Genossen bleiben Genossen

Ende Mai wurden der venezolanische Sender RCTV von Staatspräsident Hugo Chavez geschlossen, wohl weil seine Berichterstattung zu kritisch war. Die „Reporter ohne Grenzen“ warnten vor einer Bedrohung der Pressefreiheit in dem Land. Diese Woche hat Oskar Lafontaine, Vorsitzender der Linken, diesen Schritt Chavez verteidigt! In der „Welt am Sonntag“ schrieb er, dass Hugo Chavez im Gegenzug viele Lizenzen für offene Kanäle vergeben hätte. Dies sei als positiv zu bewerten, im Gegensatz zur Pressekonzentration im Westen. Denn „wer behauptet…die deutsche Presse sei frei…hat den Blick für die Verhältnisse verloren“. Ist nun auch die Pressefreiheit in Deutschland bedroht? Vielleicht sollten wir ganz schnell die „Reporter ohne Grenzen“ informieren?

Quellen: SZ, 9.Juli und welt.de

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4 Gedanken zu „Genossen bleiben Genossen

  1. Chavez hat den Sender nicht geschlossen, er hat ihm die terrestrische Sendelizenz nicht verlängert. Der Sender selbst produziert munter weiter und sendet auch über Satellit weiter.

    Nichtsdestotrotz bleibt die Äußerung von Lafontaine natürlich insofern Blödsinn, als dass sie die autoritäre Politik Chavez versucht zu rechtfertigen. Aber was soll man von jemanden erwarten, der vor „Fremdarbeitern“ warnt und gleichzeitig denkt er würde tatsächlich „das System“ in Frage stellen und linke Politik betreiben.

  2. Und nicht nur aufgrund kritischer Berichterstattung, der Sender war in einen Putschversuch gegen Chavez verwickelt.

  3. naja, trotzdem daneben, die äußerung lafontaines – quasi nur ne art politischer haudrauf. man sollte trotz seiner politischen ecke und seiner sympathien nicht den blick für realitäten und verhältnisse verlieren…
    und wenn er meint, die deutsche presse sei nicht frei (natürlich ist nicht alles perfekt, aber in welchem land ist es das?), dan soll er doch mal nen blick in den osten zu seinem großen bruder tätigen…was sagt er denn dann dazu?

  4. Das Argument, dass es in anderen Ländern noch schlimmer ist, ist in meinen Augen kein wirkliches Argument. Denn damit lässt sich so ziemlich alles rechtfertigen.

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