Die Mafia-Methoden der Bild-Zeitung

Die neueste Werbekampagne der Boulevardzeitung des Axel Springer-Verlags:
Prominente wie der ZDF Talkshow-Moderator Johannes B. Kerner,das Handball-Idol Stefan Kretzschmar ,die RTL-Moderatorin Nazan Eckes und der Fussballnationalspieler Philipp Lahm rühren im neuesten Werbespot auf allen Kanälen die Werbetrommel für die Bild-Zeitung.
Der clever gemachte Spot stellt das Blatt als aufgeschlossen , offen für Kritik und für jeden Spass zu haben dar.
Blickt man hinter die Kulissen, wird schnell klar, nach welchen Mustern die Bild-Redaktion vorgeht.
Es ist ein Geben und Nehmen, das der Zeitung die Informationen für ihre skandalträchtigen Schlagzeilen liefert.

Es ist bei näherem Hinsehen z.B kein Zufall, dass der bekannte Moderator Johannes B. Kerner mit von der Partie ist:  Seine Sendung wurde in der Bild in den letzten 3 Jahren glatte 35 mal als DER TV-Tipp empfohlen,ausserdem macht die Zeitung Werbung für sein Kochbuch.Dafür liefert er Schlagzeilen als Gegenleistung.
Die Zeitung erfährt von ihm bereits morgens, welche Highlights es abends in seiner Show geben wird (z.B der Tränenausbruch von Verona Pooth).

Über den Politiker Gregor Gysi gab es kompromittierende Geschichten: Das Blatt zeigte ein angebliches Röntgenbild seines Gehirns mit den Worten „Nach Gehirn-OP bin ich nicht bekloppter als vorher“ und eine Story über ihn und seinen Partner Lafontaine „Warum sind diese beiden so gefährlich“.
Oft musste er sich über derartige Artikel ärgern.
Umso mehr erstaunt es, dass auch er jetzt für BILD wirbt: „(…)Ich lese BILD gelegentlich um zu wissen, was Millionen Meschen denken sollen(…)“, schreibt er in der Kampagne.

Er ist nicht der einzige Prominente, der trotz öffentlicher Schlammschlacht um seine Person plötzlich der BILD so zahm aus der Hand frisst.
Dies sollte einem zu Denken geben.

Zudem in der Vergangenheit manche Promis von der skandalgeilen Boulevardzeitung gedrängt, um nicht zu sagen, erpresst wurden, wenn sie nicht die gewünschten Informationen preisgeben wollten.
So gibt die Buchautorin Charlotte Roche (Feuchtgebiete) an, die BILD habe ihr mit einer „Geschichte, die nicht gut ist für sie“ gedroht,“wenn sie nicht endlich zur Verfügung stünde für ein Interview über den Unfall in meiner Familie(…)“. Ihre 3 Brüder waren kurz vorher bei einem Autounfall ums Leben gekommen.

Die prämierte Filmdiva Sibel Kekilli empörte sich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung darüber, dass die Bildzeitung alte Pornobilder über sie veröffentlicht hatte. Offensichtlich hat die Bildzeitung mit Psychoterror versucht, ein Interview zu erzwingen.Nach Angaben der Schauspielerin: „Die „BILD“-Zeitung sagte mir zum Beispiel: Wir wollen jetzt an deine Eltern ran.Aber wir können sie in Ruhe lassen, wenn du uns ein Interview gibst“.

Nach Meinung des Medienanwalts Christian Schertz müssen Personen, die mit der BILD bewusst nicht zusammenarbeiten im schlimmsten Fall damit rechnen, eventuell einer anhaltenden Negativ-Berichterstattung ausgesetzt zu sein.

Die Bildzeitung scheint die deutsche Prominenz fest im Würgegriff zu haben, denn sie spielt mit dem für in der Öffentlichkeit stehenden Menschen wichtigstem Gut : Deren Bild in dieser Öffentlichkeit.

Quellen: Sendung „Zapp“ , NDR,11.märz 2009

http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/media/zapp3186.html

print

5 Gedanken zu „Die Mafia-Methoden der Bild-Zeitung

  1. Der Beitrag liest sich beinahe wie ein Mafia-Thriller. Danke, habe die Zapp-Sendung nicht gesehen.
    Die Frage, die sich mir stellt ist: Warum unterstützen viele Prominente diese mafiösen Methoden? Werden Sie es nur so lange tun, bis sie vielleicht selbst in einer Situation sind, in der sie ihr Schicksal mit Reportern der BILD nicht teilen möchten und daraufhin erpresst werden? Wünschen möchte man dies niemandem.

  2. Mit der Diskussion über ihre „Werbestrategie“ hat die Bild-Zeitung eher einen unerwünschten Antiwerbungseffekt erreicht. Bei der Werbekampagne diskreditieren sich sowohl „Bild“ selbst, als auch die Promis, die sich als leicht manipulierbar zeigen.

  3. Mit der Diskussion über ihre ?Werbestrategie? hat die Bild-Zeitung eher einen unerwünschten Antiwerbungseffekt erreicht. Bei der Werbekampagne diskreditieren sich sowohl ?Bild? selbst, als auch die Promis, die sich als leicht manipulierbar erweisen.

Kommentare sind geschlossen.