Gatekeeper oder Zensor?

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Eine zentrale Aufgabe der Medien – sei es in Presse, Hörfunk, Fernsehen oder Internet – ist das Filtern der Nachrichtenflut, die sich tagein tagaus aus den Nachrichtenagenturen ergießt. Filtern, so dass bei den Lesern, Hörern, Zuschauern und Surfern die relevantesten, interessantesten, wichtigsten Nachrichten in verständlicher Weise ankommen. Dass dies nicht immer in optimaler Weise gelingt, steht außer Frage, denn was relevant und interessant ist, empfindet nicht jeder gleich. Die Vielfalt der Medienlandschaft beweist dies.

Doch wo hört diese Gatekeeper-Funktion auf und fängt Zensur an? In unserer westlichen Gesellschaft bilden wir uns nur zu gerne etwas auf unsere Presse- und Meinungsfreiheit ein. Zustände wie in China oder Russland? – Undenkbar! Auch wenn die meisten Menschen, die solche Äußerungen von sich geben wahrscheinlich nur eine vage Vorstellung von der tatsächlichen Lage in diesen Ländern haben. Dass es auch bei uns nicht immer rosig aussieht beweisen die zahlreichen Watchblogs, die es sich zur Aufgabe gemacht haben unseriöse oder gar falsche Berichterstattung aufzudecken.

Als eines von zahlreichen Beispielen sei hier der Spiegelfechter genannt. Der Betreiber dieses privaten Blogs macht auf das kuriose Kürzen eines Interviews mit Wladimir Putin seitens ARD-Journalist Thomas Roth aufmerksam. Das einstündige Interview, bei dem es keine Themenbeschränkung gab, wurde auf zehn Minuten Sendezeit gekürzt. Das vollständige Interview wurde auch nicht im Internet zur Verfügung gestellt. Nach vielfacher Kritik von Zuschauern im Tagesschau-Blog wurde das vollständige Interview nun gestern Morgen um 6.20 Uhr (!!!) im WDR ausgestrahlt. Wenn man sich das Interview nun durchliest – die weggekürzten Passagen sind farbig markiert – fragt man sich doch, nach welchen Maßstäben hier gekürzt wurde. Um das Verständnis zu erhöhen? Um das Wesentlichste zu berichten? Um das sorgsam aufgebaute Feindbild nicht zu zerstören?  Eines ist jedenfalls klar:  Mit neutraler Berichterstattung hat das nichts zu tun. Leider ist es nur ein Beispiel für die tendenziöse Berichterstattung über den Kaukasus-Konflikt seitens westlicher Medien.

Gatekeeper oder Zensor? Das ist wohl eine Frage der Perspektive.

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2 Kommentare zu “Gatekeeper oder Zensor?”

  1. gomb2c01 sagt:

    als wären westliche Medien neutral, das ist doch eine Mär. Sie berichten zwar umfassend, aber immer doch aus einem bestimmten Blickwinkel heraus. Neutralität in Medienberichterstattung gibt es schlicht nicht, allerdings ist mir gerade die Russlandbericht erstattung auch aufgefallen, da wird Russland durchweg überall als Aggressor dargestellt, als wären wir immernoch (oder wieder?) im Kalten Krieg.

    Ganz unabhängig davon, könnte ich mir vorstellen, das die starke Kürzung von Interviews durchaus normal ist, weil Sendeplatz für eine Stunde Interview fällt ja – gerade im Hauptprogramm – nicht vom Himmel. Ob 6:20 uhr im WDR, dann der geeignete Alternativplatz ist, darüber lässt sich sicherlich streiten.

  2. foll4201 sagt:

    In den westlichen Länder ist es so das jeder die Möglichkeit hat sich über ein Thema umfangreich und Objektiv zu informieren und sich dann seine eigene Meinung zu bilden. Ich sehe das alles unter dem Agenda setting Modell. Zwar kann jeder selbst entscheiden wie er zu einem Thema steht. Welche Themen jedoch in das Interesse der Öffentlichkeit gelangen entscheiden immer noch die Medien.

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