Dr. Google: Fluch oder Segen?

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Haben Sie schon einmal Krankheitssymptome gegoogelt?
Wenn ja, sind Sie in bester Gesellschaft. Immer mehr Menschen suchen im Internet nach medizinischen Informationen. Laut der Studie:“E-Health Trends in Europe 2005-2007″ ist das Internet zu einer der wichtigsten Informationsquellen in Gesundheitsfragen geworden. Rund 65% der Menschen nutzten 2016 das World Wide Web, um medizinischen Rat einzuholen.

Grafik des Deutschen Ärzteblattes

Daher ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen sich bei Beschwerden im Internet über Symptome und Behandlungsmöglichkeiten informieren. Doch die überwältigende Anzahl an möglichen Treffern und scheinbaren Antworten überfordert die Meisten. So zum Beispiel findet man unter dem Suchbegriff „Kopfschmerzen“ fast zwei Millionen Treffer. Beinahe jede Krankheit findet eine Thematisierung im Internet. Oftmals diagnostizieren und verängstigen sich Laien gegenseitig in diversen, extra dafür angelegten Internetforen. Seltene Krankheiten landen in den Suchmaschinen dabei oft weiter oben als harmlose Wehwehchen.

In Folge dessen werden viele Patienten zu krankhaften Selbstdiagnosen verleitet. Der US-Forscher Brain Follon von der Colombia-University in New York spricht hier von einer modernen Form der Hypochondrie: der „Cyberchrondrie“. https://www.berliner-zeitung.de/wenn-das-internet-krank-macht–cyberchondrie-breitet-sich-aus-grusel-diagnose-aus-dem-netz-15495094 Vor allem Menschen mit geringen medizinischen Vorkenntnissen machen sich schnell unangemessene Sorgen. Diese Personen verlieren sich in der Informationsflut und können daher die gefundenen Informationen nicht richtig einordnen, was zu einer Fehldiagnose führt. Die Zeitung Die Welt sprach bereits in einem im Jahr 2008 veröffentlichten Artikel davon, dass das Netz uns zum „eingebildeten Kranken“ mache. Vor allem die Krankheitsgeschichten anderer Patienten lösen Ängste bei unbetroffenen Menschen aus, heißt es dort. Rund sieben Prozent der Deutschen sollen unter diesen beschriebenen Krankheitsängsten leiden. https://www.welt.de/wissenschaft/article1862428/Dr-Google-stuerzt-Hypochonder-in-Todesangst.html

Wer denkt Hypochonder seien Simulanten, der liegt falsch. Betroffene haben messbare Schmerzen. Die Angst vor einer Krankheit verschlimmert die Symptome. Es entsteht ein Teufelskreislauf mit schlimmen Folgen für den Alltag: Beruf, Familie und Freunde bleiben auf der Strecke, während sich das Leben nur noch um die eigene Gesundheit dreht. Aber nicht jeder ist ein Hypochonder, der aus Sorge über eine mögliche Krankheit im Netz nach Symptomen sucht.

Aber warum konsultieren so viele Menschen das Internet, anstatt zum Arzt zu gehen? Einer der Gründe könnte sein, dass Ärzte zu wenig Zeit mit ihren Patienten verbringen. Laut bundesdeutschem Durchschnitt nur sieben Minuten. Anscheinend zu wenig Zeit, um eine Vertrauensbasis aufzubauen. Jedoch ist bei der Suche im Internet Vorsicht geboten: Seriöse Seiten wie Net.Doktor und Vitanet.de weisen darauf hin, das Betroffene in mehreren Informationsquellen Rat suchen sollten. Wenn sich die Symptome verschlimmern sollte der Arzt aufgesucht werden. Denn dieser kann zur Not auch ohne das Vertrauen die richtige Diagnose stellen und darum geht es doch letztendlich.

 

Weitere Quellen: Cyberchondria: Studies of the Esacalation of Medial Concerns in Web Search und Hochschule der Medien Stuttgart

 

 

 

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Ein Kommentar zu “Dr. Google: Fluch oder Segen?”

  1. [Trierer Medienblog] Dr. Google: Fluch oder Segen? sagt:

    […] https://weblog.medienwissenschaft.de/archives/21185 […]

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