Presse schreibt bei Facebook ab

Ein User des Social Networks „Facebook“ erlaubte sich einen makaberen Scherz und veröffentlichte ein Profil in dem er sich als Bilawal Bhutto Zardari, den Sohn der ermordeten Benazir Bhutto und deren Nachfolger als Vorsitzender der Pakistanischen Volkspartei PPP, ausgab, inklusive persönlicher Vorlieben und politischer Ansichten. Neben diesem kursierten dort nach Angaben des Spiegel auch noch weitere gefälschte Profile des Sohnes der verstorbenen pakistanischen Oppositionsführerin.

Das ganze hätte wahrscheinlich kaum die Aufmerksamkeit von Spiegel, FAZ und Co. erregt, wenn das gefälschte Profil von vielen Medien nicht unverifiziert übernommen und zitiert worden wäre und sich so in Windeseile Ansichten des des 19-jährigen Oxford-Studenten verbreitet hätten, die laut PPP-Sprecherin Sherry Rehman gar nicht von ihm stammen und die bei dem Vater des Betroffenen, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Pakistanischen Volkspartei, sogar Komplottverdächtigungen gegenüber der pakistanische Regierung hervorriefen.

Nachdem bekannt wurde, dass es sich um gefälschte Angaben handelt ließ Facebook die Profile sperren und einige Nachrichtenportale entfernten die entsprechenden Artikel aus ihrem Online-Angebot. Das Motiv des Fälschers des Profils sei laut FAZ reine Schadenfreude gewesen. Er habe es witzig gefunden, dass ihm die Identität als Bilawal Bhutto Zardari tatsächlich abgekauft worden sei.

Dies wird wohl nicht der erste und einzige Fall gewesen sein, in dem JournalistInnen ungeprüft Informationen aus fragwürdigen Internetquellen übernehmen. Dies ist einerseits verwunderlich und erschreckend, da die Voraussetzung für ein Volontariat üblicherweise ein Hochschulabschluss ist und man bereits am Anfang eines Studiums erfährt, dass bei glaubhafter, seriöser Arbeit mehr als nur Wikipedia und Co. als Quelle herhalten muss. Andererseits ist es verständlich, dass durch immer größeren Zeitdruck unter dem die JournalistInnen heute stehen und gleichzeitig immer leichter zugänglicher Informationen via Internet, der Reiz stark ist, sich solcher Quellen, wohl in der Hoffnung, dass diesmal schon nichts schief gehen wird, zu bedienen. Der Schuss ist nun deutlich nach hinten losgegangen, ganz nach dem Refrain eines Klaus Lage-Songs „tausendmal berührt, tausendmal ist nix passiert…“.

Dieser Vorfall hat zwei Dinge gezeigt: Erstens, dass das Internet zwar praktisch ist, um schnell Informationen abzurufen, man sich aber nicht per se auf deren Korrektheit verlassen darf, gerade wenn es wie hier um gesellschaftlich und politisch brisante Themen geht. Zweitens sollten sich die Konsumierenden von Medien stärker bewusst machen, dass Journalismus nicht nur durch die Subjektivität der ensprechenden AutorInnen und die politischen Ausrichtung des jeweiligen Medienunternehmens, sondern auch aufgrund eventueller Adaption falscher Informationen aus unzuverlässigen Quellen stets kritisch hinterfragt werden muss.

Quellen:
www.faz.net
www.spiegel.net

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Ein Gedanke zu „Presse schreibt bei Facebook ab

  1. Verwunderlich finde ich nicht die Tatsache, dass Informationen aus ungeklärter Quelle einfach so übernommen werden – Grund ist wohl immer der Zeitdruck. Vielmehr bin ich überrascht, dass dies auch geschieht, wenn kein Zeitdruck da ist. Wenn Redakteure keine Wunder vollbringen müssen, und diesen Fehler trotzdem machen. Und das passiert leider immer häufiger.

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