Wer wir waren, wer wir sind…

…hieß es auch diesen Sonntag wieder im ZDF. Die 10-teilige Sendung „Die Deutschen“ klärt nun schon seit dem 26.10.2008 zweimal wöchentlich (dienstags und sonntags) den Zuschauer auf „wer wir waren, wer wir sind.“ Detailgetreu und aufwendig inszeniert die Sendung die wichtigsten Stationen der deutschen Geschichte in den letzten tausend Jahren, von Otto dem Großen bis hin zu Kaiser Wilhelm II. Dies geschieht jedoch immer im Hinblick auf den Schwerpunkt deutscher „Einigung“. Seit wann haben „wir“ das Gefühl zusammenzugehören? Wie kam es dazu, dass ein Haufen Fürstentümer oder Kleinstaaten sich zusammenfügten und 1871 schließlich das vereinte „Deutsche Kaiserreich“ entstand?

Doch in erster Linie möchte das ZDF wohl Geschichte vermitteln. Den Zuschauern vor Augen führen, dass es auch noch andere wichtige historische Ereignisse auf deutschem Boden gab als den Ersten und den Zweiten Weltkrieg oder den Mauerfall.

Selbstverständlich kann diese Art der „Aufklärung“ über die deutsche Geschichte nicht wie eine langweilige Schulstunde heruntergebetet werden. Die Sendung bemüht sich um Darstellung, um Anschaulichkeit; was wohl unumgänglich ist bei der Tatsache, dass viele Zuschauer bei dem Wort „Geschichte“ den Mund verziehen und sich sagen: langweilig und trocken. Aus diesem Grunde wird die monotone Lehrstunde zu einer anschaulichen Inszenierung: Szenen und Situationen werden so genau wie möglich im Hinblick auf Kostüme, Schauspieler und Drehort nachgestellt, Originalschauplätze (wie z.B. die Schlösser in Wien, Dresden oder den Kreml) werden gezeigt und wo das nicht ausreicht werden aufwendige Computeranimationen verwendet, um Schlachten oder Schauplätze in ihrer damaligen Form zu rekonstruieren. Doch nicht nur der „Show-Gedanke“ zählt hier allein: Man bemüht sich um wahrheitsgetreue Darstellungen, die durch die Kommentare von einer Vielzahl von Historikern fundiert werden soll. Und um das ganze abzurunden werden Originalzitate von Zeitzeugen, wie zum Beispiel von einem französischen Soldat in der Völkerschlacht von Leipzig 1813, eingebracht, um das Ganze auf ein für den Zuschauer reales und menschennahes Level zu bringen.

Der Sendung gelingt es, den Geschichtsstoff gut zu verarbeiten, sodass auch Laien der Handlung folgen können und bekommen, wie man so schön sagt, auch was „fürs Auge“. Selbstverständlich bleibt die Sendung in Bezug auf die Fülle der Daten und Informationen oberflächlich. Aber sie versteht es dem Zuschauer einen Überblick zu verschaffen und vielleicht Lust auf mehr zu machen. So auch in der heutigen Sendung mit dem Titel „Napoleon und die Deuschen – Zwischen Freiheit und Repression“, in der der Zuschauer lernt, dass der Eroberungsfeldzug Napoleons ohne es zu wollen den deutschen Kleinstaaten ein Zusammengehörigkeitsgefühl im Angesicht des großen Feindes gab, und dieser somit der erste große Schritt für die Einigungsbewegung in Deutschland war. So lehrt uns das ZDF anhand der Geschichte, wenn auch nur im Groben, „wer wir waren, wer wir sind.“

Quelle:

http://www.zdf.de/

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