsgehalts. Beides müsste aber definitiv vorhanden sein, um die Investition vor den Gebührenzahlern rechtfertigen können – statt eines Nussbaum-Tischs fürs Studio hätten es schließlich auch die Rechte für die eine oder andere Dokumentation oder Reportage mit größerem Bildungsfaktor werden können. Allein die Tatsache, dass Deutschland in Sachen Medienrevolution nachziehen muss, reicht für mich als Begründung längst nicht aus – insbesondere deshalb, weil wohl auch noch zu klären wäre, wo die Revolution anfängt und der kurzlebige Trend aufhört…

  3. Selbst wenn der viel propagierte Umbruch in der Nachrichtenvermittlung noch eintreten sollte, kommt der Einsatz der neuen Möglichkeiten nicht über eine kurze Blütephase hinaus, denke ich. Viele Dinge werden wohl noch ausprobiert, aber aus Gründen der Aktualität oder auch des geringeren Aufwandes dann auch wieder abebben.

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