Von hämischen Kommentaren und eingeworfenen Fensterscheiben – der Fall Drachenlord

Seit mehreren Jahren ist Rainer W. unter dem Alias „Drachenlord“ auf YouTube aktiv. Seine Videos befassen sich mit Metal-Musik, Videospielen und Filmen – begegnet wurde ihm mit Kritik, Hohn und Vandalismus.

Das offizielle Vorstellungs-Video des Drachenlords.

Angefangen hat er mit amateurhaften Tanzvideos und obskuren Schwertkampf-Choreographien. Aufgrund der unfreiwillig-komischen Natur seiner Videos und dem fragwürdigen Lebensstil des Drachenlords entwickelte sich mit der Zeit ein Personenkult, welcher sich auf seine Kosten amüsiert. Diese dem Drachenlord gegenüber negativ eingestellte Community bezeichnet das Geschehen um den YouTuber als Drachengame. Ziel ist es, zu trollen, also durch provokante Handlungen eine (negative) Reaktion seines Gegenübers zu erzwingen – teils mit extremen Mitteln.

Dies geschieht im Netz über Kommentare, Fotomontagen oder Videos, die den Drachenlord aufs Korn nehmen. Auf der einen Seite gibt es Inhalte, die das Thema niveauvoll behandeln und somit die teils absurden Aussagen und Entscheidungen von Rainer W. aufzeigen. Auf der anderen Seite gibt es z.B. hämische YouTube-Kommentare, die dazu aufrufen, den verstorbenen Vater des Drachenlords auszugraben.

Katalysator für die Ereignisse um den Drachenlord war ein Video, welches er 2014 hochgeladen hat. Als Reaktion darauf, dass seine Schwester anonym per Anruf bedroht wurde, forderte er die Täter zur persönlichen Konfrontation heraus. Dabei nannte er in Rage seine komplette Adresse – ein folgenschwerer Fehler.

Seitdem bekommt er täglich ungefragten Besuch. Auch von der Feuerwehr. Somit wurde er 2015 das erste deutsche Opfer von Swatting – einem bösartigen Scherz der ursprünglich aus den USA stammt, bei welchem durch falsche Notrufe für Polizeizugriffe bei Live-Streamern gesorgt wird.

Noch extremer sind die Vorfälle des letzten halben Jahres. So wurden Rainer W. mehrmals Fensterscheiben eingeschmissen – teils auch zu hören in seinen eigenen Videos.

Den Höhepunkt bildet aber das Schanzenfest, eine unangemeldete Demonstration die im August 2018 stattfand. Vorallem über YouTube mobilisierte sich die Community mit der Absicht, die Drachenschanze zu stürmen und dem Drachen das Fürchten zu lehren. Drachenschanze steht hier für das Haus des Drachenlords – in Anlehnung an die Wolfsschanze.
Da das lokale Landratsamt schon im Voraus die Veranstaltungsplanung bemerkte, wurde kurzerhand ein Versammlungsverbot ausgesprochen. Dazu sicherte die Polizei den Ortseingang Altschauerberg – dennoch fanden sich mehrere hunderte Personen in der Dorfgemeinde Emskirchen ein. So kam es zu einem kleinflächigen Waldbrand, mehreren Sachbeschädigungen und ungefähr 300 ausgesprochenen Platzverweisen.

Das Video eines Schanzenfest-Teilnehmers zeigt die Ausmaße des Treffens.

Nach all diesen Ereignissen fragt man sich: Wie soll das nur weitergehen? Sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen und eventuell sogar umzuziehen sind Maßnahmen die Rainer W. in Erwägung ziehen müsste, um der Situation zu entkommen. Stattdessen zieht er durch seine unreflektierten Aktionen weiterhin Aufmerksamkeit auf sich. So eröffnete er erst im Dezember 2018 einen Account auf einer Erotik-Website und lädt dort seitdem pornografische Inhalte von sich hoch – nach den Geschehnissen der letzten Jahre bestimmt nicht die beste Idee. Und solange er seinen Hassern weiter in die Karten spielt, wird es auch weiterhin zu unangemeldeten Demonstrationen und Besuchern vor seiner Haustür kommen.

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