Trauer im Internet – Zusammen ist man weniger alleine

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Trauer spielt in unser aller Leben zu verschiedenen Zeitpunkten eine Rolle. Gleichzeitig betroffen sind viele Menschen vor allem dann, wenn eine Person des öffentlichen Lebens stirbt.

In der Neujahrsnacht hat Kim, die Besitzerin des Instagram Accounts @Kimspiriert und des Blogs Kimspiriert.de den Kampf gegen den Brustkrebs verloren, über den sie dort berichtete. Nicht nur Familie und Freunde trauern, sondern auch ihre Community, die sich #kimscrew nennt. Heute sind es 96 Tausend Instagram Follower, die sie auf ihrem Weg begleiteten, mit ihr fieberten, hofften und Daumen drückten und nun ihre Trauer dort zum Ausdruck bringen.

Die Familie beschloss Kims Profil „als Denkmal und Mahnung“ zu erhalten, wie es in ihrer Todesnachricht geschrieben steht.

Dank der Kommentarfunktion von Instagram können sich ihre Follower austauschen, Kondolenzeinträge verfassen und sehen, dass sie mit ihren Gefühlen nicht alleine sind. Auch Familie und Freunde von Kim kann es bei der Trauerbewältigung helfen, zu sehen, wie sehr Kim geschätzt und unterstützt wurde. So bekommt ein Instagram Account eine ganz andere Bedeutung, als die der  Selbstdarstellung, er wird zu einem virtuellen Ort der Verbundenheit, Trauer und des Gedenken.

Die Trauer hat mittlerweile also auch ihren Platz in der digitalen Welt gefunden und soziale Medien verknüpfen so Menschen, abgesehen von Freundschaften und gemeinsamen Interessen, auch jene mit den selben Schicksalen.

Nicht nur Instagram oder Facebook Accounts von Verstorbenen bieten eine Plattform für Trauernde. Auf der Seite gedenkseiten.de kann man sich anmelden und eine Gedenkseite für den Verstorbenen erstellen. Dort kann man virtuelle Kerzen anzünden, Musik hinterlegen, eine Kommentarfunktion freischalten, selber einen Text verfassen und Bilder posten.

Trauer braucht einen Ort“ , einen Ort, der für nahe Angehörige sicher traditionell Grabstätte oder Sterbeort darstellt. Für Betroffene, die nicht vor Ort sein können, oder diese Person nur durch ein Medium, wie im Fall von Kim durch das Internet, oder dem Fernsehen,wie im Fall von Dirk Bach, kannten, stellen digitale Erinnerungsorte einen Platz dar, seine Gedanken und Gefühle auf verschiedene Arten zu kommunizieren und zu verarbeiten.

Wie Erfahrungen von Menschen, die mit Trauerbegleitung und Trauerbewältigung zu tun haben, zeigen, ist nach wie vor der persönliche Austausch mit Angehörigen und Freunden ein wichtiger Bestandteil der Trauerarbeit, den man nicht durch das Internet ersetzen sollte. Anzumerken ist, dass auch mit dem sensiblen Lebensbereich der Trauer versucht wird, Profit zu erwirtschaften. Dieses geschieht zum Beispiel durch die Möglichkeit, einen Premium Account einer Gedenkseite zu erwerben oder virtuelle Geschenke an den Verstorbenen zu überreichen.

Quellen:

https://www.gedenkseiten.de/dirk-bach/

https://www.instagram.com/kimspiriert/?hl=de

http://kimspiriert.de/

http://www.swp.de/heidenheim/lokales/heidenheim/digital-trauern_-wenn-der-toten-auch-im-netz-gedacht-wird-24414814.html

https://www.prisma.de/magazin/ratgeber/Trauern-im-Internet-Schon-langst-Realitat,15583316

https://www.tz.de/muenchen/stadt/anonyme-bestattungen-trauer-ohne-ort-7192850.html

http://www.maz-online.de/Nachrichten/Panorama/Bloggerin-verliert-Kampf-gegen-den-Brustkrebs 

https://www.gedenkseiten.de/faq/#48

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Ein Kommentar zu “Trauer im Internet – Zusammen ist man weniger alleine”

  1. [Trierer Medienblog] Trauer im Internet – Zusammen ist man weniger alleine sagt:

    […] https://weblog.medienwissenschaft.de/archives/21774 […]

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