Aufmerksamkeit im Internet #metoo

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Aufmerksamkeit. Das ist es, wofür die sozialen Plattformen Facebook, Instagram und Twitter ausgelegt sind. Es dreht sich hierbei alles um das Sehen und Gesehen werden. Die Personen mit den meisten Likes und Followern gelten als berühmt und cool. Je mehr Aufmerksamkeit man erlangt, desto besser.

Die Plattformen beschäftigen sich hauptsächlich mit Oberflächlichkeiten, dem Aussehen und dem augenscheinlich perfektem Leben, das die Personen führen. Der wahre Charakter sowie die Ängste und Sorgen können problemlos in den Hintergrund rücken, denn warum sollte man sich von seiner nicht „perfekte“ Seite präsentieren?

Der Hashtag #metoo (ich auch), rückt alles in ein anderes Licht. Die Schauspielerin Alyssa Milano hat den Hashtag am 15. Oktober 2017 auf Twitter veröffentlicht. Nach dem Skandal über die sexuellen Missbrauchsvorwürfe gegenüber dem Filmproduzenten Harvey Weinstein, ruft sie alle Opfer sexueller Belästigung und Missbrauchs auf, sich mit dem Hashtag zu melden. Ihr Ziel: Aufmerksamkeit.

Quelle:https://twitter.com/alyssa_milano/status/919659438700670976?lang=de

Hierbei handelt es sich aber um eine andere Aufmerksamkeit, als die sonst immer erwünschte. Sie selbst möchte nicht die Aufmerksamkeit erlangen, sondern die Menschen für das Thema des sexuellen Missbrauchs sensibilisieren. Und es gelang ihr. Innerhalb der ersten Stunden wurde der Hashtag mehr als 30.000 mal geteilt. Mithilfe dieser starken Verbreitung im Internet, wünschen sich die Opfer Gehör und Mitgefühl.

Es klingt nach einer guten Idee: Mithilfe von nur zwei Wörter ist es möglich auszudrücken, was einen vielleicht schon sein ganzes Leben lang bedrückt. Hunderttausende von Tweets wurden und werden noch immer verfasst, aber sie unterscheiden sich:

Es gibt Nutzer, die nur den Hashtag setzen und keine weiteren Details zu ihren Erlebnissen veröffentlichen.

Andere wiederum wollen ihre genaue Geschichte beschreiben. Sie reichen von einem anzüglichen Blick bis hin zu jahrelanger Vergewaltigung.

Dadurch geschieht es, dass  Menschen, die sich „nur“ sexuell belästigt gefühlt haben, plötzlich als keine „richtigen“ Opfer da stehen. Ist es nur die Aufmerksamkeit, die die anderen Nutzer wollen? Worin liegt der Grund sich im Internet dermaßen zu öffnen?

Es scheint, dass der Fokus mancher nur bei der Aufmerksamkeit liegt, die sie erlangen wollen, denn sie fangen an sich zu „übertrumpfen“. Mit präzisen Details erlangt man mehr Aufmerksamkeit, als wenn man bloß den Hashtag alleine nutzt.

Dass dies nicht die Absicht aller Nutzer ist, steht außer Frage. Dennoch sollte man sich im Hinterkopf fragen, wofür das alles ist. Löst es alle Probleme, wenn sich zahlreiche Opfer melde, nur damit man sieht, wie viele es sind?

Es hat uns alle stutzig gemacht und uns zum Nachdenken angeregt, dass sich so viele Leute sexuell belästigt oder missbraucht fühlen. Eine Lösung für das eigentliche Problem ist dennoch nicht in Sicht…

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2 Kommentare zu “Aufmerksamkeit im Internet #metoo”

  1. [Trierer Medienblog] Aufmerksamkeit im Internet #metoo sagt:

    […] https://weblog.medienwissenschaft.de/archives/21191 […]

  2. Christof Barth sagt:

    Wie wichtig Zahlen von Opfern, Teilnehmern oder Mitgliedern sind, kann man an verschiedenen Beispielen zeigen: Anschläge werden nach Zahl der Opfer kategorisiert oder gerankt, Trump war die Zahl seiner Zuschauer bei der Amtseinführung sehr wichtig, etc.
    Deshalb gilt: Je mehr sich als Opfer bekennen, desto deutlicher wird der gesellschaftliche Handlungsbedarf.

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