Die neuen Bachelorstudiengänge

Die neuen Bachelorstudiengänge oder auch-

                                

                               ? Die Studentenfabrik?

Begriffe wie: Hochschulrevolution, Turbo- Absolventen, praxisnahe, verschulte, schnelle und einheitliche Ausbildung, werden mit dem neuen Studiensystem in Deutschland verwendet.

 

Die Meinungen gehen weit auseinander, wenn es zur Diskussion um die neuen Bachelorstudiengänge kommt.

Die einen heben positiv hervor, dass es ab sofort, aufgrund des straffen Zeitplans und der einzuhaltenden Fristen, weniger Langzeitstudierende geben wird. Es ist nicht wie früher möglich, Klausuren aufzuschieben oder auszulassen. Wer nicht mitschreibt und durchfällt, wird aus dem Studiengang verwiesen. Negativ hierzu sei zu sagen, dass man sich erhoffte und es als eines der wichtigsten Ziele der Reform galt, durch die klar vorgegebenen Linien, weiniger Studienabbrecher in Deutschland zu haben. Eingetreten ist jedoch genau das Gegenteil. Zu viele Studenten können dem Leistungsdruck und der komprimierten Lehrstoffzufuhr nicht standhalten und geben auf.

Auch eine lockere und individuelle Einteilung bzw. Planung des Stundenplans, ist nun nicht mehr länger möglich. Durch Module und ein Credit Point System, sind die Kurse und VL vorgeschrieben und geplant.

Was aber wohl am meisten zu bemängeln ist, ist nicht das System des Bachelors an sich, sondern die Umsetzung der deutschen Hochschulen und der Umgang mit der Situation.

Wie der ?SPIEGEL? in seiner Ausgabe 18/ 2008 betont, wurde sich einst für den Bachelor entschieden, um ein international einheitliches Studiensystem zu erschaffen. Davon sind wir jedoch weit entfernt. So dauert der Bachelor bei uns lediglich drei Jahre, in anderen Ländern aber immer noch vier Jahre. Wenn man nun sein Master an einer Uni machen möchte, wo der Bachelor vier Jahre dauert, man selber aber nur einen drei- Jahres Bachelor hat, kann man an dieser Uni nicht studieren, weil man nicht die angemessenen Vorraussetzungen mitbringt.

Wofür genau machen wir uns dann solche Mühe? Wofür krempeln wir alles um und lassen uns auf einen derart komplizierte Umstellung ein, wenn es am Ende nicht einmal zu dem einen wichtigen Ergebnis führen wird- ein EINHEITLICHES STUDIENSYSTEM zu schaffe?

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4 Gedanken zu „Die neuen Bachelorstudiengänge

  1. Der Deutsche Hochschulverband hat letzte Woche eine erste Bilanz der Ergebnisse des Bologna-Prozesses vorgelegt und ein ernüchterndes Fazit gezogen. Mehr dazu gibt es zum Beispiel in diesem Artikel der Süddeutschen: http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/68/309009/text/

    An sich halte ich persönlich die Umstellung auf BA/MA gar nicht für grundverkehrt, nur leider ist die Umsetzung in Deutschland – wie so oft – so dilettantisch, dass von den möglichen Vorteilen – Internationalisierung, Spezialisierung im Master, größere Praxisnähe – nichts mehr übrig bleibt.

  2. Ich denke, das System wird noch einmal (oder zwei, dreimal) überarbeitet werden, weil die aktuellen Bachelor Studenten (sorry) werden wahrscheinlich alle arbeitslos. Das System ist fatal und führt zu einer planmäßigen Ausrottung der Wissenschaft und macht die Unis zu Ausbildungslagern, mit dem Problem, dass sie nicht mal das richtig hinkriegen.
    Außerdem führt die BA/MA Umstellung zu einer Diskriminierung der Magister/Diplom Studiengänge, wie man an den Veranstaltungen des kommenden Semester leicht festellen kann.

  3. Ich kann es auch beim besten Willen nicht nachvollziehen, warum in einer solchen „hau ruck Mentalität“ das deutsche Hochschulsystem umgekrempelt wird. Dilettantisch ist diese Transformation beileibe nicht… eher katastrophal.

    Nehmen wir doch den Aspekt der studentischen Zeitplanung als ein mögliches Beispiel für diese katastrophale Umstellung. Die Stundenplanung ist nun fest vorgegeben und erlaubt -nach meinem bisherigen Kenntnisstand- nur wenig Variation. Was dabei völlig auf der Strecke bleibt: die Fähigkeit seinen universitären Alltag eigenständig zu planen und mit dem außeruniversitären Leben in Einklang zu bringen. Eine eigenständige Zeitplanung im BA/MA System? Wohl kaum. Dabei finde ich diesen Aspekt doch sehr zentral. Eine Schlüsselqualifikation eben!

  4. War doch irgendwie klar, dass das nichts wird mit dem Bachlor. Ich meine die Politik bekommt ja nichtmal ein halbwegs einheitliches Schulsystem hin, wie wollen sie dass dann an den Universitäten durchsetzten?
    Den Aspekt mit der Zeitplanung finde ich auch sehr wichtig. Schließlich lernt man so, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Man bekommt nicht mehr genau vorgeschrieben was man zu tun und zu lassen hat, man muss selbst entscheiden ob man bereit ist hart zu arbeiten oder ob man doch lieber erst im nächsten Semester richtig durchstartet.
    Die neuen Studenten werden bevormundet.
    Auch hier an der Uni Trier zeigen sich erste Schwierigkeiten was die Studenpläne betrifft z.b. bei der Kombination Medien, Gesellschaft und Kommunikation mit Politikwissenschaften überscheinden sich Pflichtveranstaltungen.
    Wie soll ein Bachlorstudent, der diese Veranstaltungen machen muss, das bewerkstelligen? Man kann schließlich nicht an zwei Orten gleichzeitig sein.

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