Binge Watching – die Schattenseiten der neuen Trend-Beschäftigung

geschrieben von in AllgemeinesKommentar schreiben

Ob Game of Thrones, House of Cards oder Gossip Girl – jeder von uns hat doch bestimmte Serien, von denen er einfach nicht genug bekommen kann?

Zugegeben: Das sogenannte Binge Watching, also Folge um Folge hintereinander ansehen, ohne Pausen einzulegen, stellt manchmal die optimale Beschäftigung dar, um einen stressigen Tag ausklingen zu lassen oder um an verregneten Sonntagen einen gemütlichen Nachmittag auf der Couch zu verbringen. Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime und Co. sind dafür auch bestens geeignet und bieten größtenteils zu günstigen Abo-Preisen die perfekte Voraussetzung, um seine Lieblingsserien jederzeit abrufen zu können. Andererseits hat dieses neue Hobby jedoch auch seine Schattenseiten, die meistens nicht erkannt bzw. ernst genommen werden.

Welche Ausmaße die Nutzung von Streaming-Diensten bzw das Binge Watching genommen haben, zeigt eine Studie, laut der zwei Drittel der US-Bürger generell schon einmal mehrere Folgen hintereinander angesehen haben und 30% wöchentlich „binge watchen“.

Auch wenn man es sich nicht eingestehen will, viele Menschen, die sich mehrere Folgen oder sogar Staffeln hintereinander ansehen, werden dadurch in ihrem Alltag teilweise massiv beeinträchtigt. Natürlich muss man beachten, dass dies nicht grundlegend für die Allgemeinheit der Streamingdienst-Nutzer gilt, jedoch sollten dies Faktoren nicht außer Acht gelassen werden.

Die Hauptprobleme, die durch Binge Watching verursacht werden, sind psychischer Art.

Eine Studie des Journal of Clinical Sleep Medicine beispielsweise hat gezeigt, dass eine 98-prozentige Wahrscheinlichkeit besteht schlecht einzuschlafen, wenn man zuvor mehrere Folgen einer Serie geschaut hat. Hierbei ist anzumerken, dass diese Schlafprobleme auf die Anzahl an Folgen zurückzuführen ist, die man sich angesehen hat und nicht auf der Häufigkeit des Serienkonsums basiert.

Man möchte es sich vielleicht nicht eingestehen, aber auch beim Binge Watching besteht in gewisser Weise ein Suchtpotenzial. Sogenannte „Cliffhanger“, die bewusst am Ende der Serien platziert werden, sorgen dafür, dass die Storyline uns nicht mehr loslässt und man automatisch dazu verleitet wird, eine weitere Folge anzusehen. Nicht selten führt das dazu, dass das Sozialleben vernachlässigt wird und Dinge wie Hausarbeiten, Einkäufe oder einfache Treffen mit Freunden aufgeschoben werden. So kommt es schnell mal soweit, dass man ein ganzes Wochenende über nicht die Wohnung verlässt und unter Menschen kommt. Eine Studie hat sogar bewiesen, dass ein Drittel der Befragten auch im Büro oder am Arbeitsplatz nicht auf ihre Serien verzichten.

Dadurch wird dann wiederum eine andere Problematik begünstigt, denn im Extremfall kann diese soziale Abgeschiedenheit sogar zu Depressionen führen. Die Einsamkeit, die in manchen Personen entsteht, während sie  stundenlang alleine vor dem Laptop bzw. Fernseher sitzen sorgt dafür, dass  die Produktion des Proteins Myelin gehemmt wird. Dadurch werden die Nerven stark beeinträchtigt und Depressionen begünstigt. Dem ist jedoch einfach Abhilfe zu schaffen, indem man häufiger versucht, sich die Serien gemeinsam mit Freunden anzusehen und zwischendurch Pausen einzulegen, um soziale Kontakte zu pflegen und wieder unter Menschen zu kommen.

Fazit

Insgesamt überwiegen für die meisten Menschen natürlich die Vorteile von Streamingdiensten, da man nicht auf feste Termine angewiesen ist und flexibel über sein eigenes Programm bestimmen kann. Man sollte jedoch persönlich darauf achten, dass die Nutzung nicht ausartet und man sein Sozialleben nicht vernachlässigt, dann sollte es auch größtenteils nicht zu Problemen kommen.

Quellen

  • https://www.slideshare.net/DeloitteUS/media-and-mobile-trends-2015-where-and-how-are-consumers-tuning-in
  • https://www.theguardian.com/commentisfree/2016/mar/04/binge-watching-mental-health-effects-research
  • https://www.forbes.com/sites/dorothypomerantz/2013/05/29/binge-watching-is-our-future/#54221b2d15ff
  • https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/medienkonsum-binge-watching-und-depression
  • http://jcsm.aasm.org/viewabstract.aspx?pid=31062
  • https://www.welt.de/kmpkt/article167776874/Das-passiert-wenn-man-pausenlos-Serien-schaut.html
  • http://meedia.de/2017/11/15/binge-watching-im-buero-jeder-dritte-schaut-waehrend-der-arbeit-netflix-serien/

Ein Kommentar zu “Binge Watching – die Schattenseiten der neuen Trend-Beschäftigung”

  1. [Trierer Medienblog] Binge Watching – die Schattenseiten der neuen Trend-Beschäftigung sagt:

    […] https://weblog.medienwissenschaft.de/archives/21372 […]

Kommentar schreiben

Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können.

Design übersetzt und angepasst von Christian Moeris, Christian Lehberger & Linda Manuel. Basierend auf dem Theme GlossyBlue von N.Design Studio.
Bild Radioskala: © Jürgen Acker / PIXELIO