Raab talkt sich ins Kanzlerduell

Stefan Raab kann alles, weiß alles und ist sich für nichts zu schade. Seit Ende letzten Jahres und dem Start seiner Polittalkshow „Absolute Mehrheit“, dessen zweite Ausgabe gestern auf Pro7 ausgestrahlt wurde, darf sich der Entertainer nun also auch „Politiktalkmaster“ in seinen Lebenslauf schreiben. Direkt unter „Wok-Rennfahrer“, „Synchronspringer“ und „Autoball-Pilot“.

 

Vergangene Woche sorgte Raab im Politikbetrieb dann erst recht für erhöhte Aufregung und daran war nicht einmal seine umstrittene Talkshow Schuld. Raab hat nämlich bereits das nächste große Ding im Visier: Die Moderation des Kanzlerkandidatenduells im Vorfeld der Bundestagswahl im kommenden September. Ins Gespräch gebracht hatte ihn dazu kein geringerer als Edmund Stoiber, seines Zeichens Beiratsmitglied von ProSiebenSat1 und selbst ehemaliger Kanzlerkandidat der CDU/CSU-Fraktion. Stoiber gab im Interview mit dem Spiegel (7/2013) zu Protokoll, dass sich ProSiebenSat1 überlege, Raab als Moderator ins Duell zu schicken, um ein jüngeres Zielpublikum ansprechen zu können und somit der Politikverdrossenheit der jungen Bundesbürger entgegenzuwirken. Raab selbst griff den Vorschlag prompt auf und ließ gewohnt selbstbewusst verlauten, dass er sich dieser Aufgabe gewachsen sehe und seine Teilnahme plane.

Das Medienecho auf diese Nachricht war enorm und fand auch in der Politik seinen ebenso erwartbaren wie umstrittenen Nachhall. Insbesondere SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück machte dabei einmal mehr keine glückliche Figur, indem er sich erst vehement gegen eine Beteiligung Raabs aussprach („Politik ist ein ernstes Geschäft und keine Unterhaltungssendung“ (Süddeutsche, 13.02.)); nur um nicht einmal 48 Stunden später eine verbale Rolle rückwärts hinzulegen mit dem Statement „Raab zu akzeptieren, wenn auch Angela Merkel einverstanden sei“. Ist sie, und lässt ihren Widersacher damit einmal mehr wie ein Fähnchen im Wind dastehen, ohne selbst einen Finger krumm gemacht zu haben.

 

Raab dagegen konnte kaum etwas Besseres passieren als die jetzige Aufregung und der Trubel um die Glaubwürdigkeit seiner politischen Ambitionen. Eine bessere Werbung für seine „Absolute Mehrheit“ hätte er sich kaum wünschen können.

Gestern Abend war dann Showtime, wenn man so will die Feuerprobe für den frischgekürten Talk-Prinzen. Und siehe da, auch ein Stefan Raab ist steigerungsfähig angesichts der zum Teil herben Kritik an seiner Premierensendung im vergangenen November. Der Entertainer wirkte ausgeruht und spritzig, hakte an den richtigen Stellen nach und hatte sich diesmal sogar erstaunlich gut auf seine Gäste – eine Damenrunde bestehend aus Nachwuchskräften von CSU, Linkspartei, FDP und Grünen plus Musiker Oli Schulz als „interessierter Wutbürger“- vorbereitet („Ich hab mal ein bisschen über sie alle rumgegoogelt.“). Seine Gäste dankten es ihm mit einer munteren und offensiv geführten Diskussion, die dem zeitgleich in der ARD laufenden „Günther Jauch“ spielend die Stirn bot. Feuerprobe bestanden, das Kanzlerduell kann kommen.

 

 

 

Quellen:

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Der Spiegel (07/2013): „Raab ins Kanzlerduell“ (S. 32f)

Der Spiegel (08/2013): „Wadde hadde dudde da?“ (S.23)

Sueddeutsche.de (13.02.2013) „Steinbrück lehnt Raab als Ko-Moderator ab“ <http://www.sueddeutsche.de/medien/tv-duell-steinbrueck-lehnt-raab-als-ko-moderator-ab-1.1599103> (Abruf: 18.02.2013)

Sueddeutsche.de (15.02.2013) „Steinbrück will Raab doch als Ko-Moderator“

<http://www.sueddeutsche.de/medien/tv-duell-vor-bundestagswahl-steinbrueck-will-raab-doch-als-ko-moderator-1.1600929>

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