„Democracy Now!“ – privates Radio einmal anders

„Freier Journalismus wird in diesem Land als staatsgefährdend eingestuft.“

Mit diesem Zitat von Amy Goodman begann der Artikel von Claus Biegert (SZ, 26.06.) über die politische Radiosendung Democracy Now! und ihre Gründerin. Dieser Artikel faszinierte mich so sehr, dass ich danach selber anfing zu recherchieren.

Die Geschichte von Democracy Now! begann im Februar 1996 bei der Pacifica Radio’s New York Station (WBAI), bei der Amy Goodman schon seit 1985 die Abendnachrichten produziert hatte. Amy Goodman wurde zur Ikone des unabhängigen Journalismus, weil sie u.a. 1990 und 1991 mit ihrem Kollegen Allan Nairn nach Osttimor reiste und die beiden nur knapp einem Massaker der indonesischen Armee entkamen. 1994 und 1999 wurden sie an der Einreise gehindert und verhaftet.

Democracy Now! geht von Montag bis Freitag auf 99.5 UKW auf Sendung und Amy selbst spricht jeden Morgen um acht Uhr die Nachrichten, um im Anschluss daran Gäste zu interviewen. Auf der Webseite www.democracynow.org kann dies in Echtzeit verfolgt werden. Außerdem stellt die Seite ein riesiges Archiv zur Verfügung, das bis in das Gründungsjahr zurückgeht. Dort kann man sich alte Beiträge anhören, oder diese als CD/DVD bestellen.

Das besondere an diesem Sender ist, dass er von einer Medienstiftung getragen wird. Beinahe alle Gelder kommen von den Zuhörern und durch Spendensammeln zusammen.

Democracy Now! wird tagsüber zu verschiedenen Zeiten von studentischen Sendern, lokalen Stationen, dem National Public Radio, und auch TV-Kanälen wie FreeSpeech TV übernommen; insgesamt mehr als 500 sollen es sein.

Amy Goodman ist der lebende Beweis, dass kritisches privates Radio mit hohem Anspruch überleben kann. Von ihr könnten sich die deutschen Stationen eine Scheibe abschneiden.

Webseite: www.democracynow.org

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3 Gedanken zu „„Democracy Now!“ – privates Radio einmal anders

  1. ?Freier Journalismus wird in diesem Land als staatsgefährdend eingestuft.?

    „Amy Goodman ist der lebende Beweis, dass kritisches privates Radio mit hohem Anspruch überleben kann.“

    Ist das nicht Widerspruch? Wenn freier Journalismus in den USA tatsächlich als staatsgefährdend eingestuft würde, wie ist dann zu erklären, dass sie Amy Goodman bis heute halten kann?

  2. Sie kann sich halten, da sie von Spenden finanziert wird. Sie sagt auch in dem Artikel in der SZ, dass wo nichts gegeben würde (staatliche Mittel), nichts genommen werden könne.

  3. das interessante ist ja auch, dass in den USA NPR und MPR (minnesota public radio) sich nur durch spenden finanzieren. das system der öffentlich-rechtlichen, wie wir es hier haben, ist für die dortigen radiomacher ein traum und wird auch wohl immer einer bleiben.

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