DAZN, Spotify und Co. – Warum Streamingdienste den Markt übernehmen

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Ob Musik, Serien, Sportevents oder Filme: Mit Anbietern wie Spotify, Netflix, DAZN und Amazon Prime gibt es in all diesen Genres Streamingdienste, die den eingefleischten Größen der Branche mehr und mehr den Rang ablaufen. Während die Einschaltquoten und Auflagezahlen der traditionellen Medien wie Fernsehen, Radio und Zeitung seit Jahren abnehmen, baut das Internet seine Dominanz in puncto Reichweite kontinuierlich aus. In diesem Medium sind auch die Streaming-Plattformen angesiedelt, die erst seit wenigen Jahren in den Kampf um Zuschauer- und Hörerschaft eingreifen.

netflix konkurrenzUnd das tun sie trotz ihrer kurzen Anlaufzeit mit Bravour: Einer Studie des RTL-Werbezeitenvermarkters IP Deutschland zufolge nutzen 20% der 14- bis 25-jährigen Befragten den kostenpflichtigen Streaming-Dienst Netflix, um Filme und Serien zu schauen. Mit Amazon Prime zahlen weitere 14% dieser Altersklasse für eine Streaming-Plattform mit ähnlicher Funktion. Man kann davon ausgehen, dass nur wenige Kunden in beide Dienste investieren, da die Funktionen nahezu identisch sind. Folglich betrüge der Anteil an jungen zahlungsfreudigen Klienten knapp 33%, die Zahlen werden sicherlich nicht abnehmen, führt man sich einmal den Alterschnitt der Befragten und den Aktienverlauf von Amazon und Netflix vor Augen.

Wer sich statt Serien und Filmen lieber Sportereignisse zu Gemüte führt, muss mittlerweile nicht mehr auf die gängigen Plattformen à la ARD, ZDF und SKY zurückgreifen, sondern kann über den Streamingdienst DAZN kompakt und bequem auf über 8.000 Sportevents im Jahr zugreifen. DAZN übernimmt in diesem Bereich immer mehr Anteile, hat sich beispielsweise im Fußball Rechte für diverse europäische Topligen gesichert und wird ab 2018 auch Partien der Champions League übertragen. Auch Radios müssen vermehrt um Zuhörerschaft bangen, bietet die riesige Mediathek der Musikplattform Spotify doch nahezu jeden Song manuell abspielbar an.

Neben dem großen Ressourcen-Kontingent, das all diese Anbieter in sich vereinen, gibt es noch weitere Gründe, die die jüngere Generation vermehrt zu Investitionen in diese Plattformen bewegt. Einer der Hauptaspekte ist die fehlende Bereitschaft, ganze Werbeblöcke vor den Lieblingssendungen und -filmen hinzunehmen, in Zeiten von Adblockern und schnellen Mausklicks sind diese langatmigen Unterbrechungen schlicht veraltet. Auch Flexibilität und Selbstverwaltung eröffnen vollkommen neue Möglichkeiten, die in den klassische Medien wenig bis gar nicht stattfanden. War das Wechseln von Fernseh- und Radio-Sendern früher das höchste der Gefühle, kann man sich heute auf Netflix zwischen hunderten Folgen tausender Serien entscheiden und in Spotify eigene Playlists erstellen, die mit über 30 Millionen Songs gefüllt werden können. Auch die Möglichkeit, Videos und Audios offline abzuspielen, ist ein entscheidender Faktor: Die entsprechenden Files können bei bestehender Internet-Verbindung heruntergeladen werden, um dann später auch ohne Datenverkehr abgespielt zu werden.

YouTube als InnovatorZu guter Letzt hat Youtube als Vorreiter der Video-Branche im Internet riesigen Anteil an dieser Einstellung der Jugendlichen: Das Videoportal bietet Content in Hülle und Fülle an; die Nutzer können sich durch Millionen von Clips klicken, müssen nur sehr kurze Werbepausen ertragen und dürfen dazu noch selbst bestimmen, was läuft. Dieses Muster verankert sich irgendwann in der Denkart – eine verkürzte Aufmerksamkeitsspanne, das Bedürfnis nach Selbstbestimmung der Inhalte und die fehlende Bereitschaft, lange Werbepausen hinzunehmen, sind die Folgen. Damit wurde eine komplette Generation unbewusst von den klassischen Medien wegbewegt und für die Streamingdienste sensibilisiert, die sich jetzt erfolgreich etablieren.

Quellen:

https://www.ksta.de/wirtschaft/amazon-prime–netflix-und-co–deutsche-bleiben-noch-dem-fernsehen-treu-28256946

http://www.spox.com/de/specials/dazn/1706/Artikel/was-ist-dazn-streamingdienst-infos-fussball-internationale-ligen-rechte-hd.html

https://trusted.de/spotify-vs-napster

Bildquellen:

https://image.stern.de/6803226/16×9-620-349/34d19adf89d3f73062cd5fb3181fdffd/Zq/netflix-konkurrenz.jpg

https://i1.wp.com/digiday.com/wp-content/uploads/2017/04/YouTube-TV.jpg?w=1440

Ein Kommentar zu “DAZN, Spotify und Co. – Warum Streamingdienste den Markt übernehmen”

  1. [Trierer Medienblog] DAZN, Spotify und Co. – Warum Streamingdienste den Markt übernehmen sagt:

    […] https://weblog.medienwissenschaft.de/archives/21222 […]

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