Das Reich der Mitte erobert den Globus

Chinas weltwirtschaftliche Bedeutung wächst kontinuierlich. Die Volksrepublik in Fernost gilt als viertgrößte Volkswirtschaft, drittgrößte Handelsnation und verfügt mit über 1.900 Milliarden US-Dollar weltweit über die höchsten Devisenreserven. Nun möchte Peking auch die Bedeutung in der weltweiten Medienlandschaft ausbauen und möchte deshalb laut Angaben der taz etwa fünf Milliarden Euro in den Ausbau der chinesischen Auslandsmedien investieren.

Den Anfang machte bereits vor Jahren der Fernsehsender CCTV mit seinem englischsprachigen Kanal. Seit letztem Sommer ist das Programm außerdem in spanischer und französischer Sprache zu empfangen. Um den potenziellen Nutzerkreis weiter auszubauen, soll im Spätsommer ein russischer und ein arabischer Kanal hinzukommen. Derzeit werden dafür offenbar noch Journalisten gesucht.

Im Printsektor möchten die Chinesen neben der „China Daily“ künftig auch die Boulevardzeitung „Huanqiu Shibao“ („Global Times“) als englische Ausgabe international verfügbar sein. Hierzu werden derzeit offenbar noch Mitarbeiter gesucht, die nach Angaben der taz „Teamplayer und kreativ sein und dynamische Überschriften [kreieren] sowie Artikel komplett umschreiben können“ sollten.

Am deutlichsten zeigt sich der mediale Expansionswille Chinas jedoch an den Plänen der amtlichen Agentur „Xinhua“. Sie soll demnächst mit einem englischsprachigen TV-Nachrichtensender weltweit vertreten sein und ferner die Zahl ihrer Auslandsbüros von 100 auf 186 erhöhen.

Der Journalismus-Professor Wang Handong von der chinesischen Universität in Wuhan erklärte gegenüber der taz hinsichtlich der Medienoffensive, dass deren Erfolg davon abhänge, ob man Chinas Medien im Alltag als unabhängig oder als Propagandawerkzeug wahrnehme. Diese Befürchtungen wurden auch in jüngster Zeit wieder durch verschiedene Vorkommnisse bestätigt. Während der Antrittsrede von Barack Obama wurde die Übertragung zum Beispiel unterbrochen, als der US-Präsident das Wort „Kommunismus“ auch nur erwähnte. Außerdem riefen chinesische Intellektuelle kürzlich zu einem Boykott des Senders CCTV auf. Begründet wurde dies unter anderem damit, dass dort meist positiv über China und negativ über das Ausland berichtet wird und Nachrichten über chinesische Protestbewegungen oder ähnliches nicht gesendet werden. Auch der Boykottaufruff fand bei CCTV keine Erwähnung.

Einblicke in eine fernöstlich geprägte Medienzukunft bieten die Nachrichten und Videos auf der englischsprachigen Seite von CCTV: http://english.cctv.com/

Gute Unterhaltung!

Quellen:

taz
Auswärtiges Amt

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2 Gedanken zu „Das Reich der Mitte erobert den Globus

  1. Zu erwähnen ist noch, dass die „westlichen“ Medien auch nicht viel besser sind. Als größte Medieninszenierung ist sicherlich der Tibetkonflikt vor den olympischen Spielen zu nennen. In den Medien wimmelte es nur so von Falschmeldungen, Verdrehungen und falschen Interpretationen. Auch wenn das Thema Manipulation in kommunistischen Ländern auf der Tagesordnung steht, sind amerikanische/europäische Medien auch alles andere als frei davon. Als China mit den olympischen Spielen in Peking in den Fokus der Medien geraten ist, kann man das am besten beobachten. Fast jeder Medienbeitrag hat das Land negativ dargestellt.
    Aber ich denke auch, dass die chinesischen Medien noch einiges zu lernen haben. Vor den olympischen Spielen war ich in Peking und man konnte plötzlich keine ausländischen Zeitungen mehr bekommen oder Journalisten deutscher Fernsehsender konnten nicht mehr in alle Gebiete reisen.

  2. Nachdem es Beispiele wie CNN , BBC, Deutsche Welle, Aljazeera und France24 gibt, ist das nur ein logischer Schritt für China. Die Frage ist aber, wer damit erreicht werden soll. Publikum im Westen , das sich der Zensur in China bewusst ist eher nicht, und die Chinesen ohne Zugang zu westlichen Medien werden keinen englischsprachigen Fernsehkanal oder Zeitungen benötigen. Der Propaganda- Effekt könnte sich in Grenzen halten.

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