Erdogan und die Medien

Das Verhältnis zwischen Recep Tayyip Erdogan und „den Medien“ ist nicht nur angespannt, sondern verkompliziert sich seit Beginn der Proteste Ende Mai auf vielen Ebenen.

Den ausländischen Medien wirft Erdogan vor, sich gegen seine Regierung zu verbünden, eine Verschwörung sei im Gange, offenbar mit dem Ziel den wirtschaftlichen Aufschwung in der Türkei zu stoppen. Das Bild, das CNN, BBC und Reuters von der Türkei zeichneten, sei ein verzerrtes, das nicht der Wahrheit entspreche. Mit der „wahren Türkei“ meint er in diesem Fall seine eigenen Anhänger, vor denen er medienwirksam am Sonntag auf einer Kundgebung eine Rede hielt.

Die Demonstranten im Gezi-Park wiederum klagen über die einseitige Berichterstattung der türkischen Medien, die zu wenig über die Polizeigewalt gegenüber Demonstranten berichteten. Zahlreiche (vor allem religiöse,) türkische Medien wiederum kritisieren die Protestbewegung.

Türkische Journalisten kritisieren die türkische Regierung, denn die Pressefreiheit scheint in dem Land nicht schrankenlos gegeben zu sein. „Reporter ohne Grenzen“ berichtet nicht nur über 70 inhaftierte Journalisten in der Türkei, auch Twitter-Nutzer seinen betroffen.

Das Bild, das Erdogan vermittelt, ist insgesamt ein gespaltenes. Er lehnt einseitige Berichterstattung aus dem Ausland über seine Regierung ab, fördert sie aber in den Medien im eigenen Land.

 

Quellen

Spiegel-Online (2013): Proteste in der Türkei: Erdogan macht Stimmung gegen ausländische Medien.http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-erdogan-macht-stimmung-gegen-auslaendische-medien-a-906041.html (18.06.2013)

Michael Sontheimer (2013): „Alle haben Angst“. Hamburg. Spiegel. (Juni 2013)

Stern (2013): Erdogan attackiert westliche Medien. http://www.stern.de/politik/ausland/unruhen-in-der-tuerkei-erdogan-attackiert-westliche-medien-2025778.html (18.06.2013)

Reporter ohne Grenzen (2013): 14 verletzte Journalisten seit Beginn der Taksim-Proteste. http://www.reporter-ohne-grenzen.de/presse/pressemitteilungen/meldung-im-detail/artikel/14-verletzte-journalisten-seit-beginn-der-taksim-proteste/ (16.06.2013)

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Ein Gedanke zu „Erdogan und die Medien

  1. Das Verhältnis zwischen Erdogan und den Medien ist wirklich äußerst angespannt. Wobei es gravierende Unterschiede diesbezüglich gibt. So wird in diversen türkischen Medien wenig über die Demonstrationen berichtet – Kritik an der Regierung wird lieber umgangen, zumindest von den meisten türkischen Medien. Andere, die etwas kritischer berichteten, wurden teilweise dafür bestraft. Und ausländische Medien wurden vom Ministerpräsidenten gar dafür verantwortlich gemacht, für die Ausschreitungen mitverantwortlich zu sein. Du sprichst auch die inhaftierten Journalisten an und ebenso die sozialen Netzwerke, die der Regierung nicht gefallen. Die uneingeschränkte Pressefreiheit ist in diesem Land absolut nicht gewährleistet – dieses Problem ist als solches sogar im türkischen Strafgesetzbuch so verankert.

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