Diskussion um das Framing Manual der ARD – ein Kommentar

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Vor kurzem wurde im Internet auf der Website „netzpolitik.org“ das sogenannte „Framing Manual“ der ARD veröffentlicht. Dieses löste heftige Diskussionen aus und sorgte vor Allem für scharfe Kritik von vielen Seiten gegenüber der ARD.

Das von Elisabeth Wehling – einer Sprachwissenschaftlerin, die sich auf das Framing spezialisiert hat – verfasste Dokument wurde vor zwei Jahren von der ARD in Auftrag gegeben und sollte als Diskussionsgrundlage dienen, wie sich die ARD in der Öffentlichkeit darstellen möchte. Doch das 90 Seiten lange „Handbuch“ entzündete nicht nur Diskussionen über die Selbstdarstellung der ARD, sondern weitete sich zu einer Grundsatzdebatte über die Objektivität und Nachrichtendarstellung der öffentlich-rechtlichen Sender aus.

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Elisabeth Wehling, Autorin des umstrittenen Handbuchs

Aber auch die Debatte um den Rundfunkbeitrag, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bereits seit seiner Gründung verfolgt wurde nun wieder aus der Trickkiste der (überwiegend rechts-konservativen) Politik gezogen. So dauerte es nicht lange, bis Politiker wie Markus Söder (CSU) und Alice Weidel (AfD) die Debatte über die Kommunikationspolitik der ARD zu einer über die Rundfunkbeiträge machten. Doch worum geht es denn nun wirklich? Das Framing Manual diente, gemeinsam mit von Wehling veranstalteten Workshops, als Diskussionsgrundlage für Redakteure und Reporter der ARD wie Sprache sowie Wort- und Bildwahl Einfluss auf die Wahrnehmung und Einordnung von Fakten nehmen und welche Möglichkeiten es gibt – besonders wenn es um Selbstdarstellung geht.

Doch seitdem das Papier an die Öffentlichkeit gelangt ist sind unsachlichen Diskussionen und zynischen Kommentaren seitens der Rundfunk-Kritiker keine Grenzen gesetzt. Besonders der Zeitungen scheint die Debatte gut zu schmecken. Endlich ein goldenes Ticket um den öffentlich-rechtlichen, die der Presse seit Jahren gebührenfinanzierte Konkurrenz machen, auf dem Leim zu gehen. So schreibt die Süddeutsche Zeitung beispielsweise von „demokratiepolitisch und ethisch zweifelhaften“ Vorgängen und schimpft über den Qualitätsverlust der Hauptsender der ARD.

Abgesehen von der Skandalisierung besteht letztlich noch immer die Frage: Betreiben Journalisten -ob bewusst oder unbewusst- nicht immer Framing? Denn Framing bedeutet schlussendlich nichts anderes als die eigene Meinung in der Wortwahl wiederzuspiegeln. Man ordnet Dinge sprachlich ein – man setzt einen „Frame“. Das perfekte Beispiel liefert die SZ gleich selbst: Nicht nur wird in dem Artikel eindeutig durch Sprache ein negativer Frame gegenüber Wehling angesetzt, sondern bereits durch das Titelbild, in dem Wehling mit roten Augen und im Kontext der Debatte fast hämisch anmutendem Lächeln gezeigt wird. Es entsteht der Eindruck man bediene die Sicht der „bösen Manipulatorin“.

Letztlich bleibt also nur zu sagen, dass man in der Diskussion um das Framing Manual der ARD auf sachlicher Ebene durchaus berechtigte Kritik anbringen darf. Besonders mit Blick auf die 120.000 Euro große Vergütung Wehlings oder die nicht-veröffentlichung des Manuals durch die ARD selbst. Doch man sollte vorsichtig sein, sich auf aus dem Kontext gerissene und instrumentalisierte Zitate, Beiträge und Kommentare zu verlassen, die letztlich nichts anderes als einen die ARD negativ einordnenden Frame bilden.

Quellen:

https://www.sueddeutsche.de/medien/elisabeth-wehling-framing-ard-linguistik-sprachwissenschaft-1.4346478

https://www.sueddeutsche.de/medien/ard-framing-oeffentlich-rechtlicher-rundfunk-1.4348753

https://www.youtube.com/watch?v=Qe8o10KyDqw

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/wdr-rundfunkrat-kritisiert-framing-manual-ist-eine-dummheit/24047120.html

https://www.deutschlandfunk.de/framing-manual-ard-bemueht-sich-um-klarstellung.1939.de.html?drn:news_id=978655

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/framing-manual-ard-zahlte-120-000-euro-fuer-das-schulungspapier-16049608.html

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