Audio-on-Demand

Wie Spotify die Musikindustrie verändert.

Die Art und Weise wie wir Musik konsumieren hat sich durch die Digitalisierung stark gewandelt. Mussten sich unsere Eltern noch auf den Geschmack des Radio-DJs verlassen oder Plattenläden durchforsten um Ihren Lieblingssong zuhören, können wir heute online nahezu jeden Song jederzeit downloaden oder streamen.

Dieser Umstand stellte die Musikindustrie anfangs der 2000er Jahre vor ein enormes Problem. Die CD-Verkäufe brachen ein, nachdem Webseiten wie Napster oder Limewire Musik zum illegalen Download anboten. Die Antwort auf dieses Problem lieferte der Schwede Daniel Ek. Er gründete im Jahr 2006 die Firma Spotify als legale Alternative zur Piraterie.

Etwa die Hälfte der 14-29-jährigen nutzt wöchentlich einen Paid-Streaming-Anbieter (Spotify, Apple Music etc.), wie aus der ARD/ZDF Onlinestudie 2017 hervorgeht. Auch in anderen Altersgruppen gewinnen diese Anbieter stark an Bedeutung. 

Spotify setzt dabei vor allem auf personalisierte Empfehlungen, wie beispielsweise die „Dein Mix der Woche“ Playlist. Dies geschieht durch das exzessive Sammeln von Daten, was Spotify den Ruf einbrachte das am besten personalisierten Angebot im Web zu sein. 

Diese Personalisierung wird jedoch manchmal nur vorgetäuscht. So wurde 2018 das Drake Album „Scorpion“ stark über die individuelle Playlist beworben, auch gegen die Neigung einiger Nutzer. Dies geschah vor dem Hintergrund des Konkurrenzkampfes um Hip-Hop Fans mit dem größten Konkurrenten Apple Music. 

Dabei wird weit mehr als nur das Marketing an die Nutzung angepasst. Das klassische Album verliert immer weiter an Bedeutung, zunehmend werden mehrere kleinere Releases von der Musikindustrie bevorzugt. Dieses Prinzip setzte der US-Künstler Kanye West im letzten Jahr gekonnt um. Statt wie zuvor ein ca. einstündiges Album zu veröffentlichen, erschienen zwei 23 minütige EPs. Dies streute die Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum.

Aus ökonomischer Sicht löste das Streamen die Plattenverkäufe jedoch nicht ab. Die Live Shows der Künstler stellen heute die größte Einnahmequelle der Musikindustrie. Mithilfe der Datenberge Spotifys, lassen sich Tourneen deutlich zielgenauer planen. Die britische Folk-Musikerin Lucy Rose entdeckte mit Hilfe von Spotify ihre Fangemeinde in Lateinamerika. Daraufhin spielte sie statt kleiner Club Gigs in Europa eine mehrmonatige Tour in Mittel- und Südamerika.Musiker mit kleineren Fangemeinden können jedoch kaum davon profitieren. Sie sind darauf angewiesen alternative Wege der Finanzierung zu nutzen.

Doch auch der einzelne Song ist dem Wandel unterworfen, da ein Song erst nach 30 Sekunden als gehört gilt und damit monetisiert wird, liegt ein besonderer Fokus bei der Produktion auf eben diesen 30 Sekunden vor. Dies zeigt sich in den „All-Time-Top 20“ von Spotify, in denen kaum ein Intro länger als 10 Sekunden dauert.

Auch wenn Spotify einigen Nutzern als Segen erscheint, der sie unentwegt mit neuer Musik an jedem Ort und zu jeder Zeit versorgt, ist es doch auch ein Sinnbild für die fortschreitende Ökonomisierung der Kunst. So kann durch die Macht von Spotify ein Künstler zum Weltstar aufsteigen oder im Sumpf der Bedeutungslosigkeit versinken.

Quellen:

http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/files/2017/Artikel/917_Schroeter.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Spotify

https://www.funk.net/channel/walulis-1031/spotify-schlimmer-als-raubkopieren-walulis-1566472

https://www.netzwelt.de/spotify/testbericht.html

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