Ein DSDS-Klagelied – die 35428xxxte Version

Wie Spiegel Online heute berichtet, ist RTL durch seine Auswahlpraktiken erneut in ein fragwürdiges Licht geraten. Einer der eher weniger talentierten Bewerber wurde für das zweite Casting mit Bohlen&Co. zugelassen und brach schließlich unter den Verbalattacken der Jury zusammen. Zudem leidet seine Familie nun auch unter Drohanrufen und anderen Belästigungen. Jugendschützer prüfen jetzt abermals das Format.

Es ist klar, dass die Sendung ohne eine gewisse Rate an „Totalausfällen“ sicherlich nicht halb so interessant wäre. Nebenbei bemerkt, würde Dieter Bohlen ohne Leute, die er erniedrigen kann, ja nahezu seine Existenztberechtigung in der Show verlieren.

Aber selten dürfte so deutlich klar geworden sein, wie Zweifelhaft doch die Auswahlmethoden sind, die DSDS zu Grunde liegen.

Beim ersten Casting werden bewusst auch Leute für das zweite Casting ausgewählt, über die sich die TV-Jury öffentlich vor einem Millionen-Publikum dann lustig machen kann. Sicherlich wird den meisten dieser Leute nicht auf die Nase gebunden, wie schlecht sie waren und dass man sie eigentlich nur als amüsanten Zwischengang in der TV-Sendung benötigen wird.

Was dann folgt ist eine bewusste Bloßstellung der Kandidaten, die ihr eigenes Talent nicht richtig einschätzen können und auf deren Kosten RTL sein Publikum amüsiert, um die eigene Quote noch etwas zu steigern. Mit welchen Folgen diese Kandidaten dann zu kämpfen haben, scheint RTL relativ egal zu sein. Gemäß dem Motto „Der hat sich selbst vor die Kamera gestellt – keiner hat ihn dazu gezwungen“

Vielleicht sollten die Verantwortlichen von RTL einmal darüber nachdenken, dass es genauso verwerflich ist, den Kandidaten falsche Hoffnungen zu machen und sie damit bewusst für einen zweiten Auftritt vor die Kamera und ein Millionenpublikum zu locken, wo sie schließlich von Bohlen&Co. öffentlich und schonungslos zerfleischt werden.

Quellen:

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,532506,00.html

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,532138,00.html

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7 Gedanken zu „Ein DSDS-Klagelied – die 35428xxxte Version

  1. Wenn man sich auf DSDS einlässt, dann sollte man nicht derart verblendet sein und erwarten dort gut behandelt zu werden. Die Quantität an Bewerbern erlaubt das einfach nicht und da die Jury auch nur aus Menschen mit (teilweise doch sehr) begrenzter Geduld besteht sind solche Reaktionen auch nicht verwunderlich. Jedoch sollte viell. in Erwägung gezogen werden nur über 18-jährige Bewerben zuzulassen.

  2. Ich glaube auch, dass das Format fragwürdig ist, aber das ist wohl spätestens seit der ersten Staffel bekannt. Trotzdem steht es außer Frage, dass einige Kandidaten unter schlimmen Folgen zu leiden haben, nachdem sie zum Gespött der Nation wurden. Verschlimmert wird deren Situation vor allem auch von Internetangeboten wie Youtube, wo sich die Auftritte mancher rasant verbreiten. Trotzdem muss man bedenken, dass die Teilnahme freiwillig ist und manchmal frage ich mich auch, wie einige Kandidaten ernsthaft glauben singen zu können. Haben diese Leute denn keine Freunde, die ihnen sagen, dass sie untalentiert sind?

  3. ich kann mich dem vorher gehenden nur anschließen. Schließlich müsste man nach der x-ten staffel langsam wissen, welches niveau diese Sendung und vorallem D.Bohlen vertreten. Es ist erschütternd, wenn man beispielsweise einen arbeitslosen 29jährigen sieht, der seine letzte Chance darin sieht bei DSDS mit zu machen.

  4. Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen, die Leute müssten wissen, auf was sie sich da einlassen und folglich müssen sie auch die (trotzdem nicht bis ins Detail vorhersehbaren) Konsequenzen tragen. Aber ist das nicht einseitig gedacht? Bedeutet das nicht, dass die Verantwortlichen bei RTL damit freigesprochen werden von jeder Verantwortung für die im Einzelfall weitreichenden Folgen des menschenverachtenden Umgangs mit den hoffnugnsvollen Kandidaten? Sollen Bohlen & Co. wirklich alles machen dürfen, was ihnen mit ihrer schmuddeligen Fantasie einfällt? Für mich ist das keine Frage von Schuld der Eltern oder mangelnder musikalischer Selbsteinschätzung der Betroffenen. Auch RTL unterliegt deutschen Gesetzen und dem Anspruch aus Art. 1 GG!

  5. Ich kenne übrigens über eine oder zwei Sozialnetzwerkskanten einen jungen Trierer, der das erste Casting glamourös bestanden hat. Er war klug genug, gar nicht erst vor die Kamera zu treten (warum, weiß ich nicht genau), aber die Vorauswahl muss ihm wohl nicht nur nicht gesagt haben, welche Rolle ihm zugedacht war, sondern ihm sogar noch geraten haben, in den ohnehin schief-schnulzig-pathetischen Gesangsvortrag „noch mehr Gefühl“ zu legen.

    Wer mit ernsten Absichten und, aus welchem Grund auch immer, nicht ganz stimmigen Selbstbild zum Casting geht und in der ersten Runde gleich dergestalt ermutigt wird, muss zwangsweise vor der „echten“ Jury ein Drama erleben.

    Natürlich sind „diese Leute selber schuld“, irgendwie, immerhin tun sie es wirklich freiwillig und immerhin könnten sie wirklich langsam wissen, wie der Wind bei DSDS weht. Aber viele sind vielleicht einfach nur schlichte Gemüter, die mit guter Absicht und frisch aufgebauter Hoffnung (über manche werden ja sogar nette kleine Beiträge gedreht) ins Fernsehen treten, nur um da ziemlich stillos in die Pfanne gehauen zu werden.

  6. Ich finde es noch bedenklicher, dass dann regionale „Medien“ wir Antenne West auf den Zug aufspringen. Die ohnehin schon zur Genüge durch den Kakao Gezogenen werden dann nochmal genüsslich in die Pfanne gehauen.

    Da stellt sich mir aber dann die Frage, wie „schlicht“ diese Gemüter dann wirklich sind. Ein gebranntes Kind sollte das Feuer doch eigentlich scheuen…

  7. erstmal muss ich natürlich einiges wiederkäuen, was schon gesagt wurde: das format ist nicht gerade das niveauvollste. jeder, der sich mittlerweile dort hinstellt, weiß, auf was er sich einlässt. klar kann man sagen, dass gewisse behandlungen der teilnehmer leicht menschenverachtende züge tragen(wobei sich mir allerdings die frage stellt, wer das immer erkennt und was die grundintention derer ist, sich das format anzusehen…). aber ganz im ernst: ein gewisses gespür dafür, was ich kann (oder nicht kann) muss ich besitzen um dort aufzutreten. ich gehe davon aus, dass jeder der teilnehmer mindestens eine staffel verfolgt hat. wenn man da absolut kein gespür für musikalität besitzt, hat man es nicht besser verdient. auch die, von denen ich das gefühl habe, dass sie da hingehen um dumm aufzufallen, können von mir erst recht kein mitleid erwarten. ich mag den herrn bohlen nicht wirklich, kann aber verstehen, dass man (okay, natürlich auch bewusst) nach hunderten von nervigen nixkönnern auch mal solche dinger ablässt. wer dort zum affen gemacht wird, ist selbst schuld. no mercy!

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