Unterschichtenfernsehen: Wieso schauen wir es?

Alle Jahre wieder schafft es RTL mit dem Dschungelcamp etliche Millionen Deutsche vor den Fernseher zu versammeln. Sie ergötzen sich an den Spannungen in der Gruppe, die Gespräche über Gott und die Welt und natürlich über die Prüfungen, die ohne Ekel in der Regel nicht auskommen können.

Im Prinzip handelt sich bei „Ich bin ein Star holt mich hier raus!“ nur um ein weiteres Format der umgangsprachlich genannten Kategorie „Unterschichtenfernsehen“, nur aufwendiger, professioneller, größer und mit mehr oder weniger bekannterer Besetzung und reiht sich perfekt in das restliche Programm von RTL ein, das diese Art der Unterhaltung schon fast inflationär ausstrahlt. So sollte man zumindest denken, aber in der Realität sieht es ganz anders aus. Deutschland liebt seine Promis im Dschungel. RTL lacht sich ins Fäustchen, denn satte 4,32 Mio. der 14- 19-Jährigen schauten sich die Show am 15.1.2013 an, was einen Marktanteil von 46,7 % entspricht.

Aber was ist es, was die Deutschen an Shows wie besonders „IBES“ so toll finden? Wieso erstreckt sich dieser Virus des „Unterschichtenfernsehen“ durch fast die vollständige Deutsche Fernsehlandschaft und nimmt dabei den Platz für eventuell interessantere Formate weg? Und wann werden wir davon endlich überdrüssig?

Ab und zu denke ich mir, was ein Tourist, der in Deutschland Urlaub macht, wohl über uns denkt, wenn er ein wenig Fernsehen schaut. Das bereitet mir fast ein wenig Sorge.

Gerne würde ich wieder einen vernünftigen Grund haben, um auf meiner Fernbedienung die Tasten für die privaten Sender zu drücken, um dort „gute“ & selbstproduzierte Serien zu sehen, aber davon sind wir gerade weit entfernt. Stattdessen gibt es etliche schnell und günstig produzierte Formate. Schade.

 

Quellen:

Meedia.de (2013): „Ich bin ein Star“ ist auf Rekordkurs URL: http://meedia.de/fernsehen/ich-bin-ein-star-auf-rekordkurs/2013/01/16.html (abgerufen: 20.01.2013)

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5 Gedanken zu „Unterschichtenfernsehen: Wieso schauen wir es?

  1. Deine Sorge, dass das Bild von Deutschland durch solche Tv-Shows beschädigt werden könnte, ist meiner Meinung nach unnötig, sieht das Fernsehprogramm in anderen Ländern nicht besser aus. Big Brother, ein ähnliches Format, wird in über 70 Ländern ausgestrahlt und auch das deutsche Dschungelcamp ist nur eine der vielen Nachahmungen der Briten. Vor allem gemessen an den USA, wo man beispielweise ‚Prominente‘ in einer Drogenklinik oder pubertäre 16 – jährige bei den Geburtsvorbereitungen beobachten kann, erscheint mir die deutsche Ausgabe des Dschungelcamps doch sehr harmlos und wahrscheinlich für kaum einen ungewöhnlich.

  2. Deine kritische Betrachtung des Formats „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ ist berechtigt, jedoch würde ich es nicht vorschnell als „Unterschichtenfernsehen“ bezeichnen. Die Sendung, die nun schon seit vielen Jahren sowohl großes Interesse als auch einen Sturm der Entrüstung mit sich bringt, wird von einer Vielzahl von Menschen gesehen und sollte nicht auf die Unterschicht beschränkt werden. Vor wenigen Tagen nämlich sah ich noch einen Beitrag im RTL-Nachtjournal, und dort „outeten“ sich Professoren, die täglich um 22:15 einschalten, um dann am nächsten Tag das Verhalten der Campbewohner zu analysieren. Und diese Lehrenden und Studenten versuchen damit zu erklären, warum die Sendung ein so großer Erfolg ist. Auch wenn es am Ende immer keiner gesehen haben will, sprechen die Einschaltquoten und auch die Berichterstattung für sich. So präsentiert beispielsweise der renommierte Spiegel in seiner Online-Ausgabe täglich, ähnlich in Form eines Tagebuchs, das Neueste aus dem australischen Dschungel.
    Natürlich wird auch ordentlich über das Format hergezogen und deine Meinung ist absolut vertretbar – doch sollten wir denen, die es gerne schauen, auch den Spaß daran lassen.
    Um die Touristen, die du ansprichst, mache ich mir allerdings keine Sorgen – denn die sind solche Bilder sicherlich von zu Hause gewöhnt!

    Spiegel Online (2013): „Thema Dschungelcamp“, http://www.spiegel.de/thema/dschungelcamp/(abgerufen: 22.01.2013)
    Böhl, Franziska (2013): „Die HdM auf RTL“, 17.01.2013, http://www.hdm-stuttgart.de/view_news?ident=news20130117104605 (abgerufen: 22.01.2013)

  3. Ich stimmte s2kihens vollkommen zu. Die meisten unserer Sendungen sind einfach nur ein Abklatsch von Amerikanischen oder Britischen Sendungen. Daher halte ich deine Bedenken ebenso fuer unbegruendet. Allerdings ist es wirklich faszinierend zu sehen wie erfolgreich diese Formate sind. Meiner Meinung nach besteht der Reiz fuer viele denke ich in dem Fremdschaemfaktor. Wenn man sich diese Sendungen anschaut, denken sich viele oh mein Gott, dass kann doch nicht deren ernst sein. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage warum, wenn das Format so beliebt ist, sich nahezu keiner oeffentlich dazu bekennen wuerde so etwas anzuschauen. Was mir wirklich sorgen macht, ist dagegen der Gedanke daran, dass auch viele Kinder solche Dinge anschauen und auch die „Kindersendungen“ immer schrecklicher werden.

  4. Deine Frage warum wir „Unterschichtfernsehn“ schauen, ist grade im Bezug auf das Dschungelcamp leicht zu beantworten. Die Quote zeigt es: Es ist das Thema Nummer 1 für einer Vielzahl von Menschen. Über die Ereignisse wird diskutiert, wer mitreden will muss mitschauen. So in etwa. Das gilt auch für ähnliche, von vielen als niveaulos betrachtete und häufig auf RTL gezeigte Formate. Es ist einfach unterhaltsam. Für mich ist das Fernsehn immer noch hauptsächlich als Unterhaltungsmedium zu sehen und da heißt es dann: erlaubt ist,was Spaß macht.

  5. Die Attitüde des Zuschauers solcher Formate ist einfach falsch. Bauer sucht Frau, Frauentausch, Beauty and the Geek etc. – bauen alles auf Fremdscham und Bloßstellung auf. Das kann doch nicht der richtige Weg sein.

    „Unterhaltung“ geht sicherlich auch anders – ohne Herabsehen auf die Akteure in solchen Formaten und mit ein bisschen mehr Niveau.

    Leider, und das wollte ich mit dem Post kritisieren, ist der deutsche Fernsehgucker gerade in so in den Trash verliebt, dass natürlich immer mehr davon produziert wird und somit der Platz, sowie auch die Zielgruppe für etwaige bessere Alternativen fehlt bzw. so marginal ist, dass es sich nicht rechnen würde.

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