I.Play: Kinder dürfen draußen bleiben!

Als Erziender hat man es im Zeitalter einer allgegenwärtigen Technologisierung und medialen Globalisierung durch das Internet wahrscheinlich wirklich nicht einfach. Auf der einen Seite gibt es eine nicht von der Hand zu weisende Signifikanz der neuen Medien, die im späteren Leben der Kinder eine wichtige Rolle spielen werden, wodurch immer wieder auf eine möglichst frühe Heranführung an digitale Medienangebote hingewiesen wird, auch im Zusammenhang mit Studien, die eine mit der Internetnutzung verbundene Steigerung der Schreibfähigkeit und Allgemeinbildung sowie sowie dem Aufbau wichtiger sozialer und technischer Fertigkeiten belegen. Auf der anderen Seite beinhaltet die Nutzung von Computern und Internet eine schier unendliche Zahl von Gefahren und Gesundheitsrisiken, vor denen Eltern ihre Sprößlinge natürlich schützen wollen. „Und überhaupt“, werden sich diese Eltern fragen: „…sollten Kinder nicht viel mehr draußen herumtollen dürfen als ihre Zeit vor einen Bildschirm zu verbringen? Natürlich ist alles eine Frage des richtigen Maßes, trotzdem:  Gibt es denn keine Möglichkeit, Kinder auf spielerische Weise ins neue Multimediazeitalter zu  geleiten ohne dass sie ständig vor dem PC sitzen müssen?“

Diese oder ähnliche Fragen hat sich der Sportwissenschaftler Phil Hodgkins wohl auch gestellt und präsentiert nun scheinbar die Lösung: I.Play! Der ein wenig nach Apple klingende Namen steht für „Intelligent Play“ und bezeichnet ein mit einem Computer ausgestattetes Spielgerüst. Auf diesem Gerät befinden sich an Streben angebrachte Schalter, die es nacheinander zu drehen, zu drücken oder zu ziehen gilt. Das Gerüst besitzt eine Sprachausgabe, welche dem Kind nach dem Betätigen eines Schalters mitteilt, welchen es wie als nächstes in Angriff nehmen muss. Das soll die Kinder dazu bringen, hochzuspringen, hin- und herzulaufen und dadurch die unterschiedlichsten Muskelgruppen zu trainieren, während ihnen der  Umgang mit einem technischen Gerät geradezu nebenbei beigebracht wird.  Neben dem physischen Lerneffekt kommt am Ende nämlich sogar noch ein virtueller hinzu: I.Play merkt sich die für den Parcours benötigte Zeit und bietet den Kindern auf der I.Play-Website die Möglichkeit, sich über eine Highscoreliste mit anderen auszutauschen, was die medial-sozialen Fähigkeiten der Kinder verbessern soll.

Fragt sich nur, was hier im Vordergrund steht, denn eigentlich ist das Konzept für ein derartiges Spielgerät durchaus lobenswert. Der Entwickler von I.Play sieht jedoch das Erstellen und Vergleichen von Highscores als das eigentlich Innovative an seiner Erfindung (vgl. Interview auf Spiegel-Online). Doch gerade dieses Feature hat den Effekt, dass die Kinder vom Spielplatz direkt wieder vor den PC gelockt werden. Die körperliche Betätigung am Spielgerüst wird dadurch zur Nebensache degradiert, Spielen wird Mittel zum Zweck. Darüber hinaus ist eine derartige Internetnutzung pädagogisch eher weniger wertvoll, denn sinnvolle Inhalte bietet das Vergleichen von Highscores nicht wirklich.

Nichtsdestoweniger wurden in Großbritannien bereits mehr als 40 I.Play-Gerüste aufgebaut. Bei einer derartigen Wachstumsquote scheint es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Potenzial der internationalen Nachkommenschaft nicht mehr durch vergleichende Bildungsstudien wie Pisa bewertet wird, sonder durch I.Play.

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2 Gedanken zu „I.Play: Kinder dürfen draußen bleiben!

  1. Übersehen wird bei allem Lob, dass hier schon ein gewisser Konkurrenzkampf auf die Spielplätze getragen wird. Es wird sicher einige Pädagogen geben, die laut aufschreien werden, sobald das I.Play auch in Deutschland eigeführt werden soll. Anstatt das Spielen miteinander, und somit soziale Kompetenzen im menschlichen Miteinander zu schaffen, werden die Kinder schon von kleinauf zu einem konkurrierenden Verhalten erzogen: Wer ist die/der Beste, im Umgang mit dem I.Play!

    Nebenbei bemerkt, ist der Vergleich des I.Play mit dem Konsolenspiel „Boktai“ sehr hinkend, da es nicht darum geht Konsole dank eines Solarsensors im Freien zu spielen, sondern sich im Freien zu Bewegen:) Siehe Spiegel-online-Beitrag

  2. Jetzt habe ich erst einmal laut gelacht!
    Leben wir jetzt bitte schon so weit in der Zukunft, dass ein Computer notwendig ist, der den Kindern zeigt, wie und dass man sich bewegt?? Bedarf es heute Batterien, Kabel oder Tasten, damit ein Kind sich mit etwas beschäftigt?
    Außerdem ist das doch wohl ein Widerspruch in sich: Das Gerät soll die Kinder von ihren Konsolen und PCs weglocken und sie zur Bewegung animieren. Gleichzeitig wird ihnen der Umgang mit technischen Geräten näher gebracht. Und die Höhe ist ja bitte dieser Internet- Highscore…
    Ich mag mich ja wirklich noch nicht alt nennen, und ich bin es auch nicht, aber ich habe früher im Garten Häuser gebaut, bin Fahrrad gefahren, rumgetobt… und fühle mich deshalb, als sei meine Kindheit schon Jahrzehte vorbei. Pff…

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